Gottesdienst – Josua 1, 1-9

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Neujahr 2006, Kreuzkirche, Josua 1, 1-9

Gnade sei mit euch und Friede, von Gott, dem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Amen.
Wir wollen in der Stille um den Segen Gottes für diese Predigt bitten: Herr, wir bitten dich um deinen Heiligen Geist zum Reden und zum Hören. Amen.

Der Neujahrsmorgen hat auch so seinen besonderen
Charakter, finden Sie nicht? Da ist es noch ruhiger auf den
Straßen als sonst an einem Feiertag in der Früh. Es
fährt kaum ein Auto, die Rollos sind an den meisten Häusern
noch nicht hochgezogen, Fensterläden noch geschlossen. Viele, die
in der vergangenen Nacht gefeiert und auf das neue Jahr
angestoßen haben, sind erst in den frühen Morgenstunden ins
Bett gekommen und wollen erst mal ausschlafen. Vielleicht muss auch
erst der Alkoholspiegel abgebaut werden.

Auch wenn man an diesem Morgen nicht wüsste, dass es der erste
Januar ist, würde man es doch sehr schnell merken auf dem Weg zur
Kirche. Woran? Na an den vielen ausgebrannten Feuerwerkskörpern.
Alle paar Meter Reste zerfetzter Böller und Kracher, angekohlte
Holzstäbchen, ausgebrannte leere Papphülsen von den
zahlreichen Silvesterraketen.

Jetzt liegen sie kraftlos da, zu nichts mehr nütze und
verschandeln den Beginn des neuen Jahres. Dabei waren sie doch
kraftvoll und schnell, so potent und prächtig. Kaum war die
Zündschnur entzündet, hoben sie zischend ab und trugen ihre
geballte Ladung hundert Meter und höher über die Dächer.
An ihrem höchsten Punkt explodierten sie krachend und zerfielen in
zahlreiche bunt glänzende Sternchen. Ein zwei Sekunden leuchteten
sie weithin sichtbar, schon im Fallen erlosch ihr Licht. Verglüht.
Standen Sie auch am Fenster oder auf dem Balkon und haben sich das
angesehen?

Die ausgebrannten Raketenreste sind vielleicht auch ein Sinnbild
für manches Leben. Viele zünden ihr Leben, gehen ab wie eine
Rakete, freuen sich, dass sie von der Energie des Treibsatzes, von
ihrer sprühenden Lebenskraft nach oben getragen werden, wo sie
sich eindrucksvoll entfalten können.

Ja, wir können, wenn wir jung und stark sind alles mögliche
Schöne und Eindrucksvolle aus unserem Leben machen. Aber die
Lebensenergie verpufft schnell. Wer sich zu viel zutraut, zu viel
zumutet, hat sein Pulver schnell verbraucht, ist bald ausgebrannt. Dann
sind die glanzvollen Zeiten vorbei, man fällt haltlos, stürzt
ins Bodenlose, ist am Boden zerstört.

Nur aus eigener Kraft leben endet, früher oder später immer
so. Lebenskräfte verbrauchen sich. Nicht lange, dann wird jeder
Schritt mühsam, die Stimme leise, der Geist träge, das Herz
schwach. Manche, die einige Jahrzehnte durchs Leben gejagt sind, leiden
schon bald unter dem Burn-out-Syndrom. Oft liegt es auch an der
Überforderung, am System, das immer mehr in immer kürzerer
Zeit von den Menschen fordert. Zu viele, zu große Aufgaben,
Verantwortung, Stress.

Unser Schriftwort am Neujahrstag ist eine Geschichte, in der ein Mann
vor einer riesengroßen Aufgabe steht und nicht weiß, wie er
sie bewältigen soll. Josua, der als Nachfolger des Mose das Volk
Israel in ein neues Land, in das von Gott versprochene Land Kanaan
führen soll.

