Gottesdienst im Grünen, Pfr. Wenzke

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Predigt am 02.08.2026: Festzelt Landjugend: Immer am Ball bleiben

Liebe Gemeinde,

bevor ich zu predigen beginne, möchte ich eine Meinungsumfrage machen. Meinungsumfragen sind modern, helfen uns, die Welt zu verstehen, uns einzuordnen und helfen dem Pfarrer, seine Gemeinde besser zu kennen. Bitte melden Sie sich, gerne auch mehrfach. Keine Angst, die Fragen sind ganz einfach:

Wer von Ihnen tanzt gerne oder hat früher gerne getanzt? Wer von Ihnen joggt gerne oder hat früher gerne gejoggt? Wer von Ihnen macht regelmäßig Gymnastik? Wer von Ihnen spielt gerne eine Ballsportart (Basketball, Yolleyball, Fußball) oder hat früher gerne eine Ballsportart gespielt?

Ergebnis spontan deuten. Na, das ist je eine recht bewegte Gemeinde! Wenn ich jetzt alle Mitglieder des örtlichen Sportvereins bei einer Mitgliederversammlung hier vor mir gehabt hätte, hätten sich die meisten vielleicht bei einer Ballsportart gemeldet. Ein paar Bälle habe ich auch mitgebracht. Einen Basketball, einen Tennisball und einen Ball für Kinder. (Bälle zeigen). Und natürlich einen Fußball!

Woran liegt es eigentlich, dass für uns Menschen ein Ball so attraktiv ist? Ich vermute, das liegt vor allem daran, weil er so schön rollt. Er entgleitet uns manchmal und doch können wir ihn wieder einholen. Ja, wir strengen uns oft sogar sehr an, damit wir  am Ball bleiben.

Vielleicht spielen wir aber auch so gerne mit dem Ball, weil er ein Bild für uns selbst ist?

Wir werden ja auch manchmal getreten, wie so ein Ball etwa vom Chef in der Firma, manchmal kommt das sogar in Ehen und Familien vor. Oder man zankt sich um uns, zum Beispiel wenn viele gleichzeitig etwas von uns wollen und wir gar nicht wissen, was wir zuerst machen sollen und in welche Richtung wir uns bewegen sollen. Irgendwie sollten wir überall gleichzeitig ein und können es doch keinem recht machen.

Man kann sich aber auch ganz anders im Bild des Balles wiederfinden: Manche werden in diesen wirtschaftlich turbulenten Zeiten ins Aus geschossen:  Da sagt der Chef:  „Ich brauch dich nicht mehr“ Manchen unserer frisch studierten jungen Menschen wird die Botschaft vermittelt: „DU bist eigentlich überflüssig, wir haben keinen Platz in der Arbeitswelt für dich, egal wie Du dich abmühst.“ Da wird man ins Aus geschossen, manchmal schon in jungen Jahren und das tut unendlich weh.

In der Schule hat mich mal eine Grundschülerin angesprochen und erzählt: „Meine Mama hat mir gesagt: Ich war gar nicht geplant und gewollt. Das hat mich sehr getroffen! “ Was sollte ich dem Mädchen darauf sagen, und dann auch noch auf dem Schulflur? Ich konnte diesem Mädchen nur zusprechen: „Was auch immer deine Mama sagt, viel wichtiger ist:  Gott hat Dich gewollt und er sagt: es ist gut, dass es Dich gibt.“ Ganz bestimmt hat es die Mutter nicht so gemeint und vielleicht hatten die Eltern wirklich nicht mehr mit einem weiteren Kind gerechnet und doch kam dieser Satz in der Seele des Kindes so an, als wenn sie scheinbar ins Aus geschossen wurde, schon mit wenigen Lebensjahren.

Aber zum Glück gibt es auch schöne Erfahrungen: man wirft uns ein wie ein Ball und ich bin im Spiel, darf und kann mitmachen und mitgestalten, im Verein, in der Arbeitsgruppe, in der Gemeinde. Man läuft uns hinterher wie eben dem Ball, wir sind gefragt, andere sehnen sich nach uns. Man will mit uns in  Kontakt kommen. Das sind wichtige Erfahrungen in unserem Leben. Erfahrungen, die uns helfen, auch Durststrecken zu überwinden.

