Gottesdienst – Josua 24, 14-16
Zur PDFKirchweih Kreuzkirche , 22.10.2006, Josua 24, 14-16
Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die
Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen. Wir wollen
in der Stille darum beten, dass der Herr diese Predigt segnet. …
Herr, wir bitten dich, gib deinen H. Geist zum Reden und zum
Hören. Amen.
Heute ist Wahltag. Ein neuer Kirchenvorstand wird gewählt.
In ganz Bayern sind alle Evangelisch Lutherischen Kirchenmitglieder,
die mindestens 14 Jahre und konfirmiert sind oder wenn sie nicht
konfirmiert sind, mindestens 16 Jahre alt sind aufgerufen zur Wahl zu
kommen.
Eine wichtige Entscheidung muss getroffen werden: Welche Frauen und
Männer sollen in den knapp 2000 Kirchengemeinden unserer
Landeskirche in den Vorstand berufen werden und in den kommenden sechs
Jahren die Richtung bestimmen?
Eine sehr wichtige Aufgabe, bei der es nicht nur um Verwaltungsaufgaben
und um Geld geht, sondern immer wieder auch um geistliche Fragen und
Entscheidungen. Nur ein paar Beispiele aus den letzten Jahren
möchte ich nennen. Wir haben darüber beraten und beschlossen,
wie wir es mit dem Abendmahl halten wollen in unserer Gemeinde und sind
nach gründlicher Prüfung zu dem Entschluss gekommen, dass
Kinder ohne Unterweisung in unserer Kirche nicht zum Heiligen Abendmahl
zugelassen werden. Erst nach Unterweisung im, in der Regel im
Konfirmandenunterricht dürfen und sollen sie am Abendmahl
teilnehmen.
Das Abendmahl war uns so heilig, wichtig und wertvoll, dass wir es
nicht zulassen wollen, dass Kinder daran teilnehmen, die den Leib und
das Blut des Herrn nicht von anderem Essen und Trinken unterscheiden
können. So werden Kinder, die mit den Angehörigen nach vorne
kommen gesegnet.
Andere wichtige Themen waren Konfirmation und Konfirmandenarbeit,
Umgang mit Homosexualität und biblischen Aussagen dazu. Ja
manchmal ging es um heiße Themen und schwierige Fragen und
manchmal wurde auch kontrovers diskutiert. Es müssen in einem
Kirchenvorstand Entscheidungen getroffen werden, vor Gott und dem
Gewissen. Auch wenn sie nicht populär sind und wenn mit Widerstand
zu rechnen ist. Das ist oft keine leichte Aufgabe und wir sind froh und
dankbar, dass sich wieder genügend Frauen und Männer aus
unserer Gemeinde bereit erklärt haben, im Fall ihrer Wahl diese
große Verantwortung zu übernehmen. Es geht nicht um die Ehre
von Menschen und zeitabhängige Geschmacksfragen, sondern um die
Ehre Gottes und um die Wahrheit Gottes, auch um Entscheidungen, die
für die Ewigkeit von Bedeutung sind.
Um eine Wahl und um eine solche Entscheidung, die für die Ewigkeit
zählt geht es auch in dem Predigttext, der in diesem Jahr für
den Kirchweihsonntag vorgesehen ist. Das Schriftwort für die
Predigt an diesem Kirchweihsonntag steht bei Josua im 24. Kapitel.
Josua hatte als Nachfolger des Mose das Volk Israel über den
Jordan und in das von Gott versprochene Land Kanaan geführt. Er
hatte viele Kriege geführt gegen die Bewohner der Städte und
Dörfer. Die Stämme Israels hatten sich im ganzen Land
verteilt und niedergelassen. Nach über vierzig Jahren Wanderschaft
in der Wüste waren sie froh, endlich in festen Häusern zu
wohnen und nicht wieder weiter zu müssen.
