Gottesdienst – Jakobus 1, 12 – 18
Zur PDFInvokavit, 10.02.2008, Jakobus 1, 12 – 18
Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.
In der Stille bitten wir um den Segen Gottes für diese Predigt…
Unser Bibelwort für die Predigt an diesem Sonntag steht im 1.Kapitel des Jakobusbriefes. Jakobus, der älteste der vier Brüder unseres Herrn Jesus Christus war durch die Begegnung mit dem Auferstandenen zum Glauben gekommen. Bald nachdem Petrus aus Jerusalem weggegangen war, übernahm er die Leitung der Jerusalemer Urgemeinde. Der Brief ist nicht an eine bestimmte Gemeinde gerichtet, sondern an viele Gemeinden, ja an alle Christen. Jakobus schreibt über Grundfragen des Glaubens. Hier, im ersten Kapitel geht es um Anfechtungen und Versuchungen. Uns allen machen sie zu schaffen:
elig ist der Mann, der die Anfechtung erduldet; denn nachdem er bewährt ist, wird er die Krone des Lebens empfangen, die Gott denen verheißen hat, die ihn lieb haben.
Niemand sage, wenn er versucht wird, dass er von Gott versucht werde. Denn Gott kann nicht versucht werden zum Bösen und er selbst versucht niemand. Sondern jeder, der versucht wird, wird von seinen eigenen Begierden gereizt und gelockt.
Geben wir ihnen nach, dann folgt diesen Wünschen die böse Tat. Sie aber führt unweigerlich zum Tod.
Lasst euch also nichts vormachen, Ihr Lieben! Alles, was gut und vollkommen ist, das kommt von Gott, dem Vater des Lichts. Er ist unwandelbar, niemals wechseln bei ihm Licht und Finsternis.
Es war sein freier Wille, dass er uns durch das Wort der Wahrheit neues Leben geschenkt hat. So sollten wir der Anfang einer neuen Schöpfung sein.
Es war zu der Zeit, als es in den USA noch Sklaverei gab. Einalter Sklave namens Mose war es leid geworden, Tag für Tag, Jahr für Jahr Holz zu fällen. Eines Tages dachte er darüber nach, wer wohl die Schuld daran trage, dass er so ein schweres Leben führen musste. Er fand für alle, die ihm einfielen, triftige Entschuldigungsgründe. Schließlich kam er zu dem Schluss, dass letztlich alles Adams Schuld war. Hätte der doch damals im Paradies nur nicht von der Frucht gegessen! Darum musste es der Mensch verlassen und arbeiten, um im Schweiße seines Angesichts sein Brot zu verdienen.
Je mehr der alte Sklave darüber nachdachte, desto ärgerlicher wurde er auf Adam. Bei jedem Axtschlag murmelte er: „Alter Adam! Alter Adam!“ Und mit jedem Wort schlug er fester zu.
Der Gutsbesitzer hörte ihn so schimpfen und fragte ihn, was das zu bedeuten habe. „Ach“, antwortete Mose, „wenn Adam im Paradies nicht die Frucht gegessen hätte, dann müsste ich mich nicht so abschinden. Dann könnte ich zu Hause bleiben, mich ausruhen und Limonade schlürfen.“
Der Gutsbesitzer dachte nach. Schließlich sagte er: „Du darfst zu Hause bleiben, wie es dein Wunsch ist. Ab sofort brauchst du nicht mehr zu arbeiten. Du kannst dich den ganzen Tag hinlegen und tun, was dir gefällt – allerdings unter einer Bedingung: Siehst du das Kästchen dort auf dem Tisch? Du darfst es nicht öffnen! Einverstanden? Gut, dann genieße deine Ferien!“
In den nächsten Tagen konnte Mose sein Glück kaum fassen. Er lief im Haus herum, genoss seine Freizeit und schlürfte Limonade. Immer wieder einmal kam er an dem Kästchen vorbei. Zuerst sah er es nur an. Doch im Lauf der Zeit wurde die Versuchung es zu berühren immer größer. Als er es schließlich nach mehreren Tagen betastete und dann in die Hand nahm, wurde die Versuchung immer stärker. Es konnte doch nicht so schlimm sein, wenn er nur einmal kurz hineinschaute!