Denn manchmal, und das kann wenig später sein, fühle ich mich leer, ausgepumpt, ohne Kraft und schlapp, wie ein Ball mit wenig Luft. Ball zeigen Vielleicht sieht man es mir äußerlich gar nicht an. Vielleicht merkt das nur der, der Bescheid weiß oder mich besser kennt. Der weiß, wie es in mir aussieht. Denn nicht das Äußere, nicht meine Erscheinung ist maßgebend, sondern was in uns drinsteckt, das was uns ausfüllt und erfüllt.

Es ist schön, wenn wir erfüllt sind von Lebensfreude, von Elan, Kraft und Mut, die jüngeren unter uns vielleicht noch voller körperlicher Kräfte, Neugier und Spannung auf das noch weitgehend vor ihnen liegende Leben. Aber was ist, wenn das anders ist?

Wenn ich wie so ein schlapper Ball bin ohne Luft und Ausdauer, wie geht es dann weiter? Ich kann mich in der Ecke liegen lassen, mich zurückziehen. Aber das tut mir nicht gut. Wer sich zurückzieht, dessen Leben geht auch zurück. Der wird einsam und Einsamkeit macht auf Dauer krank. Die bessere Alternative ist, dass ich schaue,  wie ich wieder zu neuer Spannkraft komme.

Aber wie mache ich das? Ist ja gar nicht so einfach! Haben Sie schon mal erlebt, dass sich ein Ball selbst aufpumpen kann? Nein, das schafft ein Ball nicht, er braucht immer jemand anderes dazu, der sich um ihn kümmert.

So ist das bei uns auch. Wir brauchen jemand anderes dazu, um wieder aus der Ecke herauszukommen, wieder voller Kraft und Elan zu werden. Oft sind es liebe Menschen, die um uns sind, die uns wieder Kraft, Spannkraft geben. Aber auch da muss man aufpassen. Nicht jeder, der fürsorglich scheint, meint es wirklich gut mit Dir. Es kommt darauf an, womit wir erfüllt sind und was uns wieder neue Kraft gibt. Manche sind so von sich erfüllt und aufgeblasen, dass man Sorge haben muss, dass sie vor lauter Selbstgefälligkeit fast zerplatzen. Wieder andere füllen sich mit unterschiedlichen Getränken ab und meinen, sie werden dann wieder fit. Aber probieren Sie mal mit einem mit Flüssigkeit gefüllten Ball zu spielen?! Wie das endet, können Sie sich selbst ausmalen. Das gilt übrigens auch für so manchen Festbesucher hier. Füllt euch bitte nicht so ab, dazu seid ihr viel zu schade.

Ich erinnere mich an den Schöpfungsbericht. Da hat Gott aus Erde, aus Ton, Lehm einen Menschen geformt. Gewiss schön und kunstvoll anzusehen. Aber eben – wie ein leerer Ball – nur eine Hülle. Ohne Leben, ohne Spannkraft, ohne Tatkraft. Wie der Balljunge vor dem Spiel den Ball aufpumpt, so nimmt Gott seinen Atem, seinen göttlichen Atem, und bläst dem Menschen das Leben, die Spannkraft ein. „Ach, was ist das für eine alte Geschichte“, werden manche von Ihnen jetzt einwenden. „Wir wissen doch ganz genau, dass die Erde  und der Mensch anders entstanden ist, als es in der Bibel steht.“ Vielleicht haben Sie recht und doch ist alles, was wir heute darüber wissen, auch nur Theorie und jeder Wissenschaftler weiß, dass Theorien auch widerlegt werden können. Allen Theorien zum Trotz behaupte ich dennoch, ist die Bibelgeschichte nicht veraltet, sondern ganz aktuell.

Denn was da im 1. Mosebuch von Adam erzählt wird, ist nicht eine einmalige Geschichte, sondern ist eine immer wiederkehrende Geschichte, die sich heute und morgen und übermorgen immer wieder ereignet. Adam bedeutet nichts anderes als Mensch und so spiegelt diese alte Adamsgeschichte die Menschheitsgeschichte.

Wie der Ball immer wieder aufgeblasen werden muss, damit er seine Spannkraft behält und spielbar bleibt, so müssen auch wir immer wieder von dem göttlichen Geist erfüllt werden, damit wir unsere Lebenskraft, unsere Spannkraft behalten. Damit wir nicht schlapp werden, nutzlose Hülle, ohne wirkliches Leben.