Josua hat sein Riesenwerk, seinen gefährlichen Auftrag zu Ende
gebracht. Nun gegen Ende seines Lebens ruft er noch einmal das Volk und
die Führer der Stämme zusammen zu einem Landtag in Sichem,
einem Ort in der Mitte des Landes. Er erinnert das Volk noch einmal an
die großen Wunder, die sie erlebt haben seit der Befreiung aus
der ägyptischen Sklaverei.
Josua weiß, dass es jetzt darauf ankommt, wie die Frauen und
Männer mit der neuen Situation der Sesshaftigkeit umgehen werden.
Werden sie zusammenhalten? Werden sie tun, was dem Frieden dient?
Werden sie einander in Gefahr beistehen? Und vor allem das liegt ihm am
Herzen: Werden sie Gott treu bleiben? So ruft er sie zusammen, ermahnt
sie als weiser alter Mann und Führer der sein Amt abgibt noch
einmal und stellt sie vor die Wahl:
So fürchtet nun den Herrn und dient ihm treulich und rechtschaffen
und lasst fahren die Götter, denen euere Väter gedient haben
jenseits des Euphratstroms und in Ägypten und dient dem Herrn.
Gefällt es euch aber nicht, dem Herrn zu dienen, so
wählt euch heute, wem ihr dienen wollt: den Göttern, denen
euere Väter gedient haben jenseits des Stroms oder den
Göttern der Amoriter, in deren Land ihr wohnt.
Ich aber und mein Haus wollen dem Herrn dienen.
Da antwortete das Volk und sprach: Das sei ferne von uns, dass wir den Herrn verlassen und anderen Göttern dienen.
Josua fordert das Volk, jeden Einzelnen zu einer persönlichen
Entscheidung heraus. War das eigentlich nötig? War es nicht klar,
zu wem sie gehören? Zum Gott Abrahams und Isaaks und Jakobs. Zu
dem Gott, der für sie die Fluten des Roten Meeres geteilt hatte,
der sie vor wiederholt vor dem Verhungern, Verdursten und vor
übermächtigen Feinden gerettet hatte. Sie gehörten doch
zu dem Gott, der ihren Vorfahren das Land in dem sie nun wohnten
versprochen hatte. In dieses Volk sind wir hineingeboren, das ist
unsere Geschichte und unsere Kultur, unsere Tradition und unsere
religiöse Sozialisation. Muss man da noch fragen? Gibt’s da
noch eine Entscheidung zu treffen? Ist das nicht klar, nicht
selbstverständlich?
Nein! Macht ihnen Josua auf diesem Landtag in Sichem klar. Die
Zugehörigkeit zu Gott gründet sich nicht auf Tradition,
Kultur oder Geschichte. Sie ist auch nicht automatisch durch ein
frommes Elternhaus gesichert. Zugehörigkeit zu Gott erfordert eine
klare bewusste Entscheidung. Eine Entscheidung, wie bei einer Wahl.
Wählt euch, wem ihr dienen wollt! Diesem Gott? Dem Gott euerer
Väter? Dem Herrn, der euch am Sinai seinen Willen mitgeteilt und
in den Zehn Geboten schriftlich gegeben hat? Oder einem anderen Gott
unter den vielen Göttern, die in der Welt und unter den
Völkern verehrt werden.
Es war noch kein Menschenalter her, da hatte sich das Volk ein goldenes
Kalb als Gott gewählt um das es dann getanzt, gesungen und
gejubelt hatte. Josua wusste, wie schell es gehen kann, dass Menschen
Gott vergessen und gegen Götzen austauschen. Es dauert kein
Menschenalter.
40 Jahre DDR, kommunistische Parolen und atheistische Erziehung haben
eine weitgehend heidnische Bevölkerung zurückgelassen. Nach
der Grenzöffnung und Wiedervereinigung wollten viele dann auch
mitmachen beim Tanz um das Goldene Kalb des Wirtschaftswunders. Im
Westen waren es 40 Jahre Wohlstand und Aufschwung, die viele in unserem
Land Gott vergessen ließen. Miteinander hat man um das Goldene
Kalb Konsum getanzt, das Wohlstand und Glück, Sicherheit und
Erfolg versprochen hat. Aber an vielen Stellen ist nun das Gold
abgeplatzt und die Versprechen haben sich nicht erfüllt.
