Gottesdienst – Jak 2, 1-13
Zur PDF18 So n Trin Jak 2 1 bis 13
Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen. Wir wollen in der Stille darum beten, dass der Herr diese Predigt segnet. … Herr, wir bitten dich, gib deinen H. Geist zum Reden und zum Hören. Amen.
Unser Schriftwort für die Predigt
heute ist aus dem 2. Kapitel des Jakobusbriefs:
Sehr direkt und deutlich spricht Jakobus vom praktischen
Verhalten in der Gemeinde und im Leben der Christen. Dass er in seinem
Brief als Anrede immer die lieben Brüder nennt hat nichts
damit zu tun, dass er ein Frauenfeind wäre, sondern dass die
Gemeindeleiter, die so einen Brief in die Hände bekamen damals
nur Männer sein konnten. Vom Inhalt her sind die Frauen
genauso angesprochen. Jakobus schreibt:
Liebe Brüder, wenn ihr wirklich an Jesus
Christus glaubt, den Herrn aller Herrlichkeit, dann lasst euch nicht
vom Rang und Ansehen der Menschen beeindrucken!
Stellt euch einmal vor, in euere Gemeinde kommt
ein vornehm gekleideter Mann mit dicken, goldenen Ringen an den
Fingern. Zur selben Zeit kommt einer, der arm und schäbig
gekleidet ist. Wie würdet ihr euch verhalten?
Ihr würdet euch von dem Reichen
beeindrucken lassen und ihm eilfertig anbieten: „Hier ist noch ein
guter Platz für Sie!“
Aber zu dem Armen würdet ihr sicherlich
sagen: „Bleib stehn oder setz Dich dahinten auf den Fußboden.“
Dürft ihr als Christen solche
Unterschiede machen? Dann wären doch menschliche Eitelkeit und
Geltungssucht euer Maßstab!
Hört mir einmal gut zu, liebe
Brüder: Hat nicht Gott gerade die erwählt, die vor
der Welt arm, aber im Glauben reich sind? Sie wird Gott in sein Reich
aufnehmen, das er allen zugesagt hat, die ihn lieben. Wie
töricht also von euch, dass ihr die Armen verachtet und
geringschätzig behandelt. Habt ihr denn noch nicht gemerkt,
dass es gerade die Reichen sind, die euch unterdrücken und vor
die Gerichte schleppen? Wie oft sind gerade sie es, die Jesus Christus
verhöhnen, den Namen, auf den ihr getauft seid.
Lebt nach dem wichtigsten Gebot, das Gott uns
gegeben hat: „Liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst!“ Wenn ihr das
in die Tat umsetzt, handelt ihr richtig.
Beurteilt ihr dagegen Arme und Reiche nach
unterschiedlichen Maßstäben, dann verstoßt
ihr gegen Gottes Gebot und werdet schuldig. Es hilft dann nichts, wenn
ihr alle anderen Gebote Gottes genau einhaltet. Wer nämlich
auch nur gegen ein einziges seiner Gebote verstößt,
der hat das ganze Gesetz übertreten.
Denn Gott, der gesagt hat: „Du sollst nicht
ehebrechen!“, der hat auch bestimmt: „Du sollst nicht töten!“
Wenn du nun zwar keine Ehe zerstörst, aber einen Menschen
tötest, so hast du Gottes Gesetz übertreten und bist
damit schuldig vor ihm.
Maßstab eueres Redens und
Handelns soll das Gesetz Gottes sein, das euch zur Liebe verpflichtet
und euch Freiheit schenkt. Danach werdet ihr einmal
gerichtet. Ohne Gnade wird dann über den das Urteil
gesprochen, der selbst kein Erbarmen gehabt hat. Wer aber barmherzig
ist, braucht das Gericht nicht zu fürchten.
Keine Frage, Jakobus richtet sich mit seinem Brief an
Leute, die sich für den Glauben an Jesus Christus entschieden
haben. Im Nebensatz erwähnt er, dass die Menschen, an die er
schreibt, doch getauft sind. Damals wohl meistens als Erwachsene
getauft, die sich bei der Taufe klar zu Jesus bekannten. Dem Jakobus
ist es aber wichtig, dass Christen sich nicht nur mit
Glaubensbekenntnissen und frommen Bräuchen zufrieden geben,
sondern dass aus ihrer Glaubensüberzeugung entsprechende Worte
und Taten von Jesus Christus folgen.
