Gottesdienst – 4.Mose 11, i. A
Zur PDFPfingstsonntag, 27.05.2007, 4.Mose 11, i. A.
Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Wir beten in der Stille um den Segen für diese Predigt. … Herr, wir bitten dich, erhöre uns. Amen.
Ein Wehrpflichtiger, der bekennender Christ ist, muss einrücken. Er möchte unter den Vielen, die der Glaube nicht interessiert, die Wenigen finden, die, wie er bewusst glauben. Er geht also zum Spieß und bittet ihn: „Herr Oberstabsfeldwebel, darf ich ein Zettelchen ans Schwarze Brett hängen?“ „Was woll’n Sie?“ „Ja, ich bin Christ!“ „Macht nichts!“ sagt der Spieß und erlaubt es ihm großzügig.
Der Soldat schreibt sein Zettelchen: Suche Christen, Zimmer Nummer… Trag Dich hier ein! Am nächsten Tag geht er wieder hin, gespannt, ob sich jemand eingetragen hat. Plötzlich steht der Kompaniechef neben ihm und fragt: „Ist das Ihr Zettel?“ Der Rekrut nickt. „Die Reklame für Ihren Jesus geht mir zu weit. Das will ich nicht in meiner Kompanie!“ Es folgt ein kurzes Gespräch, in dem der Soldat tapfer bekennt, aber der Hauptmann schüttelt nur verständnislos den Kopf. Der junge Mann meint schließlich: „Herr Hauptmann, das können Sie nicht verstehen, dazu braucht man Heiligen Geist.“
Da war der Ofen natürlich aus. Der Hauptmann brüllt ihn an, solle verschwinden. Weil es aber einige Zuhörer gab, macht die Geschichte schnell die Runde in der Kaserne und der Hauptmann sieht sich zu einer Klarstellung veranlasst. Am nächsten Tag lässt er antreten: „Mal alle herhören! Seht ihr die Wolken da oben?“ Alle brüllen: „Jawohl Herr Hauptmann!“ „Seht ihr das Gebäude dort hinten?“ „Jawohl Herr Hauptmann!“ „Seht ihr das Kasernentor dort vorne?“ „Jawohl Herr Hauptmann!“ Seht ihr den Heiligen Geist?“ „Nein, Herr Hauptmann!“ Was schließen wir daraus?“ fährt der Hauptmann fort, „Es gibt keinen Heiligen Geist!“ Gelächter!
Da hebt der kleine Rekrut vom Heiligen Geist bewegt den Arm. „Was woll’n Sie denn noch?“ fragt der Hauptmann. „Darf ich was sagen, Herr Hauptmann?“ „Na, kommen Sie her!“ erlaubt der Hauptmann gnädig. Was kann da schon passieren, er der große Hauptmann fürchtet sich nicht vor dem kleinen Rekruten. Der Soldat tritt vor und fragt so laut er kann:
„Seht Ihr den Herrn Hauptmann?“ – „Ja!“ brüllen alle. Seht ihr seine Uniform?“ „Ja!“ „Seht ihr seinen Kopf?“ „Ja!“ Seht ihr seinen Verstand?“ Schweigen. – Gespannte Stille. Ganz schön mutig! In die Stille hinein noch einmal der Rekrut: „Wir wissen, der Hauptmann hat Verstand, er ist aber nicht zu sehen. Genauso ist das mit dem Heiligen Geist.“
Der Heilige Geist hat dem jungen Mann diesen Mut und diese Weisheit gegeben. Aber bestimmt hat er noch manches auszuhalten gehabt in seiner Kaserne. Wer für die Sache Gottes eintritt, erfährt oft Widerstand und wird immer wieder kritisiert. Manchmal geht das so weit, dass man es fast nicht mehr aushält. Um so eine Situation, in der sogar ein Gottesmann seinen Mut verloren hat, geht es in unserem Schriftwort für die Predigt aus dem 4. Buch Mose im 11. Kapitel:
Mose sprach zum Herrn: „Warum tust du mir das an? Ich bin zwar dein Diener, aber musst du mir wirklich die Verantwortung für dieses ganze Volk aufhalsen? Hast du denn kein Erbarmen mit mir? Bin ich etwa die Mutter dieser Menschen? Hab ich sie zur Welt gebracht oder bin ich ihr Pflegevater? Soll ich sie wie einen Säugling auf meinen Armen in das Land tragen, das du ihren Vorfahren versprochen hast? Ich kann die Verantwortung für dieses Volk nicht länger allein tragen. Ich halte es nicht mehr aus. Wenn es so weitergehen soll, bring mich lieber gleich um! Wenn dir aber etwas an mir liegt, dann erspar mir dieses Elend!“
Der Herr antwortete Mose: „Such unter den Ältesten Israels siebzig Männer aus! Nimm Leute, die als zuverlässige Anführer des Volks bekannt sind. Bring sie zum heiligen Zelt und stell dich mit ihnen dort auf! Denn ich will herabkommen und mit dir sprechen. Ich werde etwas von meinem Geist, der auf dir ruht, nehmen und auf sie legen. Sie sollen von nun an die Last mit dir teilen. Du musst die Verantwortung für das Volk nicht mehr allein tragen.
