Gottesdienst – Epheser 5, 8b-14

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8. Sonntag nach Trinitatis, 25.07.2010, Epheser 5, 8b-14

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen.
Wir wollen in der Stille um den Segen des Wortes Gottes bitten … Herr, wir bitten dich, gib uns deinen Heiligen Geist zum Reden und zum Hören. Amen.

Unser Schriftwort für die Predigt steht im 5. Kapitel des Epheserbriefes. Der Apostel Paulus schreibt:

Durch Christus ist es licht und hell in euch geworden. Lebt nun als Kinder des Lichts. Die Frucht des Lichts ist lauter Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit.
Prüft in allem, was ihr tut, ob es auch Gottes Wille ist.
Lasst euch auf keine finsteren Machenschaften ein; im Gegenteil, helft, sie ans Licht zu bringen.
Denn was manche im Verborgenen treiben, ist so abscheulich, dass man nicht einmal davon reden soll.
Doch wenn das Licht Gottes auf diese Dinge fällt, werden sie erst richtig sichtbar.
Was Gott ans Licht bringt, kann hell werden. Denn sein Licht ist stärker als alle Finsternis und Sünde. Deshalb heißt es auch in einem Lied: „Wach auf, der du schläfst und steh auf von den Toten, so wird Christus dich erleuchten.

„Wach auf, der du schläfst!“ das ist ein guter Satz für den Anfang einer Predigt. Hej, wach auf! Schlaf nicht! Gott will mit dir reden! Predigt soll ja nicht einschläfern, sondern aufwecken. Aufwecken aus einer gleichgültigen und langweiligen Haltung, durch die immer alles so bleibt und sich nichts verändert. Christen sollen keine Schlafmützen, sonder hellwache Leute sein, die wahrnehmen was um sie herum geschieht und die wach sind und ansprechbar auf das, was Gott von ihnen will.

Jeder Gottesdienst, jede Predigt, ist ein neuer Versuch Gottes mit uns zu reden. Darum ist es zum einen sehr schade, wenn man nicht da ist, weil man dann gar nicht hören kann, was Gott einem sagen will und es ist noch dümmer, wenn man zwar äußerlich da ist, aber innerlich nicht dabei, weil man träumt, schläft oder irgendwelchen Gedanken nachhängt und sich ablenken lässt.

Die Apostelgeschichte berichtet davon, wie der Apostel Paulus mal in der Stadt Troas predigte, ziemlich lang sogar, weil es seine Abschiedspredigt war und er viel zu sagen hatte. Es heißt (Apg 20, 3) er redete bis Mitternacht – keine Angst, so lang wird ich heute nicht reden – als ein junger Mann, der nur noch auf dem Fensterbrett einen Sitzplatz gefunden hatte, einschlief und aus dem Fenster fiel. Leider war die Versammlung der Christen im dritten Stock und als die entsetzten Gottesdienstbesucher samt Paulus auf der Straße unten ankamen, stellten sie fest, dass der junge Mann tot war. Paulus beugte sich über ihn, umarmte ihn, betete und es kam wieder Leben in ihn. Sie sind dann wieder hinaufgegangen in den dritten Stock und haben ihren Gottesdienst mit dem Abendmahl fortgesetzt. Da war garantiert keiner mehr müde.

Ja, dieses Wort Gottes und der lebendige Glaube, der weckt Schlafende Namenschristen auf und macht geistlich Tote lebendig in ihrem Glauben. Ich hab schon manchmal zu meinen Konfirmanden gesagt: Wenn ihr nicht zuhören wollt, wenn ihr bloß wegen euerem Stempel oder aus Gewohnheit kommt, dann könnt ihr auch daheim bleiben und im Bett schlafen, da stört euch kein Pfarrer und keine Orgel.

Gottesdienstbesuch – und das gilt nicht nur für Konfirmanden – ist doch nur sinnvoll, wenn man von Anfang an mit dem Herzen dabei ist. Schon bei den Liedern und Gebeten und bei der Liturgie. Wenn ich die Bitte: Herr, erbarme dich! Aus tiefer Überzeugung meiner Unwürdigkeit vor Gott singe und nicht nur mitleiere, weil es von der Orgel angestimmt wird.

Das gilt dann natürlich auch für die Predigt. Es ist schade um die Zeit, die man hier absitzt, wenn man zu Beginn der Predigt abschaltet oder umschaltet auf seine Lieblingsgedanken. Darum vor der Predigt noch einmal das stille Gebet, dass das nicht passiert, sondern dass man hellwach ist.

Ein Pfarrer beobachtete im Gottesdienst seiner Landgemeinde einen Mann, der jeden Sonntag zu Beginn der Predigt die Augen schloss und offensichtlich einschlief. Am Ausgang sprach er ihn eines Tages an: „Wenn Sie so müde sind, warum bleiben Sie dann nicht daheim und schlafen dort?“ „das geht ja nicht, Herr Pfarrer, daheim kann ich nicht schlafen.“ „Ja, warum denn nicht?“ fragte der Pfarrer. Da sind so viele Mücken.“ Ich hoffe, es hat niemand von uns so viele Mücken daheim, dass er zum Schlafen hierher kommt.

