Gottesdienst – Epheser 5, 15 – 20
Zur PDF18. So. nach Trinitatis 21.09.2008, Epheser 5, 15 – 20
Gnade sei mit euch und Friede, von Gott dem Vater und unserem Herrn Jesus Christus.
Wir beten in der Stille um den Segen Gottes für diese Predigt: …Herr, wir bitten dich, gib deinen Heiligen Geist zum Reden und zum Hören. Amen.
Das Schriftwort für die Predigt an diesem 18. Sonntag nach Trinitatis steht im Epheserbrief im 5. Kapitel, Verse 15-20:
Achtet genau darauf, wie ihr lebt: Nicht wie Menschen, die von Gott nichts wissen wollen, sondern als Menschen, die ihn kennen und lieben.
Kauft die Zeit aus, denn es ist böse Zeit. Darum werdet nicht unverständig, sondern versteht, was der Wille des Herrn ist.
Und sauft euch nicht voll Wein, woraus ein unordentliches Leben folgt, sondern lasst euch vom Geist Gottes erfüllen.
Singt miteinander Psalmen und lobt den Herrn mit Liedern, wie sie euch sein Geist schenkt. Singt und jubelt aus vollem Herzen!
Sagt Gott, dem Vater, Dank allezeit für alles, im Namen unseres Herrn Jesus Christus.
Die Zeit läuft. Sie läuft jetzt. Hier bei uns in diesem Gottesdienst Die Zeit läuft nicht nur im Kampf gegen den Krebs oder gegen AIDS und in den Bemühungen gegen die ökologischen Bedrohungen unserer Erde. Sie läuft bei dir und mir.
Die Zeit läuft. Niemand hält sie auf. Keiner kann sie zurückdrehen oder beschleunigen. Sie läuft Sekunde für Sekunde unaufhaltsam. Und immer läuft sie ab. Immer läuft sie auf ein Ende zu. Nichts und niemand hat unbegrenzt Zeit.
Ich hab keine Zeit! Ein Satz der in aller Munde ist, der in jedem Kopf herum spukt. Dabei ist er gar nicht wahr, denn solange ich denken oder sagen kann: Ich habe keine Zeit! solange habe ich noch Zeit. Es ist nur die Frage wofür ich sie verwende, was ich mit meiner Zeit mache.
Ich hab keine Zeit. Wenn wir das sagen, wollen wir damit ausdrücken: Meine Zeit ist knapp. Ich habe weniger Zeit als ich brauche, weniger Zeit als mir lieb ist. Meine Zeit ist kostbar. Obwohl wir oft so reden und denken, gehen wir doch mit unserer Zeit oft um, als hätten wir endlos viel davon, als wären Stunden, Tage, Jahre im Überfluss zur Verfügung.
Wir verbummeln, verplempern, vertreiben uns die Zeit, wir verschwenden sie mit unwichtigen belanglosen, nutzlosen Tätigkeiten und mit sinnlosem Geschwätz. Wir schlagen Zeit tot. Der Apostel gibt uns hier in seinem Brief einen wertvollen Rat: Kauft die Zeit aus! Nützt die Zeit aus. Auch er weiß, dass unsere Zeit knapp bemessen ist. Er will, dass wir Zeit gewinnen und nicht verlieren.
Wer mit Zeit im Sinne des Erfinders, im Sinn Gottes umgeht, gewinnt, der kommt damit besser zurecht und wird einmal am Ende der Zeiten grenzenlos Zeit haben, gute Zeit. Dann wird sie nicht mehr davonlaufen. Ewigkeit ist ohne Zeit.
Einer Legende von Leo Tolstoi nach stellte einst ein Kaiser dem eine hohe Belohnung in Aussicht, der ihm folgende Fragen beantworten könnte: Welche Zeit ist die beste Zeit? Welcher Mensch ist der wichtigste Mensch? Welche Aufgabe ist die sinnvollste Aufgabe? Keine Antwort seiner Weisen und Ratgeber stellte den Kaiser zufrieden. Also machte er sich auf den Weg zu einem Einsiedler, um ihn zu fragen.
