Gottesdienst – Apg. 17, 22-34

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Konfirmation in der Kreuzkirche am 13. April 2008

Text: Apostelgeschichte 17, 22-34

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.
In der Stille bitten wir um den Segen Gottes für diese Predigt …
Das Schriftwort für die Predigt am Sonntag Jubilate steht in der Apostelgeschichte des Lukas im 17. Kapitel. Dort wird davon berichtet, wie Paulus auf seiner 2.Missionsreise das erste Mal nach Athen kam, in die damals schon bedeutende Kultur- und Weltmetropole. Zuerst sah er sich die Stadt an und versuchte sich ein Bild zu machen, wie die Menschen dort lebten und was es dort zu sehen gab.
Das machen wir ja auch so, wenn wir auf einer Reise in eine fremde Stadt kommen. Wir besorgen uns vielleicht einen kleinen Führer und Stadtplan und schauen uns dann die berühmten Bauwerke und Einrichtungen an. Das Zentrum, die Kulturmeile, den Hauptplatz, Museen und Kirchen.
In Athen war der Areopag der bedeutendste Platz. Nicht weit davon, auf der Akropolis, waren die wichtigsten kulturellen Gebäude. Dort war das Zentrum von Bildung, Politik und Religion. Da standen die großen und prächtigen Tempel für die griechischen Götter. Paulus hatte das so, in dieser Fülle und in dieser Pracht noch nicht gesehen. Für ihn waren die Griechen ja Heiden, Leute, die von dem wahren Gott und von Jesus Christus nichts wussten. Der weit gereiste Apostel kannte den einen Tempel der Juden in Jerusalem. Aber hier standen ja viele Tempel mit zahllosen Altären und prächtigen Götterstatuen. Sie waren reich mit Blumen geschmückt und immer wieder kamen Leute, die sich verneigten, die etwas verweilten und die ihre Opfergaben, Früchte oder Blumen brachten.
Diese Tempel in Athen waren mindestens so prachtvoll geschmückt, wie unsere Kirche an der Konfirmation heute oder beim Erntedankfest. „Wahnsinn!“ dachte Paulus, „was die Leute hier mit ihrem Glauben für einen Aufwand betreiben! Diese Heiden sind ja eigentlich ziemlich fromm. Die sind nicht nur ein bisschen, sondern sehr gläubig. Schade nur, dass sie die falschen Götter verehren und nicht den einen wahren Gott kennen. Und dass sie die größte und wichtigste Sache nicht wissen: Dass Jesus Christus, der Sohn Gottes den Tod besiegt hat, dass er auferstanden ist, lebendiger Gott! Nicht so eine leblose Statue.“ So ging es dem Paulus durch den Kopf.
Nach seiner ersten Aufregung wurde der Apostel aber dann doch recht betroffen und dachte: „Die vielen Leute hier wissen gar nicht, dass Jesus eines Tages wiederkommen und sein Reich endgültig auf der ganzen Welt aufrichten wird. Sie haben keine Ahnung davon, dass Jesus dann von Gott als Richter über alle Menschen eingesetzt sein wird, die je gelebt haben.
Das muss man ihnen doch sagen! – Ich muss es ihnen sagen. Auch diese Leute in Athen, die sich hier so anstrengen um irgendwelche toten Götter zu verehren, müssen das doch wissen! Wie mach ich das nur?“ Während er noch so überlegte und sich umsah, erblickte er plötzlich einen merkwürdigen Altar. Er war genauso reich geschmückt wie die anderen. Es lagen sogar sehr viele Blumen und Opfergaben drauf, nur war bei diesem Altar keine Götterstatue. Vielleicht wird sie ja gerade renoviert, dachte Paulus. Aber als er näher trat, sah er vorne an dem Altar eine Inschrift: „Dem unbekannten Gott“.
Paulus musste lachen. So was! Dem unbekannten Gott! Jetzt haben sie so viele Götter und Göttinnen und trotzdem Angst, dass sie einen vergessen haben. Der könnte ja dann beleidigt sein mit den Athenern. Aber während er noch seinen Kopf schüttelte über den komischen namenlosen Altar, kam ihm eine Idee, wie er mit den Athenern über Jesus ins Gespräch kommen könnte. Die Apostelgeschichte berichtet es in den Versen des 17. Kapitels, die heute unser Predigttext sind:

Da stellte sich Paulus vor alle, die auf dem Areopag versammelt waren und rief: „Athener, mir ist aufgefallen, dass ihr sehr religiös seid; denn ich habe in euerer Stadt viele Altäre gesehen. Auf einem stand: „Dem unbekannten Gott“. Von diesem Gott, den ihr verehrt, ohne ihn zu kennen, spreche ich.