Josua 1, 1-9:

Als Mose gestorben war, sprach der Herr zu Josua, dem Sohn Nuns, der Mose bei seinen Aufgaben geholfen hatte:
Mein Diener Mose ist tot, nun wirst du Israel führen! Befiehl dem Volk, sich für den Aufbruch fertig zu machen.
Ihr werdet den Jordan überqueren und in das Land ziehen, das ich euch gebe. Jedes Gebiet, in das ihr vordringt, gehört euch. Das habe ich schon Mose versprochen.
Euer Land wird von der Wüste im Süden bis zum Libanon im Norden reichen und vom Euphrat im Osten, bis zum Mittelmeer im Westen; das ganze Gebiet der Hetiter wird euch gehören. Dein Leben lang wird niemand dich besiegen können. Denn ich bin bei dir, so wie ich bei Mose gewesen bin. Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht.
Sei stark und mutig, denn du wirst das Land einnehmen, das ich eueren Vorfahren versprochen habe, und du wirst es den Israeliten geben. Sei mutig und entschlossen! Bemühe dich darum, das ganze Gesetz zu befolgen, das dir mein Diener Mose gegeben hat. Weiche nicht davon ab!
Dann wirst du bei allem, was du tust, Erfolg haben. Sag dir die Gebote immer wieder auf! Denke Tag und Nacht über sie nach, damit du dein Leben ganz nach ihnen ausrichtest. Dann wird dir alles gelingen, was du dir vornimmst.
Ja, ich sage es noch einmal: Sei mutig und entschlossen! Lass dich nicht einschüchtern, und hab keine Angst! Denn ich, der Herr, dein Gott, bin bei dir, wohin du auch gehst.“

Eine gewaltige Aufgabe, die Gott dem Josua hier gibt. Aber auch
gewaltige Zusagen und Versprechen, die er damit verknüpft: Dein
Leben lang wird dich niemand besiegen können. Ich lasse dich nicht
fallen und verlasse dich nicht. Sie haben es vielleicht schon gemerkt,
dieser Satz ist unsere Jahreslosung für das Jahr 2006. Gott
spricht: Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht.

Wer sich an dieses Gotteswort hält, der wird nicht wie die
ausgebrannte Silvesterrakete enden, sondern darf von einer Kraft leben,
die von außen, die von Gott kommt. Er verspricht dem
überforderten Josua: Nie wende ich mich von dir ab. „Ich will dich nicht verlassen, noch von dir weichen.“ übersetzte Martin Luther.

Ist das ein Blankoscheck? Kann der Josua dieses Versprechen Gottes
ausnutzen um ein großer Staatsmann und Feldherr zu werden? Nein!
Die großen Zusagen Gottes an Josua bleiben geknüpft an den
Willen und die Gebote Gottes. Er soll sich nicht abbringen lassen von
den ewig gültigen Ordnungen Gottes. Eine neue Zeit, ein neues Land
heben nichts von dem auf, was Gott in seinen Geboten sagt.

Die Jahreszahl 2006 macht da keine Ausnahme. Auch im neuen Jahr bleibt
Gott der Heilige, ist es gefährlich seinen Namen zu verspotten
oder lächerlich zu machen, bleibt der Sonntag von Gott
geschütztes Gut.

Auch in den vor uns liegenden 365 Tagen bleibt es so: Gott segnet die
Ehe, die Familie, das menschliche Leben, das Eigentum und die Wahrheit.
Und alle, die daran etwas ändern, werden mit den Folgen leben
müssen.

Wenn wir dem Wort Gottes vertrauen, wenn wir es für uns gelten
lassen und uns darauf verlassen, so wie Josua das damals getan hat,
wird das auch Folgen haben, aber ganz andere, segensreiche Folgen. Wir
werden nicht fallen gelassen, wir müssen nicht nur von eigenen
Kräften leben. Wir sind auch dann gehalten und getragen, wenn uns
die eigenen Kräfte immer mehr verlassen. Gott sagt: Vertrau mir
auf dem unbekannten Weg in das neue Land, in das neue Jahr. Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht.

