Gottesdienst – Titus 2,11-14

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Christvesper Kreuzkirche 2009

Haben Sie es geschafft? Sind Sie mit
Ihren Weihnachtsvorbereitungen fertig geworden? Vielleicht nicht ganz.
Aber schön, dass Sie hier sind. Es muss gar nicht alles perfekt
sein. Weihnachten kann auch schön werden und Sinn machen, wenn
manches liegen geblieben ist und wenn nicht alles so ist, wie man sich
das vorgestellt hat.

Das, worum es eigentlich geht, können wir gar nicht machen oder vorbereiten. Es geschieht von Gott her. Und dass Sie sich die Zeit für diesen Gottesdienst nehmen, zeigt, dass Sie sich von Gott auch etwas erwarten. Zu Recht. Er hat, was wir alle brauchen und er will es uns geben. Gott zeigt in Bethlehem, was er hat. Das haben wir in der alten Geschichte des Evangelisten Lukas gerade schon gehört. Aber es gibt noch andere Zeugen, die andere Worte verwendet haben. Einer von ihnen ist Paulus. An seinen Freund und Mitarbeiter Titus schreibt er mit seinen Worten vom Weihnachtsgeschehen (Titus 2,11-14):

In der Person Jesu Christi ist jetzt Gottes Barmherzigkeit sichtbar geworden, mit der er alle Menschen retten will.

Sie bringt uns dazu, dass wir uns von aller Gottlosigkeit und allen
selbstsüchtigen Wünschen trennen, dafür aber besonnen
und rechtschaffen leben, so wie es Gott gefällt.

Denn wir warten darauf, dass sich bald erfüllt, was wir sehnlichst
erhoffen, dass unser Herr und Erlöser Jesus Christus in seiner
ganzen göttlichen Herrlichkeit und Größe erscheinen
wird. Er hat sein Leben für uns gegeben und uns von allem
Bösen und von aller Schuld befreit.

So sind wir sein Volk geworden, bereit ihm dankbar zu dienen.

Wir fragen in den Wochen vor Weihnachten oft: Was kann ich nur schenken? Die meisten haben doch schon alles. Oder sie können sich das, was sie sich wünschen selber kaufen. Dann passt wenigstens die Größe und die Farbe gefällt auch. Wie viele Weihnachtsgeschenke werden nach den Festtagen umgetauscht! Mit Kindern ist das noch etwas leichter. Die äußern noch ihre Wünsche, aber bei älteren Menschen, da weiß man es oft überhaupt nicht und wenn man sie fragt, dann sagen sie: Ich brauch nichts, ich hab doch alles.

Was kann ich dir schenken? – Es gibt eine Frage, die noch viel wichtiger ist und ohne die Weihnachten eigentlich gar nicht geht: Was kann ER mir schenken? Was kann Gott mir schenken? Haben Sie sich das schon gefragt? Sie sollen nicht ohne seine Geschenke wieder aus diesem Gottesdienst gehen. Wenn Sie zuhören und Ihr Herz aufmachen, dann werden Sie reich beschenkt in diesen Abend gehen.

Sie haben einen kleinen Geschenkanhänger auf ihrem Platz gefunden oder in die Hand bekommen. „Die besten Geschenke“ steht außen drauf. Ganz schön vollmundig! Aber wenn Sie den Anhänger aufgeklappt haben, dann haben Sie gelesen, das es hier um wertvolle Geschenke geht, die unverkäuflich, ja die unbezahlbar sind:Freude, Friede, Versöhnung, Ewiges Leben. Wenn Sie sich fragen: Was kann er mir schenken? Dann ist das die Antwort: Das kann ER DIR schenken: Freude, Friede, Versöhnung, Ewiges Leben.

Gegen diese Geschenke Gottes sind alle anderen Geschenke der Welt klein. Sie behalten ihren Wert. Sie sind wertvoll in jedem Lebensalter.

