Gottesdienst – 2.Mose 34, 4-10
Zur PDFPredigt zu 2.Mose 34, 4-10 – Es gilt das gesprochene Wort:
Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit Euch allen! Amen.
Der Predigttext für den heutigen 19. Sonntag nach Trinitatis steht im zweiten Buch Mose im 34. Kapitel:
Text aus der Übersetzung „Hoffnung für Alle“:
4 Mose fertigte zwei neue Steintafeln an, die wie die ersten aussahen. Früh am Morgen stand er auf und stieg auf den Berg Sinai, wie der Herr es ihm befohlen hatte. In seinen Händen hielt er die beiden Steintafeln.
5 Da kam der Herr in der Wolke herab, trat zu Mose und rief seinen Namen „der Herr“ aus.
6 Er zog an Mose vorüber und rief: „Ich bin der Herr, der barmherzige und gnädige Gott. Meine Geduld ist groß, meine Liebe und Treue kennen kein Ende!
7 Ich lasse Menschen meine Liebe erfahren über Tausende von Generationen. Ich vergebe die Schuld und die Bosheit derer, die sich gegen mich aufgelehnt haben, doch ich strafe auch. Wenn jemand mich verachtet, dann muss er die Folgen tragen, und nicht nur er, sondern auch seine Kinder, Enkel und Urenkel!“
8 Schnell warf Mose sich zu Boden und betete den Herrn an:
9 „Herr, wenn ich wirklich in deiner Gunst stehe, dann zieh bitte mit uns, obwohl dieses Volk so starrsinnig ist! Vergib uns unsere Schuld, und lass uns wieder zu dir gehören!“
10 Der Herr antwortete: „Ich schließe einen Bund mit euch. Vor den Augen deines ganzen Volkes will ich Wunder vollbringen, wie sie bisher bei keinem Volk auf der Welt geschehen sind. Wenn die Israeliten sehen, was ich mit dir tue, werden sie große Ehrfurcht vor mir haben!
Lasst uns in der Stille um den Segen des Wortes bitten:
- STILLE –
Komm in unsere Mitte o Herr! Lass uns spüren, dass du bei uns bist. Fülle uns mit deinem Heiligen Geist!
Amen.
Liebe Gemeinde!
Von einer eindrucksvollen Begegnung
wird uns hier berichtet, – erschütternd, fast
beängstigend. Aber auch voller Verheißung: Die Begegnung des
Mose mit Gott.
Um den Text besser verstehen zu
können ist es allerdings sinnvoll, das mit hinzu zu nehmen, was
vorangegangen ist. – Ich möchte das kurz zusammenfassen:
Mose
war ja schon einmal auf dem Berg gewesen und hatte die Tafeln mit den
zehn Geboten in Empfang genommen. Lange war Mose dort oben auf dem Berg
geblieben, – zu lange – für das Volk in der Wüste.
Ungewissheit breitete sich aus. –
Ohne Führer, ohne klare Lebensregeln, ohne einen sichtbaren Gott meinte das Volk nicht leben zu können.
Und so war der Entschluss entstanden
ein Götterbild – „das Goldene Kalb“ – zu gießen,
das man so richtig anschauen und anfassen kann, das man anbeten und dem
man opfern kann.
Endlich, nach 40 Tagen und Nächten, steigt Mose wieder vom Berg herab.
Seine Erregung kennt allerdings keine Grenzen, als er sieht, was geschehen ist.
Außer sich vor Wut wirft er die Gesetzestafeln von sich und verhängt eine Strafe über das Volk.
Jetzt aber ist Mose ein zweites Mal auf den Berg gestiegen: Und Gott ist herabgestiegen zu Mose.
Zuvor hatte Mose eine Bitte Gott gegenüber geäußert: „Lass mich deine Herrlichkeit sehen“
Eine verständliche und doch ungeheuerliche Bitte! Denn Gottes Herrlichkeit kann man ja eigentlich nicht sehen.
Was aber antwortete Gott?
„Ich will vor deinem Angesicht all meine Güte vorübergehen lassen und will vor dir kundtun den Namen des Herrn: Wem ich gnädig bin, dem bin ich gnädig, und wessen ich mich erbarme, dessen erbarme ich mich.“
Aber:
„Mein Angesicht kannst du nicht sehen; kein Mensch wird leben, der mich sieht.“
Und dann kam Gott herab in einer Wolke.
“ … und Mose trat daselbst zu ihm und rief den Namen des Herrn an, und der Herr ging vor seinem Angesicht vorüber.“
Die Bitte des Mose hatte das überstiegen, was einem Menschen zusteht.
