Gottesdienst – 1. Tim 2, 1-6a
Zur PDFRogate, 09.05.2010, 1.Timotheus 2, 1-6a
Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen.
Wir wollen in der Stille um den Segen für die Predigt bitten. …Herr, wir bitten dich, gib deinen Heiligen Geist zum Reden und zum Hören. Amen.
Das Schriftwort für die Predigt am Sonntag Rogate steht im ersten Brief des Apostel Paulus an seinen Freund und Mitarbeiter Timotheus im 2. Kapitel, Verse 1-6a:
So ermahne ich nun, dass man vor allen Dingen tue Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung für alle Menschen, für die Könige und für alle Obrigkeit, damit wir ein ruhiges und stilles Leben führen können in aller Frömmigkeit und Ehrbarkeit.
Dies ist gut und wohlgefällig vor unserem Heiland, welcher will, dass allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.
Denn es ist ein Gott und ein Mittler zwischen Gott und den Menschen, nämlich der Mensch, Christus Jesus, der sich selbst gegeben hat für alle zur Erlösung.
Ich staune immer wieder, wie die Heilige Schrift in wenigen Worten Wesentliches sagt und ich stöhne manchmal, wie Menschen mit vielen Sätzen und langen Ausführungen Unwichtiges von sich geben. Wie viele Reden werden in diesen Tagen gehalten, Kommentare gesprochen, Artikel geschrieben über die Finanzkrise und die Börsenturbulenzen, die durch die Zahlungsunfähigkeit Griechenlands hervorgerufen wurden. Solange die Regierenden nicht handeln wirft man ihnen Untätigkeit vor und wenn sie Entscheidungen treffen dann sind es nach Ansicht der Kritiker die falschen.
Immer neue, nie dagewesene Probleme tauchen auf und sind zu bewältigen. Es gibt keine Erfahrungen mit Problemlösungen und niemand weiß, was richtig ist und wie die Lösung aussieht. Vulkanasche aus Island, die den Flugverkehr lahmlegt, Öl das in 1500 Meter Tiefe aus dem Meeresboden quillt und das Leben an den Küsten bedroht, Zahlungsunfähigkeit eines Staates, die die Währung Europas ins Wanken bringt. Die Spekulanten an den Börsen spielen verrückt, ein Hörfehler eines Börsianers löst gigantischen Kursverlust aus. Kommissionen beraten Tag und Nacht, Gesetze werden im Eilverfahren durchgepeitscht aber niemand kann sagen ob es die richtigen sind. Und keiner weiß, welche neue, nie dagewesene Katastrophe morgen durch die Medien geistert.
Die Menschen sind verunsichert, die Mächtigen ratlos. Viele haben Angst, zu verlieren, was sie sich mühsam erarbeitet haben und einige Wenige schöpfen hinter den Kulissen Gewinne ab. Ist das das Ergebnis eines jahrelangen Ablösungsprozesses von christlichen Werten? Der Lohn der Abkehr von Gott?
Paulus schreibt hier seinem Mitarbeiter Timotheus mit schlichten Worten, dass er und die anderen in der Gemeinde das Gebet nicht vernachlässigen sollen. Höchst erstaunlich die Gebetsanliegen, die er nennt. Er spricht nicht von den kleinen und großen Nöten einer christlichen Minderheit, einer Gemeinde, die unter Verfolgung zu leiden hat und die von vielen Seiten bedrängt wird, sondern er fordert auf zum Gebet für die Regierenden. Die Obrigkeit, die auch damals keine christliche war, braucht unser Gebet ganz besonders, sagt er. Auch die, die selber nicht beten und die ihre Entscheidungen nicht vor Gott treffen, sondern nach eigenem Wissen und Einschätzen.
Paulus traut also dem Gebet der wenigen versprengten Christen zu, dass dadurch Einfluss ausgeübt wird, selbst auf gottlose Staatsmänner und Regierungen. Trauen wir das unseren Gebeten auch zu? Haben Sie in den jüngsten Turbulenzen an der Börse, in der Luft oder auf dem Meeresgrund schon die Hände gefaltet und für die Verantwortlichen in Berlin, Brüssel oder Amerika, bei den Luftaufsichtsbehörden, den Umweltorganisationen oder bei BP gebetet? Haben Sie sich vor Gott eingesetzt für die Piloten und Passagiere, für die Banker und Börsianer, für die Krisenteams auf hoher See?
Wenn ja, dann haben Sie vielleicht mit dazu beigetragen, dass der Wind sich gedreht hat oder dass notwendige Beschlüsse gefasst werden konnten. Wenn nein, dann tragen Sie auch mit Verantwortung für die Folgen solcher Katastrophen. Wir sitzen nicht machtlos auf der Welttribüne nur um zu jubeln oder zu pfeifen, sondern wir sind mit verantwortlich für das Weltgeschehen und die Zukunft unserer Kinder.
