Gottesdienst – Matthäus 25, 1-13
Zur PDFEwigkeitssonntag, 22.11.2009 Matthäus 25, 1-13
Gnade sei mit euch und Friede, von Gott, dem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Amen. Wir wollen in der Stille um den Segen Gottes für diese Predigt bitten: … Herr, wir bitten dich, erhöre uns. Amen.
Aus dem 25. Kapitel des
Matthäusevangeliums hören wir als Schriftwort für die
Predigt am Ewigkeitssonntag die V. 1-13:
Dann wird das Himmelreich gleichen zehn Jungfrauen, die ihre Lampen nahmen und gingen hinaus, dem Bräutigam entgegen.
Aber fünf von ihnen waren töricht und fünf waren klug. Die törichten nahmen ihre Lampen, aber sie nahmen kein Öl mit. Die klugen aber nahmen Öl mit in ihren Gefäßen, samt ihren Lampen.
Als nun der Bräutigam lange ausblieb, wurden sie alle schläfrig und schliefen ein. Um Mitternacht aber erhob sich lautes Rufen: Siehe, der Bräutigam kommt! Geht hinaus, ihm entgegen!
Da standen diese Jungfrauen alle auf und machten ihre Lampen fertig.
Die törichten aber sprachen zu den klugen: Gebt uns von eurem Öl, denn unsre Lampen verlöschen.
Da antworteten die klugen und sprachen: Nein, sonst würde es für uns und euch nicht genug sein. Geht aber zum Kaufmann und kauft für euch selbst.
Und als sie hingingen zu kaufen, kam der Bräutigam und die bereit waren, gingen mit ihm, hinein zur Hochzeit und die Tür wurde verschlossen.
Später kamen auch die anderen Jungfrauen und sprachen: Herr, Herr, tu uns auf! Er antwortete aber und sprach: Wahrlich, ich sage euch: Ich kenne euch nicht. Darum wachet, denn ihr wisst weder Tag noch Stunde, in der der Menschensohn kommen wird.
Die Bibel vergleicht das Ende der Zeit immer wieder mit einem
Hochzeitsfest. Menschen die Gott wirklich lieben warten auf den
wiederkommenden Christus wie eine Braut auf den Bräutigam. Die
Braut, die sich schmückt und die voll froher Erwartung ist, das
ist die Gemeinde. Nicht die Gemeinde, die nur auf dem Papier besteht,
sondern die Gemeinde derer, die wirklich von Herzen glauben. Freude auf
ein wunderbares Fest und Freude auf das Zusammensein mit dem, den man
am meisten liebt. Da sind die Bilder und Erwartungen, die für
Christen mit dem Ende des Lebens und mit dem Ende dieser Welt verbunden
sind.
Für Menschen, die dem Wort Gottes trauen, geht es also nie auf ein
Ende zu, sondern auf einen Neuanfang. Hochzeit ist ja ein Neuanfang.
Und für viele heute noch das schönste und größte
Fest im Leben einer Frau oder eines Mannes. Da erfüllt sich etwas
Wunderbares: Da erfüllt sich der Wunsch: Du sollst mein sein und
ich will ganz dein sein. Wir sind verbunden nicht durch ein Schicksal
oder durch den Zufall oder durch Zwang, sondern durch die Liebe.
Für Christen, die ihren Glauben ernst nehmen wird das der
größte und schönste Augenblick sein, wenn sie ihrem
Herrn oder wie die Bibel es bildlich sagt, dem Bräutigam begegnen.
Und dabei geht es ja nicht nur um einen schönen Augenblick, oder
einen besonderen Tag, sondern um eine nie mehr endende gemeinsame
Zukunft, die da beginnt. Man feiert ja auch nicht Hochzeit um dann am
nächsten Tag wieder getrennt seine Wege zu gehen, sondern um
beieinander zu bleiben für immer. Menschlich ist dieses
„Immer“ beschränkt auf die Lebenszeit. Im Reich Gottes
ist das „Immer“ die Ewigkeit.
