Gottesdienst – Matth 8, 5-13

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3.Sonntag nach Epiphanias, 25.01.2009 Matth 8, 5-13

Gnade sei mit euch und Friede, von Gott dem Vater und unserem Herrn Jesus Christus.
Wir beten in der Stille um den Segen Gottes für diese Predigt: … Herr, wir bitten dich, gib deinen Heiligen Geist zum Reden und zum Hören. Amen.

Als aber Jesus nach Kapernaum hineinkam, trat ein Hauptmann zu ihm, der bat ihn und sprach: Herr, mein Knecht liegt zu Hause und ist gelähmt und leidet große Qualen.
Jesus sprach zu ihm: Ich will kommen und ihn gesund machen.
Der Hauptmann antwortete und sprach: Herr, ich bin nicht wert, dass du unter mein Dach gehst, sondern sprich nur ein Wort, so wird mein Knecht gesund. Denn auch ich bin ein Mensch, der Obrigkeit untertan und habe Soldaten unter mir und wenn ich zu einem sage, geh hin! so geht er; und zu meinem Knecht: Tu das! so tut er’s.
Als das Jesus hörte, wunderte er sich und sprach zu denen, die ihm nachfolgten: Wahrlich, ich sage euch, solchen Glauben habe ich in Israel bei keinem gefunden.
Aber ich sage euch: Viele werden kommen von Osten und von Westen und mit Abraham und Isaak und Jakob im Himmel zu Tisch sitzen, aber die Kinder des Reichs werden hinausgestoßen in die Finsternis; da wird sein Heulen und Zähneklappen.
Und Jesus sprach zu dem Hauptmann: Gehe hin, dir geschehe, wie du geglaubt hast. Und sein Knecht wurde gesund zu derselben Stunde.

Eine wunderbare Heilungsgeschichte. Ein gelähmter, der wieder gesund wird. Durch irgendeine Infektion oder schwere Erkrankung kann der Mann sich nicht mehr rühren. Nicht mehr arbeiten, nicht mehr laufen, sich nicht mehr versorgen. Er ist auf Hilfe angewiesen. Dazu die Schmerzen und die Angst, wie es weitergehen wird. Es ist eine Qual. Man kann es kaum mit ansehen. Auch bei uns gibt es immer wieder solche erschütternden Schicksale. Junge Menschen, oder Frauen und Männer in der Mitte des Lebens, die durch so eine Krankheit ihre Selbständigkeit verlieren, den Beruf aufgeben müssen, sn den Rollstuhl gefesselt sind und schließlich ans Bett. Viel zu wenig denken wir an sie und viel zu wenig danken wir dafür, wenn wir gesund sind. „Dass unsere Sinnen wir noch brauchen können und Händ und Füße, Zung und Lippen regen, das haben wir zu danken seinem Segen.

Das das nicht selbstverständlich ist, merkt man meist erst, wenn man durch Krankheit eingeschränkt ist oder wenn man einen solchen Kranken in seiner nächsten Nähe erlebt. Oft kann medizinisch nicht geheilt, allenfalls gelindert werden. Umso größer erscheint es, wenn doch Heilung geschieht. Heilungsgeschichten gibt es immer wieder, manchmal auch medizinisch nicht erklärbare. Solche Wunder faszinieren und ziehen Menschen an. Die einen staunen und danken Gott dafür und die anderen zweifeln und vermuten, dass es da irgendwie nicht mit rechten Dingen zuging. Und beide kommen nie zusammen: Die, die an Wunder glauben, vielleicht sogar selber welche erlebt haben und die Zweifler. Wer glaubt, weiß, Gott tut auch heute noch Wunder.

Aber hier in diesem Wunderbericht scheint die Heilung nur die Nebensache. Um den Kranken und seine Heilung geht es nur im ersten und im letzten Satz. Man erfährt gar nichts weiter von ihm. Dazwischen steht etwas ganz anderes im Mittelpunkt: Der Glaube. Sogar der Glaube eines Heiden.

Von dem Kranken erfahren wir nur, dass er ein Knecht ist, dass er sich nicht rühren kann und dass er große Qualen leidet. Etwas mehr wird schon von seinem Herrn berichtet: Er ist ein Hauptmann. Chef einer kleinen Kaserne in dem Fischerstädtchen Kapernaum am Nordufer des Sees Genezareth. Der Evangelist Lukas weiß noch mehr von ihm: Er war bei den Bürgern von Kapernaum sehr beliebt. Obwohl er ein Römer, also ein Heide war, hatte er die Synagoge in Kapernaum bauen lassen und stand deshalb bei den Juden dort in sehr hohem Ansehen. „Er ist es wert!“ flüstern die Menschen Jesus zu, als er um Hilfe gebeten wird.

Offensichtlich hatte der Hauptmann trotz seines Berufs die Menschlichkeit nicht verloren. Die Galiläer in dem besetzten Landesteil waren für ihn nicht nur Feinde, vor denen man sich in Acht nehmen musste, sondern Menschen. Menschen, auf die er sich einlassen wollte und deren Glauben er nicht lächerlich machte, sondern auf den sich der Hauptmann einließ. Ein Suchender.

