Gottesdienst – Lachen

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Biblische Abende Kreuzkirche Bayreuth, Vortrag Oberkirchenrat i. R. Gotthart Preiser

Vierter Abend, 28.03.2007

Die Kraft des Glaubens zum Lachen

Am Freitag nach dem Abend zum Thema „Leiden“ habe ich gemerkt, wie viele da unmittelbar betroffen waren. Und da hatte ich plötzlich Zweifel, ob es angebracht sei, einen Abend mit dem Stichwort Lachen zu halten. Nach Lachen war nun vielen wirklich nicht zumute. Es war ihnen vergangen angesichts des Leides, das sie getroffen hatte. Da musste ich mir in Erinnerung rufen, dass wir ja jeden Abend gesagt haben, dass man es nicht auseinander reißen darf: Loben, Leiden, Lieben, Lachen, vier Erkennungszeichen aus dem selben Grund des Glaubens heraus. Nur so, sonst geht es über die Kräfte.

Lachen als Kennzeichen des Glaubens und der Christen!? Das ist nicht das, was einem als erstes einfällt.

Ja, in Afrika und auch in Amerika bei den Gemeinden der Farbigen, da wird viel gelacht. In unseren Gottesdiensten ist es eher die Ausnahme. Und selbst wenn einmal etwas Lustiges vorkommt, trauen sich viele nicht, darüber zu lachen. Ich hatte in Tirschenreuth eine feierliche Ordination gehalten. Am Schluss ermahnte der Ortspfarrer die Gemeinde, sie solle stehen bleiben, bis wir da vorn ausgezogen seien. Da haben nur zwei gelacht, die sich das bildlich vorgestellt haben.Und als im letzten September der Papst in Regensburg die neue Orgel der Alten Kapelle eingeweiht hat, verkündete der Moderator im Fernsehen: „Diese Orgel besitzt eine wunderbare Vielfalt an Pfeiffen, genau wie es auch in der Kirche ist.“

Die Älteren erinnern sich sicher noch an die Aufregung, die es in der Kirche gab, als man vor einigen Jahrzehnten versuchte, die Beicht- und Abendmahlsfeiern von ihrer früheren Düsternis der schwarzen Kleidung und ihrer düsteren Grundstimmung zu befreien und die Freude an der Gegenwart Jesu Christi in den Mittelpunkt zu stellen; die Freude, befreit von aller Schuld mit ihm weiter gehen zu können.

Aus der Geschichte der frühen Christenheit wissen wir, dass das Lachen einmal ein fester Bestandteil der Osterliturgie war. Ein Rest davon findet sich im Osterchoral: „Auf, auf, mein Herz mit Freuden“, wo es dann heißt, „die Welt ist mir ein Lachen mit ihrem großen Zorn“. Weil Jesus der Sieger über Tod und Teufel ist. Und auch das Halleluja im Lied „Gelobt sei Gott im höchsten Thron“ ist eine musikalische Vertonung des Osterlachens. Aber selbst die Wiedereinführung dieses liturgischen Lachens würde uns noch nicht fröhlicher machen.

Wir wissen, dass das Leben keine Gaudi ist. Und der Glaube auch nicht. Wir haben davon gesprochen, dass er oft durch viel Leiden hindurch muss. Bei vielen Menschen ist das Weinen viel öfter da als das Lachen.

Und doch ist unsere Grundlage das Evangelium. Und das heißt: Frohe Botschaft. Und an der Geburtsurkunde Jesu hängt der Bericht von dem Engel, der zu den Hirten gesagt hat: „Siehe, ich verkündige euch große Freude für alles Volk.“ Da ist das aus dieser Freude geborene Lachen nicht weit entfernt und gehört von Anfang an zum Evangelium dazu.