Aber der Eremit gibt ihm keine Antwort, sondern lässt den Kaiser einige Zeit bei sich leben und arbeiten. Er entgeht dabei knapp einem Mordanschlag, versöhnt sich mit einem Feind und lernt langsam von dem Eremiten die gelebte Antwort: Die beste und wichtigste Zeit ist immer gerade jetzt.
Die Vergangenheit liegt hinter uns. Wir
können sie nicht mehr verändern. Sie ist festgehalten im Film
unseres Lebens, gespeichert in der Datenbank Gottes. Die Zukunft ist noch nicht da, was geschehen wird, noch nicht entschieden. Warum sollen wir uns damit aufhalten? Jetzt ist die wichtige und entscheidende Zeit. An die Korinther schreibt der Apostel Paulus einmal ähnlich: Siehe jetzt ist die Zeit der Gnade, siehe, jetzt ist der Tag des Heils!
Auch jetzt in diesem Gottesdienst ist Zeit der Gnade, von Anfang bis Ende. Es ist schade um jeden Satz den wir nicht hören, nicht innerlich mitsprechen und nicht aufnehmen. Ob es die Predigt ist, die ja nicht nur aus meinen armseligen Worten besteht, sondern Wort Gottes ist, aus dem der Glaube wächst, oder ein Satz aus der Liturgie: Gott sei mir Sünder gnädig. Oder der Satz aus der anschließenden Gnadenverkündigung: Der allmächtige Gott hat sich über dich erbarmt!
Auch unsere Lieder stecken voller gewaltiger Aussagen: „Ich will dich lieben, meine Stärke, haben wir vorhin gesungen. Wenn wir das aus ehrlichem Herzen und mit Überzeugung so gesungen haben eine wunderbare Glaubensaussage. Im selben Lied den Satz: „Ich will dich lieben, o mein Leben, als meinen allerbesten Freund“. Wer solche Sätze nicht nur singt, sondern auch glaubt und lebt, erfährt eine wunderbare Kraft und kann gestärkt und befreit aus einem Gottesdienst gehen.
Jetzt ist Zeit der Gnade, wenn
wir uns das Evangelium gegenseitig zusingen und zusprechen, kaufen wir
die Zeit aus. Was ist das für ein gewaltiger Zuspruch, wenn zu mir
gesagt wird: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein.
Gottesdienst ist besondere Zeit der Begegnung mit unserem Herrn. Da geht es nur um ihn und um uns. Aber nicht nur Gottesdienst ist Gnadenzeit, auch jede andere Stunde kann wichtige Gnadenzeit sein. Wenn wir uns in der Familie Zeit nehmen miteinander zu reden, wenn wir etwas füreinander tun, wenn wir unsere Arbeit gewissenhaft und in Verantwortung vor Gott tun, wenn wir füreinander beten. Auch Urlaubszeit, die Zeit, in der wir uns Ruhe gönnen uns entspannen, Schönes erleben. Selbst Zeit beim Spiel oder beim Sport kann gute Zeit, Gnadenzeit sein, wenn wir sie dankbar als Geschenk Gottes verstehen.
Allerdings dürfen wir nicht übersehen, dass es auch böse Zeit gibt. Auch davon redet der Apostel. Es ist böse Zeit um uns herum. Dabei ist nicht die Zeit an sich böse, sondern, das was Menschen in ihr und mit ihr machen. Es ist böse Zeit, wenn jemand beleidigt ist und immerzu an das denkt, was da ein anderer unfreundlich gesagt oder getan hat. Es ist böse Zeit, in der jemand an allem herummeckert und unzufrieden ist, mit dem, was er selbst hat. Es ist böse Zeit, wenn man faul vor dem Fernseher sitzt und doch weiß, da ist jemand, der bräuchte jetzt meine Hilfe.