Er hob den Deckel ein Stück hoch und sah ein gefaltetes Blatt Papier auf dem Boden des Kästchens liegen. Moses Neugier wurde unbeherrschbar, er nahm den Zettel heraus und las: „Mose, du alter Schurke! Ich möchte dich nie mehr über Adam schimpfen hören. Wenn du im Paradies gewesen wärest, hättest du genauso gehandelt wie Adam. Geh wieder in den Wald und fälle Holz.“
Adam, Mose, Eva, Ingrid, Stephan, Martin, Andrea, kennen wir sie nicht alle, die Versuchung? Sie bohrt, sie nagt, sie lässt uns nicht los, sie hat uns im Griff. Und wie oft ist sie stärker! In Heinrich Hoffmanns Struwwelpeter sind es die Streichhölzer, die das Paulinchen in Versuchung führen, obwohl es die Mutter verboten hat und die Katzen warnend die Tatzen erheben. Paulinchen zündelt doch, fängt Feuer und verbrennt.
Mit welchem Feuer spielen Sie? Welche verbotenen Früchte reizen Sie? Oder ist es die fette Schweinshaxe oder das Stück Sahnetorte, das ihnen der Arzt verboten hat, oder die Zigarette, von der Sie nicht loskommen? Ist es die hübsche Kollegin oder der nette Mitarbeiter, zu denen Sie immer wieder hinüberschauen müssen, der Flirt oder mehr? Die jährlich steigenden Gehaltsvorstellungen oder die Suche nach noch höherer Rendite, das liebe Geld? Was ist Ihre Versuchung?
Der Schüler ist versucht zum Nachbarn zu schielen um seine Note aufzubessern, der Steuerzahler ist versucht nicht alles anzugeben, wofür Vater Staat ihn zur Kasse bittet. Alkoholgefährdete sind versucht, nur ein Gläschen zutrinken, aber dann gibt’s kein Halten mehr. Spielertypen wollen nur ein Spielchen wagen, beim Surfen im Internet will man nur mal kurz schaun, was sich hinter dem Namen verbirgt. Was meinen Sie, wenn wir damals an Adams Stelle im Paradies gewesen wären, hätten wir wirklich anders gehandelt?
Versuchungen! Seit Kindertagen kämpfen wir mit ihnen. Wie oft erliegen wir. Sogar in den kleinen Dingen. Vielleicht haben Sie sich vorgenommen in den nächsten Wochen der Fastenzeit keine Süßigkeiten zu essen oder auf Chips zu verzichten. Sie laufen im Supermarkt dran vorbei und schon packt Sie die Versuchung. Sie öffnen einen Schrank und da liegt doch noch eine angebrochene Tüte. Und dann kommt die Lust drauf und eine Stimme meldet sich, die lauter gute Gründe liefert, doch zu tun, wozu man Lust hat. Es wäre ja auch schade, wenn die Chips dann alt würden und schlecht.
Einmal ist keinmal.- Es sieht ja keiner. – Die anderen machen es doch auch. – Vielleicht tut es mir ja gut. – Man muss doch ein wenig Freude haben im Leben. Lauter Argumente gegen die Vernunft und gegen die Wahrheit, gegen das Gewissen und oft auch gegen die Gebote Gottes. Wir werden gereizt und gelockt von unseren Begierden und wenn wir der Versuchung nachgegeben haben, geht es uns schlecht. Dann sind wir unzufrieden, schlecht gelaunt und lassen unsere schlechte Stimmung an anderen aus.
Dem Begehren folgt die Tat, dem Verlangen die Sünde, so sagt es Jakobus. Auch er kennt das bei sich und in der Urgemeinde. Auch da gab es schon die Versuchung frömmer scheinen zu wollen als man tatsächlich war. Hananias und Saphira etwa, die ein Grundstück verkauften, einen Teil des Erlöses in die Gemeindekasse legten, aber so taten, als sei das der ganze Erlös. Sie wollten gut dastehen vor den anderen, obwohl das niemand von ihnen verlangt hatte. Ihre fromme Lüge kostete beide das Leben. Die Sünde führt zum Tod. Das wurde an den beiden besonders drastisch sichtbar. Unvergebene Sünde trennt von Gott.