Überlassen wir die Welt den Zockern und Spekulanten, der Mafia, den Geldwäschern, den Taliban und den Neonazis, den gewaltbereiten Autonomen, den Kinderschändern und Menschenhändlern? Überlassen wir die Welt den Mächten der Finsternis oder beten wir die guten Mächte Gottes herbei? Flehen wir um Rat und Verhandlungsgeschick für die Regierenden, um Schutz für unsere Sicherheitskräfte, um Lösungen für unsere Wissenschaftler, um Weisheit und Weitsicht für unsere Bildungspolitiker. Damit nicht unsere Kinder in noch kürzerer Zeit noch mehr lernen müssen und unsere Studenten noch mehr Prüfungen und noch höherem Leistungsdruck ausgesetzt sind und krank davon werden.
Beten ist der erste Schritt zur Veränderung. Beten gibt aber auch Kraft, Mut und Ausdauer sich einzusetzen für unmöglich erscheinende Ziele. War es nicht das Gebet, mit dem Martin Luther King vor 50 Jahren die Veränderung des rassistischen Systems bewirkt und die Gleichberechtigung der Schwarzen eingeleitet hat? Waren es nicht die Gebete vieler, die vor 20 Jahren zum Fall der Mauer und zur Wiedervereinigung Deutschlands geführt haben.
Ich glaube, dass es allein auf Gebete zurückzuführen ist, dass wir bisher noch keinen Atomkrieg erlebt haben und dass wir nun schon so lange im Frieden leben. Gestern vor 65 Jahren war der Tag der bedingungslosen Kapitulation des Deutschen Reiches. Deutschland lag in Schutt und Asche. Niemand konnte sich vorstellen, wie es weitergehen sollte. Es war nicht vorstellbar, dass dieses Land in der Welt einmal wieder anerkannt und von Bedeutung sein könnte.
Aber mit dem Erfolg vergessen die Menschen das Beten. Sie blicken zurück und sind stolz auf das was sie geleistet haben. Sie werden gelobt und ausgezeichnet. Bei Geburtstagen, Jubiläen und bei ihren Beerdigungen werden ihre Verdienste hervorgehoben und ihre Leistungen aufgelistet. Aber der Dank an Gott wird vergessen. Ist das nicht schon im Kleinen so? Wir bringen unsere Alltagssorgen, unsere täglichen Nöte und Ängste vor Gott, aber wenn die Gefahr vorüber, die Angst vorbei, die Not gestillt ist vergessen wir den Dank. Ja dann klopfen wir uns stolz auf die eigene Schulter, lassen uns gerne von anderen loben, wie clever wir die Lage gemeistert haben.
Würde nicht zu jeder Bitte an Gott auch schon ein Dank an ihn gehören? Ja vielleicht vor jeder Bitte ein Dank angebracht sein? Paulus ermahnt hier in seinem Brief an Timotheus sogar dazu, „dass man vor allen Dingen tue Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung“.
Vor allen Dingen, das heißt doch zunächst einmal den Tag mit Gebet zu beginnen. Bevor wir uns an die Arbeit machen und drauflos wursteln. Bevor wir die Mails checken und hektisch werden und andere verrückt machen. Bevor uns alles über den Kopf wächst und wir kopflos werden oder die Augen verschließen vor den Problemen und den Kopf in den Sand stecken.
Vor allen Dingen beten! Vor der Autofahrt im dichten Verkehr; vor der Dienstbesprechung, vor der Verhandlung, vor dem Arzttermin, vor der Fahrt in den Urlaub, vor dem schwierigen Gespräch. Auch vor ganz alltäglichen Dingen, vor dem Essen, vor dem Schlafen, vor dem Gottesdienst, dass man zuhören und innerlich dabei sein kann. Wir tun es immer noch einmal besonders vor der Predigt, damit wir verstehen und annehmen können, was Gott uns heute sagen will.
Beten ist keine fromme Übung, kein leeres Ritual, sondern Beten stellt die Verbindung her zur höchsten Macht, Weisheit und Kraft. Beten ist zugleich ein Unterordnen unter die Autorität Gottes und wenn es in der rechten Haltung vor Gott geschieht, ein Annehmen seines Willens.
Wir sollen mit unseren Gebeten Gott nicht unseren Willen aufdrücken, sondern im Beten offen sein für Gottes Führungen. Wir dürfen sicher sein, dass Gott schon längst auf unser Gebet wartet, auf jedes einzelne. Ganz besonders auf die Gebete die wir für andere sprechen oder in denen wir uns einsetzen für unser Volk und unsere Kirche und ihre Verantwortungsträger. Er wartet auch auf unsere Gebete für Kranke und Notleidende, für Verfolgte und Unterdrückte. Er freut sich über unsere Gebete für seine gefährdete Schöpfung.
