Gottesdienst – Matth 6, 25-33
Zur PDF15.Sonntag nach Trinitatis, 20.09.2009, Matth 6, 25-33
Gnade sei mit euch und Friede, von Gott dem Vater und unserem Herrn Jesus Christus.
Wir bitten in der Stille um den Segen Gottes für diese Predigt:
…Herr, wir bitten dich, gib deinen Heiligen Geist zum Reden und zum Hören. Amen.
Der erste Bundeskanzler unserer Republik, Konrad Adenauer soll einmal gesagt haben: „Mein Gott, was soll aus Deutschland werden, wenn ich nicht mehr da bin.“ Vor 42 Jahren (1967) ist er gestorben. Deutschland besteht immer noch.
Wir schmunzeln über solche Sätze, wohl wissend: Jeder ist ersetzbar. Und doch leben wir manchmal selber so. Wir meinen, wir seien unersetzbar. Alles, was wir nicht selber machen, ist nicht richtig gemacht. Die anderen vergessen die Hälfte, haben nicht meine Erfahrung, nicht meine Zuverlässigkeit, nicht meinen Weitblick.
Vielleicht sprechen wir es nicht so offen aus wie der erste Bundeskanzler, aber oft verhalten wir uns wohl auch so: Was macht Ihr bloß, wenn ich nicht da bin. Mit der Firma, mit dem Haus, in der Familie, …Wir wollen das Beste und hängen uns rein. Uns treibt doch nur die Sorge um Wichtiges, das uns anvertraut ist
Viele werden beruflich enorm gefordert, unter Druck gesetzt und setzen sich selber mit dieser Einstellung unter Druck. Wir wollen alles richtig machen, keine Fehler zulassen, an alles denken, vorsorgen und planen. Und dabei legt sich die immer dichter werdende Wolke von Sorgen über uns und verdunkelt die Sonne des Lebens und des Glaubens. Manche brechen fast zusammen unter der Last. Ich kann es ihnen gut nachfühlen, denn ich kenn das auch.
Vielleicht gerade darum ist für mich einer der schönsten Abschnitte aus der Bibel unser heutiger Predigttext, in dem der Herr Jesus vom Sorgen redet: Text lesen: Matth.6, 25-33
Matthäus 6, 25-34
Jesus sagt: Darum sage ich euch: Sorgt nicht um euer Leben, was ihr essen und trinken werdet; auch nicht um eueren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung?
Seht die Vögel unter dem Himmel an: sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel mehr als sie?
Wer ist unter euch, der seines Lebens Länge eine Spanne zusetzen könnte, wie sehr er sich auch darum sorgt? Und warum sorgt ihr euch um die Kleidung? Schaut die Lilien auf dem Feld an, wie sie wachsen; sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht.
Ich sage euch, dass auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht gekleidet gewesen ist wie eine von ihnen. Wenn nun Gott das Gras auf dem Feld so kleidet, das doch heute steht und morgen in den Ofen geworfen wird: sollte er das nicht viel mehr für euch tun, ihr Kleingläubigen?
Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen? Was werden wir trinke? Womit werden wir uns kleiden? Nach dem allen trachten die Heiden. Denn euer himmlischer Vater weiß, dass ihr all dessen bedürft.
Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen.
Darum sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat.
Was sind das für befreiende Sätze! Was spricht aus ihnen für eine wunderbare Fürsorge Gottes für uns. Schau doch mal weg von dem, was dir Gedanken macht, was dir den Schlaf raubt, was deine Stirn in Falten legt und dir Magengeschwüre macht. Halt mal dein Auto an, mit dem du über die Autobahn jagst oder durch das Gedränge des Stadtverkehrs zockelst, schalt deinen Rechner mal aus.