Jesus ist für ihn nicht nur Maßstab des
Glaubens, sondern genauso Maßstab des Redens und Handelns.
Dabei kommt er zu ganz praktischen Anweisungen für die
Christen in den gemeinden.
1. Macht keine Unterschiede im Umgang mit Menschen!
Lasst euch nicht blenden!
2. Nehmt alle Gebote ernst!
3. Seid doch barmherzig!
1. Macht keine Unterschiede!
Lasst euch nicht blenden!
Vor Gott ist kein Ansehen der Person. Da zählen
keine Titel und Mittel. Vor Gott ist eine kleine Konfirmandin oder eine
unbedeutende Rentnerin genauso geachtet wie jemand der viele Titel und
Ämter, große Verdienste und ein dickes Konto hat. Im
Himmel werden keine Promi-Listen geführt, da zählen
nicht die Umfragewerte oder Einschaltquoten, allenfalls die Liebesquote
und der Barmherzigkeitsfaktor.
So sollte das dann doch auch bei kirchlichen
Veranstaltungen sein, dass nicht die einen hofiert und die anderen
ignoriert werden. Der tolle Typ darf auf einer Freizeit oder in einer
Jugendgruppe nicht wichtiger sein als der Schüchterne oder das
Mauerblümchen, sonst wird dieses göttliche Prinzip
aufgegeben. Sicher ist es für ehrenwerte Herrschaften gut,
wenn sie nicht überall in der ersten Reihe sitzen und mit
vielen Worten begrüßt werden und ein namenloser
Fremder wird sich freuen, wenn er in einer Gemeinde freundlich
aufgenommen, angesprochen und mit den örtlichen Gegebenheiten
vertraut gemacht wird.
Nicht so, wie ich es mal in einem Kleinstädtchen
in der Nähe einer früheren Gemeinde erlebt habe: Ich
ging in das einzige Schreibwarengeschäft um mir einen neuen
Stempel machen zu lassen. Als die Kunden vor mir bedient waren, widmete
sich die Seniorchefin mir, ziemlich kühl, nicht so freundlich,
wie zu den ihr bekannten Leuten, die sie gerade freundlich
verabschiedet hatte. „Bitte!“ Ich brachte mein Anliegen vor, dass ich
einen Stempel bräuchte. Sie griff nach Block und Stift:
„Name!“, ich nannte meinen Namen. „Adresse!“, brav gab ich Auskunft.
„Telefon!“, ich gab die Nummer an. „Sonst noch was?“, sie blickte mich
streng durch ihre Brillengläser an. „Ja“, sagte ich, „unter
den Namen müsste noch ´Pfarrer`.“ Kaum hatte ich das
Wort Pfarrer ausgesprochen, veränderte sich ihr
Gesichtsausdruck zum liebenswürdigsten Lächeln, das
man sich vorstellen kann. Die alte Dame legte ihren Stift zur Seite,
kam hinter dem Ladentisch vor und reichte mir freundlich die Hand:
„Grüß Gott, Herr Pfarrer!“ Auf einmal war ich in
ihren Augen wer. Nicht ein unbekannter Zufallskunde, sondern ein „Herr
Pfarrer“:
So wird’s einmal in der Ewigkeit und vor dem
Gericht Gottes bestimmt nicht sein. Da werden die Reichen und
Mächtigen keinen Bonus bekommen, auch nicht die Geistlichen,
Kirchenvorstände und Amtsträger dieser Welt. Da
zählt etwas anderes wie Jakobus uns sagt: Wer
barmherzig ist, braucht das Gericht nicht zu fürchten.
Vor Gott sind alle gleich wichtig. Er zieht Promis und Private nicht
den Armen und Abgeschobenen vor. Er lässt sich nicht blenden
von Spielchen, Spenden oder Sprüchen.