So wie man sich auf eine Hochzeit intensiv vorbereitet, muss man sich
auch auf die Ewigkeit intensiv vorbereiten. Für Hochzeitsplanungen
gibt es Bücher, Zeitschriften, Ratschläge mit Zeitplan im
Internet. Ich staune manchmal, woran junge Paare da oft schon mehr als
ein Jahr im Voraus denken. Von Tischkarten über den Fototermin,
das Menü und das Mitternachtsbuffet, die Gästeliste und das
Giveaway. Dass ja nichts vergessen wird. Es wär ja peinlich, dann
vor der Kirche zu stehen und die Ringe vergessen zu haben. – Das
soll es zwar auch schon gegeben haben, aber wer wünscht sich das
schon.
Das schlimmste, was passieren kann, ist, dass man etwas so
entscheidendes vergessen hat, dass die Hochzeit gar nicht stattfinden
kann oder dass man nicht mit dabei ist. Manchmal kommen bei uns
hochzeitlich gekleidete Gäste klingeln und fragen ob da jetzt
nicht eine Hochzeit stattfindet und ich weiß von nichts. Meistens
sind sie dann irrtümlich bei uns gelandet und die Hochzeit findet
droben in der katholischen Heilig Kreuz Kirche statt.
Auch hier sind einige geladene Gäste im entscheidenden Moment
nicht dabei, weil sie nicht entsprechend vorbereitet waren. Wenn wir
dieses Gleichnis hören, merken wir, im alten Orient liefen
Hochzeiten ganz anders ab. Manches scheint uns fremd. Der
Bräutigam wird schon weit vor dem Ort, in dem die Braut wartet,
empfangen. Er kommt nicht mit der Luxuslimousine oder dem Flieger,
sondern zu Fuß. Ohne Telefonische Vorankündigung und
Digitaluhr weiß man auch nicht so genau wann er eintreffen wird.
Also muss man vorbereitet sein und warten. Man muss Geduld haben und
gerüstet sein.
Es gibt ja manche Situationen im Leben, deren Zeitpunkt man auch heute
noch nicht so ganz genau vorherbestimmen kann. Wann das Kind kommt zum
Beispiel oder wann der Tod kommt. Bei der Geburt errechnet zwar der
Arzt den Termin, aber das Kind hält sich oft nicht daran. Manche
Kinder kommen zwei Monate früher, andere Wochen später. Die
Mutter, die Eltern müssen bereit sein für das freudige
Ereignis.
Auch am Ende des Lebens wird der Arzt oft sagen: Es kann nicht mehr
lange dauern, bis ihr Angehöriger den letzten Atemzug tut und doch
weiß er nicht genau Zeit und Stunde, wann ein Leben endet.
Manchmal geschieht es ja auch völlig unerwartet und ohne vorherige
Anzeichen. Das meint Jesus:
Darum wacht, denn ihr wisst weder Tag noch Stunde…
Es gilt, bereit zu sein, vorbereitet für den Fall… Geboren
werden und sterben kann man weder üben noch wiederholen.
Die Feuerwehr muss vorbereitet sein, wenn der Alarm kommt, weil’s
irgendwo brennt. Sie kann nicht erst zum Tanken fahren oder die
Winterreifen montieren.
Der Notarzt muss vorbereitet sein, wenn er gerufen wird. Er muss die
wichtigsten Medikamente und Instrumente bereit haben. Er kann nicht
erst zur Apotheke fahren.
Die Bergwacht muss das Rettungsseil griffbereit haben und kann nicht erst anfangen Knoten zu üben.
Auch keiner dieser Rettungsdienste weiß vorher, wann er gebraucht
wird und wann der Einsatz kommt. Die Retter wissen nur, dass er sicher
kommen wird. Heute oder Morgen oder in einigen Tagen. Und es sollte
keine Stunde geben, in der sie nicht bereit sind, auszurücken.