Geh mal raus auf eine Wiese, an einen Waldrand, setz dich auf eine Bank. Dann schau dich, wenn du zur Ruhe gekommen bist mal um. Die Felder und Wiesen vor dir. Manche Blume unscheinbar und doch einzeln und genauer betrachtet ein wunderbares Kunstwerk. Sie steht da, wächst, blüht, entwickelt Samen und nach kurzer Zeit verwelkt sie langsam. Sie ist als einzelne Blume nicht wichtig, wird übersehen. Und doch ist sie verschwenderisch ausgestattet, von zarter Schönheit, Farbenpracht, unverwechselbarer Gestalt. Sie lebt von den Sonnenstrahlen, die für sie da sind und von den Regentropfen, vom Wind, der sie bewegt und bestäubt, dient Bienen und Schmetterlingen als Nahrungsquelle und trägt mit zur Schönheit der Welt bei. Sie ist Geschöpf Gottes, wird versorgt und erhalten von dem, der alles so wunderbar gemacht hat.
Halt! Jetzt spring doch nicht gleich wieder auf von der Bank, weil du auf die Uhr gesehen hast und der nächste Termin drängt und die anderen ohne dich ja doch wieder Mist bauen und nicht zu Recht kommen. Bleib noch ein bisschen sitzen. Schau den Vögeln zu, die da in den Ästen sitzen und ihr Lied singen. Kannst du das noch? Beobachten, Staunen, Hören, Schönheiten und Zusammenhänge in der Natur entdecken?
Die Blumen auf der Wiese, die Vögel unter dem Himmel nimmt der Jesus hier, um uns eine ganz wichtige Predigt zu halten. Es ist ihm so wichtig, dass er von ihnen in der Mitte der Bergpredigt schreibt, wo es sonst um ganz zentrale Glaubenswahrheiten geht. Seligpreisungen, Verständnis der Gebote, Beten, Feindesliebe, Richten werden da angesprochen. Und mittendrin diese ganz andere Aufforderung. Sorgt euch nicht! Schaut die Blumen auf der Wiese an, die Vögel unter dem Himmel. Geschöpfe Gottes schön gestaltet, von geringem materiellem Wert, kurzlebig vergänglich. Für die Welt nicht wichtig. Aber für Gott doch so wichtig, dass er für sie sorgt, obwohl sie selbst nichts dazu beitragen können.
Wem sagt der Heiland das? Den vielen Menschen, die er um sich herum sieht, die mit ihren sorgenvollen und müden Gesichtern dasitzen. Die meinen ohne sie würde es nicht gehen. Die Angst vor dem Morgen haben, vor der Zukunft und sich immerzu Gedanken machen über die Probleme, die sie lösen müssen, über die Last, die auf ihren Schultern liegt, über die Aufgaben, die ihnen übertragen worden sind.
Mit großer Freiheit kann der Herr Jesus hier sagen: Sorgt euch doch nicht! Was bewirkt ihr denn mit euerer Sorge? Lebst du davon eine Stunde länger? Bestimmt nicht! Eher kürzer, weil du krank davon wirst. Kriegst du davon einen Auftrag mehr? Verschwindet durch Sorgen eine einzige Arbeit von deinem Schreibtisch? Kommt durch deine Sorgen ein Euro mehr auf dein Konto? Werden deine Schulden um einen Cent weniger?
Schaut euch die Blumen auf der Wiese an, beobachtet die Vögel unter dem Himmel, wenn ihr Stress habt und nehmt euch ein paar Minuten Zeit darüber nachzudenken, was die ganze Hektik und Sorge für einen Wert haben. Nichts! Sie verkürzen und beschweren nur das Leben. Wie tröstlich, wie Mut machend ist das!
Ich hör sie schon, die Gedanken und Einwände: Ja aber ich muss doch…. Und es hängt so viel an mir. Ich hab so viel Verantwortung. Da hängt die Existenz der Firma dran, mein Arbeitsplatz und andere, meine Familie, mein Haus… Ja freilich fliegen uns nicht die gebratenen Tauben in den Mund. Wir müssen unsere Arbeit machen. Aber wir müssen uns nicht von ihr fressen lassen. Wir müssen uns nicht von ihr kaputt machen lassen. Sie ist nicht das Wichtigste. Sie ist nicht das, was die erste Stelle in unserem Leben einnehmen darf. „Zeit ist Gnade, auch Gnade zum Ruhn.“
Ohne Sorgen leben? Geht denn das überhaupt? Mit dem Vers 33 hier enthüllt der Herr Jesus das Geheimnis eines sorgenfreien Lebens: Trachtet zuerst nach dem Reich Gotte und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch solches alles zufallen. Immer wenn wir uns Sorgen machen um die Zukunft, was werden wird, was wir schaffen oder nicht, haben wir dieses Wort aus dem Blick verloren. Vielleicht brauchen wir dann eine Blumenwiese oder einen Vogel, dem unsere Augen nachsehen, damit wir uns wieder daran erinnern: Für die sorgt der Gott. Und wir, so hat der Heiland gesagt, sind viel mehr, Gott noch viel wichtiger als sie.