Es ist der Gott, der die Welt und alles was in ihr ist, geschaffen hat. Dieser Herr des Himmels und der Erde wohnt doch nicht in Tempeln, die Menschen gebaut haben. Er braucht auch nicht den Opferdienst irgendeines Menschen. Er, der allen das Leben gibt und was zum Leben notwendig ist, er hat den einen Menschen geschaffen, von dem alle Völker auf der Erde abstammen. Er hat auch bestimmt, wie lange und wo sie leben sollen. Das alles hat er getan, weil er wollte, dass die Menschen ihn suchen, damit sie ihn spüren und finden können. Und wirklich, er ist uns ja so nahe! Durch ihn allein leben und existieren wir. (So wie es einige euerer Dichter gesagt haben: „Wir sind seine Kinder“).

Weil wir nun von Gott abstammen, ist es doch unsinnig, zu glauben, dass wir Gott in Standbildern aus Gold, Silber oder behauenen Steinen darstellen können, so wie es unserem Können und unseren Vorstellungen entspricht. Bisher haben die Menschen das nicht erkannt und Gott hatte Geduld mit ihnen. Aber jetzt befiehlt er allen Menschen auf der ganzen Welt, Buße zu tun und sich von Grund auf zu ändern. Denn der Tag ist schon festgesetzt, an dem Gott alle Menschen richten wird, richten durch einen Mann, den er selbst dazu bestimmt hat. Daran hat Gott keinen Zweifel gelassen, indem er ihn von den Toten auferweckte.“

Als Paulus von der Auferstehung der Toten sprach,
begannen einige zu spotten, andere meinten: „Darüber wollen wir
später noch mehr hören.“

Darauf verließ Paulus die Versammlung auf dem Areopag. Einige Leute schlossen sich ihm an und wurden gläubig.

Wie unterschiedlich die Reaktionen waren: Die einen machten sich lustig. Sie hörten dem Paulus zuerst ganz interessiert zu, aber als er von der Auferstehung anfing, war’s aus. Da fingen sie an zu lächeln und ihre Witze zu machen und hielten den Fremden für einen frommen Spinner. Was soll das für ein Gott sein, der sich erst wie ein Schwacher an ein Kreuz nageln lässt und dann stärker sein soll als der Tod und von den Toten aufersteht?? „Hör doch auf damit! Das ist zu phantastisch“.

Andere die dabei standen, fanden gerade das mit der Auferstehung faszinierend. Das wär’s doch! Ewiges Leben! Suchen wir das nicht alle? Fürchten wir nicht alle den Tod und das Ende? Sollten wir uns nicht noch mehr mit dem Gott beschäftigen, von dem dieser Paulus geredet hat? Vielleicht ist ja der unbekannte Gott wirklich der, der alles geschaffen hat und der auch unser Leben in seiner Hand hat. Dann wäre es ganz wichtig, mehr von ihm zu hören und von seinem Sohn Jesus Christus.

Wenn es stimmt, was dieser fremde Mann sagt, dann sind wir ja überhaupt erst durch den Gott, von dem er spricht geschaffen worden und ohne ihn gäbe es uns gar nicht. Wie hatte Paulus gesagt? „Durch ihn allein leben und existieren wir“. Wenn er wirklich alles geschaffen hat, ist er ja viel größer und gewaltiger als die Tempel, die wir den Göttern gebaut haben.

Einige dieser Athener haben sich dann wohl noch öfter mit Paulus getroffen und sich mehr erzählen lassen von Jesus. Und der Apostel hat versucht ihnen die Sache verständlich zu erklären. Dass Gott den Menschen nicht verborgen bleiben wollte und deshalb durch Jesus selber Mensch geworden ist.