Gott ist mit seinem Erbarmen und mit seiner ganzen
Freundlichkeit genauso da für die, die sich nicht selber nach
vorne trauen, die nicht gewählt werden, die keinen Preis und
keinen Verdienstorden bekommen. Er sieht auch die vielen kleinen
barmherzigen Dienste, die irgendwo im Verborgenen tagtäglich
geschehen. Er weiß, was eine barmherzige Nachbarin
für den alten Mann nebenan tut oder der Student, der
für die Aussiedlerin das komplizierte Formular
ausfüllt, auch wenn nicht in der Zeitung darüber
berichtet wird. Lebt nach dem wichtigsten Gebot, das Gott uns
gegeben hat: „Liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst!“ Wenn ihr das
in die Tat umsetzt, handelt ihr richtig.
Auch wenn Jakobus diesen Teil des Doppelgebots der Liebe
das wichtigste Gebot nennt, setzt er doch die anderen Gebote deshalb
nicht außer Kraft. Und damit sind wir bei dem zweiten, was
ihm für die Menschen, die zu Christus gehören wichtig
ist:
2.
Nehmt alle Gebote ernst!
Wir sind es ja eigentlich gewöhnt nach unseren Vorstellungen
auszuwählen, was uns gefällt, schmeckt oder zusagt.
Wir wählen das Programm im Fernsehen, den Kuchen in der
Konditorei, die Wurst beim Metzger, das Gericht auf der Speisekarte.
Wir wählen den Klassensprecher, die Kirchenvorsteher, das
Parlament und den Oberbürgermeister, den Arzt und das
Reiseziel für den nächsten Sommer. Was uns nicht
zusagt und wer uns nicht gefällt, wird nicht gewählt.
Das ist unser gutes Recht und aufgrund unseres Wohlstands haben wir
viele Wahlmöglichkeiten, mehr als wir brauchen und manchmal
mehr als uns lieb ist. Wer die Wahl hat, hat auch die Qual, dass er
sich entscheiden muss, sagt uns das Sprichwort.
Keine Wahl haben wir bei den Geboten. Die sind uns
vorgegeben vom Allerhöchsten. Sie gelten uns allen und sie
gelten für alle Zeiten. Und wenn man auch nur eines von ihnen
abschwächt oder nicht beachtet, bricht Unheil und Leid herein,
über eine Gesellschaft, ja über jede menschliche
Gemeinschaft. Wer auch nur ein Gebot
übertritt, wird schuldig am ganzen Gesetz
sagt Jakobus.
Ich war vor ein paar Tagen mit dem Auto in der Werkstatt,
weil es immer nach Benzin roch und an einer Stelle unter dem Wagen sich
Tropfen bildeten. Beim näheren Hinsehen und ableuchten unter
dem Auto fand der Mechaniker eine Stelle am Tank, die durch Rost
porös war und durch die Benzin nach außen sickern
konnte. Sonst ist alles recht gut erhalten, meinte er, aber das
nützt ja nichts. Die eine Stelle hat den ganzen Tank
zerstört, so dass er nicht mehr brauchbar ist und
ausgewechselt werden muss.
Sie möchten bestimmt auch nicht mit einem Schiff
über den Ozean fahren, das insgesamt super in Schuss ist, nur
an der einen Stelle am Kiel ist ein kleiner Schaden, durch den
ständig Wasser eindringt. Es liegen viele Schiffe auf dem
Meeresboden, deren Aufbauten und Decks noch sehr gut erhalten waren,
aber das eine Leck unter der Wasserlinie hat sie zum Sinken gebracht.
Wo auch nur ein Gebot nicht angenommen oder aufgeweicht
wird, da bricht das Unrecht und letzten Endes das Verderben herein und
führt zum Untergang. Man hat das sechste Gebot, Du sollst
nicht ehebrechen!, für überholt erklärt und
den Umgang mit Sexualität in das Belieben des Einzelnen
gestellt. Außer- und voreheliche Beziehungen werden als
normal und Privatsache betrachtet und permanent in den Medien so
dargestellt, dass viele meinen das muss so sein. Wie viele Menschen
leiden unter den Folgen! Sie sind betrogen, verlassen, durch Scheidung
finanziell ruiniert und seelisch am Ende. Viele junge Leute, manchmal
schon in der sechsten und siebten Klasse sind heute vom Sexkult versaut
in ihrer Phantasie und in ihren Gefühlen irregeleitet.
