Gottesdienst – Eph 2, 1-10
Zur PDF11. Sonntag nach Trinitatis, 15.08.2010 Eph 2, 1-10
Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen.
Wir wollen in der Stille um den Segen des Wortes Gottes bitten … Herr, wir bitten dich, gib uns deinen Heiligen Geist zum Reden und zum Hören. Amen.
Unser Schriftwort für die Predigt steht im 2. Kapitel des Epheserbriefes. Der Apostel Paulus schreibt:
Wie sah euer Leben früher aus? Ihr seid Gott ungehorsam gewesen und habt gegen Gott rebelliert. Für ihn wart ihr tot. Die Sünden dieser Welt waren euere Sünden und ihr wart dem Satan verfallen. Sein böser Geist beherrscht auch heute noch das Leben aller Menschen, die Gott nicht gehorchen. Zu ihnen haben wir früher auch gehört, damals, als wir eigensüchtig unser Leben selbst bestimmen wollten. Wir haben den Leidenschaften und Verlockungen der Sünde nachgegeben und wie alle anderen Menschen waren wir dem Zorn Gottes ausgeliefert.
Aber Gottes Barmherzigkeit ist groß. Wegen unserer Sünden waren wir in Gottes Augen tot. Doch er hat uns so sehr geliebt, dass er uns mit Christus neues Leben schenkte. Haben wir das verdient? Niemals! Das verdanken wir allein der Gnade Gottes.
Durch den Glauben an Christus sind wir dem Tod entronnen und haben einen Platz in Gottes Reich. So will Gott in seiner Liebe zu uns, die in Jesus Christus sichtbar wurde, für alle Zeiten die Größe seiner Gnade zeigen.
Denn nur durch seine unverdiente Güte seid ihr vom Tod errettet worden. Ihr habt sie erfahren, weil ihr an Jesus Christus glaubt. Aber selbst dieser Glaube ist ein Geschenk Gottes und nicht euer eigenes Werk. Durch eigene Leistung kann man bei Gott nichts erreichen. Deshalb kann sich niemand etwas auf seine guten Taten einbilden.
Gott hat etwas aus uns gemacht: Wir sind sein Werk, durch Jesus Christus neu geschaffen um Gutes zu tun. Damit erfüllen wir nur, was Gott schon immer mit uns vor hatte.
Zu Beginn möchte ich Ihnen eine Frage stellen und Sie bitten, für sich selbst darüber nachzudenken und sich eine Antwort zu geben: Warum sitzen Sie hier im Gottesdienst? Während ich mit meiner Predigt beginne liegen viele andere noch im Bett und genießen es heute nicht so früh aufstehen zu müssen wie sonst. Andere sind längst in ihrem Garten oder beim Brunchen. Manche setzen sich auf ihr Fahrrad und radeln zum Sonntagsessen, damit sich die Klöße und der Sauerbraten nicht gar so auf die Hüften legen. Manche sind auch beim Wandern oder schon im Kreuzsteinbad oder ohnehin im Urlaub.
Neun von zehn, nein, Neunzehn von Zwanzig oder auch Neunundzwanzig von Dreißig Menschen in unserer Stadt oder unserer Gemeinde sitzen jedenfalls zur Stunde nicht unter einer Kanzel. Gottesdienst spielt für sie keine Rolle in ihrem Alltag. Da muss doch die Frage erlaubt sein: Warum Sie hier sind? Was ist da bei Ihnen anders?
Getauft sind ja doch noch viele in unserem Land und konfirmiert fast ebenso viele. Trotzdem fehlen sie in den Gottesdiensten. Das kann’s eigentlich nicht sein. Aus Gewohnheit sind früher viele zum Gottesdienst gegangen. Weil das so üblich war und weil das in manchen Kreisen zum guten Ton gehörte. Aber die Zeiten sind doch längst vorbei.
Wer heute einen Gottesdienst besucht, wer gar regelmäßig kommt, gehört schon zu den Ausnahmen. Dafür muss es Gründe geben. Ob jemand unter uns bereit wäre, auf meine Frage eine Antwort zu geben? Warum sind Sie heute im Gottesdienst? Ich will es mal wagen, ihnen mit meinem Mikrophon ein Stück entgegenzukommen. Es muss keine lange Rede sein. Eine kurze Antwort wäre schon genug. Warum sind Sie heute im Gottesdienst?
— Ich danke für den Mut und die Antworten. In jedem Fall ist es doch so, dass eine Entscheidung notwendig war. Der Gottesdienst war Ihnen wichtiger als alles andere, was heute Vormittag möglich gewesen wäre. Entscheidungen können für oder gegen Gott ausfallen. Und wenn in Ihrem Leben nicht einmal oder öfter eine Entscheidung für Gott gefallen wäre, wären sie nicht hier.
Paulus macht uns in seinem Brief an die Epheser klar, dass immer eine Entscheidung fallen muss in Bezug auf Jesus Christus und dass diese Entscheidung Folgen nach sich zieht. Es gibt da auch keinen goldenen Mittelweg. Ein bisschen Ja, ein bisschen Nein, das geht nicht. Entweder ich bin hier im Gottesdienst oder ich bin irgendwo anders.
