Gottesdienst – Johannes 13, 1-15
Zur PDFGründonnerstag, 10.04.2009, Johannes 13, 1-15
Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.
Wir wollen in der Stille, jeder für sich, um den Segen für diese Predigt bitten-
…Herr, wir bitten dich, gib deinen Heiligen Geist zum Reden und zum Hören. Amen.
Der Evangelist Johannes schreibt im 13. Kapitel von einem außergewöhnlichen Ereignis am letzten Abend im Leben des
Herrn Jesus:
Vor dem Passahfest aber erkannte Jesus, dass seine Zeit gekommen war, dass er aus dieser Welt ginge zum Vater; und wie er die Seinen geliebt hatte, die in der Welt waren, so liebte er sie bis ans Ende.
Und beim Abendessen, als schon der Teufel dem Judas, (Simons Sohn, dem Iskariot,) ins Herz gegeben hatte ihn zu verraten, – Jesus aber wusste, dass ihm der Vater alles in seine Hände gegeben hatte und dass er von Gott gekommen war und dass er zu Gott ging, – da stand er vom Mahl auf, legte sein Obergewand ab und nahm einen Schurz und umgürtete sich.
Danach goss er Wasser in ein Becken, fing an den Jüngern die Füße zu waschen, und trocknete sie mit dem Schurz, mit dem er umgürtet war.
Da kam er zu Simon Petrus; der sprach zu ihm: Herr, solltest du mir die Füße waschen? Jesus antwortete und sprach zu ihm: Was ich tue, das verstehst du jetzt nicht, du wirst es aber hernach erfahren.
Da sprach Petrus zu ihm: Nimmermehr sollst du mir die Füße waschen! Jesus antwortete ihm: Wenn ich dich nicht wasche, so hast du kein Teil an mir.
Spricht zu ihm Simon Petrus: Herr, nicht die Füße allein, sondern auch die Hände und das Haupt!
Spricht Jesus zu ihm: Wer gewaschen ist, bedarf nichts, als dass ihm die Füße gewaschen werden; denn er ist ganz rein. Und ihr seid rein, aber nicht alle. Denn er kannte seinen Verräter, darum sprach er: Ihr seid nicht alle rein. Als er nun ihre Füße gewaschen hatte, nahm er seine Kleider und setzte sich wieder nieder und sprach zu ihnen: Wisst ihr, was ich euch getan habe? Ihr nennt mich Meister und Herr und sagt es mit Recht, denn ich bin ’s auch. Wenn nun ich, euer Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, so sollt auch ihr euch untereinander die Füße waschen. Ein Beispiel habe ich euch gegeben, damit auch ihr tut, wie ich euch getan habe.
Was für eine Situation! Stellen Sie sich vor, sie wüssten, wie Jesus hier, dass Sie nur noch ganz kurze Zeit zu leben hätten. Weniger als 24 Stunden. Sie wären mit Ihren Lieben zusammen, mit Menschen, die ihnen besonders nahe stehen, was würden Sie tun? Kostbare Stunden und Minuten, ja eigentlich jede Sekunde wertvoll. Sie könnten das, was Sie noch tun wollten, was Sie jedem Einzelnen unbedingt noch mitgeben wollten, gar nicht in der kurzen Zeit unterbringen. Außerdem würden Sie merken, dass Ihre Verwandten gar nicht begreifen, wie ernst es ihnen ist und dass nur noch so wenig Zeit bleibt.
Genau in dieser Situation war der Herr Jesus an jenem Donnerstagabend vor dem Passahfest in Jerusalem. Er weiß, dass die Mächtigen seinen Tod schon beschlossen haben. Er weiß, dass er nur noch ganz kurze Zeit zu leben hat. Er will mit seinen Lieben, in dem Fall sind es seine Jünger, ein besonderes Fest feiern, will sie vorbereiten auf die Zeit nach seinem Tod, will ihnen noch einmal das Wichtigste mitgeben.
Der Evangelist Johannes berichtet fast die Hälfte seines Evangeliums über diese letzten 24 Stunden. Was Jesus da alles Wichtiges gesagt hat, zu Einzelnen, wie Petrus oder Judas, von seinem Weg zum Vater , von seiner Verherrlichung, von dem Frieden, den er gibt. Er redet wieder in Bildern, von einem Weinstock und Reben, die Frucht bringen. Er redet traurig und ernst von Abschied. Er betet mit den Jüngern wie ein Hoherpriester für sein Volk.
So viele Worte. so viel Schweres, Bedeutungsvolles, dass es die meisten der Jünger am Abend dieses Tages gar nicht mehr fassen können. Sie verstehen es auch nur zum Teil, was Jesus da andeutet, weil er doch noch bei ihnen ist und sie auch dafür einstehen wollen, dass das auch so bleibt.