Mensch gewordener Gott, Jesus Christus.

Ein Mensch aus Fleisch und Blut, der auf dieser Erde lebt, wie andere Menschen auch, der isst und trinkt, lacht und leidet, der Angst kennen lernt und der Schmerz erfährt. Gott wird einer von uns durch Jesus Christus.

Warum? Er will uns nahe sein. Wirklich, er ist uns ja so nahe! betont Paulus und er will uns helfen mit unserem Leben klar zu kommen. Wir sollen nicht in Angst und Sorge leben und uns nicht vor unbekannten oder übermenschlichen Göttern fürchten. – Die Götter der Griechen waren ja teilweise ziemlich miese Typen, die sich untereinander Gemeinheiten ausdachten, die Menschen oder andere Götter und Göttinnen reinlegten und betrogen, die nur Macht haben wollten und auf ihren Vorteil bedacht waren. Im Grunde waren sie auch nicht besser als Menschen. – Der Mensch gewordene Gott, Jesus Christus aber, von dem Paulus sprach, war ganz anders. Er liebte seine Feinde, er heilte, der tröstete, der kümmerte sich um die Verlierer, verteidigte Angegriffene und vergab Sündern.

Wenn man sieht, was bei uns an einer Konfirmation für Opfer gebracht werden und welcher Aufwand getrieben wird und was für Geschenke gemacht werden und welcher Blumenschmuck aufgefahren wird, dann kann man auch den Eindruck gewinnen: Ihr Bayreuther, Ihr Kreuzer, seid sehr religiös. Aber auch wir müssen uns die Frage gefallen lassen, ob es um Götter geht, die von Menschen gemacht sind oder um den Mensch gewordenen Gott. Geht es uns um Götter, aus Gold und Silber, aus Steinen und Holz, um Göttern auf vier oder zwei Rädern, um gigabytestrotzende, dolbysoundklingende, wellness-Götter? Sind wir nur an den herausragenden Punkten unseres Lebens religiös oder haben wir Gott in unserem Alltag und wissen: Durch ihn allein leben und existieren wir. Daran entscheidet sich die Ehrlichkeit einer Konfirmation und unseres ganzen Glaubens. Lebendiger Gott, Mensch geworden in Jesus Christus – oder selbst gemachte leblose und hilflose Götter.

„Paulus“, so fragten ihn einige von den Athenern, die mehr wissen wollten, „wie kann man denn zu dem Mensch gewordenen Gott Jesus Christus gehören?“

„Das ist ganz einfach“, sagt der Apostel, „ihr müsst nur an ihn glauben. Als äußeres Zeichen lasst ihr euch taufen und wenn ihr dann an ihn glaubt, zu ihm betet, immer wieder mit euerer Schuld, eueren Ängsten und Zweifeln, Nöten und Sorgen zu ihm kommt, dann werdet ihr sehen und erleben: Er hilft euch! Er tröstet euch! Manchmal warnt er euch auch, wenn ihr dabei seid falsche Wege zu gehen, aber er zeigt euch auch immer wieder den richtigen Weg durch seine Gebote und sein Evangelium. Glaubt mir! Es ist nicht schwer. Es ist ganz einfach. Eigentlich kinderleicht. Es ist, wie wenn ein Kind da oben auf der Mauer steht und sein großer starker Vater steht unten und sagt: Spring! Ich fang dich auf!“

Der Glaube ist am Anfang wie ein Sprung ins Ungewisse. Aber wer den Sprung wagt, merkt sehr bald: Gott fängt mich. Er hält mich. Mit ihm kann ich mutig und voll Vertrauen durchs Leben gehen.“ Die Apostelgeschichte berichtet dass einige Athener damals diesen Sprung gewagt haben. Den Sprung in die Hände des unbekannten, nein, des Mensch gewordenen Gottes. Sie haben sich taufen lassen und als kleine Gemeinde erlebt, dass Jesus Christus kein toter, sondern ein lebendiger Gott ist.

Um diesen Sprung in die Hände des lebendigen Gottes geht es auch bei der Konfirmation. Euere Eltern haben euch vor vielen Jahren, als ihr noch klein wart einmal zur Taufe gebracht, weil sie das Vertrauen hatten, dass es nur gut sein kann, schon von klein auf diesem Gott, dem wir unser Leben überhaupt verdanken, zu gehören. Jetzt seid Ihr aber so weit, dass Ihr selber entscheiden könnt, ob ihr zu ihm gehören wollt.