In den Worten des Apostels wird auch daran erinnert, dass es in Bezug auf diese Entscheidung ein davor und danach gibt: Wenn sich ein Mensch für Jesus Christus und den Glauben entscheidet, dann verändert sich dadurch sein Leben. So können viele sagen: Das war früher, als ich noch nicht den Weg des Glaubens gegangen bin, das ist jetzt: Früher hab ich mich gegen Gott aufgelehnt und ihn für ungerecht gehalten, jetzt möchte ich seinen Willen annehmen und bin froh, dass er nicht nur gerecht ist, sondern auch gnädig.
Früher hab ich nur nach meinen eigenen Interessen gehandelt und getan, wozu ich gerade Lust hatte oder was mir erfolgversprechend schien, heute frag ich oft: Herr, was willst du, dass ich tun soll. Es ist mir wichtig, dass ich auch für andere Hilfe und Segen werde. Ich möchte nützlich sein für Gott.
Früher waren mir Gottes Gebote ziemlich egal, aber heute möchte ich mich gerne an sie halten und es belastet mich, wenn es mir nicht gelingt.
Früher hab ich mir um meine Sünden keine Kopf gemacht. Ich hab meine Schuld verdrängt oder hab mich mit anderen beruhigt, die sich noch viel weniger um Gottes Willen geschert haben. Heute bin ich froh, dass ich Schuld nicht verdrängen muss und dass ich meine Sünde bekennen kann. Und es ist jedes Mal ein Geschenk der Gnade Gottes, wenn er mir seine Vergebung zusagt.
Früher hab ich gehofft, dass es das Schicksal irgendwie gut mit mir meint und dass ich einigermaßen gesund und zufrieden durchs Leben komme. An das Ende, an Alter, Krankheit oder Leiden hab ich gar nicht erst gedacht. Auch heute noch bin ich natürlich lieber gesund und habe Erfolg, aber wenn es heute mal durch ein Tief geht, wenn sich Misserfolg einstellt und wenn mir Unrecht geschieht, dann bin ich froh, dass ich mich damit an Jesus wenden kann und dass er mir Halt gibt. Immer wieder spüre ich, dass er da ist und dass auch das Schwere in meinem Leben durch ihn für mich einen guten Sinn bekommen kann.
Und noch etwas merke ich im Gegensatz zu früher ganz deutlich: Dass für mich eine große Liebe da ist. Am Leben und an den Worten von Jesus erkenne ich immer mehr wie hinter allem, was in meinem Leben geschieht eine große planende und bergende Liebe Gottes steht. Ich merke immer mehr, wie viel ich ihm wert bin und wie er mich beschenkt.
Mir ist klar geworden, dass es gar nicht mein Verdienst ist, dass ich hier im Gottesdienst bin und dass ich mich für den Glauben entschieden habe. Nein, es ist Gottes Handeln an mir gewesen, dass er mich gesucht und gefunden hat und wie ein verlorenes Schaf heimgetragen. Wenn da nicht Menschen gewesen wären, die mir das Wort Gottes vorgelebt und die Bibel wichtig gemacht haben, wenn da nicht Eltern, Großeltern, Freunde, Kollegen, vielleicht auch Pfarrer oder Jugendleiter gewesen wären, die um mich gerungen haben und für mich gebetet, dann wäre ich heute auch nicht hier. Dann würde ich auch lieber brunchen, wandern, Zeitung lesen oder noch im Bett liegen.
Aber diese unverdiente Güte Gottes, die mich von meinen falschen Lebenszielen befreit hat, verschafft mir einen ganz neuen Blick fürs Leben. Ich kann dankbar sein für so vieles in meinem Leben, was Gott mir geschenkt hat. Ich will meine Gaben und Kräfte nicht nur egoistisch für mich selber verwenden, sondern möchte dass auch andere was davon haben. Es ist mir nicht mehr so wichtig erfolgreich zu sein und andere zu übertreffen, Besitz anzuhäufen und Leben zu genießen. Es ist mir aber wichtig, einmal im Reich Gottes mit dabei zu sein. Und ich bin heilfroh, dass ich den Himmel nicht mit meiner eigenen Kraft erklimmen muss, sondern dass Gott zu mir sagt: Ich habe dich schon immer geliebt, darum habe ich dich zu mir gezogen. (Jer 31,3)
Ich bin dankbar und froh, dass mir Glaubenszeugen die Bedeutung von Kreuz und Auferstehung erklärt haben, denn dadurch lebe ich nicht unter dem Druck, meine Seligkeit selber schaffen zu müssen. Ich hab nicht am Ende eines Lebens einen sinnlosen Tod vor mir, sondern eine wunderbare Zukunft in der Herrlichkeit Gottes. Ein Leben, das nicht aufhört, das nie zur Last wird und in dem ich umgeben bin von Frieden, Schönheit, Harmonie und Geborgenheit.
