Gottesdienst – Hebr. 13, 8-9b
Zur PDFJahresschlussgottesdienst, 31.12.2007, Hebräer13, 8-9b
Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen.
Wir wollen in der Stille um den Segen des Wortes Gottes bitten …
Das Schriftwort für die Predigt an diesem letzten Tag des Jahres steht im 13.Kapitel: des Hebräerbriefes, die Verse 8 und 9:
Jesus Christus, gestern und heute, und derselbe auch in Ewigkeit.
Lasst euch nicht durch mancherlei und fremde Lehren umtreiben, denn es ist ein köstlich Ding, dass das Herz fest werde, welches geschieht durch Gnade.
Selten wird uns die vergehende Zeit so bewusst, wie an ersten und letzten Tagen eines Jahres oder an Geburtstagen und Jubiläen. Schon wieder ein Jahr, denken wir. Schon wieder ein Jahrzehnt! Hat es nicht gerade erst begonnen?
Die Zeit läuft. Früher waren es die Sanduhren, die das Verrinnen der Zeit anschaulich gemacht haben. In unseren Tagen sind es die Digitaluhren, die im gleich mäßigen Sekundenrhythmus pulsieren. Sekunde für Sekunde, Minute um Minute, eine Stunde nach der anderen. Die Zeit vergeht – und wir mit ihr. Unaufhaltsam.
Kinder freuen sich noch daran, dass sie wieder ein paar Zentimeter größer geworden sind und Jugendliche sehnen vielleicht den 17. Geburtstag herbei, um endlich, wenigstens in Begleitung hinters Steuer zu dürfen oder den 18. Geburtstag, um endlich volljährig zu sein. Monate vorher machen sie ihren Eltern klar, dass sie ihnen dann nichts mehr zu sagen haben und dass sie dann alles selbst unterschreiben können.
Aber spätestens, wenn man die 20 überschritten hat, schwindet die Sehnsucht nach dem nächsten Geburtstag. Und schon vor dem 40. möchte man die Zeit lieber etwas bremsen und die mit ihrem Vergehen verbundenen Begleiterscheinungen. Aber sie lässt sich nicht bremsen. Und die Zeichen unserer Vergänglichkeit kann man zwar künstlich verbergen, aber sie sind doch da. Haare werden grauer und wenigerer, Zähne lockerer, Beine schwerer, Reaktionen langsamer, Brillengläser stärker, Muskeln schwächer.
Auch unsere Umgebung verändert sich ständig. Alte vertraute Geschäfte schließen, neue werden eröffnet. Bushaltestellen werden verlegt, Verkehrsregeln geändert, Preise werden erhöht, Renten und manche Stundenlöhne niedriger. Geschäfte werden verkauft oder geschlossen, Gesetze geändert, Weggefährten gehen und wir stehen für Minuten an ihren Gräbern.
Bei einem Spaziergang gestern Nachmittag bin ich mit meiner Frau durch den Stadtfriedhof gelaufen. An Gräbern von Menschen, die wir kannten, mit denen wir verbunden waren sind wir stehen geblieben. Man erinnert sich. Man liest die Jahreszahlen und stellt erstaunt fest: Über ein Jahr ist das schon her, dass der Mensch verstorben ist. Bei einem anderen sind’s gar schon fünf, zehn oder zwanzig Jahre und doch stehen sie einem noch so lebendig vor Augen. Für die, die vor uns gehen mussten, ist die Zeit stehen geblieben. Sie verändern sich in unserer Erinnerung nicht mehr. Für sie ist die Ewigkeit angebrochen. Zeit ohne Zeit. Da vergeht nichts mehr. Aber solange wir noch leben, bleibt nichts, wie es ist.
Es ist beängstigend. Nie steht diese Welt still.