Wer betet, geht mit dem, wofür er betet, dann auch nicht achtlos um, sondern versucht auch so zu Handeln dass Gottes Hilfe nicht gestört oder verhindert wird. Wer vor der Fahrt auf der Autobahn Gott um Schutz bittet, kann doch dann nicht verantwortungslos fahren. Wer Gott um Hilfe bei einer Prüfung bittet, wird wohl nicht denken, dann brauch ich ja nichts zu lernen. Wer Gott darum bittet, dass er wieder gesund wird, der wird seine Tabletten nicht in den Müll werfen, sondern sie gewissenhaft einnehmen.
Wer Gott für die Regierung bittet, der wird auch nicht einfach einstimmen in das allgemeine Lamentieren über die Unfähigkeit der Regierenden. Beten ist immer doppelt wirksam. Es bewirkt Gottes hilfreiches Eingreifen und es verändert das Denken und Handeln des Beters. Darum ist das Gebet vor allen Dingen so wichtig. Deshalb sollen wir dem Beten die erste Priorität in unserem Leben einräumen.
Gott will, so schreibt Paulus, dass allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.
Er will dass denen geholfen wird, für die wir beten und dass das auch uns zugute kommt. Beten hat auch größte missionarische Wirkung. Ich glaube, dass das intensive Gebet für jemanden, der Gott noch nicht kennt, wirkungsvoller ist, als intensiv auf ihn einzureden oder ihn anzupredigen. Natürlich müssen wir auch unseren Mund aufmachen und einladen und den Glauben bezeugen. Aber manchmal kann es mehr bewirken als viele Worte, wenn wir zu jemand sagen: Ich bete für Dich. Oder wenn wir ihn nicht bedrängen wollen, ihn fragen: Darf ich für Dich beten? Ich hab es nur sehr selten erlebt, dass auf diese Frage jemand mit „Nein!“ geantwortet hat.
Wenn dann auf so ein Gebet hin etwas geschieht, dann geht das Gespräch über den Glauben erst richtig los. Dann ist der, für den wir gebetet haben überrascht und offen, fragt weiter und fängt selber an zu beten. Wenn wir uns im Gebet alle mehr einsetzen, dann wird noch viel mehr Gutes geschehen in unserer Gemeinde, in unserer Stadt, in unserer Umgebung. Wenn wir intensiv für die „Obrigkeit“ beten, wehren wir damit bösen Mächten und halten zugleich Gerichte Gottes auf.
Wir dürfen, so ist es uns von Jesus ausdrücklich erlaubt, sogar in seinem Namen bitten. Im Namen des Herrn Jesus Christus unsere Anliegen und Fürbitten vor Gott bringen. Natürlich erfordert dieses Gebet im Namen von Jesus auch, dass wir überlegen, ob das, wofür wir bitten, auch wirklich im Sinn des Heilands ist und ob es im Geist der Liebe und in der Wahrheit geschieht.
Also ich weiß nicht, ob es im Sinn Jesu wäre, darum zu beten, dass Bayern München jetzt nach der Deutschen Meisterschaft auch noch das Champions league Finale und das Endspiel im DFB-Pokal gewinnt. Oder dass jemand darum betet, dass er im Lotto gewinnt. Vielleicht tät ihm das ja gar nicht gut.
Aber es ist sicher im Sinn Jesu, wenn wir uns viel mehr für den Frieden bei uns und in der Welt einsetzen und wenn wir darum Beten, dass andere zum Glauben kommen und Menschen gerettet werden. Wir dürfen auch unserem armseligen Gebet viel mehr zutrauen. Vielleicht wird es sich in der Ewigkeit einmal zeigen, welches Gebet einer Mutter oder eines Vaters oder eines Kindes Großes bewirkt hat.
Von den Kindern können wir Erwachsene lernen, wie Beten mitten im Leben geschieht. Unsere Kinder haben mich manchmal, als sie klein waren, ganz unbefangen erinnert zu beten, wenn irgendeine Not war oder ein Problem aufgetreten ist. „Papa, wir können doch beten! Kinder überlegen dann auch nicht erst kompliziert, wie Gott das jetzt machen könnte, mit der Hilfe. Sie vertrauen einfach, dass Gott das schon weiß. So dürfen auch wir mit kindlichem Vertrauen beten. Dann werden wir manche Wunder erleben.
Beter können durch ihr Gebet so auf Gott einwirken, dass sie Kriege verhindern, Katastrophen abwenden, Not wenden, Segen wirken, Frieden stiften, Böses überwinden, Auswege schaffen, Wir dürfen ganz sicher sein, Er hört unser Gebet.
Er versteht, was sein Kind bewegt. Er hört dein Gebet. Wenn die Last der Welt dir zu schaffen macht, hört er dein Gebet.
Amen.
Chor W 30 Wenn die Last der Welt dir zu schaffen macht
(Text und Melodie M Haard, deutsch Chr. Zehendner)
Verfasser: Martin SchöppelÓ , Dr.-Martin-Luther-Str.18, 95445 Bayreuth, Tel. 0921/41168