Vor ein paar Wochen hörte ich im Radio den Kabarettisten Volker Heißmann, den wir von dem spaßigen Paar Waltraud und Mariechen kennen. Er sagte: „Bei all den Späßen und dem Klamauk auf der Bühne braucht man doch eine feste Grundlage, einen anderen Hintergrund. Und den gibt mir mein Herr Jesus Christus, da stehe ich dazu.“ Und er zeigt durch seine Mitgliedschaft im Kirchenvorstand seit 18 Jahren, dass für ihn das Lachen und die Späße und der Glaube an Jesus kein Widerspruch sind. Und als die ziemlich ausgeflippte Rockgruppe „Assfalg“ kürzlich den Bambi verliehen bekam und einer der jungen Musiker sich bei allen Förderern bedankte, da ergänzte sein Kumpel: „Und bei unserem Herrn Jesus Christus, dem wir alles verdanken.“ Da, wo es echten Glauben gibt, darf es auch echte Fröhlichkeit geben. Humorlose Christen sind jedenfalls kein gutes Aushängeschild des Glaubens.

Wir sind allerdings von Natur aus unterschiedlich fröhlich veranlagt. Meine damalige junge Sekretärin in Neuendettelsau hat ihren Mann genervt, weil sie früh beim Aufstehen schon fröhlich gesungen hat, wo ihn der Tag noch mit geballter Feindseligkeit angeschaut hat. Manche kichern, wo andere verwundert schauen, manche lachen über Dinge, wo andere nicht verstehen, was daran lustig sein soll. Und dann kenne ich einen, wenn der auftaucht, kommen bestimmt gleich zwei Witze. Der kann anscheinend gar nicht anders als lustig sein. Wir wissen aber auch, dass mancher Alleinunterhalter sehr traurige Momente haben kann, wenn er wieder allein ist. Vor allem, wenn das Lustige nicht aus einem fröhlichen Herzen kommt.

Nicht jeder hat ein empfängliches Gemüt für das, was andere erfreut. Da hat die Musikkapelle wochenlang geübt, um eine fröhliche Stimmung im Festzelt zu erzeugen, und dann sagen Gäste am Tisch: Können die nicht endlich mal ruhig sein, man kann sich ja überhaupt nicht gescheit unterhalten.

Von Max Liebermann, dem berühmten Maler, wird erzählt, dass er als junger Mann zur Belohnung für das mit Müh und Not geschaffte Abitur von seinen Eltern eine Reise in die Schweiz geschenkt bekam. Als sie dann dort waren und die wunderbare Bergwelt mit den großartig erhabenen Alpengipfeln bestaunen konnten, hat der Abiturient gesagt: „Immer wenn man was sehen will, kommt ein Berg dazwischen.“ Da müssen wir einander zugestehen, verschieden veranlagt zu sein.

Die Bibel erzählt uns von Gottes Humor. Als die Menschen anfingen, sich über alle natürlichen Grenzen zu erheben und einen Turm bauen wollten, der bis an den Himmel reichen sollte, da steht im biblischen Bericht, dass Gott zu sich spricht, da muss ich mich einmal ganz tief hinunterbücken und nachschauen, was die da unter treiben, als sei das größenwahnsinnige Tun der Menschen für ihn so klein, dass es vom Himmel aus nicht einmal zu sehen ist.

Und als der mächtige Kaiser Augustus von seinem Palast in Rom alle Welt und schwangere Frauen mit großem Aufwand in Trab setzt, um sein Steuersäckel zu füllen und seinen Pomp zu vergrößern, da verzieht sich Gott in einen Stall in einer unbedeutenden Kleinstadt und lässt das Wunder seines Kommens auf die Erde nicht von Staatsmännern und Schönheitsköniginnen bestaunen, sondern sucht sich ein paar Gestalten vom Hirtenacker, die bestimmt keine Musterknaben waren. Und setzt dem grimmigen Machtgetöse eines irdischen Herrschers das Lächeln eines Säuglings entgegen. So als lacht er über das ganze aufgeblasene Getue der Mächtigen.