Einige von den Eltern und Paten wollen
Euch und uns mit einem Lied Mut machen, die Entscheidung wirklich mit
ganzem Herzen mutig und ehrlich zu treffen: (Lied von Eltern u. Paten) Wag den Sprung in Gottes Hände! (Text und Melodie: Werner Hoffmann)

Wag den Sprung in Gottes Hände, lass dich fallen wie ein Kind.
Du sollst wissen, dass am Ende nur wer Gott vertraut gewinnt!
Wenn du dich auf ihn verlässt, hält er dich für immer fest.
Wag den Sprung in Gottes Hände, lass dich fallen wie ein Kind.

Niemand soll verloren gehen, alle sind von Gott geliebt.
Bleib nicht länger zweifelnd stehen, weil es Rettung für dich gibt!
Nimm es jetzt im Glauben an, was der Herr für dich getan!
Niemand soll verloren gehen, alle sind von Gott geliebt.

Komm und nimm aus Gottes Händen jetzt das neue Leben an!
Jesus will dein Schicksal wenden, er hat für dich einen Plan
Schlage seine Hand nicht aus, geh zurück ins Vaterhaus!
Komm und nimm aus Gottes Händen jetzt das neue Leben an!

Nur wer Gott vertraut, kann am Ende gewinnen. Wer nur seiner eigenen Kraft vertraut oder Menschen oder seiner Vernunft, der hat am Ende verloren. Nur wer bereit ist ins Wasser zu gehen, kann schwimmen lernen und die Erfahrung machen, dass das Wasser trägt. Und nur wer den Weg des Glaubens geht, wer betet, in der Bibel liest, Gottesdienste miterlebt, Segen empfängt, macht die Erfahrung, dass Gott wirklich eingreift und auch heute noch bewahrt und Wunder tut. “ Er hat für dich einen Plan!“ Das merken alle Menschen, die den Sprung in Gottes Hände wagen, die anfangen an Jesus Christus zu glauben.

Das war bei mir genau so. Am Anfang, nach meiner Konfirmation, da hatte ich nur die Aussagen von anderen Christen, dass man mit Gott was erleben kann und dass Jesus uns führt und bewahrt. Ich hab den Sprung gewagt und bin damit nicht auf die Nase gefallen. Mit dem was ich selber so an Dummheiten gemacht habe, bin ich immer wieder mal auf die Nase gefallen und hab mir manche Beule und manches blaue Auge geholt. Aber wenn ich geglaubt habe und mich auf das Wort Gottes verlassen habe, dann ist mir immer geholfen worden.

Und Jahre später habe ich gemerkt, dass Gott auch meine Fehler in seinen Plan eingebaut hat. Er hat mich nicht im Stich gelassen, wenn ich Mist gebaut habe. Ich durfte immer wieder mit meiner Schuld zu ihm kommen und ihn um Vergebung bitten. Er hat mich nie weggeschickt, der Mensch gewordene Gott, Jesus Christus, sondern ist mir immer wieder neu mit seiner Liebe begegnet.

Und wenn ich heute so meinen Lebensweg zurückschaue, dann kann ich eine ganze Menge schon erkennen von dem Plan, den er mit mir hatte. Ich weiß noch nicht, wie es weitergeht. Ich weiß nicht wie es nächstes Jahr oder in zehn Jahren sein wird, aber ich vertraue drauf, dass der, der angefangen hat seinen Plan in meinem Leben zu verwirklichen, es auch weiter gut machen wird. Er macht es mit jedem gut, der ihm vertraut. Manchmal wird es anders als wir uns das gedacht haben, aber es wird gut. Darauf dürfen wir uns verlassen. Wer den Mensch gewordenen Gott Jesus Christus zum Herrn hat, der darf jedes Anliegen auf ihn werfen. Er wird ihn bewahren. Amen.

Verfasser: Martin Schöppel @, Dr.-Martin-Luther-Str.18, 95445 Bayreuth, Tel. 0921/41168