Aber Gott lässt sich darauf ein, kommt hernieder und lässt seine Herrlichkeit vor Mose vorüberziehen.
Allerdings schützt Gott selbst den Mose, denn vorher hatte er ja selbst gesagt: „…kein Mensch wird leben, der mich sieht.“
„Da kam der Herr hernieder“ – das ist der erste wichtige Aspekt in unserem heutigen Predigttext.
Das ist Gottes Wesen, seine Art.
Er bleibt nicht für sich allein. Er kommt auf uns Menschen zu und sucht Gemeinschaft mit uns.
Er zieht sich nicht in ein himmlisches Reich zurück und bleibt rätselhaft fern.
Vielmehr: Er kommt herab auf die Erde, offenbart sich seinem Volk und redet mit uns in verständlichen Worten.
Er thront nicht irgendwo über den Wolken, sondern begibt sich herab.
Er will nicht nur für sich allein herrlich sein. – Vielmehr will er unser Herr sein.
Er will nicht nur „Gott an sich“ sein, sondern er will mein und dein ganz persönlicher Gott sein.
„Und das Wort ward Fleisch“, so können wir es im Neuen Testament – im ersten Kapitel des Johannesevangeliums lesen.
Gott wird Mensch! So weit geht er. Er wird uns gleich. Er wird unser Bruder. Und dann opfert er gar für uns sein Leben.
„Da kam der Herr hernieder“ à
Aber dennoch bleibt er Gott. – Er gibt seine Herrlichkeit nicht preis.
Aber er lässt uns seine Herrlichkeit erkennen.
„Und
wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen
Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit“ so können sie es im
ersten Kapitel des Johannesevangeliums weiterlesen.
Dies zu erkennen genügt! Den Sohn sehen, genügt! Und wer ihn sieht, sieht Gottes ganze Herrlichkeit.
Und das zweite, worum es in unserem Abschnitt geht das ist, dass wir Gottes Erbarmen erkennen:
Trotz der Nähe Gottes steht die Schuld des Volkes im Raum. Sie lässt sich nicht so einfach wegwischen.
In der Tat: „Gott entbrannte in seinem Zorn“, – so heißt es.
Mose
war gewiss nicht so naiv, diesen Zorn Gottes zu übersehen. Er hat
sehr wohl die Spannung zwischen Gottes Barmherzigkeit und seinem
möglichen Zorn bemerkt.
Und so heißt es von Mose: „Er neigte sich eilends zur Erde und betete an … und sprach: Vergib uns unsere Missetat und Sünde.“
Er nimmt also Gott beim Wort.
Er möchte jenes „barmherzig und gnädig“ des Gottesnamens ansprechen.
Er möchte erproben, ob es denn wirklich stimmt, dass Gott das Zerbrochene wieder heil macht.
Und Mose bekommt zur Antwort: „Siehe, ich will einen Bund schließen!“
Eine hoffnungsvolle Zusage: Wer an den Namen Gottes appelliert, wer seine Barmherzigkeit in Anspruch nimmt, für den ist Gottes Zorn gestorben.
Für den „gilt nichts denn Gnad und Gunst“. (EG 299, 2)
„Barmherzig und gnädig ist der Herr, geduldig und von großer Güte“, so formuliert es David im 103.Psalm
Oft besteht noch immer die Vorstellung, der Gott des Alten Testamentes sei ein Gott der Rache. Das ist aber grundlegend falsch!
Es gibt auch die nicht minder falsche
Vorstellung, der Gott Israels sei stur ein Gott des Gesetzes und
Buchstabens. Auch das ist nicht richtig.
Dieses
Bekenntnis „Barmherzig und gnädig ist der Herr, geduldig und von
großer Güte“, gehört mitten in das Alte Testament
hinein.
Es
ist der Beweis, dass Gott auch im Alten Testament ein Gott der
Barmherzigkeit ist. Das hat der Psalmbeter erlebt und erfahren!
Davon lebt auch das Judentum bis zum
heutigen Tage. Und auch das Christentum lebt aus dem Alten Testament.
Eines der bekanntesten Bekenntnisse, die wir immer wieder sprechen, ist
da der Psalm 23: „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln …“
Darum ist es so wichtig, dass wir das Erbarmen Gottes erkennen, das Mose damals von Gott erfleht hat.
Gott will mit dem Volk einen Bund schließen. „Siehe ich will einen Bund schließen.“
Da wird nicht erst eine Vorleistung des Volkes eingefordert! Keine Leistung, die vorher zur Bedingung gemacht
wird! Der Bund ist Geschenk Gottes an sein Volk!
