Gottesdienst – Hebräer 11, 8 – 10
Zur PDFReminiszere, 17.02.2008, Hebräer 11, 8 – 10
Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.
In der Stille bitten wir um den Segen Gottes für diese Predigt…
Das Schriftwort für die Predigt heute lesen wir im 11. Kapitel des Hebräerbriefes:
Durch den Glauben wurde Abraham gehorsam, als er berufen wurde, in ein Land zu ziehen, das er erben sollte; und er zog aus und wusste nicht, wo er hinkäme. Durch den Glauben ist er ein Fremdling gewesen in dem verheißenen Lande wie in einem fremden und wohnte in Zelten mit Isaak und Jakob, den Miterben der Verheißung, denn er wartete auf die Stadt, die einen festen Grund hat, deren Baumeister und Schöpfer Gott ist.
In diesen Versen geht es um den Glauben. Drei Fragen stellen sich:
Glauben, was heißt das? Glauben, wie macht man das? Glauben, wo lernt man das?
Ich möchte mit der dritten Frage beginnen: Glauben, wo lernt man das? Ist das nicht wie bei vielem anderen, was wir lernen? Wir brauchen Vorbilder. Menschen, die uns etwas gut und glaubwürdig vorleben.
Gab es nicht in Ihrem Leben Menschen, die Ihnen Glauben vorgelebt und damit auch in Ihnen Glauben geweckt und gestärkt haben? Vielleicht die Mutter oder der Vater, vielleicht auch Großeltern, die mit Ihnen gebetet haben oder Paten, die ihr Patenamt wirklich ernst genommen haben. Oder ein Pfarrer, der Ihnen geholfen hat mit Ihren Zweifeln und Fragen. Irgendjemand, den Ihnen Gott in den Weg geführt hat und der für sie im Glauben zum Vorbild geworden ist.
Bei mir zum Beispiel war das neben dem Elternhaus und einigen anderen ein Pfarrer, der mir geholfen hat zu glauben und der mir Vorbild im Glauben geworden ist, ohne den ich sicher heute nicht hier stehen würde. Pfarrer und Kirchenrat Hermann Preiser, der von 1959 bis 1970 an der Stadtkirche war.
Und auch er hatte Menschen, die ihn zum lebendigen Glauben geführt haben, die ihm Vorbilder waren. Adolf Kriegbaum und Friedrich Stanger aus dem schwäbischen Pietismus, Pfarrer Christoph Blumhardt und nicht zu vergessen auch Dr. Martin Luther, mit seiner Lehre von der Rechtfertigung des Sünders aus dem Glauben an Jesus Christus.
Manche Kritiker meinen, es sei nicht gut, sich Menschen als Vorbilder im Glauben zu nehmen. Aber das ist Unsinn und falscher Stolz. Es geht auch im Glauben nicht ohne Vorbilder und auch der Verfasser des Hebräerbriefes empfiehlt uns auf Vorbilder zu achten. Hier im 11.Kapitel zählt er eine ganze Reihe von Menschen auf, die uns Vorbilder im Glauben sein sollen, von denen wir Glauben lernen können: Abel, Henoch, Noah, Isaak, Jakob, Josef, Mose – und in den wenigen Versen unseres Predigttextes, geht es besonders um den Abraham.
Erinnern wir uns an die Geschichten um Abraham, die uns im ersten Buch Mose in den Kapiteln 12-26 überliefert werden und fragen wir uns, was wir von Abrahams Glauben lernen können:
Eigentlich war Abraham schon ein alter Mann, als seine besondere Geschichte mit Gott begann. Er hatte gerade seinen 75. Geburtstag gefeiert, als Gott auf besondere Weise mit ihm zu reden begann: Geh aus deinem Vaterland und von deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Hause in ein Land, das ich dir zeigen will. Ich will dich zum großen Volk machen und ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein. …und in dir sollen gesegnet sein alle Geschlechter auf Erden. (1.Mose 12, 1-3)
Ein Umzug ist immer eine Zumutung für alte Leute. Damals noch viel mehr. Die Verwandtschaft war ja gewissermaßen Sicherheit und Altersversorgung für Abraham und seine ebenfalls nicht mehr junge Frau, Sara. Eigene Kinder hatten sie nicht. Es gab weder Rente noch Pflegeversicherung, keine ambulanten Pflegedienste und auch kein Essen auf Rädern. Reisen war gefährlich und als Fremder irgendwo im fernen Land war man meist auch nicht willkommen.