Das Goldene Kalb ist lahm geworden und ziemlich dürr. Die
Vergoldung ist an zahllosen Stellen abgeplatzt. Vielen ist das Tanzen
und Singen vergangen. Armut macht sich immer breiter und
hinterlässt ihre Spuren. Schulabsolventen verlieren langsam den
Mut und die Hoffnung, weil sie keinen Ausbildungsplatz finden.
50jährige fragen sich, ob sie noch eine Chance haben.
Hat da ein Volk, das in seiner Geschichte auch viele Wunder erlebt hat,
dem das Wort Gottes und das Evangelium durch die Reformation
mundgerecht serviert wurden nicht die falsche Wahl getroffen? Wem haben
wir gedient mit unseren Kräften, mit unserem Erfolg, mit dem
Aufschwung? Welchen Götzen haben wir uns verschrieben, als die
Entscheidung für den lebendigen Gott nicht fiel? Dem Geld, dem
Sex, der Mode, der Mobilität, dem Erfolg? War es richtig, die
Götter und die Religionen wertfrei und weltoffen multikulturell
nebeneinander zu stellen und das klare Bekenntnis zu Jesus Christus zu
unterlassen?
Langsam zeichnen sich die Folgen dieser falschen Entscheidungen am
Horizont unserer Gesellschaft ab. Die Götzen haben versagt, Gott
ist vergessen. Gebote gelten nicht mehr. Gottesdienste werden nur noch
von Minderheiten besucht. Kirchen werden verkauft oder geschlossen. Die
Unterhalts- und Heizkosten können nicht mehr aufgebracht werden.
Die Kirche in Deutschland ist in einem traurigen Zustand. Der Rost nagt
nicht nur an Glockenstühlen. Risse zeigen sich nicht nur in
gotischen Gewölben. Sie gehen viel tiefer! Durch Gemeinden und
Gremien, durch Familien und Herzen. Da sind wenige, die das noch so
klar sagen, wie der alte Josua: Ich und mein Haus wollen dem Herrn
dienen!
Auf dem Landtag in Sichem, vor dem ganzen Volk, forderte Josua auf zu
wählen: Wählt euch einen Gott! So wie man eine Partei
wählt oder einen Kandidaten. Wie man die Farbe eines Autos
wählt oder ein Parfum. Klingt das nicht modern? Wählt euch
einen Gott! Jeder soll nach seiner Fasson selig werden. Multikulturell,
tolerant, weltoffen!
Mit seiner Aufforderung hätte Josua bei den Medien wohl noch
Beifall gefunden. Aber er belässt es ja nicht dabei. Er bezieht ja
selber eindeutig Stellung. Er bekennt sich:
Ich aber und mein Haus wollen dem Herrn dienen!
Josua hat den Mut seine Entscheidung, seine Wahl offen zu
bekennen. Er versteckt seinen Glauben nicht. Er weiß, wohin eine
falsche Wahl führt. Er kennt die Folgen von falschen
Entscheidungen.
Josua ist alt geworden. Die Bibel berichtet davon, dass er bald nach
diesem Landtag von Sichem als 110jähriger verstarb. Es lag ihm
daran, dem Volk noch einmal die richtige Wahl zu zeigen. Noch einmal
warnt er vor den Folgen einer falschen Wahl: „Wenn ihr den Herrn
verlasst und fremden Göttern dient, so wird er sich abwenden und
euch plagen und euch ausrotten, nachdem er euch Gutes getan hatte.“
(24,20)
Die klaren Warnungen Josuas und sein klares Bekenntnis zu Gott hatten
zur Folge, dass ein Ruck durchs Volk ging. Nein! Riefen sie, wir wollen
nicht dem Gericht Gottes anheim fallen. Sondern wir wollen dem Herrn
dienen! Gut so antwortet Josua, aber dann tut von euch die fremden
Götter, die unter euch sind und neigt euer Herz zu dem Herrn.