Da berichtete Mose den Israeliten, was der Herr ihm aufgetragen hatte. Er suchte unter den Ältesten des Volks siebzig Männer aus und befahl ihnen, sich im Halbkreis vor dem Altar aufzustellen. Dann sahen sie, wie der Herr in der Wolke herabkam. Er sprach mit Mose und legte etwas von dem Geist, der auf Mose ruhte, auf die siebzig Ältesten. Im selben Augenblick begannen sie zu reden, was der Herr ihnen eingab. Das geschah jedoch nur dieses eine Mal.
Pfingsten macht uns klar, was der Geist Gottes bewirkt. Überall wo er wirkt treten entscheidende Veränderungen ein. Sehn wir nur mal den Mose an: Er hat, salopp gesagt die Schnauze gestrichen voll. Alles hängt an ihm, dabei wollte er den Auftrag gar nicht haben. Schon am brennenden Dornbusch, bei seiner Berufung, hat er sich gewehrt und versucht diese Verantwortung, die Gott ihm zumutete abzulehnen. Aber umsonst. Gott hat nicht locker gelassen und er hatte sich zögernd eingelassen auf seine Führungsaufgaben.
Nun sind sie lange in der Wüste unterwegs, hinter ihnen liegen Strapazen, Todesängste, Entbehrungen, Bedrohungen. Immer wieder sah sich Mose mit der Unzufriedenheit des Volks konfrontiert. Für alle Schwierigkeiten wurde er verantwortlich gemacht. Man zweifelte an seinen Führungsqualitäten, beschimpfte ihn, versuchte Widerstand zu leisten. Mose stand allein da. Die vielen Wunder und Hilfen Gottes waren immer schnell vergessen und das Gejammer und Gemurre ging wieder los. Es genügte dem Volk nicht mehr, das sie Manna hatten, sie wollten was Besseres. Fleisch!
Mose stand immer zwischen diesen undankbaren Leuten und Gott. Verständlich, dass er es irgendwann auch mal satt hatte. Wie ein widerspenstiges Kind beschwert er sich über ungerechte Behandlung bei Gott. Und er distanziert sich von dem Volk, zu dem er ja eigentlich auch gehört. Es ist dein Volk, sagt er zu Gott. Was geht mich das an! Ich hab sie doch nicht in die Welt gesetzt! Lass mich in Ruhe! Ich will nichts mit denen zu tun haben! Ja, er droht Gott fast: Wenn du mir diese Last nicht vom Hals schaffst, dann bring mich lieber gleich um!
Was sind das für Worte! Darf ein Gläubiger, gar ein Gottesmann, so mit Gott reden? Ich finde es sehr tröstlich, dass ein Mann wie Mose auch mal die Fassung verliert und dass Gott ihn so reden lässt und sogar helfend auf diese heftig vorgebrachten Klagen reagiert. Kennen nicht die meisten unter uns diese Gefühl auch: Ich bin völlig überfordert. Alles bleibt an mir hängen! Jeder lädt seinen Ärger bei mir ab! Für alles und jedes macht man mich verantwortlich! Ich schaff’s nicht. Mir wird alles zu viel! Wie bei Mose kann das manchmal bis zu dem trotzig zornigen Aufbegehren gehen: Ich mag nicht mehr leben! So nicht! „Da bring mich lieber gleich um!“ So krass drückt Mose sein Empfinden aus.