Es ist böse Zeit, wenn immer wieder Frauen und Mädchen Opfer von Gewaltverbrechen werden und wenn es auf dem Arbeitsplatz immer unmenschlicher zugeht. Es ist böse Zeit, in der Medien Menschen fertig machen und in der Öffentlichkeit demontieren. Böse Zeit, in der die Wahrheit nichts mehr zählt, Zeit in der Geld und Machtinteressen vor der Menschenwürde rangieren.
Böse Zeit, in der Menschen in ihrer Wohnung einsam sterben und wochenlang merkt es niemand. Böse Zeit, in der Reiche immer reicher und Arme immer ärmer werden, in der Ehe und Familie mit ihren göttlichen Ordnungen immer weniger Schutz und Wertschätzung erfahren. Böse Zeit, in der man sich von Gewalt und Pornographie vor dem Bildschirm beeinflussen lässt. So viel böse Zeit in uns und um uns.
Lassen wir uns zu böser Zeit und von böser Zeit mitreißen? Geben wir die guten Ordnungen und Werte einfach ohne Gegenwehr preis? Resignieren wir, machen wir gar mit oder suchen wir in böser Zeit besonders Orte und Zeiten an denen uns Gott begegnet und wo wir seine Gnade und seinen Schutz erfahren? Vieles haben wir selber in der Hand. Mit wem gehe ich wohin? Mit wem unterhalte ich mich worüber?
Welche Musik höre ich? Gottlose und geistlose Texte mit einhämmernden Rhythmen und betäubender Lautstärke oder ermuntern wir einander mit Psalmen und geistlichen Liedern? Was singt und spielt es in unseren Herzen? Von Musik und damit verbundenen Texten geht eine ganz bedeutende Macht aus. Entweder zum Guten oder zum Bösen. Es gibt Lieder und Töne, von denen geht wunderbarer Friede aus, die vermitteln Geborgenheit, Trost, Freude. Aber von Millionen Tonträgern werden Texte und Töne auf die Trommelfelle transportiert, die aggressiv machen und keinen guten Geist verbreiten.
Schon damals, zu Paulus’ Zeit spielte der Missbrauch von Alkohol eine zerstörende Rolle in der Gesellschaft. Sauft euch nicht voll Wein, sagt der Apostel, es folgt ein unordentliches Leben daraus. Zuviel Alkohol, ob Wein, Bier Schnaps oder ein anderes Getränk, richten im Lauf der Zeit in jedem Leben Schaden an. Es sind Millionen Menschen in unserem Land von Alkoholmissbrauch direkt oder indirekt betroffen.
Ich bin mir sicher, es sitzen auch einige unter uns hier, die mit dem Alkohol ihre liebe Not haben. Wer es weiß und sich eingesteht, dem kann geholfen werden, medizinisch und seelsorgerlich. Schon manche sind vom Saufen ganz frei geworden. Wer es verharmlost oder sich nicht eingestehen will, dass er mit eigener Kraft nicht loskommt vom Alkohol, der wird immer tiefer hineingeraten, immer mehr zerstören von seiner Gesundheit, seinem familiären Leben, seiner Zukunft.
Es ist in keiner Beziehung egal, wie wir leben. Paulus sagt ganz deutlich: Achtet sorgfältig darauf, wie ihr euer Leben führt. Wie führen wir es denn? Mit immer mehr Wünschen, mit der Jagd nach Geld oder nach Spaß, nach Ehre und Erfolg? Suchen wir die Seligkeit in der Sucht, verdrängen wir die Sorgen des Alltags mit Erlebnissen und Aktionen. Verhindern wir das Nachdenken über uns selbst durch ständige Berieselung mit Bildern und Tönen? Wovon sind wir erfüllt? Womit füllen wir unser Leben, unsere Zeit?