Solche Bereitschaft ist auch für zwei andere besondere Ereignisse
von Nöten, will uns Jesus mit seinem Gleichnis sagen: Bei seinem
Wiederkommen am Ende der Zeit, am dem Beginn seines Reiches und/oder
mit dem Tag oder der Stunde, wenn wir aus dieser Welt in die andere
Welt, die unsichtbare hinübergerufen werden. Von beidem wissen wir
auch mit absoluter Sicherheit, dass es kommen wird. Zumindest wer auf
die Worte der Bibel hört oder das Glaubensbekenntnis kennt,
spricht zusammen mit der Gemeinde davon, dass Jesus wiederkommen wird
„zu richten die Lebenden und die Toten“.
Und auch wer die Bibel nicht kennt und das Glaubensbekenntnis nur
für ein frommes Sprüchlein hält, weiß, dass er
nicht immer hier bleiben wird, sondern dass auch seine Zeit begrenzt
ist. Die Frist für die noch zu treffenden Vorbereitungen wird
kürzer, mit jedem Tag. Wenn man schon im fortgeschrittenen Alter
ist oder sich eine ernste Krankheit bemerkbar macht und die Kräfte
nachlassen, ist es vielleicht schon zu spät, erst mit den
Vorbereitungen zu beginnen. Eine Patientenverfügung kann man nicht
erst dann ausfüllen und unterschreiben, wenn man auf der
Intensivstation im Koma liegt.
Nun hat der Herr Jesus hier zwei Begriffe für die möglichen Verhaltensweisen: Töricht und klug.
Töricht ist jedes Verhalten, jede Lebensweise, die sich auf das
Jetzt beschränkt. Es ist töricht nicht an die Zukunft zu
denken. das was kommt, was ganz sicher kommt, nicht zu bedenken. Es war
töricht keinen Ölvorrat mit zu nehmen.
Im Schwimmbad hab ich in der Dusche mal einen Mann gesehen, der einen
Haken für sein Handtuch suchte. Aber da war keiner. Er blickte
nach oben und fand als einzige Möglichkeit das Rohr, das zum
Duschkopf führte. Er warf sein Handtuch drüber und
drückte dann den Duschknopf. Sofort kam Wasser. Richtig schön
kräftig und breit gestreut. Der Mann merkte, dass sein Handtuch
jetzt nass wird und wollte es schnell wieder runterholen. Aber immer
wenn er nach oben sah und den Arm ausstreckte bekam er den vollen
Wasserstrahl ins Gesicht und in die Augen und zuckte zurück. Das
war auch töricht, denn es war ja absehbar, dass aus der Brause
Wasser kommt eigentlich auch klar, dass das Handtuch nass werden
würde.
Ich muss zugeben, ich hab mich damals köstlich amüsiert
über den törichten Mann. Aber wie oft bin ich auch
töricht! Wenn ich nicht überlege, ob sich der Einsatz oder
die Zeit oder der Streit lohnt. Es ist doch vieles absehbar. Dass
unsere Kräfte nachlassen, dass die Zeit vergeht, dass ich am
nächsten Morgen müde bin, wenn ich zu spät ins Bett
gehe. Dass der Tag der Prüfung kommt, auf die ich lernen muss. Es
ist zu erwarten, dass ich die Bilder nicht mehr los kriege, wenn ich
die falschen Programme im Fernsehen oder Seiten im Internet wähle.
Es ist absehbar, dass ich mit meiner Zeit und Kraft nicht zurecht
komme, wenn ich ohne Gebet in den Tag gehe.
Es ist töricht, Gottes Welt, seine Zukunft, seine Gerechtigkeit nicht mit in die Zukunftsplanung einzubeziehen.
Klug ist es dagegen, vorausschauend zu leben und zu planen. Als
Schüler oder Student nicht seine Zeit zu verbummeln, sondern
zielstrebig zu arbeiten, ist klug, denn mit einem guten Abschluss sind
die Aussichten auf einen Job einfach besser. Auf eine lange Wanderung
in unbewohntem Gebiet genug Flüssigkeit, einen Kompass eine gute
Karte mitzunehmen, ist klug. Eine Patientenverfügung
auszufüllen, solange man sie eigentlich noch nicht braucht, ist
klug.