Jakobus kennt offenbar schon damals eine weit verbreitete Verhaltensweise: Wenn jemand schuldig geworden ist, versucht er von seiner Schuld abzulenken und andere für seine Fehler verantwortlich zu machen.
Alle sind immer auf der Suche nach irgendeinem, dem sie die Schuld zuschieben können. Der alte Sklave Mose, von dem ich eingangs erzählt habe, kam auf seiner Suche nach einem Schuldigen bis zu Adam im Paradies. Aber auch Adam wollte die Schuld nicht auf sich sitzen lassen, als Gott ihn zur Rede stellte. Er rechtfertigt sich Gott gegenüber so: „Die Frau, die du mir, Gott, gegeben hast gab mir die Frucht, und ich aß.“
Die letzte Verantwortung schiebt er damit Gott zu. Wie oft geschieht das! Gott, wir verstehen dich nicht!“ lautet die Klage am Grab eines, durch ein Gewaltverbrechen getöteten Kindes. Letztlich wird von Vielen Gott verantwortlich gemacht, für Auschwitz und das Warschauer Ghetto, für Folter und Kriege, für Katastrophen und Krankheiten, für Unglücke und Gewaltverbrechen. Selbst für den Ehebruch und die Firmenpleite, für das eigene Versagen oder das Versagen der Gesellschaft, der Justiz, der Medizin oder der Politik wird Gott angeklagt.
Jakobus erteilt diesem beliebten Schuldabschiebespiel eine klare Absage: Nein! Bei Gott ist nichts Böses! Von Gott kommt nur Gutes und Vollkommenes. Er ist Licht und nicht Finsternis. Er wechselt nicht seine gute Absicht in eine Böse. Verantwortlich für das Geschehen in der Welt sind Menschen. Das Böse kommt nicht von Gott, sondern steckt in uns. Die Anlage zum Bösen in uns, in jedem Menschen, kann nur durch Gott, nur mit seiner Hilfe überwunden und besiegt werden.
Auch Jakobus spricht, wie der Evangelist Johannes, von einer neuen Geburt, die geschehen muss, damit der vom Bösen durchdrungene Mensch anders werden will. Diese neue Geburt und das damit beginnende neue Leben mit Gott kann nur Gott selber schenken. Er schenkt sie allen, die aufhören ihre eigene Schuld auf andere zu schieben, zu verdrängen und klein zu reden. Die ihre Schuld erkennen und bekennen und damit zu Jesus und zum Kreuz kommen.
Dazu hat er seinen Sohn, Jesus Christus, Mensch werden lassen, dass er der Welt Sünde, unsere Sünde trägt. Wir dürfen im Namen Gottes Schuld abladen, abgeben, allerdings nur auf den einen, Jesus am Kreuz. Indem wir sagen: Ich bin schuld, aber ich bringe dir, Jesus, du Sohn Gottes, meine Schuld, weil du sie schon getragen hast. Ob wir es fassen können oder nicht, er nimmt sie uns ab. Wie oft hab ich das schon erlebt an mir und bei anderen. Er macht uns das Herz wieder leicht und froh, dass neues Leben möglich wird.
Neues Leben! Leben mit neuen Zielen, in neuer Freiheit, neuer Geborgenheit, mit neuen Kräften und neuer Freude. Wer zu solchem neuen Leben geboren ist, macht Gott nicht mehr verantwortlich für das Böse in seinem Leben, sondern sucht bei ihm Hilfe gegen die Macht des Bösen. „Führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen!“ so lehrt der Herr Jesus uns beten.