Ich weiß, wie schwer das manchmal im Alltag umzusetzen ist. Aber ich will es versuche. Wenn es ganz dick kommt, wenn die Zeit hinten und vorne nicht reicht, wenn der Druck stark wird, dann versuche ich ganz bewusst für einige Minuten die Arbeit hinzulegen lehne mich zurück, mach die Augen zu und versuche innerlich ruhig zu werden, indem ich still für mich bete. Ich lege dem Heiland hin, was mich belastet, bitte ihn, dass er sich der Sache annimmt. Nur ein paar Minuten, dann kann ich wieder weitermachen. Dann ist der Kopf wieder frei, die Sorge abgegeben.
Ich glaube, dass bei uns viele Menschen deshalb krank sind, weil sie das nie getan, nie gelernt haben. Sie tragen alles immer mit sich herum. Die Sorgen von heute und dann noch die von morgen und dann noch die von nächster Woche und oft auch noch die vom nächsten Jahr. Der Rucksack, die Last wird immer größer, je länger ich drauf schaue und die Bewältigung scheint immer unmöglicher. Lass doch das, sagt der Herr hier: Sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat. Ist das nicht wunderbar befreiend? Wenn wir auf dieses Wort des Heilands hören, können wir jetzt ganz entspannt da sitzen und kindlich vertrauen: Was ich morgen brauche, wird mir der Herr morgen auch geben. Er lässt mich nicht hängen, er trägt mich auch morgen durch.
Eine alte Geschichte erzählt:
„Einst lebte ein Zimmermann, den eines Abends auf seinem Heimweg ein Freund anhielt und fragte: „Mein Bruder, warum bist du so traurig?“ –„Wenn du in meiner Lage wärst, würde es dir genauso gehen. “ sagte der Zimmermann. „Sag, warum“, .fragte der andere.
„Bis morgen muss ich 11.111 Pfund Sägemehl aus Hartholz für den König bereit haben, oder ich werde enthauptet“ Der Freund lächelte, legte den Arm um die Schulter, und sagte: „Sei getrost, lass uns essen und trinken und Gottesdienst halten und den morgigen Tag vergessen. Während wir den allmächtigen Gott anbeten, wird er sich um das Kommende von Morgen kümmern.“
Sie gingen zum Haus des Zimmermanns, wo die Frau und die Kinder weinten. Sie fingen an zu essen und zu trinken, zu lachen und zu tanzen, beteten und vertrauten Gott. Aber mittendrin fing die Frau des Zimmermanns wieder mit dem drohenden Unheil an. “ Da sollst du morgen den Kopf verlieren und wir singen und lachen hier, als ob nichts wäre.“ Aber ihr Mann wehrte ihren Sorgen und dem Gejammer. „Denk an
Gott, “ sagte er und die Feier ging weiter.
Am nächsten Morgen, als sie wieder Angst und Kummer befallen wollte, da klopfte es an der Tür und die Boten des Königs standen draußen. So, jetzt kommen sie und holen mich, dachte der Zimmermann und sprach: „Jetzt werde ich sterben.“ Er öffnete die Tür und die Boten des Königs sagten: „Zimmermann, der König ist tot. Du sollst ihm einen Sarg machen.“
Eine alte märchenhafte Geschichte? Wie oft tun wir so, als ginge es um unseren Kopf, als würden wir morgen den Kopf verlieren. Wie oft lassen wir den Kopf hängen, als wäre er schon verloren. Als gäbe es nicht die Blumen auf der Wiese und die Vögel unter dem Himmel und unseren himmlischen Vater, der sie wunderbar versorgt. Wie oft quälen wir uns mit Sorgen und Ängsten, als wäre er, der Herr nicht in der Lage auch unser Problem zu lösen. Das ist heidnisch, sagt der Herr Jesus hier. Wer seine Sorgen nicht abgibt, lebt im Grund genauso wie ein Heide, der Gott nicht kennt.
