Gottesdienst – Markus 2, 23-28
Zur PDF20. Sonntag nach Trinitatis, 21.10.2007 Markus 2, 23-28
Die Gnade unseres Herrn Jesus
Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes
sei mit euch allen. Wir beten in der Stille um den Segen für diese
Predigt. … Herr, wir bitten dich, erhöre uns. Amen.
Unser Schriftwort für die Predigt heute sind einige Verse aus dem 2. Kapitel des Markusevangeliums:
Es
begab sich, dass Jesus am Sabbat durch ein Kornfeld ging und seine
Jünger fingen an, während sie gingen, Ähren auszuraufen.
Und die Pharisäer sprachen zu Jesus: Sieh doch! Warum tun deine Jünger am Sabbat, was nicht erlaubt ist?
Und er sprach zu ihnen: Habt ihr
nie gelesen, was David tat, als er in Not war und ihn hungerte, ihn und
die bei ihm waren: wie er ging in das Haus Gottes zur Zeit Abjathars,
des Hohenpriesters und aß die Schaubrote, die niemand essen darf
als die Priester und gab sie auch denen, die bei ihm waren?
Und Jesus sprach zu ihnen: Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht und nicht der Mensch um des Sabbats willen.
So ist der Menschensohn ein Herr auch über den Sabbat.
Es ist Sonntag, der eine besondere
Tag in der Woche. Der Sonntag ist ein Geschenk Gottes an uns Menschen.
Seit der Erschaffung des Menschen gilt es als göttliche Ordnung: Am siebten Tage sollst du ruhn!
Am sechsten Schöpfungstag, als alles andere bereits fertig war,
hat Gott als letztes seiner Schöpfungswerke den Menschen
geschaffen und ihm diese Ordnung gegeben: Sechs Tage sollst du
arbeiten und alle deine Werke tun. Aber am siebenten Tag ist der Sabbat
des Herrn deines Gottes. Da sollst du keine Arbeit tun. Und Gott
segnete den siebenten Tag und heiligte ihn, weil er an ihm ruhte von
allen seinen Werken.
Arbeit ist nicht das ganze Leben. Aus
der Sicht Gottes gehört zu einem Menschenleben auch die Freiheit
vom arbeiten müssen. Das ist Gott so wichtig, dass er diesen Tag
sogar mit einem besonderen Gebot schützt: Du sollst den Feiertag heiligen!
Nun müssen wir uns fragen, was das bedeutet. Wie heiligt man
etwas? Was ist heilig? Gott ist heilig. Und heilig ist alles, was mit
ihm in Verbindung steht.
Wir können den Feiertag, den
Sonntag also nur heiligen, wenn wir ihn mit Gott in Verbindung bringen.
Oder anders ausgedrückt: Wenn wir am Feiertag und am Sonntag
besonders die Verbindung zu Gott suchen. Dazu gibt es Gottesdienste.
Natürlich kann man auch allein daheim beten oder in seiner Bibel
lesen, aber Jesus hat dem gemeinsamen Gebet in seinem Namen besonderen
Segen verheißen. Und der Apostel Paulus weist darauf hin, dass
der Glaube aus der Predigt kommt.
Hier geht es um Gottes Wort. Hier kommen wir mit unserer Freude und mit unserem Leid, mit unseren Bitten und mit unserem Dank vor Gott. Hier
erbitten und empfangen wir den Segen des auferstandenen und lebendigen
Herrn. Durch ihn werden wir frei von allem, was uns bedrückt,
ängstigt und verklagt. Hier bekennen wir gemeinsam unseren Glauben und erfahren durch das Wirken des Heiligen Geistes Rat und Hilfe.
Weil sie das wussten und wollten,
haben die evangelischen Christen unseres Stadtteils Kreuz vor einem
halben Jahrhundert eine Menge Geld gesammelt und gespendet und alles
daran gesetzt, hier in diesem neu gewachsenen Wohnviertel diese Kirche
zu bauen. Vor 47 Jahren war es dann so weit. Am 23. Oktober 1960 wurde
unter großer Anteilnahme der Bevölkerung diese Kreuzkirche
eingeweiht. Auf den Bildern, die von diesem Tag existieren, sieht man
nicht nur das überfüllte Innere, sondern auch auf dem
Vorplatz viele Menschen, denen das wichtig und ein besonderes Ereignis
war.
