Gottesdienst – Luk 2, 1-20 (ca. 2 MB)

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Christmette Kreuzkirche 2007

Weihnachtsgeschichte Teil I Lukas 2, 1-7

I. Kein Raum in der Herberge

Gott kommt zu uns. Nichts und
niemand kann ihn aufhalten. Der, der einer zarten Blume die Kraft gibt
durch eine dicke Teerdecke zu wachsen und ihre Blüte zu
entfalten, kommt gegen alle Widerstände und Ablehnung in die
Welt.

Auch damals, in jener heiligen Nacht ließ er sich
von niemandem aufhalten und von nichts abhalten. Nicht vom
mächtigen Kaiser Augustus, der wegen seiner
Volkszählung die Menschen quer durchs Land schickte, nicht von
den überfüllten Gasthäusern und
Unterkünften in Bethlehem.

Die Zeit war erfüllt. Das Maß war voll.
Das Maß der Liebe Gottes war so übervoll, dass er
die Menschen nicht mehr in Angst und Finsternis lassen konnte. Er
wollte retten, was sich retten lässt lieben, was sich lieben
lässt, trösten, was sich trösten
lässt, stärken, was sich stärken
lässt.

Es hat ihn nicht gestört, dass kein Raum in der
Herberge war. Er kam trotzdem. Er kam zuerst zu denen, die
draußen waren in Kälte und Dunkelheit. Für
sie brachte er Wärme und Licht. Gott kommt zu uns! Kein Raum
ist ihm zu klein oder zu unbequem, zu schmutzig oder zu armselig. Sogar
in einen stinkenden Stall kommt er. Egal welcher Raum, aber Raum muss
sein. Auch bei uns heute scheint es so, als hätten viele
keinen Raum mehr für den Sohn Gottes. Kein Raum in der
Herberge, nicht nur damals.

Journalisten interviewten junge Leute vor Weihnachten und
fragten sie, was sie an Weihnachten machen. Alle hatten Pläne.
Vier von ihnen wollten weit weg. Urlaub in fernen Ländern.
Raus aus dem Alltag, raus aus Dunkelheit und Kälte, hin zur
Sonne, in die Wärme. Aber auch unter Palmen an traumhaften
Stränden werden sie die Sonne, die das Herz wärmt,
das Licht, das Leben schenkt, nicht so leicht finden.

Von keinem der jungen Leute wurde Weihnachten in Verbindung
mit Kirche, Gott oder Jesus gebracht. Kein Raum in der Herberge. Kein
Platz und keine Zeit übrig für den kommenden Herrn.
Wie damals bei den Wirten von Bethlehem, die auch nicht begriffen,
worum es ging, wird auch bei ihnen das Kommen Gottes in die Welt
unbemerkt bleiben. Für viele, auch am heutigen Tag, auch in
der Heiligen Nacht: Kein Raum für Jesus. Kein Blick
für das Wunder. Alles ausgebucht. Jede Minute verplant.

An der Universität Bayreuth gibt es den
Studiengang Raumplanung. Man hat längst erkannt, dass es
notwendig ist, nicht einfach alles zu verbauen, sondern
sorgfältig den vorhandenen Raum einzuplanen für
verschiedene Notwendigkeit. Raumplanung ist auch im Sinne dieses
Weihnachtsevangeliums dringend notwendig, damit wir uns nicht unser
Leben und unsere Zukunft verbauen.

Paul Gerhard betet in einem seiner Lieder: „Mach in mir deinem Geiste Raum“,
und Gerhard Tersteegen drückt dieselbe Bitte so aus: Herr, komm in mir wohnen“.
Nur wenn wir Jesus Raum geben, kann er in unserem Herzen, unserem
Geist, in unserem Leben Raum finden. Wenn wir ihm Raum geben, dann
zieht er ein vom Stall und von der Krippen und dann werden Herz und
Lippen ihm allzeit dankbar sein.

Wir sind hier an seiner Krippe, an seinem Geburtstag, nach
dem Trubel dieses Tages, weil wir ihm Raum geben wollen an uns und in
uns zu wirken. Er stellt unsre Füße auf weiten Raum,
wenn wir sein Bild und Wesen in uns aufnehmen.

