Gottesdienst – Johannes 6, 47 – 51
Zur PDFLätare, 18.03. 2007 Johannes 6, 47 – 51
Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Wir beten in der Stille um den Segen für diese Predigt. … Herr, wir bitten dich, erhöre uns. Amen.
Das Leben ist voller Missverständnisse. Manche peinlich, manche gefährlich, manche zum Lachen.
Ein älteres Ehepaar sitzt im Urlaub in einer Kirche im Gottesdienst. „Schlechte Akustik hier.“ Flüstert die Frau ihrem Mann nach einer Weile zu. Der Mann hebt den prüfend den Kopf, und erwidert leise: „Jetzt, wo du’s sagst, riech ich’s auch.“
„Stillgestanden!“, brüllt der Spieß. Die Rekruten stehen stramm. Der Spieß geht die ganze Linie prüfend mit den Augen durch. „Was ist mit dem dahinten mit dem roten Helm?“, brüllt er weiter. „Das ist ein der Hydrant, Herr Feldwebel!“ kommt es aus der Truppe zurück. „Das ist mir egal, meine Befehle gelten auch für Akademiker!“
Zu dem Empfang in einer kleinen Stadt waren alle wichtigen Leute eingeladen. Nacheinander trafen sie mit ihren Partnern oder Partnerinnen ein. Schließlich kommt auch ein Geistlicher als Vertreter der katholischen Kirche, natürlich allein.
Eine junge Geschäftsfrau spricht ihn an: „Guten Tag Herr Pfarrer, haben sie ihre Frau nicht mitgebracht?“ Der etwas pikiert: „Aber gnädige Frau, wir haben doch den Zölibat!“
„Na und!“ gab die Frau zurück, den hätten Sie ruhig auch mitbringen können.“
Missverständnisse! Bestimmt könnten Sie auch eine ganze Menge aus Ihrem Leben erzählen.
Auch in unserem heutigen Schriftwort für die Predigt aus dem 6. Kapitel des Johannesevangeliums spielen Missverständnisse eine Rolle, allerdings folgenreiche. Die wenigen sind Verse aus einem größeren Zusammenhang, den ich kurz nenne. Vorausgegangen war am Vortag die Speisung der 5000. Mit fünf Broten und zwei Fischen hatte Jesus die große Menschenmenge satt gemacht. Ein unbeschreibliches Erlebnis für die Leute damals, von denen sicher viele Hunger und Not oder doch wenigstens die Sorge um das tägliche Brot kannten. Da gibt ihnen einer satt zu essen, ganz umsonst. Körbeweise werden sogar noch Reste davongetragen. Gesättigt und zufrieden ziehen die Menschen heim in ihre Dörfer.
Als sie am nächsten Morgen aufstehen, sind sie natürlich nicht mehr satt. Aufs Neue meldet sich der Hunger. Wieder beginnt der Kampf ums tägliche Brot. Aus dem leeren Magen wächst die alte Sorge: Werde ich heute, werde ich morgen das nötigste zum Leben für mich und meine Familie zu Essen haben? Ob wir wieder satt werden? Sie erinnern sich an das Brotwunder des Vortages.
Wo ist Jesus? Wo ist der, der uns gestern so wunderbar gesättigt hat? “ Ich hab’s euch gestern schon gesagt“, schreit einer, „wir sollten diesen Jesus zu unserem König machen! Dann ist für immer Schluss mit Sorgen und Hungern.“ „Ja, wir machen ihn zum König!“ Sie suchen ihn in den Orten rund um den See Genezareth. In Kapernaum schließlich finden sie ihn.
Jesus ahnt, warum sie ihm nachgekommen sind und was sie von ihm wollen. Brot wollen sie, satt wollen sie werden, leben wollen sie. Leben ohne Sorgen und Mühe. – Voller Erwartung sehen sie ihn an: „Jesus, gib uns wieder Brot!“, fordern ihn ihre Augen auf. „Mach uns wieder satt!“ Aber der Herr erfüllt ihre Erwartungen diesmal nicht. Er weiß, wenn er ihnen auch dieses Mal Brot und Fisch gibt, kommen sie morgen hungrig wieder. Sie sind nur am Brot interessiert, nicht an ihm. Er will ihnen aber doch etwas anderes, etwas Größeres geben: Sich selbst und damit ewiges Leben.
