Gottesdienst – Andacht zur Todesstunde Jesu

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Karfreitag, 10.04.2009, 14.30 Uhr

Andacht zur Todesstunde Jesu

Glocken

Kantorei (78) Jesu Kreuz Leiden und Pein

Begrüßung

Lied 76, 1+2 O Mensch, bewein dein Sünde groß

Gebet

Lesung Psalm 22

Kantorei 81, 1+2 Du großer Schmerzensmann

Besinnung I

Wie Ausdrucksstark sind diese Strophen von Johann Heermann oder auch die von Paul Gerhardt in „O Haupt voll Blut und Wunden“. Getroffen und betroffen halten sie inne vor dem Kreuz. Sie nehmen sich die Zeit, So wie Sie an diesem Karfreitag sich die Zeit genommen haben und hierher gekommen sind, obwohl Ihnen schon klar sein musste, dass es bei einer Andacht zur Todesstunde Jesu nicht um eine heiter lockere Geschichte geht.

Es gehört schon Mut dazu sich dem Kreuz Christi zu stellen, sich unter das Kreuz zu stellen und hinzusehen. Oder in aller Ruhe die Berichte von der Kreuzigung in den Evangelien zu lesen. Nicht nur oberflächlich. Wir sind es nicht mehr gewohnt ein Bild, gar ein trauriges oder ein schweres Bild länger auf uns einwirken zu lassen.

Wir kennen aus unserem Alltag eher die schnellen Bildwechsel auch der schrecklichen Ereignisse unserer Zeit: Zerstörte Häuser in der italienischen Erdbebenregion, ein kurzer Blick auf Verletzte, Tote, Menschen deren Hab und Gut in Schutt und Trümmern liegt. Dann wieder der Nachrichtensprecher im Studio, der Wetterbericht und anschließend der Spielfilm.

Schnell sind da die Bilder des Schreckens wieder zugedeckt. Die Liederdichter des 17. Jahrhunderts machen es sich nicht so leicht. Sie halten die Bilder aus, fassen sie in Worte und drücken ihre Gedanken und Gefühle aus.

Der Schlesier Johann Heermann, Dichter und Pfarrer in Köben an der Oder war trotz der Gräuel, die er erlebt und gesehen hat, noch nicht abgestumpft. Man muss sich mal vorstellen: Fast die Hälfte seiner 63-jährigen Lebenszeit wütete der 30-jährige Krieg. Er hat das Kriegsende nicht mehr erlebt, sondern starb im Jahr vorher, 1647 in Lissa im heutigen Polen. Er ist der bedeutendste evangelische Liederdichter zwischen Martin Luther und Paul Gerhardt.

Wir können uns wahrscheinlich kaum vorstellen, was die Menschen damals alles an Leid und Furchtbarem gesehen und erlebt haben. Hunger, Pest, Kriegsgräuel, bittere Armut und Herrscherwillkür. Und doch sind sie darüber nicht abgestumpft. Sie haben auch ihre Fragen gestellt und nach Antworten gesucht und sind in ihrem Schmerz, mit ihrem Schmerz zum Kreuz gekommen. Am Kreuz Christi haben sie versucht zu verstehen. Ihr Trost ist der Anblick des Gekreuzigten geworden. Sie haben gespürt, einer der so leidet und stirbt, kann auch unseren Schmerz verstehen. Er teilt ihn. Er trägt ihn mit. So ist das Bild des Gekreuzigten für sie die Hoffnung geworden, dass es ein Überwinden des Bösen und allen Leidens geben muss.

Im Kreuz ist das Böse, der Hass, die Grausamkeit besiegt. Das Kreuz ist kein Symbol der Rache geworden, sondern der Vergebung. Es ist nicht das Zeichen des Todes geblieben, sondern ein Zeichen des Lebens geworden. Sogar das Zeichen des Segens. Wie ist das möglich?

Das Kreuz wird immer zum Segenszeichen, wenn Menschen es auf sich beziehen, wenn sie nicht schnell wegsehen, hastig weitergehen, sondern sich dem stellen. Wenn sie fragen, was da eigentlich geschieht und was sie das angeht?

Die Antworten, die uns die Heilige Schrift gibt sind nicht immer angenehm. Aber sie sind wahr und wichtig und für alle die sie ernst nehmen, werden sie zum Segen und zur Rettung. Sie führen nicht zu der Erkenntnis, das geht mich alles nichts an, sondern zu dem Erschrecken. Ich bin ja mit verantwortlich. Es ist auch mein Kreuz, das Jesus trägt und es ist auch meine Schuld, die ihn an dieses Kreuz gebracht hat.

Hören wir, wie Johann Heermann das ausdrückt:

Kantorei 81, 3+4 Was ist doch wohl…


Besinnung II

Staunen! Was für eine Strafe! Der Hirte leidet für die Schafe. Der Chef hält den Kopf hin für seine Leute. Kein Bauernopfer, ein König opfert sich. Die Schuld bezahlt der Herr, der Gerechte, für seine Knechte. Nicht nur im Zeitalter der Bankenkrise ist das anders. Da bezahlen normalerweise die Knechte. Mit ihren Steuern oder mit ihrem Job oder mit ihrem Ersparten. Sie bezahlen mit ihrer Altersvorsorge und mit ihren Hoffnungen. So wie die einfachen Leute für die kriegerischen Pläne ihrer Fürsten und Führer bezahlt haben und immer noch bezahlen. Frauen werden Witwen, Kinder Waisen, Familien verarmen. Die Bürger bluten für die Fehler ihrer Obersten.