 

Lied 37,1-4 Ich steh an deiner Krippen hier

 

Weihnachtsgeschichte
Teil II, Lukas 2, 8-14

II. Friede auf Erden

Gott kommt zu uns. Wie kommt er?
Er kommt ganz anders als die Menschen seiner Zeit es damals erwarteten.
Die einen erwarteten ihn mit Macht und großem Prunk, sichtbar
an den Schlüsselstellen der Welt. Andere erwarteten ihn mit
militärischer Überlegenheit. Sie erwarteten einen
König größer und mächtiger als
einst David, herrlicher und reicher als Salomo.

Aber Gott kommt anders. Er kommt von unten, für
die ganz unten. Er kommt als Mensch, als Kind. „Gott ist im Fleische, wer kann
dies Geheimnis verstehen.“
Der verhüllte Christus.
Er ist verpackt in ein einfaches menschliches Bild. Man erkennt gar
nicht gleich, wer dahinter ist.

Von Zeit zu Zeit macht der Verhüller Christo von
sich reden mit riesigen Projekten, die er mit enormem Materialaufwand
verhüllt. Sie erinnern sich an den verhüllten
Reichstag in Berlin vor 12 Jahren oder an 178 verhüllte
Bäume in einem Park in Basel 1998 und zuletzt im Jahr 2005 an
7500 safranfarbene Stofftore im Central Park in New York, die dort
für zwei Wochen errichtet wurden. Wenn etwas verhüllt
ist, dann wird es auf einmal interessant. Der Verhüller
Christo will neugierig machen, will die Menschen aufmerksam machen.
Eigentlich will er mit seiner Verhüllung enthüllen.

In Bethlehem begegnen wir dem verhüllten Christus.
Gott hat sich in ihm ein menschliches Äußeres
gegeben. Und bis heute stehen immer wieder viele staunend davor und
nehmen den, der immer schon uns nahe war und der sich als
Mensch den Menschen darstellt
, erst einmal wahr. Und sie
wundern sich.

So ist Gott. So kommt er? So klein, so schwach, so leise!

„Er nimmt an sich eins Knechts Gestalt, wird niedrig und gering.“

Kommt diese Form der Verhüllung nicht auch einer
Enthüllung gleich?

Hier in den Worten der Engel und in der Geburt des Kindes
enthüllt Gott seine wahren Absichten. Fürchtet euch nicht!
– Man kann sich vor einem erhabenen, heiligen, gerechten Gott
fürchten, aber vor einem Gott, der uns so gegenüber
tritt, in Gestalt eines kleinen Kindes, muss sich niemand
fürchten. Den muss man einfach lieb haben.

„Siehe, ich
verkündige Euch große Freude…“

Das ist also sein Motiv. Freude will er uns schenken. Freude, die dem
Leben Glanz gibt. Freude, die alle Anspannung löst. Die Freude
geliebt und geborgen zu sein. Angenommen mit allen Fehlern und
Schwächen.

Wer anfängt sich über ihn zu freuen,
hört noch die andere Botschaft: Friede auf Erden!
Ist das überhaupt möglich? Frieden auf dieser Erde?
Frieden zwischen Waffen und Soldaten, zwischen Feinden und Hassenden. Ja, Friede auf Erden, bei den
Menschen seines Wohlgefallens
. Wie müssen
Menschen denn sein um Gott wohl zu gefallen? Heilig, gerecht, perfekt?
Menschen, bei denen alles aufgeräumt, geputzt, geordnet ist?

Nein! Ganz bestimmt nicht. Wie können wir Gott
gefallen?

Indem wir ihm vertrauen.

– indem wir mit allem zu ihm
kommen
. Auch mit unserer

Schuld, mit unserer Not, Verzweiflung und mit dem ganzen

Chaos unseres Lebens.

– indem wir
alle Hilfe von ihm erwarten.

– indem wir ihm alles Gute
zutrauen.

Sein Friede wird in uns lebendig, wenn nichts
mehr steht, zwischen ihm und uns.

Kantorei
Brich an du schönes Morgenlicht

 

Weihnachtsgeschichte
Teil III Lukas 2, 15-20

 

Besinnung III
Und sie breiteten das Wort aus

Das himmlische Licht ist wieder erloschen. Das
Gotteslob der Heerscharen aus der anderen Welt über den Weiden
um Bethlehem verhallt. – Auch bei uns ist die Heilige Nacht mit ihren
Höhen und Tiefen, mit ihren Träumen und
Tränen bald vorbei. Dann werden die Kerzen und Girlanden
wieder verschwinden. Andere Töne werden aus den Instrumenten
und Boxen klingen.