Lasst euch vom Geist Gottes erfüllen! rät uns
Paulus hier. Wie macht man denn das? Kann ich denn etwas dazu tun, dass
Gottes Geist, der Geist der Liebe, der Wahrheit, des Friedens mich
erfüllt? Ja, das ist möglich. Wir können diesen Geist
uns zwar nicht selbst geben oder machen, aber wir dürfen und
sollen ihn uns täglich neu von Gott erbitten. Gott hat denen seinen Heiligen Geist versprochen, die ihn darum bitten.
Ich fürchte diese Bitte wird selbst bei denen, die beten oft
vergessen. Wir bitten um Schutz, wir bitten um Kraft für unseren
Alltag, wir bitten um Gesundheit und ein gutes Leben. Vielleicht beten
wir auch um Hilfe für Menschen, die uns am Herzen liegen, aber die
Bitte um den Heiligen Geist Gottes wird auch von den Christen viel zu
oft vergessen. Vielleicht reden wir deshalb so oft geistlos daher,
vielleicht durchschauen wir böse Zeit, falsche Entwicklungen
deshalb nicht, nehmen Gefahren deshalb nicht wahr, weil uns der Geist
Gottes fehlt.
Nur der Geist Gottes kann uns zu neuen Menschen machen, zu Menschen, die Gottes Reich suchen und die hineinpassen. Der Geist Gottes öffnet uns die Augen für uns selbst. Er zeigt uns, was nicht stimmt in unserem Leben. Der Geist Gottes hilft uns im Umgang miteinander, gibt uns Mut zur Ehrlichkeit und zum Bekennen. Nur wer aus diesem Geist zu einem neuen Menschen geboren ist kann das Reich Gottes und seine Herrlichkeit sehen, macht Jesus dem Pharisäer Nikodemus in einem nächtlichen Gespräch klar.
Aber der Geist Gottes kann nur in unser Leben Einzug halten und unser Leben segnend verwandeln, wenn Platz für ihn da ist. In einem Schrank der überquillt von alten Kleidern kann man die schönen und guten neuen Kleidungsstücke nicht mehr einräumen. In einer schmutzigen Pfanne mit ranzigem Fett wird man kein leckeres Essen zubereiten können. Zuerst muss Altes ausgeräumt, Schmutz entfernt werden, damit Platz wird für das Gute Neue.
So ist das auch in unserem Leben. Es muss Platz und Zeit sein für Gottes Geist und Gottes Wort und es muss Altes ausgeräumt, Schmutz entfernt, Schuld vergeben werden, damit durch Gottes Geist ein neues und gesegnetes gutes Leben beginnen kann. Manchmal kann dazu ein Gebet oder ein Gottesdienst helfen, manchmal wird ein persönliches Gespräch in der Seelsorge notwendig sein um zu neuem Leben zu helfen.
Klares Element des neuen Lebens aus dem Geist Gottes ist eine lebendige Beziehung zu Jesus Christus und das Verlangen, ihm und Gott immer wieder zu danken für alles, was er für uns tut und getan hat. Jeder Tag ohne Dank ist ein verlorener Tag, ist allein schon böse Zeit, auch wenn sonst nichts gegen Gottes Gebote geschehen wäre.
Prüfen
wir uns, wie wir leben, nicht um ein niederschmetterndes Ergebnis
festzustellen, sondern um die Zeit, die wir haben auszunutzen und um
uns von Gott zurechtbringen und erneuern zu lassen. Jede Sekunde, jede
Minute ist kostbare Zeit. Gnadenzeit. Noch ist Gnadenzeit für uns. Aber wie lange?
aus der Hast, die uns in Atem hält,
aus der Eile dieser Zeit, aus der Ruhelosigkeit
lasst uns aufsehn auf Jesus.
Er ist der Herr, der Herr unsrer Zeit.
Er sprengt die Ketten der Unmöglichkeit.
Er wartet auf uns, er hält Großes bereit.
Lasst uns aufsehn auf Jesus.
Amen.
Verfasser: Martin Schöppel, Dr.-Martin-Luther-Str. 18, 95445 Bayreuth, Tel. 0921/41168