„Denkt doch nicht immer nur an das, was ihr zum täglichen Leben braucht! Setzt alles dafür ein, die Nahrung zu bekommen, die euch das ewige Leben bringt. (6,27) Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, der wird keinen Durst mehr haben.“ (6,35)
Volksgemurmel! Sie verstehen nicht. Widerspruch wird laut. Was soll denn das heißen? Er, Jesus von Nazareth, das Brot des Lebens? Wir kennen Maria, seine Mutter, Josef, seinen Vater. Was soll das bedeuten? „Ich bin das Brot des Lebens.“ Aber Jesus besteht darauf und sagt es ihnen noch einmal mit den Worten unseres heutigen Predigttextes (Joh.6, 47-51):
Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer glaubt, der hat das ewige Leben.
Ich bin das Brot des Lebens.
Euere Väter haben in der Wüste Manna gegessen und sind gestorben. Dies ist das Brot, das vom Himmel kommt, damit, wer davon isst, nicht sterbe.
Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist. Wer von diesem Brot isst, der wird leben in Ewigkeit. Und dieses Brot ist mein Fleisch, das ich geben werde für das Leben der Welt.“
Eindeutige Worte und doch herrschen immer noch Missverständnisse. „Was will der? Wie kann der uns sein Fleisch zu essen geben? Sind wir Kannibalen?“ – Können sie nicht verstehen, was Jesus meint? Wollen sie nicht verstehen? Weil sie meinen ihn zu kennen und meinen zu glauben, dass er auch nichts anderes ist als sie? Was hat er, Jesus, mit ewigem Leben zu tun? Viele Missverständnisse. Die Ablehnung wächst.
Überall, wo Gott, wo Jesus abgelehnt wird, häufen sich die Missverständnisse: Das Missverständnis, dass Geld glücklich macht oder das Missverständnis, dass Gesundheit das Wichtigste im Leben wäre. Das Missverständnis, dass man jung und schön sein muss um das Leben genießen zu können und dass Leben immer nur Spaß machen muss. Das Leben ohne Glauben ist voller fataler Missverständnisse.
Das Missverständnis etwa, man würde Zeit verlieren, wenn man täglich betet oder wöchentlich einen Gottesdienst besucht. Das fortschrittsgläubige Missverständnis: Nur noch ein paar Entdeckungen und wir haben das Leben im Griff. Das Missverständnis, dass Abtreibungen eine kinderfreundlichere Gesellschaft hervorbringen würden, hat vor Jahren zur Freigabe der Abtreibung geführt. Missverstandene Freiheit hat die Scheußlichkeiten an Gewalt und Perversion hervorgebracht, die sich heute jedes Kind vor dem Bildschirm ansehen oder auf das Handy herunterladen kann.
Jesus widerspricht hier dem Missverständnis, dass satt sein genügt um erfüllt zu leben. Er sagt: Du kannst essen, soviel du willst und so oft du willst. Doch dauert es nicht lang und du hast wieder Hunger. Selbst wenn es ein Wunder ist, dass du dich satt essen kannst und es ist wirklich ein Wunder, wenn man zu den Menschen gehört, die sich Tag für Tag satt essen können. Zurzeit sind auf den Bestsellerlisten für Sachbücher die Kochbücher ganz vorn. Viele Prominente, nicht nur Köche geben Kochbücher heraus. Und die Leute kaufen, weil sie meinen, wenn sie so kochen, dann haben sie das Leben, dann sind sie auch oben und haben Teil am großen Glück.