1. Freude. Der Engel in der heiligen Nacht sagt: Fürchtet euch nicht, denn siehe ich verkündige euch große Freude.

Wir sollen nach Gottes Willen nicht in Angst leben, sondern in Geborgenheit und in tiefer erfüllender Freude. Das will Gott für uns. Das ist sein erstes Geschenk. Grund und Ursache der Freude: Euch ist der Heiland geboren! Das Wort Heiland ist der Versuch das hebräische Wort „Messias“ oder die griechische Fassung „Christos“ ins Deutsche zu übersetzen. Heiland, das ist einer der Heil bringt und der Heil macht, was unheil ist. Der Heiland ist einer, der alles Kaputte reparieren kann. Kaputte Beziehungen, kaputte Seelen, kaputte Verhältnisse. Der Heiland liefert sich als kleiner hilfloser Mensch dieser Welt aus, aber er bleibt nicht klein und hilflos, sondern wird überall dort, wo er angenommen und geglaubt wird ein mächtiger Helfer. Sein menschlicher NameJesus heißt übersetzt: Gott hilft, Gott heilt.

Gott verspricht Hilfe in dem Heiland Jesus Christus. Das wurde den Hirten vor Bethlehem gesagt. Und Hirten waren keine frommen Einsiedler, sondern mit allen Wassern gewaschenes Gesindel. Raue Gesellen, die es mit der Wahrheit und der Ehrlichkeit nicht so genau genommen haben. Denen wird ein Heiland angeboten. Einer der Heil macht und Heil bringt in ihr Leben. Wenn Gott solchen Sündern so begegnet, dann kann er doch auch Ihr und mein Heiland sein! Kann heil machen, was wir durch unsere Art, unsere aufbrausende, nachtragende, empfindliche, hochmütige Wesensart an Leid verursacht haben heilen.

Jesus vergibt im Namen Gottes allen, die sich vergeben lassen. Der Heilige Abend ist ein Vergebungsabend. Da sagt Gott zu jedem, der es sich gefallen lässt: Ich will Dir vergeben! Alles, was in Deinem Leben zusammengekommen ist an Schuld, will ich auslöschen. Schau in die Krippe hinein. So unschuldig wie dies Kind darfst Du sein. Weil dir dies Kind deine Schuld abnimmt. Er, der da in der Krippe liegt, ist der der in meinem Namen für dich das Kreuz trägt und am Kreuz sein Leben für dich gibt. Das ist Deine Rettung. Was auch war, wo Du auch stehst, wie es auch weitergeht! Mensch, greif doch zu! Sag Ja und Amen dazu und freu Dich! Das sagt uns das Kind in der Krippe:Wenn Du mir Deine Schuld gibst, dann kommt Dein gehetztes Herz zur Ruhe. Dann wirst Du Gottes Frieden spüren.

2. Vom Frieden haben die Engel der Weihnacht auch gesungen: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden, Friede auf Erden, Friede auf Erden. Frieden in Ihrem und in meinem Herzen. Kein Groll mehr, kein Hass, keine Unruhe mehr, sondern Friede.Friede sei mit Dir! Lautete der Gruß des auferstandenen Christus, der zu seinen Jüngern eintritt. Sie waren unruhig und voller Angst, aber durch sein „Friede sei mit Euch!“ sind sie ruhig und von Angst befreit worden.

Auch uns gilt das: Friede auf Erden. Diese Erde ist von Gott her zum Frieden bestimmt und er wird eines Tages seinen Frieden vollenden. Auch wenn heute noch geschossen wird und gestritten, gekämpft und zerstört. Gottes Friede kommt und wird einmal diese ganze Erde überziehen. Er beginnt in Menschenherzen und strahlt dann aus auf andere. Lassen Sie sich Gottes Frieden schenken! Sie müssen nur sagen: Ja, Herr, ich brauche Deinen Frieden. Schenk ihn mir!

Das Bild des Kindes in der Krippe ist Gottes Friedensangebot an die Welt, sein Friedensvertrag mit uns. Ein neugeborenes Kind, das leuchtet jedem ein, ist keine Kriegserklärung. Unbewaffnet und wehrlos liegt es da. Es liefert sich aus. Gott liefert sich aus, obwohl er alle Macht hat. Nein, weil er alle Macht hat. Er will Frieden mit uns machen, damit wir endlich Frieden miteinander machen. Keine bösen Gedanken mehr, keine verletzenden Worte mehr, keine verächtlichen Blicke und schon gar keine geballten Fäuste mehr. Wer mit Gott versöhnt ist, kann sich auch mit Menschen versöhnen.

