Gottesdienst – Johannes 14, 19

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Neujahrstag, 01.01.2008, Jahreslosung, Johannes 14, 19

 

 

Der Friede des Herrn sei mit Euch allen! Amen.

Auf ein Neues! So sagt man doch, wenn man etwas beginnt. Auf ein Neues! Dann werden die Schachfiguren neu aufgestellt, die Karten neu gemischt und verteilt. Neue Chance, neues Glück. Jeder kann gewinnen. Im Spiel. Aber das Leben ist halt kein Spiel. Wir sprechen vom Ernst des Lebens. Es kann auch nicht wiederholt werden. Wenn es gelebt ist, ist es vorbei. Bei den Drehaufnahmen zu einem Film werden einzelne Szenen so oft wiederholt, bis sie perfekt gelungen sind. Im wirklichen Leben sind die Szenen unwiederholbar.

Das Jahr 2007 mit seinen 365 Tagen liegt abgeschlossen hinter uns. Nicht eine Minute daraus können wir noch einmal leben. Manches möchten wir vielleicht auch gar nicht noch einmal miterleben, was da war. Anderes würden wir gerne wiederholen, aber das wirkliche Leben lässt sich nicht zurückspulen wie ein Film. Darum ist es so wichtig, dass wir bewusst leben und gezielt, nicht einfach nur so ins Blaue hinein.

Das Blaue ist die Grundfarbe der Karte, bzw. des Buchzeichens, das sie hoffentlich in Händen haben. Wir können gar nicht ausmachen, was es eigentlich ist. Eine blaue Wand, ein blaues Brett, eine blaue Fläche. Das Blaue wäre ziemlich sinnlos und langweilig, wenn es nicht durchbrochen wäre und wenn man keinen Durchblick hätte. Erst die herausgeschnittene Kreuzform gibt dem Blau eine Aussage. Und der Zweig mit den gelben Blüten macht das Bild lebendig. Dahinter ist es hell, aber es ist alles verschwommen, nicht zu erkennen.

Der Fotograf, Gerd Weissing hat dieses Motiv gewählt als Hintergrund für unsere Jahreslosung 2008. Sie ist heuer aus dem Johannesevangelium, Kapitel 14, Vers 19 und lautet:

Ich lebe und Ihr sollt auch leben.

Dieser kurze Satzteil aus den Abschiedsreden des Herrn Jesus soll uns durch das ganze heute begonnene Jahr begleiten.

Christus spricht: Ich lebe und ihr sollt auch leben.

Das sagt nicht irgendein Lebemann, der mit seiner Luxuslimousine durch ein Armenviertel fährt und gönnerhaft Almosen verteilt, sondern der Sohn Gottes, der das Leben ist und es geben kann.

Sein Kreuz erinnert uns daran, dass auch er den Tod kennen gelernt hat. Du sollst sterben, hatten die Leute vom Hohen Rat beschlossen. Und Pilatus hatte ihnen nach anfänglichem Zögern recht gegeben. Du sollst sterben! Wir leben in einer Welt des Todes, in der immer wieder Menschen über andere das Urteil sprechen: Du sollst sterben! Ich will nicht, dass du lebst. Und dann werden Waffen eingesetzt, kriminelle militärische, juristische, politische, manchmal auch medizinische um Leben auszulöschen.

Das Kreuz erinnert uns daran, dass auch Jesus, der Sohn Gottes, sterben musste. Aber Gott, der das Leben will, hat ihn nicht dem Tod überlassen, sondern zum Leben auferweckt. Das ist die wichtigste Aussage unseres Glaubens. Jesus lebt. Er hat die Macht des Todes gebrochen. Sein ungerechter Tod am Kreuz war der Durchbruch zum Leben.

Nicht nur für ihn der Durchbruch, sondern auch für uns. Nicht nur er lebt, auch wir sollen leben. Für immer leben! Auf dem blauen Planeten herrscht das Gesetz des Todes. Alles stirbt. Pflanzen, Tiere, Menschen. Und in vielen Fällen lösen Menschen das Sterben aus oder beschleunigen es durch ihr Handeln. Immer mehr Tier- und Pflanzenarten sind bedroht, sterben aus, weil die Menschheit ohne Durchblick ins Blaue hinein lebt. Man betreibt Raubbau, verschwendet Ressourcen, erzeugt Schadstoffe ohne zu fragen, wohin das führt.

Gott will aber das Leben. Er schützt es: Du sollst nicht töten! Sagt er uns in den Zehn Geboten. Mit Christus und durch das Kreuz hat er den Horizont des Lebens ins Unendliche erweitert. Die Wand ist durchbrochen. Durch das Kreuz, an dem Jesus für uns starb, ist das ganze Leben möglich geworden.

Christus spricht: Ich lebe und ihr sollt auch leben.

Das ist eine Einladung! Kommt zu mir und lebt! Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt und wer da lebt und glaubt an mich, der wird niemals sterben. (Joh.11,25+26)

Jesus will damit nicht sagen, dass uns das Sterben erspart bleibt, sondern dass Sterben im Glauben an den lebendigen Herrn eigentlich gar kein Sterben ist, sondern ein Hinübergehen in ein anderes Leben.

