Gottesdienst – Joh. 14,1

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Neujahr 2010 Andacht zur Jahreslosung Joh 14 1

Über dem Jahr 2010 steht als Jahreslosung ein Vers aus dem 14. Kapitel des Johannesevangeliums. Der Herr Jesus beginnt einige Vers vorher seine Jünger auf die Zeit vorzubereiten, in der er nicht mehr sichtbar bei ihnen sein wird. Die Jünger sind erschrocken. Sie denken: Alleine schaffen wir das nicht. Ist es uns doch schon manchmal schwer gefallen dem Herrn zu folgen und ihn zu verstehen, als er noch bei uns war. Der Gedanke an Abschied und ein Leben ohne Jesus in sichtbarer Nähe erschreckt sie. Jesus kennt seine Jünger, weiß um ihre Ängste und wie schnell sie mutlos werden. Darum redet er sie so an:

(Jesus Christus spricht:)

Euer Herz erschrecke nicht!

Glaubt an Gott und glaubt an mich!

In einer kleinen Stadt sitzt auf einer großen Treppe ein kleines Mädchen und weint. Sie hat ihren Schulranzen neben sich abgestellt und wischt sich die dicken Tränen vom Gesicht. Ein freundlicher Herr sieht das, setzt sich ein Stück entfernt neben sie auf die Treppe und fragt sie: „Warum weinst du denn?“

Sie schluchzt: „Ist so schwer.“ – „Ist dir dein Schulranzen mit den Büchern zu schwer?“ – „Nein, der ist doch kinderleicht.“ „Ist die Schule zu schwer? Verlangen die Lehrer zu viel? Schaffst du deine Aufgaben nicht?“

„Nein, das Lernen ist doch nicht schwer.“ – „Ja, was ist dann so schwer für dich, dass du so weinst?“ – Da sagt das sechsjährige Mädchen verblüffend einfach und ehrlich: „Das ganze Leben ist zu schwer, ich glaub ich schaff´s nicht.“

Rührend! So kann schon ein Kind manchmal die ganze Last des Lebens ahnen und erschrecken vor den vielen Aufgaben, vor der Verantwortung, vor den Problemen und dem Leid, das kommen kann. Leben kann schön, aber auch anstrengend sein.

Irgendwie sitzen wir heute auch auf der ersten Stufe einer sehr langen Treppe, die mit dreihundertfünfundsechzig Stufen nach oben führt und vielleicht fragen wir uns auch, ob wir es wohl schaffen. Was wird da alles kommen? Wird die Kraft reichen? Vielleicht sind manche unter uns ängstlich und verzagt. Aber da sitzt einer neben uns, der uns freundlich anspricht: Nicht erschrecken! Du musst nicht ängstlich sein! Vertrau mir! Glaubt an Gott und glaubt an mich! So macht der Herr Jesus Mut. Auch wenn ihr mich nicht seht, auch wenn Ihr manchmal gar nichts spürt von meiner Nähe, seid gewiss, ich bin da! Ich gehe mit, ich lass Euch nicht allein.

Einen Vers weiter, nach diesen Worten der Jahreslosung, sagt Jesus: „In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen. < > Ich gehe hin euch die Stätte zu bereiten.“ Der Herr Jesus geht voraus. Er will den Platz für uns vorbereiten. Eine gute Aussicht, dort, wo man hinkommt, alles vorbereitet zu finden. Der Tisch gedeckt, das Bett gemacht, der Ofen schon warm, das Essen gekocht. Das klingt ja wie Urlaub. –

Ganz so wie Urlaub wird es wohl nicht immer sein, das erste Jahr des zweiten Jahrzehnts im dritten Jahrtausend. Wir werden schon auch selbst einiges in die Hand und manchen Weg unter die Füße nehmen müssen. Wir werden Schweißtropfen vergießen, vielleicht auch manche Träne und Ausdauer brauchen. Es wird wunde Stellen geben, sich manche Blase bilden und Müdigkeit einstellen. Aber wir sollen nicht erschrecken, denn wir sind nicht ohne Hilfe und Schutz und wo uns der Weg hinführt, es ist schon einer da, der etwas für uns vorbereitet hat.