Noch in anderer Hinsicht ist dieser Hauptmann eine bemerkenswerte Persönlichkeit: Er kümmert sich um seine Leute. Ein Knecht war damals nicht besonders wichtig. Man konnte leicht einen neuen finden. Arbeitssuchende gab es genug. Lohnfortzahlung, Kündigungsschutz im Krankheitsfall und solche guten Errungenschaften unserer Zeit gab es nicht. Der Herr musste auf die Arbeitsleistung des Knechts verzichten und sogar noch jemanden zu seiner Pflege abstellen und für alle Kosten aufkommen. Und er tat es. Solche Menschlichkeit vermissen wir heute manchmal in unserer Arbeitswelt.

Außerdem setzt der Hauptmann sich noch persönlich für den Mann ein. Man kann annehmen, dass ärztliche Bemühungen schon erfolglos geblieben waren, denn sonst wäre der Hauptmann wohl nicht auf die Idee gekommen sich an Jesus zu wenden. Aber die Ärzte mussten ihre Grenzen eingestehen. Nichts zu machen. Aus medizinischer Sicht aussichtslos. Wir stoßen immer wieder an solche Grenzen. Kein Ausweg! Alles versucht, nichts hilft. Unsere Jahreslosung macht uns Mut uns damit nicht abzufinden: Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich.

Man hatte dem Hauptmann offensichtlich von Heilungen durch Jesus berichtet. Vielleicht hatte er auch von der Bergpredigt gehört, die vermutlich ganz in der Nähe kurz vorher stattgefunden hatte. Und er sah eine letzte Möglichkeit für seinen Knecht, eine letzte Hoffnung.

Jedenfalls wendet er sich an Jesus und bittet ihn. Er schiebt die Sache auch nicht auf. Gleich als Jesus in die Stadt kommt, tritt der Hauptmann an ihn heran mit seiner Bitte. – Nicht für sich selbst bittet er, sondern für einen anderen! Fürbitte. Er hätte sicher auch befehlen können. Du kommst mit! Aber nein, er bittet und das in einer erstaunlichen Haltung. Er hält sich für unwürdig. Ich bin nicht wert, dass du unter mein Dach gehst. Ein Offizier der Besatzungsmacht sagt zu einem mittellosen Wanderprediger des besetzten Landes. Ich bin nicht wert, dass du unter mein Dach gehst. Und die Leute, die herumstehen, die Jünger, die Bürger von Kapernaum hören es mit Erstaunen. Er der Heide erkennt, wen er da vor sich hat.

Dieser heidnische Hauptmann erkennt in Jesus einen, der auch Macht hat, noch größere Macht als er selbst. Der über seine Leute zu befehlen hat und nicht nur über die, sondern auch über böse Mächte und feindliche Mächte, über Krankheitsmächte. Der mächtige Hauptmann erniedrigt sich vor Jesus, erkennt seine Macht an und traut ihm zu, dass er helfen und heilen kann, obwohl er, der ihn bittet keinen Anspruch auf Hilfe hat. Davon können wir für unsere Haltung Jesus gegenüber, für unser Gebet und unseren Gauben eine Menge lernen.

„Sprich nur ein Wort, so wird mein Knecht gesund!“ Der hat begriffen, welche Macht von dem Wort Jesu ausgeht! Sein Wort ist Leben! Himmel und Erde werden vergehen, aber seine Worte werden nicht vergehen. Wenn er spricht, geschieht’s und wenn er gebietet, so steht’s da. Wind und Wellen hat er geboten und sie haben ihm gehorcht. Bösen Geistern hat er geboten und sie mussten ihm gehorchen und ausfahren. „Dir sind deine Sünden vergeben!“ Hat er vielen gesagt und sie gingen befreit und fröhlich davon. „Mädchen, steh auf“, hat er zur gerade verstorbenen Tochter des Jairus gesagt und sie hat ihre Augen aufgeschlagen und ist wieder ins Leben zurückgekehrt. „Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein!“ hat er den Verbrecher neben sich am Kreuz getröstet, der auch seine Macht anerkannt und ihn um Hilfe gebeten hatte.

So sollen wir es auch machen, mit unseren Anliegen, Nöten und Fürbitten. In der Haltung des Hauptmanns an Jesus herantreten und ihm zutrauen, dass er auch Unmögliches kann. Nicht frech fordern, sondern demütig bitten: Herr ich bin nicht wert, dass Du mein Gebet hörst. Ich hab gar nicht verdient, dass Du mir hilfst. Oft höre ich es anders herum: Menschen fragen und klagen: Womit hab ich das verdient, dass es mir so schlecht geht, dass ich diese Krankheit habe, dass mir dieses Unglück widerfährt. Und sie klagen ja damit, dass Gott ungerecht ist. Sie halten sich für so gut, dass Gott es ihnen doch mit Gesundheit und Glück lohnen müsste.