Und daran zu denken, dass unsere Lebenszeit einmal abläuft ist
auch klug. Im Psalm 90 betet einer sogar darum, dass ihm solche
Klugheit geschenkt wird: Herr lehre uns bedenken, dass wir sterben
müssen, damit wir klug werden. (Ps 90, 12)
Man muss nicht morbide oder lebensmüde sein, wenn man an die
Begrenztheit des eigenen Lebens denkt und vielleicht auch in der
Familie darüber spricht, sondern es ist klug. Es ist klug, nicht
nur bis zur eigenen Bestattung, zu denken, was manche sogar tun,
sondern auch an das zu denken, was danach kommt.
Nichts mehr! Sagen heute viele. Es darf nichts mehr kommen, hat neulich
jemand gesagt. Dabei war die Befürchtung im Hintergrund: Sonst
hätte ich ja falsch gelebt und falsch geglaubt. In einem unserer
Beerdigungslieder von A. Gryphius heißt es: Wir rechnen Jahr auf
Jahre, indessen wird die Bahre uns vor die Tür gebracht. Drauf
müssen wir von hinnen und eh wir uns besinnen, der Erde sagen gute
Nacht.
Wir rechnen Jahr auf Jahre. Die Lebenserwartung der Menschen in unserem
Land ist in den letzten Jahrzehnten stetig gestiegen. Sie liegt jetzt
für Frauen bei 83 und für Männer bei 78 Jahren. Im
Durchschnitt! Einige werden wesentlich älter, andere müssen
schon deutlich früher sterben. Aber was ist denn das für eine
Art Lebenserwartung? Würde da nicht eigentlich der Begriff
Todeserwartung viel besser passen? Nach diesen Jahren holt dich der
– Tod!?
Für Christen ist der Begriff Lebenserwartung ganz anders
gefüllt: Egal wie alt jemand ist, der an den auferstandenen Herrn
Jesus glaubt: Egal wann das Leben eines glaubenden Christen zu Ende
geht, er hat immer eine wirkliche Lebenserwartung. Die Erwartung des
Ewigen Lebens. Auch davon sprechen wir in unserem Glaubensbekenntnis:
Wir glauben an die Gemeinschaft der Heiligen, das heißt daran
dass die selig Verstorbenen in himmlischer Gemeinschaft weiterleben.
– Wir glauben an die Vergebung der Sünden, Auferstehung der
Toten und an das Ewige Leben.
Solche Lebenserwartung lässt einen mit dem Tod, dem eigenen und
dem lieber Angehöriger ganz anders umgehen. Und die Erwartung des
Ewigen Lebens in der Herrlichkeit Gottes lässt auch mit unserer
Lebenszeit hier anders umgehen. Nicht töricht und kurzsichtig,
sondern klug und zukunftsorientiert. Wer das ernst nimmt, was uns die
Bibel vom Himmel sagt, der wird, wenn nötig, alles andere diesem
Ziel unterordnen und einmal unbedingt bei der „Hochzeit“,
um mit dem Wort des Gleichnisses zu sprechen, dabei sein wollen. Der
wird nicht zu den „Zu spät Kommenden“ gehören
wollen, die draußen stehen und die der Herr nicht kennt.
Wer an Jesus Christus glaubt, hat immer gute Lebenserwartung, auch wenn
er stirbt oder wenn er einen lieben Menschen verliert. Jesus ist die
Auferstehung und das Leben! Wer an ihn glaubt, der wird leben, auch
wenn er stirbt. Glaubende wissen sich auch in den schwersten Stunden
nicht allein, sondern von guten Mächten wunderbar geborgen und
erwarten getrost, was kommen mag, denn Gott ist mit ihnen. Amen.
Verfasser: Martin Schöppel, Pfarrer, Dr.-Martin-Luther-Str.18, 95445 Bayreuth, Tel. 0921/41168