Manchmal wollen Kranke oder alte Menschen mit ihren Lieben darüber sprechen, dass sie wohl nicht mehr lange leben werden. Aber oft blocken das die Gesprächspartner ab: Du sollst nicht davon reden. Wir brauchen dich doch noch. Du wirst sehen, es wird alles wieder gut, bald geht’s dir besser. So oder ähnlich wehrt man sich und will lieber von schöneren Dingen reden als vom Tod. Man meint, es dem anderen nicht zumuten zu können, vom Sterben zu sprechen. Leider bringt man sich da oft um eine große Chance, hinzuhören, was den, anderen bewegt.
Jetzt kann der, der sein Ende ahnt, seine Gedanken noch ausdrücken und mitteilen. Irgendwann geht es nicht mehr .Es hilft später bei der Bewältigung der Trauer sehr, wenn man sich an so ein Gespräch erinnert, wenn man weiß, was der andere gefühlt, gehofft und gedacht hat. Die wenigen Menschen, die mir davon berichtet haben, dass sie im Angesicht des bevorstehenden Todes so offen miteinander reden konnten, haben gute und hilfreiche Erfahrungen damit gemacht.
Die Jünger, wenigstens die meisten, verstehen nicht, warum Jesus an diesem Donnerstagabend so ernst mit ihnen spricht. Vielleicht Johannes, der uns in seinem Evangelium so viel über die letzten Gespräche und Reden von Jesus mitteilt. Viel mehr als in den anderen Evangelien zu finden ist. Vielleicht hat er gespürt, dass Jesus hier noch einmal, wie in einem Vermächtnis, seine ganze Botschaft zusammenfasst. Vielleicht hat es wenigstens Johannes geahnt, dass ihnen nur noch kurze Zeit mit Jesus bleibt.
Jesus merkt, dass seine Worte bei einigen gar nicht ankommen. Sie sind so mit Essen und Trinken beschäftigt und müde vom vergangenen Tag. Wie soll man da noch so schwierige Gespräche führen. Wenn sie meinen Worten nicht mehr folgen können, dann muss ich ihnen auf andere Weise zeigen, was mir wichtig ist, mag Jesus gedacht haben. Ohne etwas zu sagen, steht er auf, legt sein Obergewand ab, bindet eine Schürze um und gießt aus einem Krug, der da steht, Wasser in eine Schüssel. Da werden die Jünger aufmerksam und wundern sich. – Das war ja damals anders, als bei uns heute. Wenn heute das Familienoberhaupt nach dem Essen aufsteht und sich die Schürze umbindet und das Spülwasser einlässt oder beginnt die Spülmaschine einzuräumen, kümmert das keinen. Dadurch lassen sich die anderen nicht bei der Zeitungslektüre oder beim Fernsehen stören. Das ist ganz normal.
Aber damals hat sich ein Hausherr oder ein Rabbi, ein Lehrer keine Schürze umgebunden um im Haushalt zu helfen oderniedere Dienste zu tun. Das mussten andere machen. Die Jünger stoßen sich irritiert an: Schau mal hin! Was macht er denn jetzt? Will er etwa das Geschirr abwaschen? Sie sehen, wie ihr Meister die gefüllte Schüssel herträgt, sich auf den Boden vor einen in ihrer Runde kniet und wie er anfängt ihm die Füße zu waschen. Ein ungeheuerlicher Vorgang.
Füße waschen galt als ganz niederer Dienst. Die Füße eines anderen berühren, mit denen der über die staubigen Straßen gelaufen ist, mit denen er über Unreines gegangen ist. Entweder hat man das selbst gemacht oder, wenn man es sich leisten konnte, ist ein Sklave oder eine Dienerin zu dieser demütigenden Tätigkeit verpflichtet worden.
Einer nach dem anderen kommt an die Reihe. Wer dran ist, hält die Luft an, geniert sich, weiß nicht, was er sagen, wie er sich verhalten soll. Es ist ihnen peinlich. Keiner von ihnen hätte diese Arbeit machen mögen. Aber ihr Meister tut sie unaufgefordert, freiwillig und mit großer Sorgfalt und Liebe. Er nimmt sich Zeit für jeden Einzelnen, wäscht allen die Füße. Und das in den letzten Stunden seines Lebens. Wo doch jede Minute kostbar ist.
Warum tut er das? Taten wirken mehr als Worte. Wie oft hatte er es ihnen schon gepredigt: Dient einander, seid füreinander da, seid euch nicht zu schade, jemandem zu helfen. Aber sie haben es immer wieder schnell vergessen. Diese Predigt mit Wasser und Seife, die der Herr schweigend und auf Knien gehalten hat, mit Schürze und Waschschüssel, konnte bestimmt keiner von den Jüngern je vergessen.