Wer wählt, trifft eine Entscheidung und zieht Konsequenzen. Es
genügt nicht, wenn man nur Ja sagt und dann so lebt, als
hätte es dieses Ja nie gegeben. Wenn man bei einer Konfirmation Ja
zu einem Leben mit Jesus Christus und in seiner Gemeinde sagt, aber
dann ohne Jesus und weit weg von der Gemeinde lebt, dann war das Ja
umsonst.
Es geht darum das Herz Gott zuzuneigen. Josua meint mit Herz hier nicht
den faustgroßen Muskel, der Blut durch unsere Adern pumpt solange
wir leben, sondern er meint unsere Aufmerksamkeit, unsere Liebe,
unseren Gehorsam, unsere Achtung unsere Ehrfurcht. Zuneigen bedeutet
sich zu Gott hinwenden und sich gleichzeitig vor ihm verneigen, beugen.
Wir sind aufgerufen von falschen Wegen umzukehren und unsere stolzen
Nacken zu beugen vor dem einen Gott, der keine anderen Götter
neben sich duldet. Durch Jesus Christus hat er uns die Umkehr leicht
gemacht. Jesus nimmt uns Schuld ab, wenn wir sie vor ihn bringen. Er
bringt sie für uns vor Gott in Ordnung. Ja, dieser Jesu hat sein
Haupt für uns gebeugt. Obwohl er ohne Sünde war, hat er sich
zwischen die Sünder eingereiht, hat sich von Johannes taufen
lassen. Er ist für uns vor Gott auf die Knie gegangen und hat
gebetet, dass er auch nicht einen von uns verliert. Zuletzt hat er sein
Haupt geneigt, als er für uns am Kreuz hing und starb, damit wir
leben.
Denn Gott will nicht den Tod des Sünders. Er will nicht den Tod
des Menschen, der die falsche Wahl getroffen hat. Er will die Umkehr
des Sünders und die richtige Wahl: Für das Leben, für
die Liebe, für die Wahrheit! Für Jesus! Für den
dreieinigen Gott!
Auch Gott hat gewählt. Mit Jesus hat er sich für uns Menschen
entschieden. Aus Liebe und Erbarmen. Er hat uns einen Weg gezeigt,
seinen Weg, heraus aus Schuld und Abhängigkeit, heraus aus Tod und
Vergänglichkeit, heraus aus Angst und Zweifel. Er zwingt keinen,
seinen Weg zu gehen, aber er ruft uns und sucht uns und bittet uns, die
rechte Wahl zu treffen. Wenn wir Jesus, seinen Weg, seine Wahrheit
wählen, immer wieder, immer neu, nach jedem Irrtum und Irrweg,
dann wählen wir das Leben und die Zukunft.
Wir haben heute eine wichtige und Richtung weisende Wahl.
Kirchenvorstandswahl. Aber die andere Wahl, zu der Josua hier
auffordert, ist noch viel wichtiger und muss immer wieder neu getroffen
werden. Dass wir mutig und trotzig gegen alle Widerstände sagen:
Ich aber und mein Haus wollen dem Herrn dienen!
Zu Josua, der sich so bekennt hat Gott das wunderbare Wort gesagt, das
2006 Jahreslosung ist: Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich
nicht.
Wir dürfen sich sein: Diese Zusage galt nicht nur dem Josua
vor über 3000 Jahren, sondern sie gilt uns allen, wenn wir uns
auch so zum Herrn bekennen: Ich aber und mein Haus wollen dem Herrn
dienen!
Amen.
Verfasser: Martin Schöppel, Dr.-Martin-Luther-Str.18, 95445 Bayreuth, Tel.0921/41168