„Christ ist erschienen, uns zu versühnen“, werden wir nachher miteinander singen in dem vertrauten Lied „O du fröhliche“. Damit ist diese doppelte Versöhnung gemeint. Mit Gott und mit Menschen. Gehen Sie nicht hinaus in diese Heilige Nacht um weiter zu streiten und nachzutragen und Hass im Herzen zu schüren. Vergeben Sie einander, so wie Gott Ihnen vergibt. Nehmen Sie einander neu an, so wie Gott Sie in Jesus neu annimmt. Zeigen Sie sich das, sagen Sie sich das, schreiben Sie das denen, die weiter weg sind und nehmen Sie die vergebend in den Arm, die nah bei ihnen sind, sonst lehnen Sie die größten und besten Geschenke ab, die es gibt.

Wirklich Weihnachten wird es nur dort, wo das geschieht. Machen Sie das Geschenk nicht zum wertlosen Weihnachtsanhänger, der mit dem zerrissenen Geschenkpapier und den zerschnittenen Schleifen in den Müll wandert. Es hängt so viel dran. Es hängt die Freude dran und der Frieden und es hängt sogar das Ewige Leben dran. Wer diese Weihnachtsgeschenke des lebendigen Gottes nicht annimmt, der wird sich auch an allen anderen Geschenken nicht wirklich freuen können. Und wer keine anderen Geschenke bekommt, aber die Geschenke Gottes annimmt, der wird nicht traurig sein, sondern tiefe Freude und großen Frieden spüren.

Darf ich es als Pfarrer mal ganz persönlich sagen? Weihnachtspredigten sind für einen Pfarrer die schwersten. Er weiß, die Kirche ist voll und es sind auch viele da, die nur einmal im Jahr kommen. Und da ist die Verantwortung riesengroß. Da ist man getrieben von dem einen Gedanken: Wie kann ich diese gewaltige und befreiende Botschaft ausdrücken, wie in Worte fassen, dass die, die heute da sind, begreifen, worum es geht. Dass sie zugreifen und nicht wieder ein Jahr vergehen lassen, bis sie sich nach dem heilsamen Wort der Gnade sehnen und den Zuspruch des Segens suchen.

Ich wünsche mir nichts sehnlicher als dass Sie aus diesem Gottesdienst von Freude und Frieden erfüllt hinausgehen und sagen: Ja, ich will versöhnt leben. Versöhnt mit Gott und mit Menschen. Und ich will diesen Heiland im Herzen behalten und ihn bitten, dass er mein ganzes Leben heil macht.

Sie sollen sich freuen am Leben und die guten und schönen Dinge, die wir haben dankbar genießen: Den Frieden, den Wohlstand oder doch wenigstens ihr Auskommen. Sie sollen sich an Schönem freuen, auch an gutem Essen und Trinken dieser Tage. Wenn Sie nur nicht das noch Größere, noch Schönere, noch Wertvoller aus den Augen verlieren, das „Ewige Leben“.

Ich möchte zum Schluss noch einmal die Worte des Apostels Paulus wiederholen, die er an seinen Freund und Mitarbeiter Titus geschrieben hat, die zeigen, was Weihnachten bedeutet:
In der Person Jesu Christi ist jetzt Gottes Barmherzigkeit sichtbar geworden, mit der er alle Menschen retten will.
Sie bringt uns dazu, dass wir uns von aller Gottlosigkeit und allen selbstsüchtigen Wünschen trennen, dafür aber besonnen und rechtschaffen leben, so wie es Gott gefällt.
Denn wir warten darauf, dass sich bald erfüllt, was wir sehnlichst erhoffen, dass unser Herr und Erlöser Jesus Christus in seiner ganzen göttlichen Herrlichkeit und Größe erscheinen wird. Er hat sein Leben für uns gegeben und uns von allem Bösen und von aller Schuld befreit. So sind wir sein Volk geworden, bereit ihm dankbar zu dienen.

Lob, Preis und Dank, Herr Jesu Christ,

sei dir von mir gesungen,

dass du mein Bruder worden bist

und hast die Welt bezwungen;

hilf, dass ich dien Gütigkeit

stets preis in dieser Gnadenzeit

und mög hernach dort oben

in Ewigkeit dich loben.

(EG 33,3)

Amen.

Die besten Geschenke

  • Freude
  • Friede
  • Versöhnung
  • Ewiges Leben

Gottes Weihnachtsgeschenke an die Welt

Durch Jesus Christus werden sie

für jeden von uns erfahrbar.

(Text: Geschenkanhängers der Stiftung Marburger Medien GK156)

Verfasser: Martin Schöppel, Pfarrer, Dr.-Martin-Luther-Str.18, 95445 Bayreuth, Tel. 0921/41168