In seinem kleinen Katechismus sagt Dr. Martin Luther zu dieser sechsten und siebten Bitte des Vaterunsers: Gott versucht zwar niemand; aber wir bitten in diesem Gebet, dass uns Gott behüte und erhalte, damit uns der Teufel, die Welt und unser Fleisch nicht betrüge und verführe Missglauben, Verzweiflung und andere große Schande und Laster; und wenn wir damit angefochten würden, dass wir doch endlich gewinnen und den Sieg behalten.
..der Vater im Himmel erlöse uns vom Bösen und allem Übel, an Leib und Seele, Gut und Ehre und beschere uns zuletzt, wenn unser Stündlein kommt ein seliges Ende und nehme uns zu sich in den Himmel.
Dort wollen wir hin, wo nichts Böses mehr ist und keine Versuchung mehr quält. Solange wir leben, werden wir mit Versuchungen leben müssen. Der Versucher, wie der Teufel, auch genannt wird, will uns mit allen Mitteln zur Sünde bewegen und damit von Gott und dem ewigen Leben abzubringen. Er kennt unsere schwachen Punkte ganz genau. Er bedient sich aller modernen Medien, um sein Ziel zu erreichen. Er versteht es vorzüglich Internet und Handy, Kamera und Verstärker, Bild- und Tonträger für seine Zwecke einzusetzen. Von wegen Teufel ist gleich Mittelalter und gehörnter Pferdefuß! Er hat längst den Mikrochip und das world-wide-web in seiner Trickkiste, vielleicht hat er sie sogar erfinden helfen.
Schützen können wir uns vor ihm und seinen raffinierten Angriffen nur dadurch, dass wir uns an Gottes Wort halten. Nur wenn wir mit Jesus Verbindung haben, wenn wir auf sein Wort hören, wenn wir uns ganz bewusst unter seinen Schutz stellen, hat der Versucher keine Macht über uns. Gegen die Macht der Versuchung hilft nur eine noch stärkere Macht. Die Macht des Gebets, die Macht des Wortes Gottes, die Macht Jesu.
Denke nur niemand, er könne der Versuchung aus eigener Kraft standhalten. Der Gedanke oder gar der Satz: Das könnte mir nicht passieren, garantiert schon beinahe, dass man genau dieser Versuchung erliegt. Jeder kann in jede Versuchung kommen. Versuchung der Sünde, des Zweifels, des Unglaubens, der Unreinheit oder der Unwahrheit, des Geizes, des Zorns, des Neides, der Faulheit oder der Falschheit.
Als der Herr Jesus am letzten Abend seines Lebens zu den Jüngern sagte: Einer unter euch wird mich verraten, da haben einige Jünger erschrocken gefragt: „Bin ich ’s?“ Die haben es sich offensichtlich zugetraut. Sie waren sich nicht ihres Glaubens und ihrer Treue zu Jesus sicher. Aber keiner von denen war der Verräter. Es war der Judas, der nach diesen Worten hinausging um der Versuchung nachzugeben. Und der andere, der es auch nicht für möglich gehalten hat, dass er Jesus die Treue brechen würde, der meinte Jesus lieber zu haben als alle anderen, war Petrus. Er ließ sich nicht warnen und verleugnete nur Stunden später seinen Herrn.
Wir dürfen uns misstrauen, wir dürfen unsere Schwachheit zugeben, wir dürfen die Versuchungen fürchten. Aber wir sollen uns gerade deshalb an Jesus halten und ihn um Hilfe und Widerstandskraft bitten. „Mit unsrer Macht ist nichts getan“ Nur er kann uns bewahren. Nur er kann uns auf dem Weg des Glaubens halten und weiterführen. Nur er kann uns ans Ziel bringen und uns die Krone des Lebens geben, das Ewige Leben.
Herr,
wir brauchen dein Wort wie Licht und Luft zum Leben.
Wir brauchen dein Wort. Du hast dein Wort gegeben!
Und du, Herr, hältst Wort, wir werden es erfahren,
wenn wir dein Wort hören und bewahren.
(Liedstrophe: Text Jörg Streng)
Amen.
Verfasser: Martin Schöppel@, Dr.-Martin-Luther-Str.18, 95445 Bayreuth, Tel. 0921/41168