Gottesdienst – Lukas 2, 15-20

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Christfest I, 25.12.2008, Lukas 2, 15-20

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen.
Wir wollen in der Stille um den Segen Gottes für diese Predigt bitten. …Herr, wir bitten dich um deinen Heiligen Geist zum Reden und zum Hören. Amen.

Unser heutiges Schriftwort für die Predigt ist der letzte Teil der Weihnachtsgeschichte, wie sie der Evangelist Lukas im 2. Kapitel berichtet. Luk.2, 15-20:

Und als die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander: Lasst uns nun gehen nach Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat.
Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Josef, dazu das Kind in der Krippe liegen.
Als sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, das zu ihnen von diesem Kinde gesagt war.
Und alle, vor die es kam, wunderten sich über das, was ihnen die Hirten gesagt hatten.
Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen.
Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war.

Große Neuigkeiten, wichtige Botschaften gehören unters Volk. Als die Hirten die Botschaft des Engels in der Heiligen Nacht in der Krippe bestätigt fanden, breiteten sie das Wort aus, das zu ihnen von diesem Kinde gesagt war. Sie hatten kein Megaphon, waren noch nicht online, verfügten nicht über schnelle Drucktechniken und Zeitungen mit Millionenauflage. Sie hatten nur ihre Erinnerung, ihr Erleben und bezeugten es.

Hätten sie doch wenigstens schon über Leuchtschrift die wunderbare Nachricht ausbreiten können, dann hätten sie wohl mit bunten Leuchtbuchstaben auf den Stall von Bethlehem geschrieben: Fürchtet euch nicht! und Euch ist heute der Heiland geboren!. Und die Menschen, die dort vorbeigekommen wären, hätten es alle gesehen und nachgefragt und hätten auch das Wunder miterlebt, dass Gott Mensch wird.

Nun verfügen wir über moderne Kommunikationstechniken, Internet, Schnelldruck, Zeitungen, können Stadien beschallen und mit weithin sichtbarer Leuchtschrift Botschaften verkünden. Aber die wichtigste aller Nachrichten kommt mit diesen Mitteln viel zu wenig unter die Leute. Im Internet kann man zwar auch christliche Inhalte finden, aber viel mehr andere Botschaften und manches, was nicht gut ist. Genauso ist das bei den Druckerzeugnissen. Merkwürdige Romane haben da in den letzten Jahren von neuen Erkenntnissen über Jesus Christus berichtet und die biblische Botschaft verfälscht und verschwiegen. Der Heiland wird in ihnen lächerlich gemacht und verleumdet.

Die Zeitungen und Werbeblätter, die uns in den Briefkasten gestopft werden, sind voller wichtiger Botschaften. Mit Parolen wie: „Geiz ist geil!“ und „Ich bin doch nicht blöd“ werden die Konsumenten für dumm verkauft und christliche Inhalte mit Werbeslogans wie: „Quelleluja“ verunstaltet und entwertet.

Und Leuchtreklamen gibt’s an herausragenden Orten mit viel Publikumsverkehr, da kann man sich nur wundern. Glühwürmchen und Feuersalamander. Sie wissen, was ich meine. Ja, wenn da jetzt an Weihnachten, über dem bunten Treiben der mit Weihnachtsgeschenken bepackten Bayreuther Busnutzer die Botschaft des Engels aufgeleuchtet hätte: Euch ist heute der Heiland geboren! Dann wäre das schon wirkungsvoll gewesen. Aber Glühwürmchen und Feuersalamander…

Weihnachten wird immer kurioser. Vor einiger Zeit, so wird erzählt, habe eine Gruppe Männer aus Papua-Neuguinea einen Kurzaufenthalt in Deutschland gemacht. Kurz vor Weihnachten kamen sie in Hamburg an. Neugierig schauten sie sich um in der deutschen Stadt im Weihnachtstrubel, auf Weihnachtsmärkten, in Häusern und Wohnungen, wo sie zu Gast waren. Kurz vor dem Rückflug schrieb einer eine Email nach Hause:

Wir haben viel gesehen in Deutschland. Es ist ein schönes Land. Überall ist Licht in den Straßen und warmes Wasser kommt aus silbernen Hähnen in der Wand. Nie zuvor haben wir schönere Autos gesehen und prachtvollere Straßen. Zum Schluss haben wir auch noch die Vorbereitungen für ein seltsames Fest erlebt. Es muss wohl ein Fest für einen alten Förster sein, denn die Menschen laufen ihm zu Ehren alle mit Tannenbäumen unterm Arm herum. Er hat wohl früher auch viele Taschen und Tüten verschenkt und hatte es wohl immer eilig. Und wenn ihm kalt war, hat er Kerzen angezündet und sie an einen Baum gebunden…

Was haben Sie in den letzten Tagen vorbereitet? Weihnachten oder auch das Fest für den alten Förster. Oder war es das Fest, nach dem im Kreuzworträtsel gefragt war: Religiöses Familienfest mit Zehn Buchstaben? Der Schluss des Wortes war klar: … fest. Und davor die Buchstaben i s t. …istfest. Aber die ersten drei Buchstaben fehlten noch. Man isst fest? Das kann doch nur Weihnachten sein. Aber das passt doch da nicht rein. Die ersten drei Buchstaben fehlten noch. Die wichtigsten. Das Christusmonogramm – X-P- die beiden Buchstaben stehen außen an unserer Kirchentüre. Sozusagen das Namensschild dessen, der hier wohnt. CHR – CHRISTFEST. Das wäre die Lösung. Dass wir den Christus feiern, auf hebräisch, den Messias und auf deutsch, den Heiland, der uns geboren ist. Nicht irgendwann vor Jahrtausenden oder in ferner Zukunft erst, sondern heute. Euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus.