Auch wenn die Spaßgesellschaft abgewirtschaftet hat und die zu Lasten der anderen gehenden Späße von Stefan Raab einen nicht mehr zum Lachen bringen und längst keiner mehr den Ekel aus dem Dschungel lustig finden würde, darf der Christ noch lachen. Wer ein großes Ziel hat, kann das davor Liegende lockerer nehmen. Im Psalm 126 wird ein solches Ziel beschrieben: „Wenn der Herr die Gefangenen seines Volkes befreien wird, dann werden wir sein wie die Träumenden, dann wird unser Mund voll Lachens und unsere Zunge voll Rühmens sein.“ Da wird es bei Gott sogar einmal die Auferstehung des Lachens geben. Nach allem Leid und allen Tränen.

„Dann wird unser Mund voll Lachens und unsere Zunge voll Rühmens sein.“ Das steht in einem Lied aus Babylon. Da ist das Lachen an einem todtraurigen Ort ausgebrochen. Die Babylonier hatten Jerusalem zerstört und tausende Israeliten nach Babylon verschleppt, in diese Stadt, die auch heute ein Ort der Gewalt und der Todesangst ist. Aber die Babylonier, also heute die Iraker, waren nicht so sicher, wie sie sich fühlten. Die Perser, die heutigen Iraner, wollten ihnen die Vorherrschaft im vorderen Orient – im Nahen Osten sagt man heute – entreißen. Deren Herrscher Kyros ließ den Euphrat umleiten, danach konnten seine Truppen in einer Nacht in die so selbstsichere Stadt eindringen. Dann hörten die Israeliten die wunderbare Botschaft: Ihr seid frei, dürft nach Hause. Und so sangen sie dieses Lied immer wieder: „Der Herr hat Großes an uns getan, des sind wir fröhlich.“ Es war wahr geworden, was sie erhofft und erbeten hatten: Wenn der Herr die Gefangenen Zions erlösen wird, dann werden wir sein wie die Träumenden. Dann wird unser Mund voll Lachens und unsere Zunge voll Rühmens sein.

Die Gemeinde Jesu hat das Lied später aufgenommen. Jesus hatte noch eine ganz andere Befreiung gebracht, die Befreiung vom Fluch der Sünde, mit der man sein Leben beschädigt und verdirbt. Jede Lieblosigkeit, jede Lüge und Unehrlichkeit, jeder unbeherrschte Zorn, jeder Egoismus zu Lasten anderer – das alles verdirbt das Bild, wie Gott sich uns gedacht hat. Es verdirbt auch die Fröhlichkeit unseres Lebens, macht uns im tiefsten Grunde unglücklich.

Und dann kam Jesus und sagte: Das, was euch unglücklich und kaputt macht, darf euch nicht vernichten. Wenn ihr an mich glaubt, seid ihr frei. Dann könnt wieder in den Spiegel schauen und anderen ins Auge.

Manche haben es erfahren: Ja, da waren wir wie die Träumenden: „Das gibt’s doch gar nicht.“ Doch das gibt’s.

Als die befreiten Israeliten damals aus Babylon voller Freude und Lobgesang lachend nach Hause kamen, da fanden sie Jerusalem in Trümmern vor. Keine ordentlichen Häuser, keinen Tempel, verwüstete Felder, deren Ertrag kein zufrieden stellendes Leben ermöglichte. Aber so ist das. Wo Christen zur Freude gefunden haben, wo Jesus sie froh gemacht hat, da liegen trotzdem noch Stolperbrocken im Weg. Die Freude in Gott wird oft mit giftigen Pfeilen beschossen.

Auf einmal ist ein Mensch da, der einem anscheinend das Leben zur Hölle machen will, auf einmal besorgt die schmerzende Wirbelsäule, dass einem alles Lachen vergeht. Auf einmal macht man einen Fehler, dass man sich nur noch schämen kann. Mit einem blödsinnigen, überflüssigen Streit hat man ein ganzes Wochenende verdorben. Aus ist es mit der frohen Stimmung. In vielen Häusern endet sogar am Heiligen Abend die Festtagsstimmung in böser Missstimmung.