Der Geist des Murrens und der Auflehnung, dem sich Mose ständig ausgesetzt sieht, hat nun auch von ihm Besitz ergriffen. Und Gott? Sein Erbarmen mit diesem Mann und dem Volk ist so groß, dass er eingreift. Durch seinen Geist wird die aussichtslose Lage verändert. Der Auftrag wird delegiert, die Verantwortung auf viele Schultern verteilt. Gott bietet eine ganz praktische, menschliche und einfache Lösung an. Such siebzig Männer aus, zuverlässige Leute, die Ansehen und Einfluss haben. Und dann das Entscheidende: Bring sie vor mich, bestell sie zum Heiligtum, damit ich meinen Geist auf sie lege.
Menschliche Fähigkeiten allein reichen in der Arbeit für Gottes Sache nicht aus. Nur wenn dazu noch Gottes Heiliger Geist kommt, kann wirklich Segen und Gutes draus werden. An dem Punkt fehlt es bei uns häufig. In der Politik und in öffentlichen Ämtern werden kluge Köpfe in verantwortliche Positionen bestellt, aber viele von ihnen wissen nicht mehr, dass sie Gottes Geist und Segen brauchen, damit sie Gutes bewirken können. Viele verzichten auf den Gottesbezug bei ihrer Amtseinführung. Ohne Heiligen Geist fehlt das Entscheidende.
Hier wird berichtet, wie vor dem Altar eine sichtbare und hörbare Veränderung mit den siebzig Berufenen vor sich geht. Sie reden wie Propheten, sie sagen, was Gott ihnen eingibt. Eine einmalige Demonstration des Wirkens Gottes für das Volk. Gottes Geist hat bei besonderen Ereignissen, die die Bibel berichtet solche besonderen sichtbaren Folgen gehabt. Im Pfingstgeschehen predigen die Jünger plötzlich ohne Angst von Jesus. Sie werden verstanden in verschiedenen Sprachen, ihre Predigt zeigt gewaltige Wirkung. Tausende kommen zum Glauben.
So entstand die Kirche Jesu Christi durch das Wirken des Heiligen Geistes. Nur so entsteht und wächst Gemeinde bis heute, durch das Wirken des Heiligen Geistes. Alle sorgfältig ausgearbeiteten Programme, tolle Projekte, gute Ideen verpuffen in Aktionismus, wenn wir nicht Gottes Geist dazu erbitten und er ihn nicht schenkt. Was nützen die fähigsten Leute mit bester Ausbildung, wenn nicht ihr erstes Anliegen die Bitte um Heiligen Geist ist. Wenn der Geist Gottes nicht da ist, dann verklingt auch die beste Predigt wirkungslos. Darum sind wir alle aufgefordert, nicht nur zu murren, zu klagen zu jammern, zu schuften und zu agieren, sondern zuerst und noch viel mehr für unsere Veranstaltungen, Gottesdienste, Freizeiten, Gespräche, Besuche, für alles, was wir tun um Heiligen Geist zu bitten. Wo das ernsthaft und immer wieder geschieht, wird Gott ihn nicht verweigern.
Gottes Geist öffnet Möglichkeiten, macht Mut, zeigt Wege auch in unseren ganz persönlichen Bereichen. Wenn es beruflich nicht weiter zu gehen scheint, wenn in der Ehe oder Familie alles so verfahren ist. Auch wenn Trauer uns lähmen will oder Krankheit uns niederdrückt, dann gibt es nichts Dringenderes als die Bitte um den Geist Gottes, den der Herr Jesus Tröster nennt und Beistand. Beistand ist ja ein ganz anschauliches Wort. Das drückt aus: Du stehst ja gar nicht allein da, wo du stehst. Er steht bei dir! Er unterstützt dich! Er gibt dir die rechten Worte, weist dich auf Lösungen oder Gefahren hin.
