Gottesdienst – Markus 8, 31-38

Zur PDF

Estomihi, 22.02.2009, Markus 8, 31-38

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.
In der Stille bitten wir um den Segen Gottes für diese Predigt …
Herr, wir bitten Dich, gib uns den Heiligen Geist zum Reden und Hören. Amen
Das Schriftwort für die heutige Predigt steht im 8. Kapitel des Markusevangeliums:

Jesus fing an sie zu lehren: Der Menschensohn muss viel leiden und verworfen werden von den Ältesten und Hohenpriestern und Schriftgelehrten und getötet werden und nach drei Tagen auferstehen. Und er redete frei und offen zu ihnen. Und Petrus nahm ihn beiseite und fing an ihm zu wehren. Er aber wandte sich um, sah seine Jünger an und bedrohte Petrus und sprach: Geh weg von mir Satan! Denn du meinst nicht, was göttlich ist, sondern was menschlich ist. Und er rief zu sich das Volk samt seinen Jüngern und er sprach zu ihnen:Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.  Denn wer sein Leben erhalten will, der wird’s verlieren; und wer sein Leben verliert um meinetwillen und um des Evangeliums willen, der wird’s erhalten. Denn was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme an seiner Seele Schaden? Denn was kann der Mensch geben, womit er seine Seele auslöse? Wer sich aber meiner und meiner Worte schämt unter diesem abtrünnigen Geschlecht, dessen wird sich auch der Menschensohn schämen, wenn er kommen wird in der Herrlichkeit seines Vaters mit den heiligen Engeln.

Ein kleines Mädchen stand vor einer großen Losbude und sah sehnsüchtig hinauf zu den Hauptgewinnen in der obersten Reihe. Große Teddybären und Puppen mit schönen Kleidern. Einmal möchte ich so was gewinnen! Den Hauptgewinn machen! Das wäre toll! Dann wär’ ich glücklich! Dann zog sie ihren kleinen Geldbeutel heraus und kaufte sich für die letzten Münzen, die sie hatte, zwei Lose. Sie gab alles, was sie hatte für diese Hoffnung. Vielleicht hab ich ja diesmal Glück!

Die etwas größeren Mädchen und Jungen greifen Woche für Woche in ihre etwas größeren Geldbeutel oder nach ihren Scheckkarten und geben sauer verdientes Geld für einen Lottoschein aus oder für ein Los, mit derselben Hoffnung: Vielleicht hab ich ja Glück. Einmal möchte ich auch gewinnen.

Die Sehsucht, zu den Gewinnern zu gehören, steckt in uns allen, geben wir es ruhig zu. Wer hat sich nicht schon an Gewinnspielen beteiligt, mit der leisen Hoffnung, doch auch einmal den ersten Preis zu gewinnen. Die Traumreise oder das Traumhaus, das schicke Cabrio, ein neues Wohnmobil, das die alte Kiste ersetzen könnte. Ja, ich geb’s zu…

Man träumt halt gern von so was. Aber in der Realität gehören die allermeisten von uns dann eben nicht zu den Gewinnern, sondern eher zu dem großen Heer der Verlierer. Die Millionen gewinnen nur ganz wenige, aber Millionen gehören zu den Verlierern.

Millionen haben ihre Arbeit verloren und wenig Hoffnung wieder eine zu finden. Viele haben einen lieben Menschen verloren und der Verlust macht ihnen zu schaffen. Millionen auf dieser Welt haben ihre Heimat verloren und leben in der Fremde. Millionen haben den Mut und die Hoffnung verloren, dass es besser werden wird in ihrem Alltag. Millionen haben den Glauben verloren an eine Zukunft auf die man sich freuen kann oder an einen Gott, der einem hilft. 

Vom Verlieren und vom Gewinnen redet der Herr Jesus hier am Beginn seines Leidensweges. Er weiß, dass er einen schweren Weg vor sich hat und dass er sein Leben verlieren wird am Ende dieses Weges nach Jerusalem. Er will seine Jünger darauf vorbereiten. Er will mit ihnen darüber reden, damit sie nicht davon überrascht werden, damit sie sich darauf vorbereiten und einstellen können.

Aber Petrus meint er müsse das verhindern. Er will das Schwere nicht wahr haben. Du sollst nicht immer vom Sterben reden. Das wird schon wieder! Wir sind ja schließlich auch noch da! Er möchte auf ein anderes, schöneres Thema ablenken. Wie oft geschieht das auch bei uns. Ein Kranker oder ein älterer Mensch hat das Bedürfnis mit Angehörigen oder Freunden davon zu reden, dass es auf sein Ende zugehen könnte, aber es wird schnell und heftig abgeblockt. Dabei wäre es wichtig und es könnte manches besprochen werden, über das man dann einige Zeit später, im fortgeschrittenen Stadium von Alter oder Krankheit nicht mehr miteinander reden kann.