Wie aber kann ich mich von Gottes Geist, von Gottes Lebenskraft befüllen lassen? Das ist gar nicht so schwer und tut auch nicht weh. Sie, liebe Gottesdienstbesucher, haben schon damit begonnen, hier und heute. Dieser Gottesdienst ist so eine Pumpe mit göttlicher Lebenskraft, die Lieder, die biblische Lesung, die Gebete. Sie können das auch für sich allein machen unter der Woche. Beten Sie doch mal zwischendurch. Oder holen Sie mal wieder die Bibel hervor. Im Internet gibt es sehr gute Bibellesepläne. Gottes Geist kommt dann auf uns, wenn wir seine Nähe suchen und finden.

Gottes Geist, das haben wir uns jetzt klar gemacht, kommt durch sein Wort zu uns. Aber er kann uns auch anders erfüllen. Ein Freund, eine Freundin, der mit dir spricht, der sich Zeit für dich nimmt, der mit dir und für dich ein Gebet spricht, kann dir Kraft geben. Eine Zeit der Stille am Tag, nicht immer vollgedröhnt mit Medien und Musik kann dir Kraft geben. Ein Urlaub, indem Du zur Ruhe kommst und über dein Leben nachdenkst, kann dir Kraft geben. Das Zusammensein mit anderen, die auch den Weg des Glaubens gehen, kann dich erfüllen. Lass dich füllen von der Liebe Gottes. Ich weiß schon: es gibt viel anderes, was uns erfüllen und abfüllen will. Aber das meiste davon kannst DU getrost ablehnen. Ablenkung, Rausch, Drogen, Glückspiel, übertriebener Gesundheitswahn, übertriebener Sport  … das ist, wie wenn man einen Fußball mit Helium auffüllt: 3, 4 Minuten spielt dieser Ball supergut, aber dann ist er schlapper als vorher. Wir leben in einer schnelllebigen Zeit und es gibt tausend Dinge, die uns erfüllen wollen. Vieles muss man mitmachen, um in zu sein. Aber weißt du auch: wer immer nur in sein will, ist irgendwann ganz out. Wenn wir vor Menschen immer nur in sein wollen, müssen wir aufpassen, dass wir bei Gott nicht einmal ganz out sind, aus dem Spiel genommen, ins Abseits gestellt und das nicht nur für ein Spiel, sondern in Ewigkeit.

Das soll aber nicht unser Los sein. Lass dich doch füllen von der Liebe Gottes. Die bleibt bis in Ewigkeit. Dieser Liebe Gottes geht nicht die Luft aus, sie trägt dich durchs Leben. Die Liebe Gottes ist da, Du brauchst Sie dir nicht verdienen. Gott hat auch dich gewollt. Gerade Du bist ein Gedanke Gottes, den er nie vergisst. Du bist handgemacht von Gott, ein Original Gottes. Geh doch nicht gleichgültig vorbei, lass doch diese Liebe Gottes einfach über deinem Leben gelten. So bekommst Du Spannkraft und Lebensfreude. Lass dich füllen von der Liebe Gottes, dann wirst du merken: die Menschen in deiner Umgebung spielen gerne mit dir, haben ihre Freude an und mit dir, haben gerne Gemeinschaft mit Dir. Du wirst merken, du stiftest Gemeinschaft, tröstest Traurige, ermunterst Mutlose, bringst andere zu Höchstleistungen und schenkst ihnen Spaß und Freude am Leben. Als Mensch, der weiß: Ich bin von Gott geliebt, wirst Du Gott in deinem Leben erfahren. Spiel doch mit im Spiel des Lebens. Stell dich noch nichts ins Abseits. Du gehörst zur Siegermannschaft Gottes, ganz egal, wie viel Fehlpässe Du in deinem Leben schon gespielt hast oder noch spielst. Du stehst auf der Seite des Siegers Jesus Christus. Da kannst DU heute schon in den Jubelgesang einstimmen. Denn Christen sind die wahren Weltmeister und scheiden nicht vorzeitig aus. Amen.

Bei Rückfragen bitte melden bei: Pfr. Friedemann Wenzke, Dr. Martin Luther Str. 18, 95445 Bayreuth, Tel: 0921/41168; E-Mail: friedemann.wenzke@elkb.de