Jesus erinnert an das Wunder, das das Volk Israel in der Wüste erlebt hatte, als Gott es mit Manna vor dem Verhungern rettete. Jeden tag gab’s dieses Himmelsbrot und sie konnten sammeln und sich satt essen. Aber der Zustand satt sein hielt auch damals nicht lange an. Und dann isst du wieder und wieder dein Leben lang, Kartoffeln und Rübensuppe oder Hummer und Kaviar. Isst, bis du alt bist und nicht mehr kannst oder bis dir eine Krankheit das Essen verleidet und du stirbst, so wie die alten Israeliten in der Wüste trotz des himmlischen Mannas irgendwann starben. Du stirbst und bist nie wirklich satt geworden, satt geblieben.
Die Massen laufen hinter den Königen und Königinnen her. Hinter denen, die ihnen vermeintliche Glücksmomente gegeben haben, in denen sie ihre Wünsche und Träume erfüllt sehen. King Elvis (Pressley), Queen Steffi Graf, der Kaiser, Franz Beckenbauer. Andere halten sich selber für Kings und Queens oder wenigstens für Prinzen und singen den Menschen von den Millionen vor, die sie nie haben werden. Gewinnspiele locken auf allen Kanälen Zuschauer an.
Steckt dahinter nicht die Sehnsucht, auf Dauer satt sein zu wollen, sich alle Wünsche erfüllen zu können, wenn man nur genug Geld hätte. Aber auch der Reichtum macht die Seele nicht satt. Auch im 21. Jahrhundert stimmt noch, was Andreas Gryphius im 17. Jahrhundert gedichtet hat:
den wir unsterblich achten,
ist nur ein falscher Wahn;
sobald der Geist gewichen
und dieser Mund erblichen,
fragt keiner, was man hier getan.
(EG 527,2)
Kaiser Franz schlägt schon lange keine Traumflanken mehr und Queen Steffi lässt jetzt andere auf den kleinen Filzball dreschen. Ganz zu schweigen von King Elvis, der mit 42 Jahren unglücklich, süchtig und einsam starb. Der Ruhm verblasst.
„Schafft euch Speise, die nicht vergänglich ist, sondern die bleibt zum ewigen Leben.“ Diesen Rat gibt uns Jesus hier. Und er redet nicht von künstlich haltbar gemachten Lebensmitteln oder von biologisch angebauten Körnern. Was machen sich die Menschen zurzeit für Sorgen um das Essen! Es ist schon richtig, darauf zu achten, dass unsere Nahrungsmittel natürlich und schöpfungsgemäß produziert werden. Tiere sollen artgerecht gehalten werden. Landwirte bei uns und Landarbeiter irgendwo in der Welt auf großen Plantagen sollen gerechten Lohn erhalten und unter menschenwürdigen Bedingungen arbeiten. Aber wir dürfen dabei nicht vergessen, dass selbst bei Bio-Produkten und fairem Handel auch die gesündeste und schadstoffärmste Nahrung nicht das ewige Leben schenkt. Das kann nur einer. Der, der hier von sich sagt:
Ich bin das Brot des Lebens. Wer an mich glaubt, der hat das Ewige Leben.
Wie kann man denn diese Speise zu sich nehmen? Das muss ja wohl irgendwie anders gehen als mit den Klößen zum Braten heute Mittag oder der Pizza morgen Abend. Dafür braucht man Mund und Magen, vielleicht noch Zähne, erste, zweite oder dritte, das spielt keine Rolle. Wer Jesus, das Brot des Lebens in sich aufnehmen will, der braucht andere Organe. Ohren, um zu hören, Augen, die Jesu Worte lesen und vor allem ein offenes Herz, um anzunehmen, was Jesus sagt, um sich einzulassen auf seine manchmal harte Rede.