Der Herr Jesus jedenfalls weist den gut gemeinten Versuch des Petrus scharf ab. „Weg mit dir, Satan! Teuflisch ist das, dieses Gerede: „Es wird schon wieder!“ Wenn doch offensichtlich ist, dass es nicht wieder wird. Ist es nicht angebracht, dass sich ein alter Mensch auch mit seinem bevorstehenden Sterben auseinandersetzt, sich gedanklich und geistlich darauf vorbereitet? Oder ein Kranker, der nicht weiß, wie seine Sache ausgeht? Oder jemand, der eine gefährliche Operation vor sich hat?

Wie wir mit der Möglichkeit unseres eigen Todes umgehen hat auch etwas mit unserem Glauben zu tun. Wer von Gott weiß und von Jesus, dem Auferstandenen, von Erlösung und von ewigem Leben, der muss nicht Gedanken an sein Ende auf dieser Welt verdrängen, wenn er weiß, dass nach allem Leid dieser Welt eine Herrlichkeit auf uns wartet, die alles vorausgegangene Schwere vergessen lässt. Auch der Herr redet hier am Ende unseres Abschnittes von dieser Herrlichkeit des Vaters mit seinen Engeln.

Aber bevor er die groß macht, muss er auch von dem Schweren reden, das vorausgeht. Und er will vor allem, dass sich die, die zu ihm gehören, keine falschen Ziele stecken. Was nützte es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnen würde und dabei Schaden an seiner Seele nehmen würde? Wie teuer wird das kleine Glück, wenn man dafür das große Glück versäumt!

Ein Leben lang hinter dem Geld her gewesen und am Ende nützt einem kein einziger Euro was.

Immer auf Kleidung großen Wert gelegt, aber sich nie um das königliche Festgewand gekümmert, in dem die Hochzeitsgäste im Reich Gottes einmal feiern werden.

Reise um Reise geplant und dokumentiert, aber nichts für die letzte Reise vorbereitet, die wir alle einmal antreten werden. Größten Wert auf Ernährung gelegt, die gesundes langes Leben garantieren soll, aber das Brot des Lebens und das lebendige Wasser, das Jesus uns gibt zum Ewigen Leben, weggelassen. Wie kurzsichtig planen viele. Immer nur für Zeit, nie für die Ewigkeit.

Was bringt das, wenn man die ganze Welt gewinnt, wenn man von einem Spaß zum nächsten Vergnügen eilt, wenn man überall dabei ist, wenn man keinen Trend verpasst, wenn man immer auf der Höhe der Zeit ist, aber die Ewigkeit nicht als Ziel hat. Was nützt das, wenn man alles gewinnt und nimmt dabei Schaden an seiner Seele? So fragt der Herr.

Durch Erfolg, Reichtum, Besitz und die Erfüllung von vielen Wünschen ist auf dieser Welt noch niemand wirklich dauerhaft glücklich geworden. Und auch die, die sich alles leisten können, werden oft einsam und misstrauisch, leben in Ängsten und Sorgen um ihren Reichtum und ihre Sicherheit. Und viele Erfolgreiche, Mächtige und Gewinner dieser Welt haben Schaden genommen an ihren Seelen. Und ihre Fans, die sie verehren und bejubeln, tun es ihnen gleich.

Wer krampfhaft festhält, was er ohnehin einmal loslassen und hergeben muss, dem geht auch das verloren, was er für die Ewigkeit bräuchte.

„Mein Nektar gehört mir!“ sagte die kleine Blume, „Ich lasse keine Biene davon naschen!“ Sie ließ ihren Blütenkelch geschlossen, verwelkte bald und brachte keine Frucht.

„Ich bin ich!“ sagte das Weizenkorn, prall und goldgelb und voller Lebenskraft. „Ich lass mich doch nicht in die Erde legen und zudecken!“ So blieb es zwar äußerlich unversehrt, aber es verlor bald seinen Glanz. Es blieb allein und brachte keine Frucht.

„Ich lass mich doch nicht zerschneiden und auspressen“, sagte die Zitrone. Sie war reif und saftig und wunderschön anzuschauen. „Ich will mich selbst verwirklichen und entfalten!“ So lag sie noch eine Weile in der Obstschale, bis sie vertrocknete, zu nichts mehr zu gebrauchen war und im Biomüll landete. Wer sein Leben erhalten will, der wird’s verlieren, wer aber sein Leben verliert um meinetwillen und um des Evangeliums, der wird’s finden.

Eine Mutter, die auf ihre berufliche Karriere verzichtet um die wichtigsten Jahre für ihre Kinder selbst und ganz da sein zu können.