Fünfzehn Jahre nach dem Zweiten
Weltkrieg und dem Ende der nationalsozialistischen Herrschaft war
vielen Menschen noch klar: Es geht nicht gut, wenn man ohne Gott lebt,
wenn man Gottesdienst ignoriert oder bekämpft. Vielerorts wurden
ganz bewusst Veranstaltungen der Nazis zur Gottesdienstzeit angesetzt
um die Menschen vom Gottesdienst abzuhalten. Selbst die Hitlerjugend
musste am Sonntagvormittag antreten. Aber es ging nicht gut, denn: Du sollst den Feiertag heiligen!
Alles was sich gegen Gottes heilige
Ordnung stellt, wird über kurz oder lang zuschanden. Und jeder,
der ohne Not dem Gottesdienst fern bleibt und den Feiertag nicht
heiligt, der verliert dabei. Der verliert den Segen Gottes. Der
verliert die unersetzlichen Impulse, die uns das Wort Gottes gibt und
der bringt sich um das Heil, das uns im Abendmahl geschenkt wird.
In den knapp fünf Jahrzehnten
seit dem Bau unserer Kirche hat sich das Bewusstsein für den
Sonntag in unserem Volk dramatisch verändert. Der Sonntag ist
für die allermeisten zum Aktionstag geworden an dem man was
unternimmt, lang schläft, oder an Großveranstaltungen
verschiedenster Art teilnimmt. Für manche ist er auch einfach nur
zum siebten Arbeitstag geworden, an dem sie versuchen aufzuarbeiten,
was die Woche über liegen geblieben ist.
Immer zahlreicher werden die
verkaufsoffenen Sonntage und die Branchen, in denen doch gearbeitet
wird. Längst nicht nur dort, wo es unbedingt sein muss, wie bei
Polizei und Feuerwehr, in Krankenhäusern und Pflegeheimen. Sondern
überall dort, wo man sich Profit davon verspricht. Aber mit diesem
Profit ist nichts gewonnen. Da liegt kein Segen drauf. Denn Gott hat
gesagt: Du sollst den Feiertag heiligen.
„Mein Sonntag“ unter dieser Rubrik
war kürzlich in der Bayreuther Sonntagszeitung zu lesen, wie sich
der Sonntag eines Bayreuther Privatiers gestaltet:
„Während der Woche habe ich so viele Termine und bin ständig unterwegs, da lasse ich es am Sonntag sehr gemütlich angehn.
Ich stehe so gegen 9 Uhr auf, dann gibt es ein kleines Frühstück. Danach schaue ich mir Fußball im DSF an. Zum Mittagessen treffe ich mich mit meiner Freundin. Wir werden in ein gutes Lokal in Bayreuth gehen und uns einen leckeren fränkischen Braten gönnen.
Wenn das Wetter gut ist sitze ich im Ponte und genieße ganz entspannt die Sonne bei einer Tasse Cappuccino und treffe hoffentlich viele nette Leute.
So gegen Abend werde ich noch einen Biergarten aufsuchen. Ich denke, ich gehe zum Becherbräu in die Altstadt und hoffe, dass dort noch ein süffiges Kerwabier ausgeschenkt wird.
Nach diesem abwechslungsreichen Tag werde ich den Abend ganz gemütlich daheim ausklingen lassen.“
Ist das nicht eigentlich
erschütternd? Ein Sonntag, an dem Gott überhaupt nicht
vorkommt. Drei verschiedene Lokale, aber kein Ort, an dem der heilige
Gott eine Rolle spielt. Und das ist ja kein Einzelfall, sondern so oder
anders der Normalfall. 19 von zwanzig Gliedern unserer Gemeinde kommen
am Sonntag nicht auf den Gedanken, sie könnten einen Gottesdienst
besuchen. In vielen Gemeinden sind es noch weniger, die die Kirchen
besuchen.