Der Herr Jesus betont hier, dass er von Gott, dem Vater kommt und dass alle, die ihn in sich aufnehmen, genau wie er, zusammen mit dem Vater, ewig leben werden. Er verspricht hier in diesem Kapitel auch, dass er niemanden hinausstoßen wird, der zu ihm kommt. Er weist keinen ab, der von ihm das Brot für die Ewigkeit erbittet. Er macht mit seiner Speise auch die satt, erfüllt und zufrieden, die es schwer haben im Leben, die mit einer Krankheit leben müssen, die immer wieder unter Schmerzen leiden, die wenig Geld, keinen Traumjob und keinen oder keinen idealen Lebenspartner haben.
Er preist die selig, die Leid tragen, geistlich arm sind, die sich nicht durchsetzen können, die um des Friedens willen lieber verzichten, die um der Gerechtigkeit willen leiden und für ihren gelebten Glauben nur Nachteile einstecken müssen. Denen gehört die Zukunft, die sind glücklich zu nennen.
Auf den Gewinnerlisten der Ewigkeit stehen, solche, die noch Mitleid empfinden, die im Dienst für andere ihre eigenen Interessen zurückstellen, die sich mutig gegen den Zeitgeist verhalten und denen Gottes Gebote noch heilig sind.
Wer mit dabei sein will in der Ewigkeit, der muss zuerst einmal auf Jesus sehen und hören, der muss den Anblick des Kreuzes ertragen, an dem der Sohn Gottes seinen Leib und sein Leben hingibt und sein Blut vergießt, damit uns mehr winkt, als ein bisschen Glück und ein bisschen Ruhm.
Wir müssen das Kreuz aushalten und die damit verbundene Anklage: FÜR DICH! Es war und ist nötig, dass der Sohn Gottes mit seinem Leben für deine und meine Sünde bezahlt, sonst gäbe es für uns keine Rettung, kein ewiges Leben.
Gott hat es uns doch eigentlich wirklich leicht gemacht, Jesus an- und in uns aufzunehmen. Die Einsetzung des Heiligen Abendmahls empfinde ich als barmherzigen Akt unseres Herrn. Wir dürfen ihn begreifen. Er ist ein Gott zum Anfassen, zum Anbeißen und Schlucken. Er ist nicht nur eine philosophische Idee oder ein theoretisches Denkmodell.
Im Kindergarten und in der Grundschule gibt man Kindern Dinge in die Hand, damit sie sie begreifen und verstehen, damit sie damit umgehen und sie später nützen können. Die Einsetzung des Heiligen Abendmahls war eine sehr anschauliche Tat Gottes, die es uns erleichtern soll für uns persönlich anzunehmen, was Jesus für uns getan hat.
Wer seinen Leib in sich aufnimmt, wer von seinem Blut trinkt, der ist erlöst, dem ist vergeben, der hat Gemeinschaft mit dem lebendigen Gott, der gehört zu ihm. Denken Sie daran, wenn Sie das nächste Mal zum Heiligen Abendmahl gehen. Bereiten Sie sich darauf vor, indem sie Ihr Leben betend mit Gott durchgehen: „Erforsche mich Gott, prüfe mich, sieh ob ich auf bösem Weg bin! Leite mich auf ewigem Weg.
Das Heilige Abendmahl im Glauben nehmen, heißt Jesus als Brot es Lebens aufnehmen, sein Heil annehmen, ihn handeln und wirken lassen zu unserem Segen. Wer das tut, den macht Gott satt, der bekommt eine unbeschreibliche Freude ins Herz. Der kann aufhören damit, alles haben zu wollen und mit immer neuen Wünschen hinter dem Leben her zu jagen. Der spürt keinen Mangel mehr, sondern den Reichtum des Glaubens. Wer dieses Lebensbrot in sich aufnimmt, der teilt es auch an andere aus.
Wir dürfen um dieses Größte und Wichtigste beten:
Zwei Dinge, Herr, sind Not, die gib nach deiner Huld:
Gib uns das täglich Brot, vergib uns unsre Schuld.
Bist du bei uns, so hat’s nicht Not,
du bist das wahre Lebensbrot.
Amen.
Verfasser: Martin SchöppelÓ , Dr.-Martin-Luther-Str.18, 95445 Bayreuth, Tel. 0921/41168