Gottesdienst – Johannes 15,1-8

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Konfirmationspredigt zu Johannes 15,1-8

am Sonntag Jubilate, dem 25. April 2010 

Jesus Christus spricht: Ich bin der wahre Weinstock, und mein Vater der Weingärtner. Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, wird er wegnehmen; und eine jede, die Frucht bringt, wird er reinigen, dass sie mehr Frucht bringe. Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe. Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht in mir bleibt. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun. Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt sie und wirft sie ins Feuer, und sie müssen brennen. Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren. Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und werdet meine Jünger.

 

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, liebe Eltern, Paten und Angehörige, liebe Gemeinde,

der Festtag ist da: Konfirmation feiern wir in der Kreuzkirche an dem Sonntag im Kirchenjahr, der uns besonders zum Jubeln aufruft – Jubilate!

Viel Grund zum Frohsein finden wir heute. Ihr Mädchen und Jungen habt ein Ziel erreicht. Seit dem letzten Frühsommer verbrachtet ihr zahlreiche Mittwoch Nachmittage im Gemeindehaus. Gelernt und gesungen habt ihr, gearbeitet und nachgedacht. An mindestens zwanzig Gottesdiensten habt ihr teilgenommen und euch darin in die Gemeinde eingereiht. Jetzt seid ihr besonders gekleidet und geschmückt, vielleicht aufgeregt und erwartungsvoll ob all der Geschenke dieses Tages, auch der geistlichen Gaben.

Mitten auf dem Weg des Lebens lauft ihr. Nicht mehr klein, noch sehr jung, mündig in Entscheidungen des Glaubens, langsam selbständig werdend in unserer Gesellschaft. Eure Eltern und Paten haben euch begleitet und werden es wohl weiterhin tun, freilich in den nächsten Jahren zurückhaltender und mehr und mehr auf Augenhöhe.

Eigene Wege wählen, unabhängiger von Vorgaben anderer sein, Möglichkeiten frei ausschöpfen können: wahrscheinlich regt solche Sehnsucht sich in euch und lockt und reizt. Volles Leben wollt ihr gewiss, Glück und Erfolg, euch selbst mit Lust und Freude spüren. Damit steht ihr natürlich nicht allein; wir alle streben irgendwie danach, nicht wahr?! Sendungen wie „DSDS“ und „Germany´s next Topmodel“ verbuchen nicht von ungefähr hohe Einschaltquoten.

Jesus Christus weiß um unsere Wünsche, die uns Menschen gemeinsamen und die je besonderen. Er bejaht die Sehnsucht nach Leben in Fülle. Mehr noch: er zeigt uns, wo diese Sehnsucht nach Leben gestillt wird. „Ich bin der wahre Weinstock“, sagt er. Ein Bild malt er uns vor Augen, das Bild eines fruchttragenden Baumes, in dessen Wurzeln und Stamm ein Saftstrom aufsteigt, der sich in die Äste verzweigt und köstliche Trauben wachsen lässt, die wiederum zu Wein werden können und das Leben zum Fest machen.

Der Weinstock: entdecken wir ihn als den Baum des Lebens, einst eingepflanzt im Paradies? Nicht nur längst verloren und unerreichbar, ihr Lieben, nein: Mitten unter uns wurzelt und sprosst er seit 2000 Jahren, verästelt sich und greift Raum. D e r Weinstock – ich bin es, hören wir. Was den Namen Freude und Leben verdient, es ist erlebbar und greifbar in dieser Kirche und an jedem Ort der Erde. Nicht beliebig. Aber überall da, wo Jesus Christus gegenwärtig wohnt und Einlass findet.

Ihr Konfirmanden bekennt euch nachher zu diesem unserem Herrn. Ihr rühmt ihn mit den Worten unseres christlichen Glaubensbekenntnisses. Und mit eurem Ja auf die Frage: „Wollt ihr unter Jesus Christus, eurem Herrn, leben, im Glauben an ihn wachsen und als evangelische Christen in seiner Gemeinde bleiben?“! Wenn ihr diese Absicht wahrmacht, heute und morgen und bis ans Ende eurer irdischen Tage, dann genießt ihr das volle Leben: Alle Abenteuer des Universums laden euch ein … das Lachen auf der Siegerseite … die Kraft und der Frieden des Himmels … Alles steht euch zur Verfügung – und noch viel mehr … mit Jesus.

„Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben“, erinnert Jesus. Ihr jungen Leute müsst in dieser Hinsicht nicht erst etwas werden, ihr seid schon etwas. Erfasst ihr den großartigen Zuspruch, die Gabe? Euer Stand und Wert ist eingetragen, von Gott geschenkt. Nichts, was es selber zu schaffen gälte. Sie, liebe Eltern und Paten, haben Ihren Kindern diesen Stand bereits mit der Taufe in den Lebenslauf gezeichnet: Du bist getauft auf seinen Namen.

Mit einem alten Tauflied haben Sie vielleicht gebetet: „Hirte, nimm das Schäflein an; Haupt, mach es zu deinem Gliede; Himmelsweg, zeig ihm die Bahn; Friedefürst, sei du sein Friede; Weinstock, hilf, dass diese Rebe auch im Glauben dich umgebe.“ (EG 206,4)

Nun sind Ihre Kinder tatsächlich Reben im Glauben am Weinstock Jesus Christus. Der Konfirmationstag ist der Ausdruck dafür. Das mag Sie getrost und zuversichtlich machen im Blick auf die Zukunft. Ja, Ihre Kinder haben einen ausgezeichneten Platz in dieser Welt als Reben am wahren Weinstock, wo immer sonst sie noch hingelangen.

Damit das nicht anders wird, ermuntern wir euch Konfirmanden für alle Wege, die ihr zukünftig wählt, alle freien Möglichkeiten, die ihr ergreift: Nichts ohne Jesus! Only with Jesus! Neben dem Zuspruch und der Gabe also nun der Anspruch und die Aufgabe vollen Lebens: Dass ihr für Jesus Frucht tragt. Dass ihr aus ihm lebt. Dass ihr an ihm bleibt. Seid ihr dazu wahrhaft bereit?

Derselbe Gott, der freigebig schenkt, möchte sehen, was seine Gabe bringt, was dabei am Ende herauskommt. Seine Geschenke, Lebenswort und Segen, sind nicht zum Wegstellen gedacht, zum Sammeln und Anstaubenlassen. Strömen in euch und euch selber in Bewegung bringen will sein Lebenssaft. Glück und Erfolg, Lust und Freude sind die Wünsche Gottes für euch – und an euch.

Nicht bloß zur schönen Zierde seid ihr Reben am Weinstock. Ihr seid dazu da, Trauben zu tragen. Übersetzt heißt das: euer Glaube soll sich als lebendig erweisen. Ihr sollt Jesus Christus mit eurem Leben und mit euren Worten bezeugen. Ihr selber und andere sollen merken, wieviel Gutes seine Kraft in euch bewirkt:

Dass ihr z.B. liebevolle Menschen seid, Frieden stiftet in Konflikten, euch als treue und zuverlässige Freunde bewährt. Dass ihr geduldig Schwierigkeiten löst, achtsam und freundlich mit euch selbst und miteinander umgeht. Dass ihr euch beherrschen lernt und besonnen handelt. Dass ihr Fehler eingestehen und auch anderen Schuld vergeben könnt. Dass ihr euch nicht schämt für Jesus, dem ihr nachfolgt. Dass Mitmenschen neugierig werden auf euren Gott und seinen Heiligen Geist.

Wo das geschieht, gedeiht durch euch Leben auf der Erde. Als Gemeinde bzw. als Elternchor wollen wir an dieser Stelle betend für euch singen: „Dass sein Wort in deinem Herzen starke Wurzeln schlägt, und sein Geist in deinem Leben gute Früchte trägt, seine Kraft durch dich die Welt zu seinem Ziel bewegt! – Herr, du kannst dies Wunder tun. Gut gemeint und schlecht gemacht, oberflächlich ausgedacht ist so vieles, es verdorrt ohne sein Wort.“ …

Gott will das Wunder an dir tun. Keine Sorge, du musst nichts aus dir herauspressen, nicht gequält und finster und pflichtschuldig leben. Einem Baum muss man ja auch nicht zusetzen, er solle Früchte bringen. Wo Frucht wächst, treibt kein Zwang. Im Gegenteil: Kaum ist die Blüte im Frühjahr ausgefallen, schwillt der Fruchtknoten und reift mit der Unwiderstehlichkeit des Vitalen zur Frucht.

Einzige Voraussetzung für solches Fruchtbringen bei uns: aus Jesus leben. „Ohne mich könnt ihr nichts tun“, warnt er. Natürlich weiß auch Jesus, was Menschen ohne ihn alles können. Oder müssen wir sagen: scheinbar ohne ihn können? Kommt nicht letztlich alles Gute aus der Macht des Schöpfers, ob Menschen sich dessen bewusst werden oder nicht?