Gott mutet aber diesem Abraham zu, seine Sicherheit im Alter aufzugeben und in eine ungewisse Zukunft zu ziehen. Wohin? Nicht einmal das wusste Abraham. „In ein Land, das ich dir zeigen werde.“ Es hätte sicher eine Menge gute und vernünftige Gründe gegeben, diese Reise in die Ungewissheit nicht anzutreten. Bestimmt haben ihm auch viele Leute abgeraten.
Doch Abraham hört nicht auf die vernünftigen Ratgeber, die es doch nur gut mit ihm meinen, sondern er hört auf das Wort Gottes und macht sich auf den Weg. Auf eine Zusage, eine Verheißung Gottes hin. Gegen alle Vernunft und ohne jede Sicherheit. Allein vertrauend auf ein Wort Gottes.
Das kann er nur, weil er Gott glaubt und seinem Wort vertraut. Er ist sich sicher, wenn Gott mich auf diesen Weg schickt, dann wird er mich auch begleiten. Abraham verlässt sich darauf: Was Gott mir verspricht, das hält er auch. Darin ist er uns Vorbild im Glauben, von dem wir alle lernen können.
Am Anfang des 11. Kapitels des Hebräerbriefes wird beschrieben, was Glauben ist: Der Glaube ist eine feste Zuversicht auf das, was man hofft und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht.
Menschlich gesprochen ein Wagnis. Ich lasse mich auf etwas ein, was ich nicht sehen und nicht beweisen kann, wofür ich keine Sicherheit habe. Abraham hat sich darauf verlassen, dass Gott ihn einen guten Weg führen würde und dass sich sein Vertrauen auf Gott lohnen würde. Ein Kapitel vorher (10,35) lesen wir: Werft euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat. Es lohnt sich immer, zu glauben.
Der erste Schritt, den Abraham im Glauben tut, heißt „Gehorsam“. Er gehorcht dem Wort Gottes und macht sich auf den Weg. Beides steht immer am Anfang eines Glaubenslebens und bleibt immer das Kernstück des Glaubens: Auf das Wort Gottes hören und ihm folgen, gehorchen.
Das ist aber nicht immer leicht. Dem Abraham ging es da genauso, wie es uns oft geht. Es kommen Zweifel und Anfechtungen, die uns zu schaffen machen. Es dauert uns oft zu lange, bis wir einen Erfolg sehen oder ein Ziel erreichen, eine Antwort bekommen, bis sich etwas verändert, bis Gott sichtbar eingreift. Und dann nehmen wir die Sache selber in die Hand.
Auch Abraham und Sara hat es zu lange gedauert, bis sich ein Erbe einstellte. Mit jedem Jahr wurde es ja auch noch unwahrscheinlicher, dass sie ein Kind bekommen sollten. Schließlich schien es ihnen völlig unmöglich. Da schlägt Sara dem Abraham eine menschliche Lösung vor, um Gott bei der Erfüllung seiner Verheißung zu helfen: Nimm meine Magd Hagar und zeuge mit ihr ein Kind. Weil es meine Magd ist, soll das Kind, das sie zur Welt bringt, dann als mein Kind gelten. So eine Art Leihmutterschaft in der Antike. Es war offensichtlich auch damals schon schwer die Grenze zu ziehen, zwischen dem was machbar ist und dem was ethisch verantwortbar ist. Das ist heute nicht anders. Nicht alles, was die moderne Medizin bei unerfülltem Kinderwunsch tut, ist auch ethisch verantwortbar.
Aber Abraham lässt sich darauf ein. Er geht zu Hagar und die bringt Ismael zur Welt. Na bitte, geht doch! Aber Ismael ist nicht der von Gott versprochene Erbe der Verheißung. Er wird zum Rivalen und das Volk, das aus ihm entsteht, das Volk der Araber zum erbitterten Widersacher des Volkes Israel später. Der Bruderkrieg kostet heute noch täglich Menschenleben.