Jesus geht voran auf der Lebensbahn, das verspricht er uns. Er will alle Tage bei uns sein und an allen Orten. Am Schreibtisch, am Schultisch, am Küchentisch, am Verhandlungstisch, am Familientisch, wenn nötig auch am Operationstisch. ER wird nicht unvorbereitet sein. ER erwartet uns schon auf den 365 Stufen, an den 365 Tagen die vor uns liegen. ER erwartet unseren Glauben, unser kindliches Vertrauen.

Glaubt an Gott und glaubt an mich! Der Glaube an Gott und an Jesus Christus lassen sich voneinander trennen. Ich und der Vater sind eins!(Joh 10,30) Wer mich sieht, der sieht den Vater.(Joh 14,9) Es gibt keine Eifersucht und keine Kompetenzstreitigkeiten zwischen dem Vater und dem Sohn. Der Vater hat dem Sohn alle Macht gegeben im Himmel und auf Erden. Aber der Sohn missbraucht sie nicht, sondern tut den Willen des Vaters. Er tut ihn kompromisslos und grenzenlos bis zum Kreuz.

Das Kreuz ist ein wesentlicher Teil der Vorbereitungsarbeit, die Jesus für uns geleistet hat. Dort hat er für unsere Fehler bezahlt und unsere Schuld getragen. Auch für alles, was wir im Jahr 2010 falsch machen werden. Am Kreuz hat er für uns, all unserem Versagen zum Trotz, die Eintrittskarte in Gottes wunderbares Reich gelöst. Sie liegt für uns bereit. Wie eine Konzertkarte an der Abendkasse, die ein anderer für uns bezahlt hat. Das meint Jesus, wenn er zu den erschrockenen Jüngern sagt: Ich gehe hin euch die Stätte zu bereiten. Ich bin nur ein Stück vorausgegangen um euer Kommen vorzubereiten. 

Der Vater hat den Sohn gesandt um uns zu retten. Der Sohn soll uns den Weg zum Vater führen. Er ist der Weg, die Tür, das Brot und Wasser des Lebens. Er ist die Auferstehung und das Leben. Und niemand kommt zum Vater außer durch ihn. Vater und Sohn arbeiten mit dem einen Heiligen Geist zusammen. Sie lassen sich nicht auseinander dividieren aber auch nicht zum Einheitsbrei vermischen.

Schon gar nicht lässt sich der dreieinige Gott anderen Göttern gleichsetzen. Er ist nicht derselbe wie der Allah der Moslems oder wie irgendeine andere Gottheit. Er ist und bleibt einzigartig und sein erstes Gebot an die, die an ihn glauben wollen, lautet immer noch: Ich bin der Herr dein Gott. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir! Ich glaube, dass er kein Gefallen daran hat, wenn Menschen verschiedener Religionen gemeinsame Gottesdienste und Gebete veranstalten. Schon im alten Israel betete man: Höre Israel, der Herr ist unser Gott, der Herr allein.

An den sollen wir uns im Glauben halten. Der Glaube, so wie ihn die Bibel fordert ist kein schwammiges Gefühl, dass es vielleicht irgendwie möglicherweise irgendetwas gibt. Eine höhere Macht eine unsichtbare Kraft, von der aber keiner nix Genaues weiß. Der Glaube an den Gott der Bibel ist sehr konkret. Den haben sich nicht Menschen ausgedacht, sondern Gott hat sich offenbart. Er hat sich gezeigt in seinem Wort und in seinem Sohn und er wirkt durch seinen Geist.

Wer glauben will, braucht sein Wort, braucht die Bibel, braucht Gottesdienst, braucht Gebet und Gemeinschaft. Dann wird er mit dem Glauben nach und nach immer mehr Erfahrungen machen. Glaube ist zunächst gewagtes Vertrauen. So wie wenn jemand sagt: Die Brücke hält, geh ruhig drüber. Solange ich vor der Brücke stehen bleibe komme ich nicht weiter. Ich erreiche die andere Seite nicht und ich erfahre auch nicht, dass die Brücke wirklich hält.

