Gottesdienst – 1. Mose 1,31

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Konfirmationspredigt zu 1. Mose 1,31 am Sonntag Jubilate 29.4.07 – Pfarrerin B. Bauer

Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut.


Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, liebe Eltern und Paten, liebe Gemeinde,

damit beginnt die Bibel, das große Buch des Lebens: dass sie uns sagt, woher wir kommen. Dass sie uns den vor Augen malt, der Himmel und Erde gemacht hat und alles, was darinnen ist. Hört die Botschaft: Die Welt ist, weil Gott sie will. Der Mensch lebt, weil Gott ihn ruft.

Vor dreizehn, vierzehn und fünfzehn Jahren ereignete sich das Wunder der Erschaffung an Euch, unseren Konfirmanden. Geboren wurden Oliver und Whitney, Maria und Karin, Tobias und Sabrina, Kevin und Nadine, Carolina und Jana und Michael. Natürlich habt Ihr einen Vater und eine Mutter, deren Beisammensein Euch ins Dasein gebracht hat. Doch kein Elternpaar kann ein Kind einfach machen, wo es nicht immer schon vorgesehen war im Ratschluss des Schöpfers.

Ihr seid da unter uns. Jeder und jede auf ganz eigene und besondere Weise. Unverwechselbar. Von Anfang an ein Original. Der Sänger Jürgen Werth hat Deine Einzigartigkeit in ein Lied gefasst:

„Vergiss es nie: Dass du lebst, war keine eigene Idee, und dass du atmest, kein Entschluss von dir. Vergiss es nie: Dass du lebst, war eines anderen Idee, und dass du atmest, sein Geschenk an dich.

Vergiss es nie: Niemand denkt und fühlt und handelt so wie du, und niemand lächelt so, wie du´s grad tust. Vergiss es nie: Niemand sieht den Himmel ganz genau wie du, und niemand hat je, was du weißt, gewusst.

Vergiss es nie: Dein Gesicht hat niemand sonst auf dieser Welt, und solche Augen hast alleine du. Vergiss es nie: Du bist reich, egal, ob mit, ob ohne Geld, denn du kannst leben! Niemand lebt wie du.

Du bist gewollt, kein Kind des Zufalls, keine Laune der Natur, ganz egal, ob du dein Lebenslied in Moll singst oder Dur. Du bist ein Gedanke Gottes, ein genialer noch dazu. Du bist du, das ist der Clou. Du bist du, ja du bist du.“

„Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut.“ Ihr Konfirmanden, ich, Sie, wir alle – etwas Besonderes, sehr gut! Im Übrigen finden wir uns mitten in einer Welt voller Ordnungen. Licht weist die Finsternis in die Schranken der Nacht. Festland und Meer, Gras und Baum, Sonne und Mond, Fische und Vieh – alles erhält seinen Raum und seine Zeit. Die Erde, auf der wir stehen, der Sternenhimmel über uns, sprießendes Leben und reifende Felder: all das zeugt von dem Ja, das Gott über seine Schöpfung spricht. Immer schon und immer noch.

„Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut.“ Loben und preisen wir ihn für sein sehr gutes Tun? Möchten wir ihm nur singen, mit Herzen, Mund und Händen! Heute am Sonntag Jubilate und zum Fest der Konfirmation. Morgen und jeden Tag im Rhythmus der Woche. Darin unsere Bestimmung erfüllen, dass wir seinen Ruhm verkünden!

„Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut.“ Aber halt, mögen nüchterne Zeitgenossen einwenden: Stimmt das wirklich? Alles – sehr gut? Wir erfahren doch täglich das krasse Gegenteil. In unserem kleinen persönlichen Umkreis wie im Gefüge der globalen Ereignisse: Chaos, Mangel, Tod. Und wenn ich mir ansehe, welche Fehler ich selbst immer wieder mache … Wie ich gar nicht so bin, wie ich sein möchte und sein sollte … Dann fällt es mir tatsächlich schwer zu glauben, ich sei ein genialer Gedanke Gottes. Ist ihm schon allein bei mir nicht allerhand misslungen?

Wahrscheinlich geht es den meisten von uns so: Wir ernten ja nicht bloß Beifall von unseren Mitmenschen, sondern auch spöttische Blicke, Kritik, verletzende Urteile. Da mag mitunter alles Gott- und alles Selbstvertrauen schwinden.

Stellen sich nicht leicht Minderwertigkeitsgefühle ein, wenn man auf der Arbeit einen jüngeren Kollegen vor die Nase gesetzt bekommt, der vieles besser weiß? Wenn Falten durch Farbe und Krampfadern durch Körperkult nicht wegzukriegen sind? Wenn einen der Ehepartner kühl zurücklässt, um aufzubrechen zu wärmeren Ufern?

Ihr Jugendlichen spürt solche Zweifel vermutlich noch stärker. Eine Studie aus Köln verrät: „Die Teenager heute befinden sich in einer sehr kippeligen Situation: Sie träumen davon, Superstar zu werden, im selben Moment haben sie Angst vor Hartz IV. Ihr Weltbild schwankt zwischen Himmel und Hölle.“

Von Eurer Kindheit löst Ihr Euch allmählich, aber Euren eigenständigen Platz habt Ihr erst noch zu finden. Einige Gleichaltrige zeigen sich bereits mit einem Freund oder einer Freundin. Man vergleicht sich mit anderen und findet sich vielleicht selbst nicht schön, nicht klug genug. Wenn andere beliebter sind, Eltern Vorhaltungen machen, Großeltern schimpfen über Frechheiten – wie soll man da nicht unsicher werden. Warum bin ich so? Kann ich nicht anders sein?