Von einigen unserer jungen Leute, die jetzt in den letzten Wochen im Abitur waren oder die Examensprüfungen zu machen hatten, habe ich das so ähnlich gehört, dass sie diesen Beistand gespürt haben. Manche hatten kurz vorher noch einmal genau das durchgelesen, was dann geprüft wurde.
Andere haben es von wichtigen beruflichen Projekten berichtet, wie sie da vom Geist Gottes geleitet worden sind und wie dann fast aussichtslose Situationen sich plötzlich gewendet haben.
Gott greift auch dann ein, wenn unsere Gebete manchmal so ausfallen wie hier bei Mose: Klagend, mutlos, verzweifelt, resigniert oder gar vorwurfsvoll. Gott straft ihn hier nicht, macht ihm keine Vorwürfe, weist ihn nicht in die Schranken, sondern schafft einfach die Hilfe.
Im Reich Gottes darf Verantwortung weitergegeben werden. Da ist kein Mensch unersetzbar. Es stimmt, Gott beruft und begabt einzelne Frauen und Männer besonders. Aber er gibt durch sie auch etwas von seiner Begabung und Berufung weiter an ihre Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Hier nimmt er von dem Geist, den er auf Mose gelegt hat und verteilt ihn an die siebzig neu eingesetzten Verantwortlichen.
Jesus hat seine 12 Jünger, die er beauftragt, darüber hinaus gab es noch einen erweiterten Jüngerkreis. Von siebzig ist da mal die Rede, die Jesus zu zweit losschickt. Gemeinde blüht und wächst nur, wo die Bereitschaft besteht, sich in Dienst nehmen zu lassen, wo viele Verantwortung übernehmen, Zeit, Kraft, Mittel einsetzen für die Sache Gottes und dabei immer neu um Gottes Geist bitten.
Wer so mitarbeitet, leistet immer auch einen Bekenntnisdienst und wird kritisch beobachtet, kriegt was von dem Ärger ab, wird verantwortlich gemacht für Dinge, für die er gar nichts kann. Manche Sammlerin für Diakonie hat schon diese Erfahrung gemacht, dass sie beschimpft wurde für irgendetwas, was anderswo in Kirche oder Diakonie falsch gelaufen ist. Kirchenvorsteher müssen Rede und Antwort stehen, werden oft unfreundlich oder unsachlich angegangen. Wer zu Chören oder Gruppen oder Veranstaltungen einlädt muss sich spitze und spöttische Bemerkungen gefallen lassen. Wer sich in der Jugendarbeit engagiert wird schnell verantwortlich gemacht, wenn junge Menschen sich ungeschickt oder falsch verhalten. Wer sich als Lektorin oder Lektor vor eine Gemeinde hinstellt und Dienst tut muss sich Kritik gefallen lassen von anderen, die es bestimmt auch nicht besser könnten und die gar nicht bereit wären so viel Zeit und Einsatz aufzubringen.
Und trotzdem arbeiten alle, die sich von Gott beauftragen lassen für die beste Sache der Welt und dafür kann man ruhig auch mal was einstecken. Das ist ein klein wenig von dem Leiden in der Nachfolge Christi. Der Herr Jesus hat für uns viel mehr ertragen und auf sich genommen. Und der Geist Gottes kann uns helfen, dort nicht aufzugeben, wo wir hingestellt und gefordert sind, sondern seine Zeugen und Mitarbeiter zu sein. Gottes Geist gibt jedem, was er braucht: Einem Mut, dem anderen Trost, einem die richtige Idee, dem anderen Geduld, in einem Fall ein scharfes Wort, in einem anderen Fall ein hohes Maß an Geduld. Er schenkt Leidensfähigkeit, aber auch Fröhlichkeit, Zuversicht und Gelassenheit, Beherrschtheit oder Entschlossenheit. Liebe, Vergebungsbereitschaft und Gelassenheit.
Der Geist Gottes ist sozusagen die embryonale Stammzelle des Lebens als Christ, die sich zu allem entwickeln kann, was gebraucht wird. Darum dürfen wir nicht aufhören ihn täglich zu erbitten und für sein Wirken zu danken.
Amen.
Verfasser: Martin Schöppel, Dr.-Martin-Luther-Str.18, 95445 Bayreuth, Tel. 0921/41168