Glockenläuten zur
Gottesdienstzeit wird von vielen als Ruhestörung empfunden. Und
wer regelmäßig in die Kirche geht, wird von anderen
misstrauisch beäugt. Entweder hält man ihn für fanatisch
oder für scheinheilig. Nicht selten habe ich schon in
Gesprächen von Gemeindegliedern gehört, dass sie
regelmäßig zum Gottesdienst kommen und mich gewundert, dass
mir ihre Gesichter gar nicht bekannt sind. Auf meine Nachfrage hin
stellte sich dann heraus, dass „regelmäßig“ für sie
bedeutete, einmal im Jahr, an Weihnachten. Aber den Segen, der ihnen an
jedem Sonntag angeboten wird lassen sie verfallen. Das, was Gott ihnen
das ganze Jahr über für ihren Alltag sagen möchte,
interessiert sie nicht.
Wie wird das mal sein, wenn sie im
Gericht vor dem Heiligen Gott stehen und er sie nach diesem Gebot
fragt? Ich wollte Dich segnen, an jedem siebenten Tag, aber du bist
nicht gekommen. Ich hatte dir etwas zu sagen, aber du wolltest es nicht
hören. Für dich hab ich diesen Tag eingeführt und frei
gehalten von der Pflicht zu arbeiten, aber dir war alles andere
wichtiger. Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht. Sagt Jesus den aufgebrachten Pharisäern.
Auch zu seiner Zeit gab es ein
Problem mit dem von Gott verordneten Feiertag. Allerdings ganz anders
als bei uns heute. Was heute zu locker gesehen wird, war damals zu
gesetzlich. Jede Arbeit war streng verboten und wer am Feiertag bei der
Arbeit erwischt wurde, konnte hart, im Extremfall sogar mit dem Tode,
bestraft werden. So nahmen die Pharisäer daran Anstoß, dass
die Jünger Jesu beim Vorbeilaufen an einem reifen Getreidefeld
Ähren abrissen und die Körner daraus aßen. Das war in
ihren gesetzestreuen Augen ein ernteähnlicher Vorgang und Ernte
war Arbeit und Arbeit am Sabbat verboten.
„Wie kannst du das zulassen!“
Beschwerten sie sich empört bei Jesus. „Du willst von Gott sein
und nimmst seine Gebote nicht ernst!“ Aber Jesus hat kein schlechtes
Gewissen. Er tadelt auch die Jünger nicht. Er weiß, sie sind
hungrig und wenn sie ein paar Ähren abreißen und einige
Körner essen, dann brechen sie damit das Sabbatgebot nicht.
„Ihr habt das Gebot nicht
verstanden“, macht er den eifrigen Pharisäern klar. Hier geht es
doch um was ganz anderes. Der Sabbat ist doch nicht dazu da, den
Menschen das Leben schwer zu machen. Er ist ein Geschenk Gottes. Als
Hilfe und Segen für den Menschen gemacht und nicht gegen
ihn. Und weil Jesus weiß, dass sie ihm das so nicht abnehmen,
verweist er sie auf einen Bericht aus dem ersten Buch Samuel. Dort wird
ohne Kritik erwähnt, dass David, der spätere König und
anerkannte Gottesmann sich in einer besonderen Situation, die nur den
Priestern vorbehaltenen Schaubrote aushändigen ließ und sie
mit seinen hungrigen Leuten verspeist hat.
Immer wieder hat Jesus auch am Sabbat
nicht nur in den Synagogen gelehrt und gepredigt, sondern auch geheilt,
weil es um Menschen in besonderen Situationen ging, denen geholfen
werden musste. Und weil der Sabbat für und nicht gegen den
Menschen gemacht ist, durfte das auch geschehen. So wie es geschehen
muss und darf, dass an Sonn- und Feiertagen hilfsbedürftige
Menschen gewaschen und gepflegt werden oder Kranke medizinisch
versorgt. Und wie es auch andere Dienste und Aufgaben gibt die um des
Menschen Willen sein müssen.