Gott braucht keine menschliche Nachhilfe um sein Wort zu halten. Ein anderes Mal hatte Abraham Zweifel am Schutz Gottes. In Ägypten gibt er seine Frau als seine Schwester aus, weil er dadurch die Gunst der Ägypter erwerben wollte und sich vor ihren Anschlägen schützen wollte. Aber die Sache kommt raus und Abraham blamiert sich. Gott beschämt ihn durch die Freigiebigkeit der Ägypter, die ihn trotzdem reich beschenkt und unbehelligt ziehen lassen.
Ist das nicht tröstlich? Auch Vorbilder dürfen Fehler haben, Ängste zeigen, Zweifel erkennen lassen. Ja manchmal hilft uns gerade das besonders, wenn einem ein Mensch, den man als Vorbild schätzt von eigenen Fehlern erzählt. „Mensch“, sagen wir dann, „das macht mir aber Mut, dass dir das auch passiert ist, dass du auch nicht immer alles richtig gemacht hast.“
Abraham hat im Lauf der Jahre gelernt, was neben dem Gehorsam noch zum Glauben gehört: Geduld! Warten können! Weiter vertrauen, auch wenn man lange nichts sieht. 25 Jahre vergehen, bis Gott die Verheißung auf seine Weise erfüllt, bis Isaak, der Sohn von Abraham und Sara geboren wird. Und das Land, das Gott ihm und seinen Nachkommen versprochen hat, bewohnt er zwar, aber im Grundbuch war er nicht als Besitzer eingetragen. Er lebt in diesem Land als Fremder, in seinen Nomadenzelten, mal hier mal dort. Das erste und einzige Grundstück, das er dort im Land Kanaan von den Hetitern kaufte war ein Feld, mit einer Höhle bei Machpela, in der er Sara begrub, als sie mit 127 Jahren starb(1.Mo.23,1-20).
Sein ganzes Leben hat Abraham glauben gelernt, warten gelernt, gehorchen gelernt. Dabei musste er durch manches, was er nicht verstand, musste durch manche schwere Prüfung. Denken wir daran, wie Gott ihn auffordert sein Liebstes herzugeben, seinen Sohn Isaak zu opfern. Abraham hat es nicht verstanden: Warum schenkt mir Gott zuerst dieses Kind, wenn er es mir dann wieder nimmt? Es machte keinen Sinn und war gegen alle Vernunft und Menschlichkeit. Gott, bist du so grausam? Aber Abraham gehorcht trotzdem. Er macht sich auch auf diesen Weg, bis Gott eingreift und sich erbarmt.
Abraham musste dort am Berg Moria nicht bis zum Äußersten gehen(1.Mo.22, 1-19). Er durfte seinen Sohn behalten. Gott selber ist später bis zum Äußersten gegangen, er hat seinen Sohn geopfert am Kreuz für uns. Und was er von uns fordert ist viel kleiner, als das, was er von Abraham erwartete:
– Ein wenig von der Zeit, die er uns gegeben hat, um auf sein Wort zu hören und mit für seine Sache zu arbeiten.
– Ein wenig von der Kraft, die er uns gegeben hat, um für andere da zu sein und zu helfen.
– Ein wenig von dem, was wir besitzen, womit er uns gesegnet hat, um Not zu lindern und Gutes zu unterstützen.
Aber wie oft murren wir und verweigern ihm dieses Wenige!
Noch etwas können wir von Abraham lernen: Auf den eigenen Vorteil verzichten um des Friedens willen.
Als es zwischen Abrahams und Lots Hirten immer wieder zu Streit kam um Weideland und Wasserstellen, schlägt Abraham Trennung vor um ständigen Kleinkrieg zu vermeiden. Er verzichtet auf das bessere Land, überlässt dem Neffen Lot ohne Zorn und Zank die saftigen Talweiden und den leichten Zugang zum Wasser(1.Mo.13). Er verliert nichts dabei, sondern wird weiter reich gesegnet, trotz des äußeren Nachteils. Dem Lot dagegen bekommt das Schielen nach dem Vorteil nicht. Er verliert später Haus, Frau und Teile seines Besitzes(1.Mo.19).