Was damals dem Volk Israels geschenkt wurde, hat seine Entsprechung für uns bei Jesus Christus:
Als
Jesus in der Nacht des Verrats mit seinen Jüngern beisammen war
und das Brot brach, da sprach er ebenfalls vom Bund. Von dem neuen
Bund, der durch ihn geschlossen wird. Von dem Gnadenbund, der in seinem
Blut besiegelt ist und der für ewig gilt.
Da ist niemand, der nicht eingeladen wäre, diesen Bund zu ergreifen und an seinem ganzen Segen Anteil zu bekommen.
Mose hat aber nicht nur den Bund empfangen.
Moses Anbetung und seine Vergebungsbitte – so wichtig sie auch sind – sie sind nur die ersten Schritte.
Danach geht es weiter, denn dann hat Mose ja auch noch die Gebote von Gott empfangen.
Von Rabbi Bunam, einem jüdischen Gelehrten, stammt folgende Aussage:
„Die größte Schuld des Menschen sind nicht seine Sünden, die er begeht – denn die Versuchung ist mächtig und seine Kraft gering. Die größte Schuld des Menschen ist, dass er jeden Augenblick umkehren kann, es aber nicht tut.“
In der Tat, Gottes Bund schließt die Umkehr ein!
Und die Umkehr ist freilich mehr als ein Lippenbekenntnis: „Ich bin ein sündiger Mensch!“ – wie wir es ja in der Regel immer am Anfang des Gottesdienstes bekennen.
Sie ist auch weit mehr als ein vollmundiges Reden über Gottes Barmherzigkeit.
Der Bund Gottes will gelebt sein – mit Herzen, Mund und Händen, – und im Halten der Gebote.
Die zehn Gebote, die Mose empfängt, sollen Grundlage des Bundes sein und sollen uns immer wieder die Umkehr ermöglichen.
Gott erwartet von seinem Volk, dass es seine Gebote respektiert und danach lebt.
In der Regel ist es doch aber oft so, dass wir Menschen gegen einen gnädigen Gott nichts haben. Im Gegenteil.
Aber dieser „gnädige Gott“ muss gemütlich bleiben, er darf keine Ansprüche stellen und er darf keine unbequemen Gebote aufstellen.
Aber so können wir mit Gott nicht umgehen.
Gott will respektiert sein.
Gott will, dass WIR uns nach IHM ausrichten und nicht, dass WIR uns IHN samt seiner Gebote so zurechtbiegen, dass ER in UNSER Lebenskonzept passt!
Daran ist der Bund festgemacht und daran ist Gottes Erbarmen festgemacht.
Das wollen wir mitnehmen in unseren Alltag, wenn wir hinausgehen aus der Kirche:
Wir leben alle vom Erbarmen Gottes, ob das nun die Hausfrau in der Küche ist, oder der Meister an der Werkbank, oder der Wissenschaftler in seinem Labor oder auch der Pfarrer in seiner Gemeinde!
Und wir sind alle darauf angewiesen, dass wir Gott und seine Gebote respektieren.
Wo das geschieht, ist eine Verbindung zu Gott hergestellt.
Und nur so können wir aus Gott leben. So kann etwas Neues geschehen, so kann sich Gottes Heil unter uns ausbreiten.
So kann Gott zu uns treten und unter uns sein, so, wie er bei Mose war.
Und das wünsche ich einem jeden von ihnen,
- dass
auch Sie diese wunderbare Erfahrung machen dass ihre Beziehung zu Gott
wieder heil wird, wenn sie ihm in Jesus Christus unserem Heiland
persönlich begegnen und sein Erbarmen erfahren, - dass sie das Versprechen seines Bundes ganz neu persönlich annehmen
- und dass sie in Ehrfurcht vor ihn treten und mit seiner Hilfe nach seinen Geboten leben.
In Jesus Christus hat er seinen Bund
erneuert und besiegelt. Wer sich an ihn hält und wer ihm vertraut,
der wird sicher nicht enttäuscht werden.
Das zu erleben und zu erfahren, das schenke Gott uns allen.
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle menschliche Vernunft, der bewahre euere Herzen und Sinne in Christus Jesus.
Amen.
Gottesdienst am 28.09.2008 in der Kreuzkirche Bayreuth und im Matthias-Claudius-Heim – gehalten von Pfarrverwalter i.A. Christian Schmidt
Email: c.a.schmidt@o2online.de