Das Bild hat sich ihnen eingeprägt: Ihr Herr kniet zu ihren Füßen und tut ihnen klaglos und liebevoll den niedrigsten Dienst. Es ist nicht viel, was Jesus am Ende erklärend hinzufugt: Wenn nun ich, euer Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, so sollt auch ihr euch untereinander die Füße waschen. Ein Beispiel habe ich euch gegeben, damit auch ihr tut, wie ich euch getan habe.
Den Jüngern verschlägt es die Sprache ob dieser Dienstbereitschaft und Demut ihres Herrn. Bis auf einen, Petrus. Wiedermal er, der herausplatzt. „Kommt ja nicht in Frage, Herr, dass Du mir die Füße wäschst. Das lasse ich nicht zu!“ Er will es nicht dulden, dass sein Herr vor ihm kniet und für ihn sowas tut.
Aber Jesus lässt sich nicht abbringen. „Wenn ich dich nicht wasche, so hast du kein Teil an mir.“ Vielleicht hat Petrus diese Worte nur auf die Tätigkeit bezogen, die Jesus da gerade ausfuhrt, aber der Satz hat noch viel mehr Inhalt. Wenn du dich nicht von mir waschen lässt, hast du kein Teil an mir. Da geht’s doch um viel mehr als um schmutzige Füße! Da geht es auch um viel Widerlicheres als Straßenstaub. Es geht um Seelenmüll, um Hass und Lüge, um Feindschaft und Gemeinheit, um verachtende Worte und üble Taten. Der hier Füße wäscht, reinigt auch Herzen und Gedanken. Er entfernt alle Unreinheit, jeden Schmutz bei denen, die es sich gefallen lassen, dass er ihnen dient. Gott sei Dank, dass er ihn geschickt hat.
Wenige Stunden später, als Jesus am Kreuz hängt wird es noch deutlicher. Er hat nicht nur seine Ehre und Würde abgelegt, sonder seinen Leib hingegeben und sein Blut vergossen für seine Leute; FÜR UNS! Das Füße Waschen war nur der Anfang. Und es war ein Beispiel: Wenn Jesus einen solchen Dienst für seine Jünger tut, kann es dann etwas geben, was unter meiner Würde ist? Müsste dann nicht ein Christ, der seinen Herrn ernst nimmt, bereit sein zu jedem Dienst?
Um so zu handeln, wie es diesem Beispiel ihres Herrn entspricht hat schon die Urgemeinde Diakone eingesetzt und sich um Kranke, Alte, Hungernde, Notleidende gekümmert. Diese liebevolle Fürsorge, die Zeit und Mühe, Dreck und Ansteckungsgefahr nicht scheut, war es, die schon im ersten Jahrhundert großen Eindruck auf die Nichtchristen machte.
Dabei geht es nicht nur darum, dass man etwas tut und was man tut, sondern wie man es tut. Nicht gezwungen oder berechnend, nicht widerwillig, auch nicht Dank erwartend, sondern aus Liebe. So wie sich unser Herr aus Liebe die Schürze umbindet und schließlich aus Liebe zu uns sein Leben gibt.
(Im Heiligen Abendmahl hat Jesus uns dann wieder nicht nur eine Lehre gegeben, sondern gehandelt. Die Einsetzungsworte des Abendmahls sind ein Bericht über ein Geschehen: Jesus nahm das Brot, dankte und brach ’s, und gab’s seinen Jüngern. Ebenso nahm er den Kelch, dankte und gab ihnen den.) Was wir nachher, bei der Abendmahlsfeier in die Hand, bzw.
in den Mund bekommen ist ein Liebesbeweis Jesu für uns. Für
dich gegeben! Für dich vergossen! Zur Vergebung deiner
Sünden!
Beichte und Abendmahl sind die Dienste, die wir in Anspruch
nehmen müssen, wenn wir Teil haben wollen an Jesus, Teilhaben wollen am Reich Gottes. Wer sich weigert, sich von Jesus so helfen zu lassen, sich von ihm reinigen zu lassen, wird nicht rein und kann nicht rein ins Reich Gottes.
Der sich als Bruder zu uns stellt,
gibt sich als Brot zum Heil der Welt,
bezahlt im Tod das Lösegeld,
geht heim zum Thron als Siegesheld.
Wer es annimmt, bekommt eine ganz neue Würde, ein ganz neues Ansehen. Frei und fehlerlos, völlig erneuert, ein neuer Mensch. Darum ist Beichte ein Glück, Vergebung ein Geschenk, das Abendmahl ein Schatz. Unser Schatz.
Und Jesus ist und bleibt der Bruder, der sich zu uns stellt.
Amen.
Verfasser: Pfarrer Martin Sch6ppel, Dr.-Martin-Luther-Str.18, 95445 Bayreuth, Tel. 0921/41168