„Der Schlaf ist ein Verwandter des Todes“, so ein altes Wort. Stimmt irgendwie immer noch. Wer schläft, sieht Gefahren nicht, kann nicht reagieren. Wie oft heißt es bei Berichten von Katastrophen: Die Bewohner der Orte wurden im Schlaf überrascht. Von einem Feuer, einer Flutwelle, einem Erdbeben.

Für wie viele Autofahrer wurde schon der Sekundenschlaf zum Verhängnis. Schlaf zum falschen Zeitpunkt, Schlaf an der falschen Stelle ist gefährlich kann tödlich sein. Auch die Kirchenbank ist die falsche Stelle zum Schlafen und die Predigt der falsche Zeitpunkt.

Gott wird uns wohl auch einmal darüber zur Rechenschaft ziehen, was wir hätten hören können und was wir überhört oder verschlafen haben. Vielleicht wird er dann sagen: So oft wollte ich mit dir reden, aber du hast mir ja nicht zugehört. Ich wollte dich aus deiner falschen Sicherheit aufwecken, aber du hast immer gedacht, das gilt alles nur für die anderen. Darum immer wieder im NT dieser Warnruf, dieses Signal: Wach auf! Hör zu! Vielleicht sollte ich gelegentlich mal mit einer Schreckschusspistole schießen oder ein anderes akustisches Mittel einsetzen, um Schlafende zu wecken (Orgel, Tutti!).

Ja auch auch die Kirchenmusik soll nicht einschläfern. Aus vielen Liedern unseres Gesangbuchs klingt ja ein Weckruf: Wachet auf! ruft uns die Stimme… (EG 147); Wach auf, mein Herz und singe (446); Wach auf, wach auf, du deutsches Land, du hast genug geschlafen, bedenk, was Gott an dich gewandt, wozu er dich erschaffen (145); Weck die tote Christenheit aus dem Schlaf der Sicherheit (263).

Manchmal kommt mir unsere Christenheit vor wie eine Bootsbesatzung, die nicht merkt, dass sie auf einen großen Wasserfall zu treibt. Sie lachen und scherzen, essen und trinken, machen laute Unterhaltungsmusik sehen die tödliche Gefahr nicht, die auf sie zukommt hören das warnende Getöse der herabstürzenden Wassermassen nicht. Unaufhörlich treiben sie auf die Katastrophe zu. Die ökologische oder die wirtschaftliche oder die persönliche. Hat doch bestimmt auch keiner von den jungen Leuten, die da gestern in Duisburg zur Loveparade gegangen sind, gedacht, dass eine Gefahr besteht. Der Tunnel und die hysterischen Massen wurden dann ihr Tod. (19 Tote, 340 zum Teil schwer Verletzte) Nennt sich Loveparade und wird zur Deathparade. Furchtbar!

Wenn der Apostel Paulus hier so leidenschaftlich ruft: Wach auf, der du schläfst und steh auf von den Toten, dann meint er aber nicht nur irgendwelche Leute, die draußen sind, und auf Feste strömen, sondern er meint uns Christen, die Gemeinde, die Getauften: Schlaft bloß nicht ein mit euerem Glauben und Beten. Lasst nur nicht nach mit dem Lesen und Hören von Gottes Wort! Wenn ihr das verschlaft seid ihr schon tot.

Steht auf von den Toten. Distanziert euch von den geistlich Toten. Von denen, die überhaupt nichts im Sinn haben mit Gott, der Kirche, der Bibel, den Geboten. Bleib nicht bei denen hocken, die nur daran interessiert sind, dass alles so bleibt wie es ist. Wach auf, hör zu! Frag nach! Nimm Gott beim Wort! …so wird Christus dich erleuchten. Er sagt: Ich bin das Licht der Welt; wer mir nachfolgt, der wird nicht in der Finsternis wandeln, sondern das Licht des Lebens haben.

Und wenn Ihr das tut, so haben wir es vorhin im Evangelium (Matth 5,13-16) gehört, dann seid ihr das Licht der Welt! Dann werdet ihr für andere Menschen Lichtblicke, Hoffnungsträger, Helfer und Tröster. Sie schaun auf euch! Sie können sicher sein, wenn Ihre Nachbarn merken, dass Sie regelmäßig in den Gottesdienst gehen, dann werden Sie noch genauer beobachtet. Wie leben die denn? Wie gehen die denn miteinander um? Was tun die in ihrer Freizeit? Wie machen die ihre Arbeit? Das kann überzeugen oder abstoßen. Paulus schreibt den Ephesern hier: „Lebt als Kinder des Lichts!“ Lasst die anderen sehen, zu wem Ihr gehört, wes Geistes Kind Ihr seid!