Das führt dann weiter in den verantwortungslosen
Umgang mit dem fünften Gebot, das das Leben schützt:
Du sollst nicht töten! Aber Ungeborenes Leben wird doch
hunderttausendfach ausgelöscht in unserem Land, weil es nicht
geplant war und nicht gewollt ist. Leben, das unerwünscht ist.
Ganze Generationen dürfen nicht leben. Und wo der Lebensschutz
einmal aufgeweicht und das Leben nicht mehr unantastbar ist, da geht es
mit den Forderungen weiter. Aktive Sterbehilfe, Recht auf den eigenen
Tod, forschen an Embryonen, Experimente an den Genen. Unter dem
Deckmantel falsch verstandener Menschlichkeit greift der Tod nach einem
Leben, das dann nach seinem Wert und Nutzen eingestuft wird.
Stellt man während einer Schwangerschaft bei den
Vorsorgeuntersuchungen fest, dass das Kind möglicherweise
behindert sein wird, dann wird erwartet, dass die Mutter das Kind
abtreiben lässt. Und es gehört viel Mut dazu,
heutzutage so ein Kind anzunehmen und leben zu lassen. Die Zahl der
Spätabtreibungen in solchen Fällen wächst.
Und selbst so ein Gebot, wie das neunte oder zehnte: Du
sollst nicht begehren! Deines Nächsten Haus, die Menschen, die
bei ihm sind oder alles, was ihm gehört, wird systematisch
torpediert. Du sollst begehren, jubelt uns die Werbeindustrie mit allen
möglichen Tricks unter. Du sollst begehren, damit du kaufst,
was du gar nicht brauchst und was du dir vielleicht gar nicht leisten
kannst. Du sollst immer noch mehr begehren und immer noch mehr haben
wollen.
Aber niemand wird dadurch zufriedener oder
glücklicher. Das Gegenteil ist der Fall. Wenn ich immerzu das
vor Augen geführt bekomme, was ich mir gar nicht leisten kann,
dann werde ich unzufriedener mit dem, was ich habe, obwohl es auch
genug wäre. Oder man verschuldet sich um es zu haben und
leidet dann unter der Last der Schulden, ist abhängig von
Gläubigern und Banken und jede unvorhergesehene Rechnung wird
zur Katastrophe. Ist das nicht in Millionen Haushalten so?
Das Gesetz Gottes will uns nicht knechten, sondern Freiheit
schenken und nur zu einem verpflichten: Zur Liebe. Die Liebe, die Gott
uns schenkt, soll in uns barmherzigen Umgang mit anderen bewirken.
„3. Seid doch barmherzig!“
Nicht
so hart, nicht so nachtragend, nicht so kleinlich!
Hinter den Geboten, die Gott uns gegeben hat, steckt keine
freudlose Härte, sondern eine barmherzige Liebe:
Lass doch den anderen auch leben!
Vertrau ihm und sei ehrlich, dass er dir auch vertrauen
kann!
Mach doch die Familie nicht kaputt durch deinen Egoismus!
Gönn dem anderen, was er hat! Freu dich mit ihm!
Du musst nicht dasselbe haben um glücklich zu sein!
Sei doch nicht so verletzend, so gleichgültig, so
lieblos!
Dazu mahnen uns die Gebote und sie erinnern uns
gleichzeitig an Gottes Barmherzigkeit uns gegenüber: Ich bin
der Herr, dein Gott! Aber nur wenn Gottes Name uns heilig ist und wenn
wir sein Wort hören, können wir es lerne barmherzig
zu werden und in der Liebe zu handeln. Dazu hilft es uns, wenn wir den
Feiertag heiligen und wenn uns der Gottesdienst wichtig ist. Da werden
wir gesegnet. Hier erfahren wir Vergebung. Unter dem Wort Gottes werden
wir dankbar und zufrieden, finden wir zum Frieden. Das Wort Gottes
macht uns barmherzig und gibt uns die Kraft, die wir brauchen.
Herr, du kennst mein Leben, willst mit mir durchs Leben gehn;
Du hast es mir gegeben, lass mich deine Wege seh’n!
Hilf mir, Herr, dass ich doch nicht auf Sand mein Leben bau;
Sondern immer mehr auf dich vertrau
(Text und Mel. Jörg Streng)
Amen.
Verfasser: Martin Schöppel, Dr.-Martin-Luther-Str.18, 95445 Bayreuth, Tel.0921/41168