Immerzu dreht sie sich weiter. Jahr für Jahr rast sie um die
Sonne. Dreht Runde um Runde um unseren leuchtenden Stern und wird dabei
nicht sicherer und nicht sauberer. Und die auf ihr wimmelnden Wesen in
wachsender Zahl, werden immer unruhiger, hektischer, ängstlicher,
bedrohter. Sie spüren die Veränderungen und können sie
nicht aufhalten. Sie suchen nach dem, was bleibt, was hält, was
trägt und wofür es sich zu leben lohnt. Sie klammern sich an
ihr kleines Leben und können es doch nicht festhalten.
Die wenigen kurzen Sätze aus dem Hebräerbrief wollen uns helfen zu finden und festzuhalten, was ewig ist: Jesus Christus, gestern und heute, und derselbe auch in Ewigkeit.
Es gibt etwas, was sich nicht dauernd verändert. Es gibt einen, auf den Verlass ist, an dem man sich festhalten kann und der einem hilft mit den Veränderungen zurecht zu kommen. Jesus Christus, gestern und heute, und derselbe auch in Ewigkeit. „Himmel und Erde werden vergehen“, sagt der uns, „aber meine Worte werden nicht vergehen“. Worte Gottes sind ewig gültige Wahrheit. Wir müssen sie immer neu hören, immer neu auf unser Leben und unsere Zeit beziehen, immer neu annehmen und glauben. Wir sollen sie nicht durch andere Worte ersetzen.
Der Schreiber des Hebräerbriefes warnt seine Gemeinde, warnt uns davor, dass wir unsere Hoffnung und Erwartungen auf ständig wechselnde Weisheiten und Lehren setzen, die gerade im Trend liegen: Lasst euch nicht durch mancherlei und fremde Lehren umtreiben. Ständig erscheinen neue Bücher, gibt es neue Angebote auf dem Glaubensmarkt, werden neue Kräfte gepriesen aus der Tiefe der Erde, aus Steinen, aus Sternen, Energien aus dem All oder aus der Mitte unseres eigenen Körpers. Wir sollen bestimmte Strahlen, Wellen, Schwingungen in uns aufnehmen und andere von uns fernhalten um gesund zu bleiben oder zu werden.
Wer sich nicht an Christus, den ersten und den letzten und den Lebendigen hält, wer sich nicht von ihm den Geist Gottes erbittet, sich ganz bewusst und täglich unter seinen Schutz stellt, der verliert sich und die Orientierung in den mancherlei und fremden Lehren.
Gehen Sie auf die Straßen und Plätze
hinaus, in die Kinos, Theater und Stadien oder in die Discotheken und
Kneipen in dieser Nacht und sehen Sie sich die Menschen an. Nicht nur
ihre Kleider und ihr Schrilles Äußeres, sondern ihre
Gesichter und ihre Augen. Wirken nicht viele wie umgetrieben, gehetzt
und ruhelos. Immer in Bewegung, immer von Geräuschen und Reizen
angetrieben, immer hinter neuen Zielen her. Immer von neuen
Wünschen gejagt.
Ständig wird uns gesagt, was man haben, wie man sich kleiden, wie man sprechen muss. Aber auch wer all den Versprechen und Lehren glaubt, wird enttäuscht und bleibt leer. Umgetrieben suchen die Menschen nach dem Glück, nach Frieden, der bleibt. Nach Freude, die nicht vergeht, nach dem, was hält und Halt gibt und Sicherheit.
Da gibt es nur eines! Besser gesagt einen: Jesus Christus, gestern und heute. Er ist derselbe auch morgen und in aller Zukunft. Ohne ihn könnte ich in unserer Zeit nicht leben. Ich brauche seinen Zuspruch, seine Führung, auch die Worte, die mich zurückhalten oder zurückholen, wenn ich einen falschen Weg gegangen bin. Ich brauche ihn, weil ich weiß, dass er mich hält. Er gibt mir die Kraft, um in all den Veränderungen bestehen zu können. Ich brauche ihn, weil ich weiß, er ist treu und steht zu seinem Wort, auf ihn ist Verlass. Ich brauche ihn, weil er mich getrost und fröhlich macht, obwohl ich manchmal noch nicht weiß, wie alles werden soll.