Man möchte Gott beeindrucken mit seinen guten Werken, wie der Pharisäer im Tempel, der betet: „Mein Gott, ich danke dir, dass ich nicht so bin wie die anderen Leute, Räuber, Betrüger, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner. Ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von allem, was ich einnehme“. Aber Jesus beeindruckt dieses Gebet gar nicht und er urteilt, dass dieser fromme gute Mann vor Gott nicht gerechtfertigt ist. Jesus ist nie beeindruckt, wenn wir uns als brav und recht präsentieren.

Aber Jesus ist beeindruckt vom Glauben dieses Heiden. Er wundert sich über den Hauptmann und stellt fest: „Solchen Glauben habe ich in Israel bei keinem gefunden.“ Dabei waren die Menschen in Israel doch Volk Gottes. Sie waren stolz auf ihre Abstammung und ihre Vergangenheit und auf ihre Erwählung. Aber von einem Heiden werden sie im Glauben weit in den Schatten gestellt.

Manchmal kann man auch nur staunen mit welcher Glaubensgewissheit Aberglaube praktiziert wird. Der Glaube an ein Horoskop, an Sternzeichen und Glücksbringer, an irgendwelche zweifelhaften Pillen und Wundermittel, Wässerchen und Salben, auch wenn erwiesen ist, dass sie keine Wirkstoffe enthalten. Mit unerschütterlichem Glauben hängen sich Menschen mit ihrem Geld und mit Ihrer ganzen Hoffnung dran, weil sie den nicht kennen der alle Macht hat im Himmel und auf der Erde.

Wenn wir doch mit solcher Sicherheit an den Allmächtigen Gott und an seinen Sohn Jesus Christus glauben würden, dann würden auch in unserem Leben noch viel mehr Wunder geschehen. Was ist denn Glaube eigentlich? Glaube ist Anerkennung der wahren Machtverhältnisse dieser Welt. Wer glaubt, lässt sich ein auf Jesus und traut ihm zu, dass er helfen kann.

Als der Hauptmann sich an Jesus in dieser Einstellung wendet, antwortet Jesus ihm sofort: Ich will kommen und ihn heilen.

Jesus will immer kommen und heilen, wo er im Vertrauen und in Demut gebeten wird. Das muss nicht unbedingt heißen, dass jeder Kranke physisch gesund wird, sondern heilen ist bei Jesus ein sehr viel umfassenderer Begriff.

Zu einem Gottesmann, unter dessen Gebeten auch viele Heilungen geschehen sind, kam einmal jemand, der auch geheilt werden wollte. Auf die Frage, ob er denn auch glauben wolle und Buße tun und umkehren, verneinte er. Da sagte der Gottesmann zu ihm: Dann kannst du auch nicht geheilt werden. Zum Sündigen ist dein kranker Körper gut genug.

Jesus wollte nicht nur Krankheiten heilen, er wollte Seelen heilen. Auch unser Denken, unsere Beziehungen unsere Ängste, unseren gestörten Umgang mit der Schöpfung und miteinander will er heilen. Die Krankheit, dass sich immer alles um uns drehen soll um unsere Wünsche, um unsere Zufriedenheit um unser Glück, dass immer geschehen soll, was das ICH will, das will er heilen. Damit wir werden wie der Hauptmann, der die Not seines Knechts sieht, der ihn nicht wegschaffen lässt, sondern sich um ihn kümmert, der Geld und Zeit dafür einsetzt um ihm zu helfen. Er ist sich nicht zu schade für ihn Fürbitte zu tun, sich zu erniedrigen und für ihn zu glauben.

Solchen Glauben will Jesus von uns. Solcher Glaube, der sich an ihn wendet und ihm alles zutraut, fordert sein Kommen und seine Hilfe heraus. Wo so geglaubt wird, da wird dann auch etwas von der Macht und vom Reich Gottes sichtbar und spürbar. Der Knecht des Hauptmanns ist noch zur selben Stunde gesund geworden. Und der Hauptmann hatte nicht nur seinen treuen und dankbaren Knecht wieder, sondern auch die Gewissheit, wer die wahre Macht hat. Er wird die Begegnung mit Jesus nicht vergessen haben.

Und auch wir sollten die Begegnungen mit Jesus in besonderen Situationen und manche Gebetserhörungen nicht immer so schnell wieder vergessen, sondern daraus Mut für neuen Glauben und Ansporn für neue Gebete nehmen.

„Da ist nix zu machen!“ sagen die Weltmenschen. Der Glaube sagt: Sprich nur ein Wort! Herr, du hast die Macht.

Jesus fordert uns auf: Bittet, so wird euch gegeben! Suchet, so werdet ihr findet! Klopft an, so wird euch aufgetan!

Amen.

 

 

 

 

Verfasser: Martin Schöppel, Dr.-Martin-Luther-Str.18, 95445 Bayreuth, Tel. 0921/41168