Aber bei Jesus geht es nicht um frohe Stimmungen, sondern um eine Lebenseinstellung. Und da hat er selber mit zu tun. „Die Sonne, die mir lachet, ist mein Herr Jesus Christ, das, was mich singen machet, ist, was im Himmel ist.“ Wir müssen uns von Verdrießlichkeit und Mürrischsein nicht anstecken lassen.

Der Philosoph Friedrich Nietzsche hat ja einerseits Recht, wenn er sagte. „Die Christen müssten erlöster aussehen, wenn ich an ihren Erlöser glauben sollte“. Andererseits kann man ihn jeden Tag widerlegen, wenn man nicht so verbissen lebt. Ich wundere mich immer wieder, mit welcher Verbissenheit Christen im Streit liegen und nicht nachgeben. Oder verbissen auf ihrem Recht beharren. Wir müssen etwas mehr Humor zulassen, uns nicht hineinziehen lassen in Empörung und Aufgeregtheit und Beleidigtsein, weil wir doch wissen, Gott darf unser Leben auch nicht so ernst anschauen, sonst sind wir verloren.

Weil unser Glaube an Jesus Christus weiter reicht als eine Augenblicksstimmung, kann er trotz allem zu einer fröhlichen Lebensgestaltung verhelfen.

Zunächst zu einem Blick, der das Schöne sieht, das uns täglich umgibt. Es gibt so viel zu freuen: Die unentwegt aufblühenden Knospen der Orchidee in der Küche, das unbekümmerte Spiel der verkleideten Kinder, die Prinzessin und Königssohn spielen, das imponierende Klavierspiel der Zehnjährigen, das lustige Imponiergehabe des liebestollen Staren auf dem Apfelbaum im Garten. Überall etwas zum fröhlich Schauen.

Und wir sollen einen Blick für das Kleine haben. Wie oft überfordern wir uns mit unseren hochgesteckten Erwartungen. Da soll ein Familienfest zur großen Glanznummer werden, der Urlaub zum Höhepunkt des Jahres. Aber die Freude steckt gar nicht im großartigen Zimmer mit Meeresblick, vor dem dann plötzlich ein großer Baukran steht, sondern in dem kleinen Esel an der Ecke, der so störrisch und so goldig zugleich ist. Und manchmal ist es doch toll, dass es doch noch eine Vier geworden ist und nicht wie befürchtet eine Fünf oder Sechs. Und wie schön, dass die Nachbarin das Grüßen jetzt endlich erwidert hat und das Eis gebrochen ist. Es geht uns besser, wenn wir einen Blick für die kleinen Freundlichkeiten des Lebens haben, die Freundlichkeiten Gottes sind. Ich glaube, dass Menschen, die Freude an Blumen und Tieren haben, insgesamt ausgeglichener leben.

Der getroste Glaube gibt Kraft zum Lachen. Und auch einen Blick für das Lächerliche, das sich hinter dem blendend zur Schau Getragenen verbirgt. Das so vollbrüstig vorgetragene Grußwort, das doch bloß aus leeren Phrasen besteht. Die übertrieben lautstarke Empörung der Nachbarin, weil die Kinder beim Spiel den Ball über den Zaun aufs Blumenbeet geschossen haben. Die fünf „Vorhänge“, wenn die Solisten im Kirchenkonzert ihren Part ordentlich gesungen haben und dann viermal vor die Kirchentür gehen und vom Beifall getragen wieder hereinkommen. Es wird vieles so leicht lächerlich, wenn es das rechte Maß nicht findet. Das so gewaltig Imponierende ist viel weniger imponierend, wenn man ihm nicht seine eigene Angst zum Opfer bringt und wenn man die Bewunderung verweigert. Im Dritten Reich und in der DDR war es die schärfste Waffe, wenn Leute Witze über die Großbonzen machten. Da reagierten diese ins Mark getroffen mit brutaler Gewalt, KZ oder Tod, weil sie die Basis ihrer aufgeblähten Machtausübung bedroht sahen.