Macht nicht alles mit! Geht nicht auf jedes Fest, auf dem es gottlos zugeht! Schaut euch nicht jeden Film an! Lasst euch nicht von den Massen oder den Medien bestimmen, sondern fragt nach dem Willen Gottes! Setzt Prioritäten! Zieht Grenzen! Achtet Gebote! Nicht alles, was „man“ heute macht und wobei „man“ sich in unserer Gesellschaft nichts mehr denkt, ist gut. Nicht alles, was „man“ heute toleriert, ist richtig. Vor- und außereheliche Beziehungen, gleichgeschlechtliche Partnerschaften, Drogenkonsum, okkulte Spiele und Literatur. In der vergangenen Woche, am Ende einer Religionsstunde, als die Pause begann, packten einige Schülerinnen ein mystisches Spiel aus. Ein Horoskop oder Wahrsagespiel, in dem man einander die Zukunft vorhersagt. Daneben lag ein Pendelspiel. Da wird die Finsternis im Spielekarton verschenkt. Die Schüler haben gar nicht kapiert, was sie da machen und dass das ja schon der spielerische Einstieg in okkulte Praktiken ist. Finsternis wird verharmlost.

Es gibt heute zahllose ähnliche Spiele, für den Computer oder den Wohnzimmertisch oder das Handydisplay. Ganz unverhohlen sind die Symbole der Finsternis dargestellt oder darauf abgedruckt. Aber viele lassen sich nicht warnen, spielen mit der Finsternis, beschenken Kinder und Jugendliche damit. Macht da nicht mit! Warnt Paulus: Lebt als Kinder des Lichts! Das fängt ganz praktisch auch mit solchen Dingen an. Wer sich mit den Spielchen und Reizen der Finsternis befasst, wird ganz bestimmt kein Kind des Lichts.

Vor einigen Tagen ist ein Gedenkstein gegen Kindesmissbrauch am Luitpoldplatz aufgestellt worden. Ein 1,4 Tonnen schwerer Mühlstein, mit dem in großen Lettern eingemeißelten Jesuswort (Matth 18,6): Wer aber einem von diesen Kleinen, die an mich glauben, Ärgernis gibt, für den wäre es besser, dass ein Mühlstein an seinen Hals gehängt und er ersäuft würde im Meer, wo es am tiefsten ist.

Martin Luther hat übersetzt statt „Ärgernis gibt“, „zum Abfall verführt“ (wörtlich: zu Fall bringen, skandalon = Stellholz in der Falle). Darum geht es nämlich: Ein Kind fangen und es vom rechten Weg, vom Vertrauen auf Gott wegbringen. –

Aber auch in der gewählten Übersetzung, ist diese Aktion eine gute Sache, weil so klar wird, welche Verantwortung wir haben und was es bedeutet, Gottes Wort und Gebot zu verachten.

Allerdings, Missbrauch und Verführung von Kindern ist es nicht nur, wenn man sie zu sexuellen Handlungen zwingt oder verleitet, sondern auch wenn man sie in okkulte Praktiken einführt, ihnen mystische Spiele nahebringt oder sie mit Magie manipuliert, anstatt ihnen Glauben an Gott nahezubringen.

Wir müssen heute mehr denn je prüfen, was dem Herrn gefällt. Prüfen, was hinter den Dingen steht und den Mut haben auch nein zu sagen. Es gibt keinen Mittelweg. Wo Licht ist, da ist keine Finsternis. Licht und Finsternis sind nicht vereinbar mit einander. Es kann nicht gleichzeitig hell und dunkel sein.

Kinder des Lichts in dem Sinn, den Paulus hier meint, sind Menschen, die nach Gott fragen, die den Glauben ernst nehmen und Gottes Willen tun wollen. Wir bleiben Kinder des Lichts auch dann, wenn uns das nicht gelingt. Wenn wir Fehler machen, schwach werden, uns haben verleiten lassen von den Mächten der Finsternis. Dann dürfen wir uns immer wieder dem Licht zuwenden, der Vergebung, der Güte der Gerechtigkeit, der Wahrheit. Das sind die Früchte des Lichts, die der Apostel hier nennt: Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit.

Menschen, die das Licht Gottes suchen werden im Lauf der Zeit gütige Menschen, gerechte und ehrliche Menschen. Sie werden Menschen, denen man vertraut und die Vertrauen nicht für ihre Zwecke missbrauchen.

Unsere Kinder brauchen solche Menschen, die ihnen Gottvertrauen vorleben, die ihnen biblische Geschichten vermitteln und damit Gottes Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit. Und wir selber brauchen diese Werte genauso. Den Zuspruch, dass uns Gott seine Güte nicht entzieht, wenn wir gesündigt haben und um Vergebung bitten. Wir brauchen die Gewissheit, dass Gottes Gerechtigkeit eine schenkende und geschenkte Gerechtigkeit ist, die allen gilt, die Jesus nachfolgen. Und wir brauchen die Wahrheit des göttlichen Wortes um selber ehrlich zu werden. Darum sind Gottesdienst und Predigt, Gebet und Lesen der Heiligen Schrift so wichtig. Damit wir Licht und Finsternis unterscheiden können und nicht alles bedenkenlos mitmachen.

Herr, dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege.

Amen.

Verfasser: Martin Schöppel © Dr.-Martin-Luther-Str.18, 95445 Bayreuth, Tel. 0921/41168