Die Jugendleiterin, die Sozialarbeiterin, die auf Ehe und Familie verzichtet, um sich mit aller Kraft für die einzusetzen, die ihr anvertraut sind.

Der erfolgreiche Manager einer großen Firma, der auf weiteren Aufstieg und noch bessere Bezahlung verzichtet, weil er sein Ehrenamt in der Gemeinde nicht aufgeben will und seine Kinder nicht aus der vertrauten Umgebung herausreißen möchte.

Der Arzt, der sich ohne Honorar bei einem sozialen Projekt engagiert oder für einige Zeit in die Mission oder die Entwicklungshilfe geht um den Ärmsten der Armen zu helfen.

Nicht zuletzt die Vielen, die sich in Ländern, in denen zur Zeit Christen verfolgt werden, trotzdem zu ihrem Glauben bekennen, dafür in die Gefängnisse kommen oder bei Übergriffen verletzt oder getötet werden.

Für sie alle gilt diese Verheißung. Wer etwas aufgibt um Gottes willen, aus Achtung vor seinen Geboten und Ordnungen, mag vielleicht in dieser Welt wie ein Verlierer aussehen, wird aber im Reich Gottes zu den Gewinnern gehören.

Wer mir nachfolgen will, sagt der Herr, der nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Jesus hat sich nicht von Petrus überreden lassen, seiner Aufgabe, seinem Leiden, seinem Kreuz auszuweichen. Er hätte umkehren können, nicht nach Jerusalem gehen, wo sein Tod schon beschlossen war. Irgendwohin ins Ausland, wo ihn keiner kennt, in seinen Beruf als Zimmermann, Ansehen genießen, alt werden.

Aber er ist hinauf gegangen nach Jerusalem, hat sein Kreuz auf sich genommen, hat nicht sich selbst verwirklicht, sondern wirklich selbstlos gelitten, für die Welt, für seine Peiniger und für uns. Er hat sein Leben gegeben zu einer Erlösung für viele. Und wer ihm nachfolgen will, der nehme sein Kreuz auf sich. Es ist nicht das große und unendlich schwere Kreuz, das der Herr getragen hat. Unseres ist kleiner und leichter.

Mit Kreuz ist die Last, das Leid gemeint, das in Dein und mein Leben hineingeordnet ist:

Vielleicht hatten manche unter uns eine schwere Kindheit, haben da viel Unrecht erfahren und wenig Schönes erlebt und tragen heute noch an den Folgen.

Andere haben gesundheitliche Probleme, chronische Krankheiten, lästige Allergien, Behinderungen, die ihnen manches unmöglich machen und sie in ihrem Alltag beeinträchtigen.

Manche tragen ihr Kreuz im Beruf oder in der Familie. Ein Chef, dem man nichts recht machen kann. Eine Frau, ein Mann, Eltern, die immer gleich ausrasten, ein Sorgenkind oder ein schwieriger pflegebedürftiger alter Mensch.

Vielleicht ist gerade da Dein Kreuz. Es ist Dir eine Last. Oft drückt und schmerzt es Dich, aber der Herr will, dass Du es trägst und es soll Dir nicht zum Schaden werden sondern zum Segen. Was es auch ist, das Du trägst in der Nachfolge des Herrn Jesus Christus, es soll Dich weiter bringen auf dem Weg in die Herrlichkeit Gottes.

Es geht doch darum, dass wir das Leben gewinnen, das ewige Leben! Dass wir einmal mit dabei sind in der Herrlichkeit des Vaters mit seinen Engeln und mit dem auferstandenen Herrn Jesus Christus. Es kann gut sein, dass uns manches Kreuz über das wir jetzt stöhnen und unter dem wir zurzeit leiden, erst in der Ewigkeit verständlich wird. Warum es nötig war und was es uns gebracht hat.

Auf zwei Dinge dürfen uns aber in jedem Fall verlassen:

  1. Dass Gott weiß, was er tut, wenn er uns in der Nachfolge des Herrn Lasten auflegt und
  2. dass er uns auch unser Kreuz tragen hilft, wenn wir ihn darum bitten.

So, wie es Christoph Fischer in seinem bekannten Lied tut:

Behüt uns, Herr, vor Sünd’ und Schand’
Und reich uns dein allmächtig Hand,
dass wir im Kreuz geduldig sein,
uns trösten deiner schweren Pein
und schöpfen draus die Zuversicht,
dass du uns werdst verlassen nicht,
sondern ganz treulich bei uns stehn,
dass wir durchs Kreuz ins Leben gehen.

Amen. (EG 79,3-4)

Verfasser: Martin Schöppel, Dr.-Martin-Luther-Str.18, 95445 Bayreuth, Tel. 0921/41168