Wer die wichtigsten Buchstaben vergisst, feiert ohne ihn. Der isst fest, drei Tage lang, amüsiert sich mit Glühwürmchen und Feuersalamander, mit bunten Lichterketten und elektrischem Feuer auf Bäumchen zu Ehren eines alten Oberförsters. Entschuldigung! Das ganze Weihnachtsfest wird doch ohne den Christus, ohne den Heiland ein kapitaler Blödsinn. Kostspielig und gesundheitsschädlich.

Nein! Ich will Weihnachten nicht lächerlich machen. Ganz und gar nicht. Es ist ein wunderbares Fest und es hat einen noch viel wunderbareren Anlass. Gott wird Mensch, dir Mensch zugute. Er kommt zu uns um zu retten, was sich noch retten lässt. Das HEUTE in der Botschaft des Engels will uns sagen, dass Weihnachten kein alter Spielfilm ,mit rührseligem Drehbuch und wunderbaren Schauspielern ist, sondern lebendiges Geschehen, das an diesem Tag, in dieser Stunde, an jedem Tag und zu jeder Stunde Folgen hat.

An jedem Ort in dieser immer verrückter werdenden Welt brauchen die Menschen einen Heiland. Den der Heil verheißt, der Hoffnung gibt und der auch hier und jetzt schon heilt, was krank und entstellt ist. Die Hirten, so heißt es in diesem dritten Teil des Evangeliums, redeten miteinander über das was sie gehört und erlebt hatten und kamen zu dem Ergebnis: Lasst uns nun gehen nach Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat.

Sie gehen der Sache nach. Sie nehmen ernst, was sie vom Heiland gehört haben. Sie belassen es nicht bei der einen Heiligen Nacht. Sie machen sich auf. Sie suchen ihn und sie finden ihn. Hätten sie sich erst schlafen gelegt und dann am nächsten Tag in Bethlehem die Bauern gefragt, ob in der vergangenen Nacht wohl etwas besonderes gewesen wäre, dann hätten die nur die Köpfe geschüttelt: Was soll schon gewesen sein? Hier ist doch nichts los. Eilig machen sich die Hirten auf den Weg zu Jesus.

Was die Hirten tun ist die einzig sinnvolle Fortsetzung der Heiligen Nacht: Zu Jesus gehen, ihn anbeten, bei ihm Hilfe und Rettung suchen. Euch ist heute der Heiland geboren! Das ist nicht nur der Zauber einer Nacht. Das ist nicht ein Feuerwerkskörper, der aufblitzt und erlischt. Das ist Licht der Welt! Wer mir nachfolgt, der wird nicht in der Finsternis wandeln, sondern das Licht des Lebens haben. Licht für ein ganzes Leben. Manchmal so hell, wie in der Heiligen Nacht, manchmal nur ein kleines Licht in großer Dunkelheit. Aber wer diesem Heiland folgt, der ist nie ganz im Dunkeln.

Die Geburt des Heilands ist verknüpft mit einem ganz wichtigen Wort: Heute! Euch ist heute der Heiland geboren. Aus diesem Heute wird nie ein Gestern oder ein Morgen. Von Herrmann Bezzel stammt der tröstliche Satz: Gestern ist vorbei, morgen ist noch nicht da und heute hilft der Herr!

Der Satz, den die Hirten nicht mehr aus ihren Ohren herausgebracht haben, soll auch uns täglich gegenwärtig sein: Euch ist heute der Heiland geboren! Mit seinem Heute ist er an allen Tagen bei uns. An einsamen Feiertagen an hektischen Arbeitstagen, an Erfolgstagen und an Misserfolgstagen, an Glückstagen und an Unglückstagen, an Prüfungstagen, Entscheidungstagen, Geburtstagen Festtagen, Todestagen und Trauertagen. Vergessen wir es nie! Es sind alles Tage an denen gilt: Euch ist heute der Heiland geboren! Geboren, das heißt, zur Welt gekommen im wahrsten Sinn des Wortes. Gott ist in Jesus Christus zur Welt gekommen. Er ist zu uns gekommen. Zu Ihnen und zu mir.