Ich brauche ihn und seine Heiligen Geist, um mich nicht zu verirren in den Angeboten und Meinungen, um unterscheiden zu können, was wahr ist und was zum Guten hilft. Ich brauche ihn für meine Vergangenheit um sie zu bewältigen, für die Gegenwart um ihren Belastungen stand zu halten und für die Zukunft, für das Jahr, das in ein paar Stunden beginnt, um trotz allem zuversichtlich hinein gehen zu können.
Dietrich Bonhoeffer hat einmal gesagt: „Das nächste Jahr wird kein Jahr ohne Angst, Schuld und Not sein. Aber, – dass es in aller Schuld, Angst und Not ein Jahr mit Christus sei, dass unserem Anfang mit Christus eine Geschichte mit Christus folge, die ja nichts ist, als ein tägliches Anfangen mit ihm – darauf kommt es an.“ Christen sind Menschen, die nicht nur jedes Jahr, sondern jeden Tag neu anfangen mit Jesus, weil er die einzige verlässliche Größe ist in allen Umbrüchen und Veränderungen. Er hält dich auch noch, wenn du fällst.
Jesus Christus gestern. Wie war denn das? Gestern war er der, der der Ehebrecherin eine neue Chance gab, der den Zolleinnehmern Matthäus und Zachäus, denen das Geld so wichtig war, zur Freiheit des Teilens verhalf. Gestern rief er die Kinder zu sich, vergab dem treulosen Petrus, heilte Kranke, befreite Besessene, schenkte neue Gerechtigkeit, öffnete dem sterbenden Verbrecher neben sich den Himmel, rief die Mühseligen und Beladenen zu sich, stillte den Sturm, vertrieb böse Geister und Trauermächte. Gestern hat er den Tod besiegt und versprochen an allen Tagen und Orten bei uns zu sein.-
Und heute? Jesus Christus, Gestern und Heute heißt es hier! Wenn er heute wirklich noch derselbe ist, muss keiner verzweifeln, muss keiner ohne Hoffnung und Hilfe bleiben. Mit meinem Leben heute darf ich mich an ihn wenden. Meine Sorgen und Ängste vor ihn bringen, die mich bewegen, wenn ich an meine Kinder denke oder Elter, an meinen Beruf oder meine Gesundheit. Alle euere Sorgen werft auf ihn, er sorgt für euch! Heute, jetzt, in der Gegenwart. Er ist der Gegenwärtige. „Ich bin der ich bin!“ so stellt sich Gott dem Mose vor.
Wir müssen uns nicht umtreiben lassen von Ängsten um Gesundheit und Zukunft um Arbeit und Auskommen. Wir müssen uns nicht betäuben mit Bildern und Boxen, mit Gefühlen und Getränken. Wir müssen auch in dieser Nacht nicht verdrängen und vergessen, sondern dürfen seinen Namen anrufen, ihn suchen und – finden, – Jesus Christus, gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit.
Der katholische Theologe und Religionsphilosoph Romano Guardini behauptete: „Das ganze Leben besteht aus Gelegenheiten Jesus zu begegnen.“ Natürlich in einem Gotteshaus, aber genauso in einem Krankenhaus, in einem alten oder neuen Haus, in einem schäbigen Mietshaus oder einem prächtigen Traumhaus. Besonders bietet sich Gelegenheit, ihm zu begegnen, beim Lesen der Heiligen Schrift, aber auch in einem guten Gespräch. Natürlich im Gebet, aber auch im Zuhören und Nachdenken.