Was dann mit den Worten des Engels? Was wird dann aus der
Freude? Was wird dann aus dem Frieden?

Die letzten Verse der Weihnachtsgeschichte machen
Vorschläge und bieten Möglichkeiten an, wie wir es
machen können:

So wie die Maria etwa, die das auch alles noch gar nicht
richtig fassen kann. Dass Gott so zu ihr kommt! Dass er sie brauchen
kann! Dass sie ihm dienen darf. – Maria will das alles nach und nach
fassen und verstehen. Sie will festhalten und nicht vergessen, was da
mit ihr von Gott her geschehen ist. Nur nicht vergessen!

„Maria aber
behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen.“

Behalten und bewegen, das sind zwei sehr
aktive Worte. Sie lässt das nicht alles an sich vorbeigehen
und vergisst. Es ist, als ob sie es in ihr Tagebuch einträgt
und immer wieder hervorholt, wieder und wieder liest und davon zehrt.
So dürfen, so sollen wir es auch machen. Immer wieder in uns
hören: Fürchte
dich nicht! – Große Freude – Euch ist heute der Heiland
geboren!
Wenn das gilt, wenn das mir gilt, dann sieht mein
Leben anders aus. Maria trägt das wie einen Schatz in sich.
Immer wieder denkt sie dran, wenn das Leben schwer und der Alltag grau
ist. Sie hält die tiefe Erfahrung mit Gott fest, wie jemand
der ein großes Wunder erlebt hat. Machen wir es wie sie!

Den Kontrast dazu bieten die Hirten. Was sie tun ist auch
eine Möglichkeit: Sie breiteten das Wort aus, das zu ihnen von
diesem Kind gesagt war.

Die Hirten finden: Das müssen alle wissen! So was
darf man doch nicht für sich behalten! Wenn der Himmel sich
für die Erde öffnet, wenn Engel mit uns reden, wenn
es um den Frieden geht, dann dürfen wir doch nicht schweigen.

Nur weil diese Hirten ihren Mund nicht halten konnten,
können wir heute Weihnachten feiern und wissen von Heiliger
Nacht und dem Gott, als Mensch zu uns kommt. Weil die Hirten nicht
geschwiegen haben, können wir heute noch mitfeiern, mitsingen,
uns mit freuen.

Gott braucht solche Menschen, die den Mund nicht halten.
Die von ihm reden und über ihn reden, die ihn ins
Gespräch bringen. Durch ihre Berichte und Zeugnisse macht er
auf sich aufmerksam. Mission und Ausbreitung des Evangeliums war nur so
möglich. Und wir tragen in der Reihe der Zeugen auch
Verantwortung. Auch wir sollen den Mund aufmachen und von dem reden,
was wir mit Gott erlebet haben.

Sind nicht auch viele unter uns, die manches erlebt haben
mit ihm? Hat er nicht auch in Ihrem Leben schon Gebete erhört,
uns von falschen Wegen zurückgeholt, Schlimmes verhindert, vor
Bösem bewahrt? Haben nicht auch wir schon oft seine Vergebung
erfahren, seinen Frieden gespürt und aus seinen Worten neue
Kraft geschöpft. Warum sollten wir das verschweigen? Reden wir
doch davon! Sagen wir es unseren Kindern oder Eltern, Freunden und
Nachbarn!

Wir sollen nicht böse Gerüchte
verbreiten, nicht Schlechtes über andere ausbreiten, aber das,
was damals geschehen ist und was jeder Glaubende heute noch erfahren
kann, das sollen wir ausbreiten, wo’s nur geht.

Auch dann, wenn die Kerzen wieder herunter gebrannt sind,
wenn die Bäume die Nadeln abgeworfen haben und Weihnachten
wieder ganz weit weg ist. Der Frieden kann bleiben und die Freude am
Herrn ist unsere Stärke.

Wenn wir so damit umgehen, dann ist die Freude nicht
künstlich, nicht gemacht, dann ist sie echt und es stimmt,
wenn wir mit dem alten Lied von Johannes Daniel Falk singen:

O du fröhliche, o du selige
gnadenbringende Weihnachtszeit!
Welt ging verloren, Christ ist geboren:
Freue dich, freue dich, o Christenheit!

 

Wir singen Lied 44, 1-3

  

Verfasser: Martin Schöppel© , Dr.-Martin-Luther-Str.18, 95445 Bayreuth, Tel. 0921/41168