Bischof Ignatius von Antiochia schrieb im Jahr 110 im letzten Brief vor seinem Tod: „Der Tag meiner Geburt zum Ewigen Leben steht mir bevor. Hindert mich nicht zu leben, indem ihr mich zu sterben hindert.“

Der Schriftsteller Gorch Fock, der im Ersten Weltkrieg in der Seeschlacht am Skagerak ums Leben kam, sagte kurz vor seinem Tod: „Das Meer, in das mein Leib versinkt, ist auch nur die hohle Hand meines Heilands, aus der mich nichts reißen kann.“

Als Dietrich Bonhoeffer am 9. April 1945 im Konzentrationslager Flossenbürg kurz vor seiner Hinrichtung war, sagte er ganz ruhig und gefasst: „Das ist das Ende. Für mich der Beginn des Lebens.“

Nur drei Beispiele. Man könnte noch viel mehr anführen. Solche Geborgenheit und solchen Halt schenkt der Glaube an den auferstandenen Herrn Jesus Christus. Der, der stärker ist als der Tod, sieht uns in unseren Ängsten und unserer Verzagtheit und ruft uns am Beginn dieses Jahres zu: Ihr sollt auch leben! Nicht gedankenlos drauf los leben, nicht planlos in den Tag leben, auch nicht mit tausend Ängsten vor den möglichen Gefahren leben, sondern im vertrauensvollen Blick auf Jesus, den lebendigen Herrn.

Der Apostel Paulus schreibt an die Römer: „Leben wir, so leben wir dem Herrn. Sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Darum: Wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn.“ (Röm.14,8) In diesem Glauben ist er seinen Weg gegangen trotz vieler Bedrohungen und Gefahren und hat getan, was sein Auftrag war.

Unsere
Jahreslosung ist ja ein Satz aus den Abschiedsreden, die der Herr Jesus
an seine Jünger gerichtet hat und es ist schön, dass auf der
Bildkarte der ganze Vers 19 abgedruckt ist, mit dem der Herr Jesus
seine Jünger auf die bevorstehenden Ereignisse vorbereiten will: „“Es
ist noch eine kleine Zeit, dann wird die Welt mich nicht mehr sehen.
Ihr aber sollt mich sehen, denn ich lebe und ihr sollt auch leben.

Bald darauf wurde er verhaftet, verurteilt, gekreuzigt und er starb vor den Augen seiner Jünger. Sie legten seine toten Körper in ein Grab. Sie dachten zunächst, dass das das Ende ihrer Hoffnungen gewesen sei. Aber dann begegnete er ihnen als Auferstandener und grüßte sie: Friede sei mit Euch! Die Jünger, einige Frauen und manche, die zur Gemeinde gehörten sahen ihn nach der Auferstehung. Dem Christenjäger Saulus ist er begegnet und hat ihn verändert zum Missionar und Boten der Auferstehung. Die Welt hat ihn nicht mehr gesehen. Die Welt sagt: Tot ist tot. Wer tot ist, ist weg. Aus! Nichts Mehr! Christus spricht: Ich lebe und ihr sollt auch leben.

Wenn wir daran zweifeln, dann werden wir zu Kindern des Todes. Dann bestimmen der Tod und die Angst vor ihm unser Leben.

Käthe Luther, mit ihrem Mädchennamen hieß sie
Katharina von Bora, nach der die neue Kirche in Meyernberg benannt ist,
war eine kluge und gläubige Frau. Sie hatte ein waches Auge
für die Sorgen und Anfechtungen ihres Mannes. Auch der war ja
manchmal mutlos und verzagt. Besonders als er in seinen späteren
Jahren viele Rückschläge und menschliche Enttäuschungen
zu verkraften hatte und auch von Schmerzen und Krankheiten geplagt war.

Eines Tages bestellte Katharina beim Steinmetz ein neues Portal für das Haus, in dem sie wohnten. Auf den Schlussstein im Torbogen ließ sie das Wort einmeißeln: Vivit! Das heißt: Er lebt! Jeder, der künftig durch das Tor aus- und einging sollte wissen und daran erinnert werden: Jesus lebt! Keiner konnte das Haus betreten, dem das nicht sichtbar vor Augen stand. Und in allen Gesprächen und Überlegungen, Planungen und Tätigkeiten, sollte das nicht vergessen werden: Vivit! Er lebt! Jesus lebt und ist unser Herr! Er hat gesagt: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden.

Schreiben wir es über dieses neue Jahr 2008, über jeden Tag, der vor uns liegt: Er lebt! Jesus lebt, mit ihm auch ich! Alles, was da auf uns zukommt, müssen wir nicht alleine bewältigen, verkraften, durchstehen, ertragen, sondern wir dürfen wissen, dass er, der lebendige Herr bei uns ist. Wir dürfen von ihm erbitten, was wir brauchen. Er sorgt für uns. Er schenkt über Bitten und Verstehen. Er trägt uns durch, durch die 366 Tage dieses Jahres, durch unser ganzes Leben und einmal, wenn es sein soll durch den Tod zum Ewigen Leben mit ihm.

Wir dürfen uns freuen auf alle Tage und Jahre die er uns schenkt, auf manche schöne Stunde, die wie eine wunderbare Blüte auf diesem Bild durchscheint. Der Herr hält sein Leben mit vielen Herrlichkeiten für uns bereit.

Amen.

Verfasser: Martin Schöppel , Dr.-Martin-Luther-Str.18, 95445 Bayreuth, Tel. 0921/41168

Foto:Gerd Weissing Agentur des Rauhen Hauses Hamburg 2007, Best.-Nr. 1-3591-8