Das müssen wir mitnehmen aus der Heiligen Nacht. Dann bleibt sie lebendig, dann trägt sie uns durch alle unheilvollen Nächte unseres Lebens. Immer dürfen wir wissen: Heute ist der Heiland für mich geboren. Vielleicht sollten wir diesen Satz aus dem Weihnachtsevangelium aufschreiben, mit großen bunten Leuchtbuchstaben irgendwo sichtbar anbringen, dass er uns jeden Tag auffällt. Eine verrückte Idee vielleicht, die sich, so der Einwand aller nüchternen Realisten in unserer multikulturellen Gesellschaft nicht verwirklichen lässt.

Wahrscheinlich würde sofort dagegen geklagt und eine einstweilige Verfügung erlassen. Aber warum nicht ein solches oder ähnliches Wort mit großen bunten oder goldenen Buchstaben an eine Wand in der eigenen Wohnung geschrieben, damit man jeden Tag daran erinnert wird, wenn man Angst hat oder traurig ist oder einsam oder niedergeschlagen: Der Heiland ist doch bei uns, alle Tage, bis an der Welt Ende!

Wir brauchen immer wieder solchen Zuspruch und etwas, was uns daran erinnert. Ich hab ja einen Heiland, der heute mit mir durch diesen Tag geht. Ich bin ja nicht allein mit meiner Not oder mit meiner Angst oder mit meiner Sorge.

Die Hirten haben dieses ‚Heute’ ganz wörtlich genommen, sind losgelaufen und sie haben den Heiland gefunden. Und dann? Sie sind nicht gleich wieder zur Tagesordnung übergegangen. Sie haben nicht verschämt geschwiegen, sondern unverschämt offen geredet von dem, was sie mit Gott, mit Jesus erlebt haben: Als sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, das zu ihnen von diesem Kinde gesagt war. Und alle vor die es kam wunderten sich über das, was ihnen die Hirten gesagt hatten.

Ist das nicht heute dasselbe wie damals? Man löst Verwunderung aus, wenn man von Jesus redet. Viele nehmen Anstoß, wenn Jesus-Lieder gesungen werden. Und auf viele wirkt es doch etwas befremdlich, wenn ein Christ ungeniert von seinem Heiland redet. Und doch: In der Heiligen Nacht, da wollen sie es alle hören: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr!

Wurde Gott nur für eine Nacht Mensch? Wird er nicht für alle Zeiten Mensch und für die ganze Welt? Warum denn 364 Tage ohne ihn leben, der alle Macht hat im Himmel und auf Erden? Ist es nicht gegen das zweite Gebot, wenn Christen sich des Namens seines Sohnes, Jesus, schämen?

Von Gott redet jede Religionen und viele Menschen tun so, als sei damit dasselbe gemeint. Aber nur ein Gott wird Mensch. Die Götter der Religionen sind unnahbar und fern. Was kümmert Allah das Schicksal eines Menschen? Er will dass die Gläubigen ihre Pflichten erfüllen und bleibt weit weg. Es ist für Moslems ein unvorstellbarer Gedanke, dass Allah Mensch wird und sich selbst in die Welt begibt.

Wir Christen singen dagegen: „Schöpfer, wie kommst du uns Menschen so nah! Himmel und Erde erzählet’s den Heiden: Jesus ist kommen Grund ewiger Freuden.“ (EG 66,1) Oder wir bitten ihn sogar in unser Innerstes: Komm, o mein Heiland Jesus Christ, mein’s Herzens Tür dir offen ist.

Beides gehört zu unserem Leben als Christen: Ihn mit kindlichem Glauben im Herzen fassen und bewegen, wie Maria und denen, die ihn noch nicht kennen, von ihm erzählen. Dazu muss heutzutage niemand mehr nach Übersee reisen oder unter Menschenfresser gehen. „Heiden“, Leute die den Gott der Bibel leben und die seinen Sohn Jesus Christus nicht kennen gibt es überall um uns herum. Sie sind unsere Nachbarn, sie arbeiten mit uns, fahren im Aufzug oder im Skilift mit uns, im Bus oder in der Bahn. Sie liegen im Urlaub neben uns am Strand oder lesen beim Hausarzt neben uns die Illustrierte. Sind wir nicht auch ihnen das Zeugnis schuldig: Euch ist heute der Heiland geboren! Das ist das Eine.

Was uns hier von der Maria berichtet wird und was auch zum Leben eines jeden Christen gehören sollte, das Andere: Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen. Beides ist notwendig, die stille innere Einkehr, das Nachdenken und Bewegen der Worte Gottes von der Krippe oder vom Kreuz und das Erzählen davon in unserer nächsten Umgebung, wie bei den Hirten

Beides erfüllt mit Freude, die aus dem Glauben kommt: Mir ist heute der Heiland geboren. Als die Hirten wieder zurück an ihre Arbeit gingen, priesen und lobten sie Gott für alles, für alles, was sie gehört und gesehen hatten. Auch wir dürfen das tun, Gott loben und preisen für alles, was wir in unserem Leben schon von ihm gehört und mit ihm erlebt haben.

Amen.

Verfasser: Martin Schöppel, Dr.-Martin-Luther-Str. 18, 95445 Bayreuth, Tel. 0921/41168