Im Hebräerbrief wird Glaube so beschrieben (Heb 11,1): Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht auf das, was man hofft und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht. Und Jesus sagt dem Zweifler Thomas das Wort: Selig sind, die nicht sehen und doch glauben. (Joh 21,29)

Unsere Jahreslosung ist ein starkes Wort gegen alle Schrecken, die im neuen Jahr kommen können, aber es fordert von uns solchen Glauben, der nicht sieht und doch nicht zweifelt, dass der Herr uns hilft, uns bewahrt, uns weiterbringt, uns durchbringt.

Zweifeln ist das Gegenteil von Glauben. Es gibt keinen Christen, der nicht auch den Zweifel kennt, aber sich bewusst in die Zweifel vertiefen ist gefährlich. Wer zu lange hungert, der verhungert. Wer zu lange durstet, verdurstet. Wer zu lange herumirrt, verirrt sich und wer zu lange zweifelt, der verzweifelt am Ende.

Mit Sicherheit werden auch in dem beginnenden Jahr und im zweiten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends wieder viele Schrecken über die Erde ziehen. Vielleicht mehr denn je. Es wird noch mehr Stürme geben und Kriege, Verbrechen und Seuchen, Unfälle und Anschläge werden zunehmen. Wer nicht glaubt ist allen Schrecken hilflos und schutzlos ausgeliefert. Aber wer glaubt an den allmächtigen und barmherzigen Gott, der uns in seinem Sohn Bruder und Heiland geworden ist, der ist trotz aller Schrecken sicher und zuversichtlich, geborgen und von Gottes guten Mächten umgeben.

Wer glaubt macht dann immer wieder die Erfahrung, dass der Herr alles vorbereitet hat, was für unseren Weg durch das Jahr und durch das Leben notwendig ist. Wo wir hinkommen, er ist schon da. Was auch auf uns zu kommt, er hat bereits eine Lösung für das Problem und einen Weg aus der Not für uns.

Auf dem kleinen Buchzeichen, das vor Ihnen liegt, ist ja ein Bildchen über der Jahreslosung. In der Mitte ein großer Leuchtturm. Er ist weithin sichtbar. Bei Tag durch seinen rot-weißen Anstrich, in der Nacht durch seine Lichtsignale. Wer auf den Leuchtturm achtet, kann sich orientieren. Der wird sicher geleitet, an gefährlichen Klippen vorbei an Untiefen und um Sandbänke herum. Er zerschellt nicht mit seinem Lebensschiff an den Klippen der Zeit und läuft nicht fest auf sandigem Grund.

Das Wort Gottes ist wie ein solcher Leuchtturm. Es gibt Orientierung, gibt die Richtung vor, will uns recht leiten, damit wir sicher ans Ziel kommen. Wer den Zeichen eines Leuchtturms nicht vertraut und auf eigene Faust manövriert, den zwingt der Leuchtturm nicht. Er steht fest an einem Ort. Er verändert seine Position nicht. Er warnt und er weist den Weg, aber er muss beachtet werden.

So ist das auch mit dem Wort Gottes. Nur wenn wir ihm glauben, wenn wir uns darauf verlassen, kann es uns leiten und vor dem Untergang bewahren. Das gilt auch für so eine Jahreslosung, die uns immer wieder im Lauf des Jahres erinnern will, wenn wir erschrecken vor der Welt oder den Ereignissen:

Erschrick nicht, glaub an Gott und glaub an Jesus!

Ein Leuchtturm steht auch im stärksten Sturm und in höchsten Wellen und gibt die Richtung an. So wie das Wort Gottes die Stürme und Wellen des Lebens nicht verhindert, aber es gibt uns in ihnen Orientierung und Hoffnung, es tröstet uns und macht uns Mut, weiter zu glauben, nicht aufzugeben.

Mit Worten von Gottfried Arnold dürfen auch wir beten:

Mein Gott, hilf mir die Last dieses Jahres zu tragen.
Leite mich wie ein lieber Vater und mache mich gehorsam.
Sprich selbst deinen Segen über meiner Arbeit
und gehe mir mit deiner Weisheit voran,
damit ich fröhlich und getrost darin,
aber auch gewissenhaft und treu sei.
Ja, werde du selbst in mir und all meinen Dingen
Anfang, Mitte und Ende,
zu deinem Preis und zu meinem Heil.

Amen.

Verfasser: Martin Schöppel © , Dr.-Martin-Luther-Str.18, 95445 Bayreuth, Tel. 0921/41168