Aber Jesu Worte, ohne ihn nichts zu vermögen, wollen uns Leben leicht – und für die Ewigkeit bestimmt sein lassen. Dass wir morgens aufstehen, uns erinnern und vertrauen: Alles, was von mir heute zu tun ist, macht er möglich. Nichts, wozu er nicht das Nötige bereitstellt. Der Kirchenvater Augustin fasste solches Vertrauen in das Gebet: „Herr, gib, was du befiehlst, und dann befiehl, was du willst.“ Ahnt ihr, wie unbeschwert und aussichtsreich Leben mit Jesus sein darf?

Wenn Christus als der Weinstock, an dem wir als Zweige hängen, alles bereitstellt für die Reben, dass sie Frucht bringen, wenn Leben aus ihm einfach fließt und strömt, was bleibt euch und uns dann zu entscheiden übrig? Ihr Lieben, die Sache ist klar: Alles wird darauf ankommen, dass wir an ihm bleiben, die Verbindung nicht kappen.

Bleibet, bleibet, bleibet! Immer wieder begegnet uns der Ruf hier im Evangelium. Man kann sich die Verbundenheit mit Christus und dem vollen Leben nicht selber geben. Aber man kann sie verscherzen und verlieren, kann sich darum bringen.

Auf zweierlei Weise passiert das: Entweder du bist nur zur Zierde am Weinstock, legst bloß ein Lippenbekenntnis hier ab, meinst es nicht wirklich ernst mit einem Leben unter Jesus. Oder du löst dich vom Weinstock morgen oder demnächst und hältst es nach dem Grundsatz: Man kann auch ohne Kirche, ohne Bibel, ohne Gebet, man kann auch ohne Gott, man kann auch ohne Weinstock recht sein und Gutes tun, recht tun und niemand scheuen.

Gottesfreunde ohne Frucht sein oder Menschenfreunde ohne Gott, diese Möglichkeiten könnt ihr wählen. Und wenn ihr nicht entschieden und bewusst anders wählt, wird es mit euch so geschehen. Am Weinstock, dem Baum des Lebens bleiben, braucht den Willen, unter dem Wort Gottes zu bleiben. Während ihr aus der Kindheit heraustretet, später aus der Schule und der Jugendzeit fortschreitet, während ihr das Elternhaus einmal verlasst und vielleicht Bayreuth und vieles weitere, im Glauben ist Bleiben gefragt, ein ganzes Leben lang. Was euch dazu helfen wird?

Ihr wisst es aus dem Konfirmandenunterricht: Dich als getauftes Kind Gottes sehen. Worte der Heiligen Schrift hören in der Gemeinschaft der Kirche und lesen in der Einsamkeit der Stille. Leib und Leben Jesu Christi in Brot und Wein am Tisch des Herrn empfangen. Zusammenkommen im Haus der Gemeinde in Gruppen und Kreisen. Beten und Singen zu allen Gelegenheiten, mit oder ohne Gesangbuch und Orgel: Als Hilferuf in Zeiten der Not. Als Freudenschrei im Glück. Als Bitte für jemanden. Als Zeit der wortlosen Hingabe. Als Zeit des Lauschens auf seine Weisung. Als Zeit der Zärtlichkeit, um in Gottes Gnade zu baden.

Symbolisch stehen für das Bleiben bei Jesus sieben Schalen mit Früchten des Weinstocks hier in der Kirche: an Taufstein und Kanzel und Altar, in einer Kirchenbank und bei den Gesangbüchern, auf Weg zur Orgelempore und an der Tür ins Gemeindehaus. Lauft nun und schmeckt sozusagen die Früchte, die in der Verbindung mit Jesus wachsen … (Orgelmusik)

Bleib bei Jesus. Und du wirst Erfahrungen machen, die uns das Evangelium nennt: Du wirst immer mehr gereinigt werden, geläutert und klar sein, gerade auch im Schweren, das unser Leben durchzieht. Und du wirst Gebete erhört finden und staunen über Gottes Nähe. Volles Leben – lebt eure Sehnsucht, ihr Lieben! Lebt sie als Reben am wahren Weinstock, und ihr werdet jubeln und das Leben feiern – heute und morgen und in alle Ewigkeit. Amen.

 

 

Pfarrerin Birgit Ilse Bauer, Kreuzkirche Bayreuth