Wie ist die Reihenfolge in unserem Leben? – Wenn wir zuerst unsere Probleme lösen wollen und dann beten, dann vertrauen, dann die Blumen und die Vögel ernst nehmen, wird nie was draus. Dann bleiben wir unter dem ständigen Druck und der zerstörenden Last.
Der indische Evangelist Sadu Sundar Singh hat einmal gesagt: „Christus ist die Nummer eins! Stellen wir die Eins an die Spitze und fügen nach rechts eine Anzahl Nullen ein, so wird die Summe immer größer, denn die Eins steht an der Spitze. Setzen wir aber die Nullen nach links hin an, also vor die eins, werden alle Nullen bedeutungslos. Jesus ist die Eins. Wer ihn nach hinten stellt, der wird eine hoffnungslose Null bleiben. Wer ihn an die Spitze stellt, wird aufgewertet, auch wenn er eine Null ist.“
Wer nach Gottes Gerechtigkeit trachtet, wer darüber nachdenkt, wie er vor Gott gerecht wird, der kann Gott auch alles andere zutrauen. Warum? Weil seine Gerechtigkeit das größte Wunder ist, Mit diesem Wunder hat er das größte Problem der Welt gelöst, Die Sünde. Deine und meine Sünde. Die steht unlösbar für uns zwischen dem Himmel und uns, zwischen mir und Gott. Ich kann sie nicht ungeschehen machen. Sie ist da und versperrt den Weg. Aber Jesus räumt sie weg für uns im Auftrag Gottes. So hat Gott die Welt geliebt…
Wenn ich zum Kreuz komme und dort meine Sünde bekenne, dann wird sie mir abgenommen, dann bin ich nicht mehr ungerecht, sondern gerecht, dann bin ich nicht mehr verloren, sondern gerettet, Dann bringt mich mein Problem nicht mehr um, sondern es ist gelöst. Dann ist der Himmel, das Reich Gottes für mich nicht mehr verschlossen, sondern weit geöffnet. Wenn Gott dieses unlösbar große Problem für mich so genial gelöst hat, dann darf ich ihm doch zutrauen, dass er auch alle meine anderen Probleme lösen kann. Ja ich muss mir das gar nicht erkämpfen, verdienen und erarbeiten, sondern ich darf es einfach erbitten und er lässt es mir zufallen.
Hat er dir nicht auch schon so vieles zufallen lassen? Denk doch mal nach. Bleib noch ein paar Minuten sitzen auf der Bank mit den Blumen und den Vögeln und erinnere dich, was der Herr für dich schon alles getan, was dir schon alles zufallen lassen hat.
Es ist wahr, dass wir in schwierigen Zeiten leben. Wir jammern auf hohem Niveau, hat mal jemand gesagt. Menschlich und wirtschaftlich sind die Aussichten wirklich nicht besonders, aber gerade darum dürfen wir als Christen noch viel mehr uns auf unseren Vater im Himmel vertrauen. Das ist unsere einzige Chance, Wer es nicht tut, bringt sich um das Reich Gottes.
Also, was dich auch plagt in diesen Tagen, stell es zurück. Überlass es dem Heiland mit kindlichem Vertrauen. Bitte zuerst darum, dass du im Reich Gottes mit dabei sein darfst. Schau auf das Kreuz und glaube, dass dort auch deine Gerechtigkeit geschehen ist, Dort hat der Herr Jesus dich und mich gerecht gemacht. Darum lässt er uns auch das, was wir heute und morgen zum Leben brauchen, zufallen.
Adenauers Satz muss abgeändert werden: Mein Gott, was soll aus mir werden, wenn du nicht für mich sorgst. Oder: Mein Gott, was soll aus Deutschland werden, wenn du nicht für uns sorgst. Auch das dürfen wir Gott zutrauen, dass er für unser Land sorgt. Amen.
Verfasser: Martin Schöppel, Pfarrer, Dr.-Martin-Luther-Str.18, 95445 Bayreuth, Tel. 0921/41168