Hoch über dem Marktplatz einer kleinen Stadt hatte ein
Seiltänzer sein Seil gespannt und machte dort oben über den
staunenden Augen vieler Zuschauer seine gewagten Kunststücke.
Gegen Ende der Vorstellung holte er eine Schubkarre hervor und rief zu
den Anwesenden hinunter: „Trauen Sie mir zu, dass ich die Karre
über das Seil schiebe?“ „Ja, sicher! Wir wollen es sehen!“ riefen
die Leute von unten herauf.

Würde sich dann jemand meiner Geschicklichkeit anvertrauen, die
Leiter heraufsteigen, sich in die Karre setzen und sich von mir
über das Seil fahren lassen?“ Ein Raunen ging durch die Menge. Die
Leute schüttelten die Köpfe. Nein, dazu hatte niemand Lust.
So viel Mut und Vertrauen hatte keiner.

Da löste sich ein kleiner Junge aus der Menge und rief zum
Seiltänzer hinauf: „Ich setze mich in die Schubkarre!“ Und noch
bevor ihn jemand aufhalten konnte, kletterte er flink die Leiter hinauf
und stieg in die Karre. Der Seiltänzer schob die Karre über
die entsetzt schweigende Menge langsam und sicher über das Seil
bis zum anderen Ende. Tosender Beifall als der Junge aus dem
schwankenden Gefährt steigt und die Leiter hinunter klettert.
Unten fragen sie ihn: „Hattest du denn überhaupt keine Angst?“
„Ach nein“, lacht er vergnügt, „es ist ja mein Vater, der mich da
oben über das Seil geschoben hat und ich weiß, der
lässt mich nicht fallen.“

Der Junge hat volles Vertrauen in seinen Vater. Der lässt mich
nicht fallen! Bei ihm bin ich sicher. Er sieht nicht in die Tiefe,
überlegt nicht, was alles passieren könnte, sondern vertraut
dem Vater. So dürfen wir durch alle Tage des begonnenen Jahres dem
Vater im Himmel und seinem Sohn Jesus Christus, unserem Heiland
vertrauen. Er lässt uns nicht fallen und er verlässt uns
nicht. Was auch an Aufgaben, Verantwortung, Anforderungen vor uns
liegt, welcher Berg zu bewältigen ist, welches dünne Seil es
zu überqueren gilt, wenn wir dem Herrn und seiner Macht vertrauen,
sind wir gehalten und getragen, geführt und bewahrt. Dann
dürfen wir für jeden Tag neu um die Kraft bitten, die wir
brauchen. Auch ich will es tun und kann es nicht anders machen.

Mitten im Feindesland, mitten in feindlicher Umgebung kann der Herr
seine Leute schützen und segnen und zum Ziel führen.
Militärisch und strategisch hatte das Volk Israel damals keine
Chance das Land einzunehmen. Genauso wie im vergangenen Jahrhundert hat
Gott sein Volk gegen eine Übermacht von Feinden gestärkt.

Vielleicht denken Sie jetzt: Ich will ja nach Gottes Willen leben. Ich
will, dass seine Gebote in meinem Leben gelten. Aber oft schaff’
ich es nicht. Ich werde schuldig, obwohl mir Gottes Gebote wichtig und
heilig sind. Es ist nur ehrlich, wenn jemand so denkt. Aber das
Sündigen aus Schwachheit hebt Gottes Treue und Segen noch nicht
auf. Dafür gibt es Vergebung. Dafür hat Jesus Christus sein
Blut vergossen und uns Gottes Gnade gebracht. Auch, wenn jemand immer
wieder schwach wird oder ausrastet oder scheitert. Dafür gibt es
Buße und Vergebung. Jesus lässt auch Sünder nicht
fallen!

Wir dürfen alles in diesem neuen Jahr mit Jesus angehen, im Namen
Gottes beginnen. Nehmen wir die starken Worte Gottes an Josua für
uns und halten sie fest im Glauben: Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht. Amen

Verfasser: Martin Schöppel, Pfarrer, Dr.-Martin-Luther-Str.18, 95445 Bayreuth, Tel. 0921/41168