Wenn man heute manche Filmaufzeichnung einer Hitler- oder Goebbels-Rede anschaut, kann man sich wundern, warum damals nicht alle in lautes Gelächter ausgebrochen sind, so lächerlich sind da manche Phrasen und das aufgeblasene Gehabe. Noch besser ist es, wenn man den Ton abschaltet und nur noch das lächerliche theatralische Herumgefuchtel sieht. Jetzt nach über sechs Jahrzehnten hat es einmal einer gewagt, im Film das ganze Theater durch den Kakao zu ziehen. Wenn es nur nicht so blutig ernst und millionenfach tödlich gewesen wäre!

Und so kann man auch heute noch einen Blick dafür entwickeln, wenn der Heiligenschein nicht echt ist, sondern aus Scheinheiligkeit besteht.

Das Lachen ist eine wunderbare Waffe gegen das Aufgeblasene und Mächtige. Wir wissen, wie das Lächeln eines Kindes einen strengen oder unfreundlichen Erwachsenen entwaffnen kann. Das kindliche Lächeln ist die Einladung an den Erwachsenen, auf seine überlegene Stärke zu verzichten und sich auf die Ebene der Freundlichkeit zu begeben, anders gesagt, von der Ebene der Macht auf die Ebene der Liebe.

Das, was den Kindern gelingt, können auch wir Erwachsenen praktizieren. Ein freundliches Lächeln

kann sein, wie wenn man den Vorhang aufzieht und die Sonne hereinlässt.

Es gibt allerdings auch eine Freude, die böse ist, das ist die Schadenfreude. Im harmlosen Fall mag sie noch lustig sein. Es gibt aber ein hämisches Lachen, das mehr Negatives über den Lachenden verrät als über den zu Schaden Gekommenen. Wer sich über die Beule am Auto seines Gegners freut, verrät eine Beule an seinem eigenen Charakter.

Aber es gibt die kleine Schwester davon. Da kann man über Missgeschicke lachen. Es war ja auch zu komisch, als bei einer kirchlichen Sitzung der Vorsitzende empört darüber schimpfte, dass einer sein Handy anhatte und zum Telefonieren aufstand, und kaum war seine Beschimpfung zu Ende, wurde er selber vom Tagungsbüro ans Telefon gerufen. Oder als in der Christvesper die Haßfurter Kantorei in feierlicher Stille zu singen anfing, aber ein Teil an anderer Stelle einsetzte als die übrigen, weil sie sich nicht geeinigt hatten, ob erst der Vers oder erst der Refrain kommt. Oder wenn die Chemielehrerin mit eindrucksvollen Worten den Ablauf eines Experimentes beschreibt und dann gibt es nur eine Verpuffung und sie hat den Ruß im Gesicht. Und in Regensburg kam die Organistin deutlich hörbar auf der Empore gegen Ende des Gottesdienstes, weil sie die Umstellung der Uhr auf die Sommerzeit buchstäblich verschlafen hatte.

Es passiert so viel Lustiges, dass man die vielen Witze in den Büchern eigentlich gar nicht braucht, z.B.: Der liebe Gott hat Adam geschaffen und betrachtet sein Werk wohlgefällig: Diese herrliche Gestalt, das wunderbare Maß seines Körpers. Dann schuf er die Eva. Und als er sie ansah, sagte er: „Na ja, die muss sich halt schminken.“

Über Missgeschicke muss man lachen können. Unsere Welt ist nun einmal so, dass sie nirgends vollkommen ist. Vollkommenheit hat Gott sich für sein Reich vorbehalten. Hier auf Erden ist immer irgendwo der Wurm drin. Man merkt nach 40 Kilometer Fahrt zu einem Besuch, dass man das Mitbringsel daheim liegen gelassen hat, stellt an der Kasse in der Menschenschlange fest, dass das Geld im Geldbeutel nicht reicht und ausgerechnet bei der Geburtstagsfeier mit Gästen hat man in der Küche die Suppe zweimal gesalzen. Johannes Heesters hat einmal gesagt: „Man kann sich voll Freude auf die Spitze eines Berges setzen, aber es ist weniger erfreulich, wenn es die Spitze eines Reißnagels ist.“ Ich habe das schon einmal ausprobiert, es stimmt.

