Gottesdienst – Lukas 13, 22- 30

Zur PDF

Buß- und Bettag, 21.11.2007, Lukas 13, 22- 30

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen.
Wir wollen in der Stille um den Segen des Wortes Gottes bitten …
Das Schriftwort für die Predigt heute steht im Evangelium des Lukas, Kapitel 13, die Verse 22 – 30

Jesus zog predigend durch das Land, von Stadt zu Stadt, von Dorf zu Dorf. Auf dem Weg nach Jerusalem sprach ihn ein Mann an: „Herr, stimmt es wirklich, dass nur wenige Menschen gerettet werden?“ Jesus antwortete ihm: „Die Tür zum Himmel ist schmal! Ihr müsst schon alles dransetzen, wenn ihr durch diese Tür hinein kommen wollt. Viele versuchen es, aber nur wenigen wird es gelingen.
Hat der Hausherr erst einmal die Tür verschlossen, werdet ihr draußen stehen. So viel ihr dann auch klopft und bettelt: ‘Herr, mach uns doch auf!’ – es ist umsonst! ‘Was wollt ihr von mir, ich kenne euch nicht!’ wird er euch antworten.
„Aber wir haben doch zusammen gegessen und getrunken! Du hast bei uns gepredigt!“ Doch der Herr wird ihnen erwidern: „Ich habe euch schon einmal gesagt, dass ich euch nicht kenne. Menschen wie ihr haben hier nichts verloren. Geht endlich weg!“
Wenn ihr dann draußen seid und seht, dass Isaak, Jakob und alle Propheten im Reich Gottes sind, dann werdet ihr verzweifelt heulen und schreien.
Aus der ganzen Welt, aus Ost und West, aus Nord und Süd werden die Menschen in Gottes Reich, zu Gottes Fest kommen.
Vergesst nicht: Viele, die hier nichts gelten, werden dort hoch geehrt, aber viele, die hier einen großen Namen haben, sind dort unbekannt.

Von einer Türe redet der Herr hier. Türen haben eine eigene Faszination. Es gibt sie in allen Variationen. schlicht und funktional, edel und prunkvoll. Ehrfurcht einflößende Portale von Schlössern und Kathedralen, bescheidene, unauffällige Türen und Hintertürchen. Wir haben alle unsere Erfahrungen mit Türen. Mit weit geöffneten und mit hermetisch verschlossenen.

Vor einer verschlossenen Tür stehen ist immer unangenehm. Jeder kennt das. Man müsste dringend mal, aber die Tür ist zu. Man hat einen langen Weg auf sich genommen um jemanden zu besuchen, aber die Tür bleibt zu. Man steht irgendwo vor einer Veranstaltung, möchte noch mit rein, aber die Tür wird geschlossen, alle Plätze sind schon besetzt. Man kommt nicht mehr mit rein. Oder, was mir mit dem Wohnmobil schon gelegentlich passiert ist: Ich wollte durch ein Toreinfahrt fahren oder durch eine Unterführung, aber sie waren zu schmal oder zu niedrig. Das ist dumm. Da muss man umkehren.

In den vergangenen Tagen konnte man in den Medien die riesigen weit geöffneten Portale von Westminster Abbey in London sehen, durch die die Königin von England mit ihrem Mann, Prinz Philipp, zur Feier ihrer Diamantenen Hochzeit einzog. 2000 geladene Gäste, Freunde und High Society von Großbritannien mit ihnen.

Wenn schon bei einem solchen Ereignis ein Riesenportal geöffnet wird, damit die Massen und die Ehrengäste würdig einziehen können, müsste dann die Türe, die einmal ins Himmelreich führt und durch die viele Menschen aller Zeiten aus allen Himmelsrichtungen einziehen werden, nicht noch viel gewaltiger sein?

Hier heißt es aber erstaunlicherweise, dass die Tür zum Himmel schmal ist und dass längst nicht alle, die hineinwollen, auch hineinkommen. Nur die, die darum ringen, denen es ein großes Anliegen ist. Und noch erstaunlicher die Aussage, dass schließlich auch diese schmale Tür geschlossen wird, wenn längst nicht alle drin sind. Wer dann noch draußen ist, wird draußen bleiben müssen, für immer.

Es ist ein sehr ernster Text, der uns da heute, am Buß- und Bettag nach der Ordnung der Predigttexte unserer Kirche vorgesetzt wird. In seiner Gesamtaussage weist er darauf hin: Bedenkt, dass es nicht selbstverständlich ist, einmal im Himmel, im Reich Gottes, mit dabei zu sein. Eine beunruhigende Aussage, die heute viele nicht mehr hören wollen, die weithin nicht mehr gepredigt wird. Man meint, Gott könne doch nicht so hart und unfreundlich sein und irgendjemandem den Zugang zu seiner Herrlichkeit verwehren. Aber, wenn man die Worte Jesu ernst nimmt, dann kann er wohl doch so handeln.