Aber es müsste wohl nicht sein,
dass die Bäcker auch noch am Sonntagmorgen kurz nach Mitternacht
aufstehen und arbeiten und die Verkäuferinnen ab sechs oder sieben
hinter der Theke stehen, damit wir auch am Feiertag in ein knuspriges
frisches Brötchen beißen können. Und es müsste
nicht sein, dass Verkaufspersonal, Mütter und Väter auch noch
sonntags aus ihrer Familie gerissen werden. Es hat noch jeder
geschafft, sein Geld an Werktagen auszugeben, wenn er wollte. Und auch
wenn Läden sonntags offen haben, ist kein Euro mehr im Umlauf, der
den Umsatz steigern könnte.
Ich hab es mir zur Regel gemacht,
grundsätzlich sonntags nicht einkaufen zu gehen. Denn das
wäre ja doch scheinheilig, wenn man zwar dagegen ist, es aber
trotzdem praktiziert. Ganz genaue werden jetzt vielleicht kritisch
fragen: Wie ist denn das mit euerem Flohmarkt, da verkauft ihr doch
auch am Sonntag was? Stimmt, aber nicht während der
Gottesdienstzeit und nicht um Profit zu machen, sondern für einen
guten Zweck. Der Erlös kommt den Menschen zugute, die in unsere
Tagespflege kommen und Hilfe brauchen und denen, die in dieses
Gotteshaus kommen und sich geistliche Musik anzuhören, zur Ehre
Gottes und zum Segen und zur Entspannung für die, die es
hören.
Man kann Gebote immer nach zwei
Richtungen missverstehen: Zum Einen gesetzlich, wie die Pharisäer,
denen es nur um den Buchstaben ging. Und zum anderen mit einer falsch
verstandenen Freiheit, die tut, was sie will. Beides ist falsch. Jesus
will zu einem rechten Verständnis der Gebote helfen. Sie sind für uns gemacht und nicht gegen uns.
Für das dritte Gebot bedeutet das:
1. Nütze jede Gelegenheit, die
Du hast am Feiertag am Gottesdienst teilzunehmen, denn Gott wartet
darauf mit Dir zu reden und Dich zu segnen. Verachte seine Einladung
nicht wegen einer Stunde mehr Schlaf oder einem ausgedehnten
Frühstück oder einer anderen Tätigkeit, sonst bringst Du
Dich um großen Segen. Nimm Dir am Sonntag besonders Zeit zum
Gebet, zum Lesen in der Bibel oder einem geistlichen Buch, davon hast
Du bestimmt Gewinn für die kommende Woche.
2, Lass Dich doch nicht auch noch am Sonntag von der Arbeit knechten: Ich muss unbedingt
lernen, die Abrechnung machen, korrigieren, das Angebot ausarbeiten,
bügeln, staubsaugen, den Keller aufräumen… Ja, was wir
nicht alles unbedingt müssen! Gott sagt in seinem Gebot und in
seiner Schöpfungsordnung: Du musst auch mal Ruhe haben von der Arbeit.
Du musst auch mal nichts tun, entspannen, den Druck los sein. Immerzu
in der Tretmühle, das hält ja kein Mensch aus. Dafür hab
ich Dich nicht geschaffen: Arbeiten bis Du tot umfällst, rackern
bis Dich der Schlag trifft. Nur wenn Du auch ruhst, schöpfst Du
neue Kraft, bist Du wieder kreativ, gehst wieder mit Elan an Deine
Arbeit.
Es muss auch Zeit sein mit dem
Ehepartner, mit der Familie, mit einem Freund oder einer Freundin mal
was Schönes zu machen, einmal in Ruhe miteinander zu reden oder
auch nur mal faul auf dem Sofa oder auf der Terrasse zu liegen. Gott
gönnt uns das, ja er gebietet uns das. Ist da nicht schön.
Während ich mich ausruhe, wirkt sein Segen heilsam an mir.
Auch das gehört dazu, wenn es in unserem Wochenspruch aus dem Propheten Micha heißt: Es
ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert,
nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig
sein vor deinem Gott.
Amen.
Verfasser: Martin Schöppel, Dr.-Martin-Luther-Str.18, 95445 Bayreuth, Tel. 0921/41168