Gottes Verheißungen an Abraham haben sich erfüllt, so zeigt es die Geschichte der Erzväter. Bis in unsere Zeit hinein können wir erkennen, wie Gott zu seinen Zusagen steht und auch gegen allen menschlichen Augenschein und gegen eine Übermacht von Feinden seinen Willen durchsetzt. Vor 60 Jahren wurde der Staat Israel auf dem Territorium gegründet, auf dem einst Abraham, damals noch als Fremder in Zelten wohnte. Alle Feinde konnten das trotz ihrer Überzahl nicht verhindern.
An der Lebens- und Glaubensgeschichte Abrahams können wir heute noch Gottes Macht und Treue erkennen. Aus seinen Erfahrungen dürfen wir auch für unseren Glauben lernen:
Lernen, auf Gottes Wort zu hören und danach zu handeln.
Lernen, im Glauben Schritte ins Ungewisse zu wagen.
Lernen, um des Friedens Willen zu verzichten.
Lernen, zu warten, geduldig zu sein, weiter zu vertrauen.
Bei Gott ist nichts unmöglich. Er hilft siegen, gegen mächtige Feinde. Er zeigt Wege, wo keiner zu sehen war. Aus der größten Niederlage macht er noch einen Sieg. Ja, er hat den Sieg schon vollbracht für uns. Durch den Tod seines Sohnes, Jesus Christus, am Kreuz und durch seine Auferstehung hat er es bewiesen. Auf Golgatha war für alle sichtbar: Der dort angenagelt ist, tut nichts mehr. Der geht nirgendwo mehr hin. Es ist vorbei! Aber in der größten Machtlosigkeit zeigt Gott seine Macht. Dem Gekreuzigten ist nach seiner Auferstehung gegeben alle Macht im Himmel und auf der Erde und jeder, der ihm vertraut, braucht den Tod nicht zu fürchten, sondern wird leben, auch wenn er stirbt.
Der Glaubende wartet auf Gottes Eingreifen. Er wartet nicht auf das, was er selber schafft, verdient, leistet. Sondern er wartet auf die Stadt, die einen festen Grund hat, deren Baumeister und Schöpfer Gott ist. Von dieser Stadt und ihren Häusern spricht auch Jesus, wenn er sagt: Dort sind viele Wohnungen und ich gehe hin euch die Stätte vorzubereiten.
Bis dahin dürfen wir hier unter seinem Segen leben. Für jeden, der aus dem Glauben Abrahams lernt, wird der Segen Abrahams zum eigenen Segen. Wenn wir von den Vorbildern im Glauben, die uns die Bibel zeigt, lernen, auch von denen der Kirchengeschichte oder von denen, die wir persönlich kennen gelernt haben, dann werden auch wir gesegnet. Noch mehr, wir werden selbst Glieder in der Segenskette und geben den göttlichen Segen an andere weiter.
Jede und Jeder kann so zum Segensträger, zum Christusträger, werden und auch zum Vorbild im Glauben, trotz der eigenen Fehler. Für Kinder oder Patenkinder, für Nachbarn oder Kollegen, für den Ehepartner, für Eltern oder Vorgesetzte.
Immer wieder erlebe ich es seit vielen Jahren, wie Gott auch in meinem Leben seine Segensverheißung, die schon Abraham galt, erfüllt: Einige Male wurde mir dieses Wort zugesprochen: Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein(1.Mo.12,2). Dankbar und staunend sehe ich immer wieder, wie Gott diese Verheißung auch an mir und auch durch mich an anderen erfüllt. Amen.
Herr, lass mich an dich glauben, wie Abraham es tat,
was kann dem geschehen, der solchen Glauben hat?
Gib uns dieses grenzenlose Vertrauen auch da, wo wir nichts
sehen, dass wir dir dennoch zutrauen, dass du alles
gut machst, auch bei uns. Amen
Verfasser: Martin Schöppel@, Dr.-Martin-Luther-Str.18, 95445 Bayreuth, Tel. 0921/41168