Wenn man trotzdem lachen kann, hat man Anteil an der zentralen christlichen Botschaft, dass Gott mit unseren Fehlern, Missgeschicken und Verfehlungen gnädig und barmherzig umgehen will. Man kann befreit lachen, wenn einem Sünde vergeben ist, obwohl es schlimm war, was da geschehen ist. Wie viel mehr dürfen wir lachend darüber hinweg gehen, wenn kleine Missgeschicke passieren, die im Augenblick zwar peinlich und für den Betroffenen auch ärgerlich sind, aber überhaupt nicht lohnen, sich daran länger aufzuhalten. Wenn Jesus sagt, dass er gekommen ist, die Sünder selig zu machen, dann hat er sich eben nicht denen zugewendet, die sich selbst für Musterknaben halten, weil sie Dummes und Peinliches vermeiden könnten. Gerade deshalb war vielen an Jesus so ärgerlich, dass er mit Zöllner und Sündern zu Tische saß und dabei fröhlich war. Deshalb nannten sie ihn einen Fresser und Weinsäufer. Der Menschenfreund Jesus stört sich sicher nicht am Allzumenschlichen. Und wenn wir werden sollen wie die Kinder, um ins Himmelreich zu kommen, dann dürfen wir uns auch einmal eine Kinderei erlauben, als Erwachsene kindliche Momente haben und uns so verhalten, dass nicht alles ins Protokoll der Untadeligkeit kommt.

Auch in ernsten Zeiten und persönlich bedrückenden Situationen müssen wir nicht verbissen und verdrießlich leben. Veronika Ferres hat sich gewundert, dass ihre krebskranke Freundin trotzdem so fröhlich war. Zur Erklärung sagte diese: „Ich habe nicht nur Krebs.“ Sie hatte noch einen Blick für all das, was es trotzdem noch zu erleben gab. Unser Glaube darf sich auch in schweren Augenblicken ein trotz allem frohes Gemüt bewahren. „In dir ist Freude in allem Leide.“ Und man tut einen ganz wichtigen Liebesdienst, wenn man man Traurigen hilft, einmal fröhlich zu sein und ein Lächeln zwischen ihre Tränen zu fügen.

„Wer zuletzt lacht, lacht am besten“, sagt das Sprichwort. So soll es ganz besonders für unseren Lebens- und Glaubensweg gelten. Zuletzt, am ewigen Ziel, wird unser Mund voll Lachens und unsere Zunge voll Rühmens sein. Dann wird Gott abwischen alle Tränen von unseren Augen. „Also werden wir weinend ankommen“, hat einer gesagt, weinend nach allem Leid, das hinter uns liegt, aber auch weinend vor Glück, als Begnadigte unverdient angekommen zu sein. Da soll man das Lachen aber nicht vorher verlernt haben.

Loben, Leiden, Lieben und Lachen können – das ist die Stärke der Glaubenden. Aber auch hier gilt das Wort des Apostels Paulus: Nicht dass ich’s schon ergriffen habe oder schon vollkommen sei, ich jage ihm aber nach, nachdem ich von Christus Jesus ergriffen bin. Das bleibt unser Ziel. Es ist nicht alles möglich, was die Menschheit sich erträumt. Aber das bedeutet nicht, dass der Horizont unserer Erwartungen enger wird. Der Glaube an Jesus Christus macht ihn ganz weit. Dorthin sind wir zusammen unterwegs. Und wie schon am ersten Abend gesagt: Wenn einmal alles andere zurückbleiben muss, dann können wir das Loben und das Lachen und die Liebe sogar mitnehmen in jene bessere Welt; nur das Leiden wird auf Erden zurückbleiben. Die Einladung dahin ist mehr wert als Karten für die Bayreuther Festspiele und man muss keine 10 Jahre warten. Die Einladung Jesu zu seinem Fest gilt sofort. Und sie gilt uns allen.