Wer den Herrn, Jesus Christus von ganzem Herzen sucht, der wird ihn finden. Und wer ihn gefunden hat, der muss nicht ständig anderswo weiter suchen. Der muss sich nicht durch jede neue Idee und Lehre umtreiben lassen. Hier heißt es: Es ist ein köstlich Ding, dass das Herz fest werde, welches geschieht durch Gnade.
Es gibt nichts Besseres, als zu wissen, wo man hingehört. Wer nicht weiß wohin er gehört, irrt ruhelos und friedlos durchs Leben. Der muss immer wieder was Neues ausprobieren und ist ständig auf der Suche wie ein Trüffelschwein. Das hat auf der Suche nach der edlen Kostbarkeit die Nase ständig im Dreck.
Wenn ich sagen kann, mein Leben gehört dir, Herr Jesus Christus, dann weiß ich, wo mein Platz ist, wo ich Hilfe finde, wohin mich mein Leben führt, wohin ich mit meiner Angst und Not kommen kann. Dann muss ich nicht dauernd weitersuchen. Bei ihm findet die Seele Frieden.
Bei diesem Herrn finden wir alles, was wir brauchen. Wir finden sogar, was wir nicht verdient und nie erwartet haben. Er schenkt es. Unverdiente Liebe, unaussprechliche Freude, unvergängliche Wahrheit. Das ist Gnade. Er ist immer für uns da. Das wird uns bereits in der Taufe zugesprochen. Da beschenkt Gott schon ein kleines Kind, das weder weiß, noch versteht, was da geschieht. Es darf dann hineinwachsen in das Vertrauen auf ihn, wenn es Eltern und Paten hat die ihm dabei helfen.
Das setzt sich fort, wenn jemand das erste Mal oder immer wieder im Leben seine Schuld erkennt und das Wunder der Vergebung erfährt. Seine Gnade und Gegenwart kann spüren, wer das Heilige Abendmahl im Glauben empfängt. In diesem Sakrament kommt uns Christus heute ganz nah. Für dich gegeben, für dich vergossen, zur Vergebung deiner Sünde.
Je mehr wir von dieser Gnade empfangen und annehmen, desto fester wird das Herz, desto mehr sind wir gehalten und geführt, mitten in dieser dahinrasenden Welt. Jesus Christus geht mit uns dorthin, wo unser Platz ist, wo wir gefordert sind, wo unsere Verantwortung und unsere Aufgaben liegen. Sei es in der Schule oder in Betrieb, in der Praxis oder in der Familie, in der Klinik oder in einer Konferenz.
Wir dürfen auch die Freiräume unseres Lebens mit ihm teilen. Feierabend und Wochenenden Urlaub und Ruhestand. Er muss nirgends draußen bleiben. Wo er ist, erfahren wir Gnade. Wenn wir ihm vertrauen wird das Herz fest. Solange wir ihm vertrauen und auf seine Worte hören, haben wir Zukunft, haben wir die Ewigkeit im Blick
Jesus Christus, gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit. Unter diesen Worten möchte ich aus dem alten Jahr, 2007, mit allen seinen Umbrüchen und Veränderungen, in das neue Jahr, 2008, mit sicherlich nicht weniger Wandel hinübergehen. Seine Worte werden sich auch an den 366 Tagen des vor uns liegenden Jahres als wahr erweisen.
Das Ziel und den Lohn, den so ein Leben mit Jesus hat, zeigt uns die Jahreslosung für das in wenigen Stunden beginnende Jahr aus dem 14.Kapitel des Johannesevangeliums:
Jesus Christus spricht: Ich lebe und ihr sollt auch leben.
Wir haben einen lebendigen Gott, den auferstandenen Jesus Christus. Er ist unsere Zukunft, Weg, Wahrheit und Leben.
Amen.
Jahreslosung 2008
Jesus Christus spricht:
Ich lebe
und ihr sollt auch leben
Johannes 14,19
Verfasser: Martin Schöppel , Dr.-Martin-Luther-Str.18, 95445 Bayreuth, Tel. 0921/41168