Es scheint auch so zu sein, dass es für uns heute gar nicht erkennbar ist, wer einmal drinnen und wer draußen sein wird. Viele, die hier nichts gelten, werden dort hoch geehrt, aber viele, die hier einen großen Namen haben, sind dort unbekannt. So hart das ist, so gerecht ist es auch. Wenn die Kleinen und Unwichtigen, die man hier so oft zur Seite schiebt, dort nicht an den Rand gedrängt werden. An der Himmelstür haben Staatskarossen und Promis keinen Vortritt. Die VIPs, very important persons, (sehr wichtige Leute) gelten dort nicht mehr als NIPs, not important persons (nicht wichtige Leute).

Und es hängt nicht am Bekanntheitsgrad und auch nicht an der Kirchenmitgliedschaft. Auch manche Kirchliche und Fromme werden unter denen sein, die draußen bleiben müssen. Sie fragen ja hier ganz überrascht: „Aber wir haben doch zusammen gegessen und getrunken! Du hast bei uns gepredigt!“ Wir sind doch auch in die Kirche gegangen, auf Freizeiten und Kirchentagen gewesen, haben Gemeindefeste und Kirchweih gefeiert und sind ehren- oder gar hauptamtlich tätig gewesen. Und Trotzdem wird der Herr zu ihnen sagen: ‘Was wollt ihr von mir, ich kenne euch nicht!’

Zweimal erfolgt diese Ablehnung und Jesus schildert die Folgen dieser endgültigen Entscheidung: Wenn
ihr dann draußen seid und seht, dass Isaak, Jakob und alle
Propheten im Reich Gottes sind, dann werdet ihr verzweifelt heulen und
schreien.

Dann ist es zu spät. Das ist die Hölle! Das Beste und Schönste, was es gibt, nicht mitzuerleben, weil es einem nicht so wichtig war. Jesus will hier nicht ausschließen. Er will nicht, dass Menschen draußen bleiben müssen. Es liegt ihm aber daran, denen, die ihn fragen, den Ernst der Lage klar zu machen: Schieb es nicht auf! Lass Dich nicht so sehr von anderem ablenken. Die Zeit ist begrenzt und einmal ist es zu spät.

Und das mit der schmalen Tür ist ja ein bildlicher Vergleich. Durch eine schmale Tür komme ich nicht, wenn ich viel Gepäck und große Lasten mit mir rumschleppe. Da kann ich nur durch, wenn ich meine Lasten ablege.

Zwei Arten von Lasten können wir uns da vorstellen. Das eine sind die vielen Dinge, die wir zu brauchen meinen.
Das was uns unverzichtbar erscheint und was wir nicht loslassen wollen,
woran wir hängen und was uns oft ablenkt oder abhält Jesus
nachzufolgen und ganz den Weg des Glaubens zu gehen. Das müssen an
sich gar keine schlechten Dinge sein, aber immer dann wenn es um
Entscheidungen geht, sind sie uns wichtiger. Ob das die
Übertragung eines Länderspiels zur Gottesdienstzeit ist, wie
heute Abend oder die Bequemlichkeit am Sonntagmorgen oder die
Zeitungslektüre, die so breiten Raum einnimmt, dass es dann
für die Bibellese nicht mehr reicht.

Was meinen sie, wie viele Begründungen ich höre, warum Menschen nicht in Gottesdienste kommen oder in Veranstaltungen, in denen es um den Glauben geht. Immer muss der liebe Gott Verständnis haben, dass er nicht so wichtig ist, wie die Familie oder die Ruhe oder das Hobby oder die Arbeit. In fortgeschrittenem Alter gibt dann auch die nachlassende Gesundheit eine gute Begründung her und irgendwann geht es dann wirklich nicht mehr.

Der liebe Gott soll ja auch Verständnis dafür haben, dass der Buß- und Bettag abgeschafft wurde, mit der Begründung, dass man damit die Pflegeversicherung finanzieren wollte. Er hat aber kein Verständnis dafür und Jesus mahnt uns hier eindringlich, dass wir das Ziel nicht aus den Augen verlieren sollen: Ihr müsst schon alles daran setzen… Es muss euch das wichtigste sein, einmal durch diese schmale Tür zu kommen.