Ende März berichteten die Medien von einem 16-jährigen Schüler, der nach fünfzig Gläsern Schnaps einen Monat lang im Koma lag und dann verstarb. Sogenannte Flatrate-Partys, bei denen Besucher zum Pauschalpreis unbegrenzt trinken, kennt nach amtlichen Angaben ein guter Teil der 12- bis 17-Jährigen. Muss das eigene Leben so gering geschätzt werden, dass man sich und seinen Körper und Geist willig und leichtsinnig zerstört?

Die Bibel hat ein Wort für all das, was nicht mehr sehr gut ist, was uns zusetzt und womit wir uns und anderen zusetzen: Sünde. Gott selber leidet unter der Sünde in der Welt. Vielleicht leidet er sogar am allermeisten. Weil er uns liebt und stets unser Glück im Sinn hat – und unser Leiden ihm schier das Herz brechen muss.

Gott weiß in allen Dingen um mein Getrenntsein vom sehr Guten, um meine Absonderung von Ihm, um meine Sünde. Besser kennt er mich, als irgendein Mensch mich kennt. Er weiß auch das, was ich ängstlich verberge, sogar vor mir selbst. Und er will mich so gern zurückholen: von der Gebrochenheit in die Vollkommenheit. Von meinen menschlichen Irrwegen auf seinen göttlichen Weg der Wahrheit.

Er sagt: Ich habe Dich lieb. Ich will Dich begleiten und Dir helfen, obwohl Du geworden bist, wie Du bist. Wie er das tut? Er hat dazu den neuen Menschen vom Himmel gesandt, den vollkommenen, den Ihr heute vor vielen Zeugen bekennt: Jesus Christus, „seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.“

Gott hat sich uns in der Gestalt Jesu selber an die Seite gestellt. Mit ihm sind wir verbunden durch die Taufe. Wie froh sollen und dürfen wir Christen nun mit unserer Existenz umgehen – in ihrer Besonderheit und in ihrer Gebrochenheit! Nehmen wir etwa den uns überlieferten Psalm 139, der angesichts aller menschlichen Begrenztheiten auf Gott blickt und bekennt:

„Herr, du erforschest mich und kennest mich … Du hast meine Nieren bereitet und hast mich gebildet im Mutterleibe. Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele … Deine Augen sahen mich, als ich noch nicht bereitet war, und alle Tage waren in dein Buch geschrieben, die noch werden sollten und von denen keiner da war … Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne, wie ich´s meine. Und sieh, ob ich auf bösem Wege bin, und leite mich auf ewigem Wege.“

Gott hat alles gut gemacht. Sehr gut. In seinem Schöpfungswerk, als er das, was nicht da war, ins Leben brachte. Und in seinem Erlösungswerk, als er das, was nicht gut war, ans Kreuz Jesu Christi brachte. Seitdem gilt für dich und mich:

„Jesus, zu dir kann ich so kommen, wie ich bin. Du hast gesagt, dass jeder kommen darf. Ich muss dir nicht erst beweisen, dass ich besser werden kann. Was mich besser macht vor dir, das hast du längst am Kreuz getan. Und weil du mein Zögern siehst, streckst du mir deine Hände hin, und ich kann so zu dir kommen, wie ich bin.

Jesus, bei dir kann ich mich geben, wie ich bin. Ich muss nicht mehr als ehrlich sein vor dir. Ich muss nichts vor dir verbergen, der mich schon so lange kennt – du siehst, was mich zu dir zieht und auch, was mich von dir noch trennt. Und so leg ich Licht und Schatten meines Lebens vor dich hin, denn bei dir darf ich mich geben, wie ich bin.

Jesus, bei dir muss ich nicht bleiben, wie ich bin. Nimm fort, was mich und andere zerstört. Einen Menschen willst du aus mir machen, wie er dir gefällt, der ein Brief von deiner Hand ist, voller Liebe für die Welt. Du hast schon seit langer Zeit mit mir das Beste nur im Sinn. Darum muss ich nicht so bleiben, wie ich bin.“ (Manfred Siebald)

Ihr, liebe Konfirmanden, bringt in diesem Gottesdienst Eure Bereitschaft zum Ausdruck, Euer Leben mit Jesus Christus zu leben. Ich werde Dich fragen: Willst du unter Jesus Christus, Deinem Herrn, leben, im Glauben an ihn wachsen und als evangelischer Christ in seiner Gemeinde bleiben? Du wirst vor Gott und dieser Gemeinde antworten: Ja, mit Gottes Hilfe.

So antworten und solches tun, das ist das Beste, was Du im Leben überhaupt tun kannst. Denn dann wird alles gut. Gott wird durch Jesus Christus alles sehr gut bei Dir machen. Du darfst fröhlich leben, voller Gott- und Selbstvertrauen, und jedem, der Dich schlecht machen will, so oder ähnlich entgegnen:

Ich kann nicht dichten wie Goethe, ich kann nicht komponieren wie Mozart, ich kann nicht logisch denken wie Max Planck, ich springe nicht so hoch wie Ulrike Meyfarth, ich kann nicht malen wie Picasso, ich bin nicht so stark wie Martin Luther King. Aber ich kann laufen, wie ich laufe. Ich kann weinen, wie ich weine. Ich kann malen, wie ich male. Ich kann helfen, wie ich helfe. Ich bin nicht großartig. Ich bin nicht berühmt, ich rage nicht heraus. Aber mich gibt es nur einmal. Ich bin einmalig. Gott hat mich wunderbar gemacht. Er hat mich wunderbar erlöst.

Gott schenke Euch allen, Großen und Kleinen, Alten und Jungen, Mädchen und Buben, solches Staunen und Danken, ein Leben lang! Amen.