Das alles wird mir groß und wichtig, wenn ich Gottes Wort höre, wenn ich im Gottesdienst sitze und wahrnehmen darf, dass die Lebensperspektive Gottes nicht an meinem eigenen kleinen Horizont aufhört. Gottes schöpferische Phantasie ist noch umfassender, bunter, klangvoller als die berühmter Maler oder Komponisten. Er kann mir viel mehr Gutes tun, als mein Apotheker oder meine Krankengymnastin. Ich müsste ein Dummkopf sein, wenn ich darauf verzichten wollte.
Gottesdienst und Bibel, das ist, wie wenn man in einem muffige Raum mit verbrauchter Luft das Fenster aufmacht und Licht und Frische und Weite hereinlässt. Gottes schöpferische Phantasie ist noch längst nicht am Ende. Seine Neuschöpfung noch nicht abgeschlossen. „Siehe, ich mache alles neu!“ sagt Jesus. Schau hin, ich bin kein Restaurator, der versucht Altes möglichst noch ein Weilchen zu erhalten, sondern ich kann immer neue Schönheiten und Wohltaten vollbringen. Ich will dir noch viel mehr Gutes tun als bisher. Gottes Barmherzigkeit hat doch noch kein Ende. Sie ist an jedem Morgen neu! Und sie ist für alle da, die sich an Jesus halten und durch ihn Gottes Kinder sein wollen. Das ist zwar eine bewusste Entscheidung, aber keine Leistung und kein Verdienst auf das man sich etwas einbilden könnte. Gott hat etwas aus uns gemacht: Wir sind sein Werk, durch Jesus Christus neu geschaffen um Gutes zu tun. Damit erfüllen wir nur, was Gott schon immer mit uns vor hatte.
Wer sich für den Glauben entscheidet sagt also nur Ja zu dem guten Plan, den Gott mit ihm schon immer hatte. In meinem Alltag kommt mir das manchmal aus dem Sinn. Da schieben sich manchmal Ereignisse und Schwierigkeiten vor diesen großartigen Ausblick. Da lass ich mich manchmal von Kleinigkeiten so ablenken, dass ich das große Ziel für einige Zeit aus den Augen verliere.
Bin ich froh, dass dann doch bald wieder ein Sonntag kommt, an dem ich mich in einen Gottesdienst setzen darf und wieder daran erinnert werde, was mich hält, wohin ich gehöre und worauf ich zugehe. Dann freu ich mich, dass ich zwar nicht besser bin als andere, die nicht kommen, aber dass ich so viel besser dran bin, als ein Mensch, der sich von Jesus erlöst und von Gott beschenkt weiß.
Das geht auch nicht dann kaputt, wenn mir alles misslungen ist, wenn ich gesündigt habe oder zu wenig gedankt oder gebetet. Gottes Gnade und Treue sind stärker. Die grenzenlose Liebe des Heilands holt mich wieder zurück, wenn ich nur nicht ganz von ihm weggehe. Auch wenn ich erkenne, dass ich alles versäumt und schwer gesündigt habe, muss ich aus einem Gottesdienst nicht davonschleichen wie ein geprügelter Hund, sondern darf als neuer Mensch, beschenkt und begnadigt mit erhobenem Haupt in die kommende Zeit gehen, denn ich bin ja gerettet. Ich bin ja wieder versöhnt mit dem und durch den, der alles für mich getan hat und von dessen Liebe mich nichts scheiden kann.
Gott sei Dank gibt es den Gottesdienst immer noch in unserem Land und in unserer Gemeinde und wann immer es möglich ist, möchte ich dabei sein, wenn dieses Wort Gottes erklingt, wenn Gott segnet, wenn Gott redet. Wenn ich so eine Predigt vorbereite, dann weiß ich, das was ich da zu sagen habe, gilt mir genauso wie der Gemeinde. Dann bin ich froh, dass ich mich von Amts wegen mit dem Evangelium beschäftigen darf und dass ich diese großartige Lebensperspektive auch weitersagen darf.
Ich denke die meisten von Ihnen sind hier, weil sie ganz bewusst die Entscheidung getroffen haben, dass sie mit Jesus leben wollen. Bleiben Sie dabei! Es wäre die größte Dummheit Ihres Lebens, davon abzuweichen. Sollte aber heute jemand hier sein, der diese Entscheidung noch nicht getroffen hat, dann möchte ich ihn bitten, sie heute noch zu treffen, denn solche Gelegenheiten gibt es nicht alle Tage.
Du bist mein Gott, dein ist mein Leben!
Sieh, Schwachheit nur hast du erwählt.
Du hast dich mir ganz hingegeben
und meine Nacht gütig erhellt.
Dir will ich neu völlig mich geben,
mache mit mir, was dir gefällt.
(Text und Melodie Jesus Bruderschaft Gnadenthal,
aus Mosaik 1-4“ Rechte Präsenz Verlag JB-Gnadenthal)
Amen.
Verfasser: Martin Schöppel ©, Dr.-Martin-Luther-Str.18, 95445 Bayreuth, Tel. 0921/41168