Neben dem, was wir mehr lieben als Gott und nicht loslassen wollen, ist es noch eine andere Last, mit der wir unmöglich durch diese enge Pforte kommen. Auch wieder bildlich gesprochen. Es ist die Last unserer Schuld. Unvergebene Schuld ist wie ein großer Rucksack oder ein sperriger Koffer, der nicht durch die schmale Tür passt. Wir müssen sie loswerden. Bei Schuld ist das ja nicht so einfach. Die kann man nicht einfach abstellen wie einen Koffer oder von den Schultern nehmen, wie einen Rucksack. Wir brauchen jemanden, der sie uns abnimmt. Und es ist nur einer, der das kann: Jesus. Warum kann er es? Weil Gott die Welt so sehr geliebt hat, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Weil der Sohn Gottes selber ohne Sünde war und weil er für unsere Sünde am Kreuz mit seinem Leben und Blut bezahlt hat, darum kann er uns frei machen.

Im Heiligen Abendmahl wird uns das persönlich zugesagt und garantiert: Für Dich hat Jesus seinen Leib und sein Blut gegeben, damit deine Schuld bezahlt und deine Strafe von dir genommen ist. Und Jesus hat die Vergebung für so unverzichtbar gehalten, wie das tägliche Brot, wie das, was wir dringend zum Leben brauchen. Darum setzt er die Bitte um Vergebung im Vaterunser direkt hinter die Bitte um das tägliche Brot: Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Mit Schuld und mit dem Begriff Sünde sind in der Bibel nicht nur einzelne böse oder unmoralische Taten gemeint wie Diebstahl, Ehebruch, Gewalt, Lügen, sondern auch Hochmut, Lieblosigkeit, Zweifel, böse Gedanken, Schadenfreude, Unversöhnlichkeit, Egoismus, Gleichgültigkeit. Alles Fehlen von Liebe, Wahrhaftigkeit, Glauben, Gottvertrauen ist vor Gott nicht recht, ist vor Gott Sünde.

Ursprünglich wurden Buß- und Bettage, von denen es früher mehrere im Jahr gab, als Tage eingerichtet, an denen man besonders darüber nachdenken sollte, was einem fehlt und was vor Gott nicht recht war oder ist am eigenen Verhalten. Es war ein Wissen da, dass nur Gottes Wort uns wieder zurecht bringen kann. Und dass Buße notwendig ist um vor Gott gerecht zu werden. Buße als Erkennen der eigenen Sünde, als Bekennen vor Gott und das Ergreifen der Vergebung im Glauben an Jesus Christus.

Martin Luther hat Buße schließlich verstanden als eine Haltung, die zur Befreiung und zur Freude führt. Zuerst belastet mich manches, ich bin bedrückt und unzufrieden mit mir selbst und dann auch mit denen um mich herum. – Kennen Sie das auch? Wenn Sie mit sich selbst unzufrieden sind, wenn bei ihnen was nicht stimmt, dann ist man viel kritischer mit den Menschen um einen herum. Dann ist man empfindlich und reizbar. Ich kenn das gut von mir selbst. Ganz anders, wenn ich mich vor Gott schuldig gegeben habe und Vergebung bekommen habe, dann bin ich wieder ein anderer Mensch. Dann bin ich fröhlich, dankbar und befreit. Dann kann ich auch ganz anders mit anderen umgehen, bin geduldiger und gelassener.

Jesus redet hier so klare und ernste Worte mit uns, weil er nicht will, dass wir einmal draußen stehen vor dem Reich Gottes, sondern dass wir mit dabei sind in seinem Reich, in seiner Herrlichkeit. Dort wird es nichts Böses mehr geben. Keinen Neid und Hass, keine verletzenden Worte, keine Empfindlichkeit und Eifersucht. Wenn wir mit all unseren Fehlern, die wir noch haben im Himmel wären, dann wäre es nicht mehr himmlisch dort.

Lassen wir uns doch von Jesus alle Lasten abnehmen!

Wir dürfen aber darum bitten, ja alles dran setzen, dass
wir durch die verändernde Kraft der Liebe Jesu so neu gemacht
werden, dass wir einmal durchkommen durch die schmale Türe in das
Reich Gottes. Selbst können wir uns nicht so verändern, jeder
der es versucht hat weiß es. Da sagt man dann: Es kann eben
keiner aus seiner Haut. Aber Gott kann erneuern zum Guten
verändern. Darum bittet David im 51. Psalm und wir dürfen es
für uns mit seinen Worten auch tun:

Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz
und gib mir einen neuen beständigen Geist.
Verwirf mich nicht von deinem Angesicht
und nimm deinen Heiligen Geist nicht von mir.
Erfreue mich wieder mit deiner Hilfe
Und mit einem willigen Geist rüste mich aus.

Amen.

 

Verfasser: Martin SchöppelÓ , Dr.-Martin-Luther-Str.18, 95445 Bayreuth, Tel. 0921/41168 s