Ganz anders am Kreuz. Da leidet der gute Hirte für die Schafe. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten und durch seine Wunden sind wir geheilt!

Das ist das göttliche Geheimnis der Vergebung und der Erlösung, das zu fassen, sich viele heute keine Mühe mehr machen. Es ist nicht mehr im Bewusstsein der Menschen, dass Schuld Sühne fordert. Es mangelt an Sündenerkenntnis. Wer nimmt noch wahr, wie er mit seinem Wesen verletzt, mit Worten weh tut, mit Blicken beleidigt, wie er andere ihrer Würde beraubt.

Ganz seriöse Typen sind das, die auf Raub aus sind. Mit ein paar Mausklicks eignen sie sich das geistige Eigentum anderer an. Wir verbrauchen seelenruhig, die Ressourcen kommender Generationen, lassen in Billiglohnländern Menschen, Kinder wie Sklaven für uns arbeiten und merken es noch nicht mal. Auch wir tragen unseren Teil zur Verschmutzung dieser schönen Erde bei und heizen die Atmosphäre auf. Manchmal die über uns und manchmal durch unsere Rechthaberei die unter uns.

Wer sagt: Mit dem Kreuz Christi hab ich nichts zu tun, der hat nur noch nie wirklich drüber nachgedacht. Ja, das Kreuz Christi will auch erschrecken. Erschrecken alle, die noch nicht völlig abgestumpft sind. Alle die noch den Mut haben darüber nachzudenken. Alle, die die Größe haben sich schuldig zu bekennen und den Mut, sich vor Gott zu beugen.

Gott fordert keine Opfer von uns. Er bringt ein Opfer. Nein es ist nicht ein Opfer, sondern das Opfer, das alle anderen Opfer für Zeit und Ewigkeit hinfällig macht. Es soll kein Schaf mehr geschlachtet werden als Opfer der Menschen für ihre Verfehlungen. Es soll kein Tierblut mehr fließen um Menschen zu entlasten. Seit Jesus sein Blut am Kreuz vergossen hat, ist das Opfer von Gott gebracht. Es genügt für alle Zeiten und für alle Schuld der Welt. Auch wenn es mancher nicht fassen kann. Das ist Gottes Art, seine Liebe zu uns zu zeigen: Jesus stirbt, damit du lebst! Es ist Liebe, die dahinter steht, Liebe ohne Maß und Grenzen.

 

Kantorei 81, 6+7 O große Lieb


Besinnung III

Ich lebte mit der Welt in Lust und Freuden und du musst leiden. Kaum zu glauben, dass diese Worte bald 400 Jahre alt sind. Lust und Freuden scheinen doch mehr Lebensziele des 21. Jahrhunderts zu sein, als des 17.. Lust und Freuden, vielleicht sind das auch Ziele für die Menschen aller Zeiten Unrecht tun und Gottes Gebote vergessen. Man meint, Lustgewinn sei Lebensgewinn, dabei bleibt doch schon hier oft genug ein bitterer Nachgeschmack der bösen Lust. Das Wörtchen Lust steckt auch in dem Begriff Ver-Lust. Verlust des Lebens? Verlust des ewigen Lebens?

Die große Lieb will davor retten. Sie will herausretten aus allen Irrtümern, Blindheiten, falschen Bindungen. Die große Liebe Gottes in Jesus Christus will uns von unserem Ich befreien hin zu einem Menschen, der den anderen sieht, der Liebe ausstrahlt, der wahr sein möchte und treu. Die Liebe Jesu verwandelt. Sie hat aus dem geizigen Zöllner Zachäus einen freigebigen Wohltäter gemacht. Aus dem Christenhasser Saulus einen Christusverkünder Paulus. Die Liebe, die angenommene Liebe verwandelt immer zum Guten. Und diese Verwandlung beginnt am Kreuz, durch das Kreuz, unter dem Kreuz. Sie beginnt da wo ein Mensch sich nicht mehr selber rechtfertigt, sondern sich gerecht machen lässt durch den Gekreuzigten.

Nein, wir können es mit unseren Sinnen nicht erreichen, kaum fassen. Aber wir können und dürfen es fassen, dass es ein anderer für uns vollbracht hat: Jesus, an seinem Kreuz. Wir dürfen es für uns annehmen und im Glauben festhalten: Es ist alles für uns getan. Alles, was für unser Heil und unser Ewiges Leben notwendig ist. Glauben Sie es! Nehmen Sie es mit! Es gilt Ihnen! Es ist vollbracht

Kantor aus Schemelli Ges. Es ist vollbracht

Glocke, Kerzen löschen, Lichter löschen

Stille

Gebet, Vaterunser, Segen