Gottesdienst – 1. Kor 9, 24-27

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Septuagesimae 31.01.2010 1.Kor 9, 24-27

Gnade sei mit euch und Friede, von Gott, dem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Amen. Wir wollen in der Stille um den Segen Gottes für diese Predigt bitten: … Herr, wir bitten dich, erhöre uns. Amen.

Wintersport ist zurzeit angesagt. In ganz unterschiedlichen Disziplinen. Zwischen Slalomstangen den steilen Hang hinunter, mit dem Schlitten unter dem Hintern durch den Eiskanal, mit dem Gewehr auf dem Rücken im Schlittschuhschritt durch die Wälder oder auf Kufen übers Eis. – Wen’s freut!

Dann gibt’s noch die unfreiwilligen Wintersportler, mit der Schneeschaufel auf dem Bürgersteig bis die Arme müde werden. Manche liefern sich auch hartnäckige Duelle mit dem Schneepflug. Sie schieben die weiße Pracht auf die Straße, der Schneepflug schiebt sie eine halbe Stunde später wieder auf die geräumten Wege. Auch wenn’s einen gar nicht freut.

Vielleicht mussten Sie heute Morgen auch schon solchem Wintersport frönen. Gestern war das Kirchendach dran. Unseren ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern sei’s gedankt, dass wir sicher unter einem geräumten Kirchendach sitzen. Egal wo und wie, Wintersport ist gut gegen die Kälte. Meist eine schweißtreibende Angelegenheit. Die einen strengen sich an, weil es ihnen Freude macht, die anderen, weil sie um Sicherheit und Ordnung bemüht sind.

Demnächst werden wir aus Vancouver wieder die sehen, die ihr ganzes Leben auf den Wintersport ausgerichtet haben. Sie wollen siegen und nehmen unglaubliche Strapazen und Anstrengungen auf sich, um zu siegen. Das ganze Jahr über achten sie auf ihre Ernährung, ihren Trainingsplan, ihr Gewicht. Sie verfeinern ihre Technik, üben, kämpfen, ertragen übermenschliche Strapazen. Sie verzichten auf manches, was schmeckt und was Spaß macht, weil sie ein Ziel haben.

Kürzlich hab ich mich mit einer 85jährigen Frau aus unserer Gemeinde unterhalten und sie erzählte, dass sie am liebsten Biathlonrennen anschaut. Da versäumt sie keine Übertragung. Wenn sie die Frauen oder Männer durch die verschneite Winterlandschaft rennen sieht, dann hat sie ihre Freude und die Spannung kommt beim Schießen dazu. Wer trifft, wer muss in die Strafrunde? Andere ältere Damen lieben Tennis oder schimpfen vom Sofa aus auf den Schiedsrichter beim Fußballländerspiel.

Sport hat schon was. Ob aktiv betrieben oder passiv betrachtet. Vielleicht fragen Sie sich trotzdem, was das am Sonntag in der Predigt zu suchen hat. Fragen Sie nicht mich, fragen Sie Paulus. Der wird es Ihnen erklären. Auch er hat sich nämlich vor 1950 Jahren schon für Sport interessiert und sich die Leichtathleten im Stadion und die Boxer in der Arena fasziniert angesehen. Mangels Fernsehtechnik war er live dabei. Es hat ihm nicht nur Spaß gemacht, sondern er hat dabei auch manche gute Idee für seine Verkündigung bekommen.

In unserem Predigttext aus dem 1.Korintherbrief schreibt der Apostel davon. Ich lese die für heute vorgesehenen Verse 24-27 aus dem 9. Kapitel:

Wisst ihr nicht, dass die, die in der Kampfbahn laufen, die laufen alle, aber (nur) einer empfängt den Siegespreis? Lauft so, dass ihr ihn erlangt! Jeder aber, der kämpft, enthält sich aller Dinge; jene nun, damit sie einen vergänglichen Kranz empfangen, wir aber einen unvergänglichen.

Ich aber laufe nicht wie aufs Ungewisse; ich kämpfe mit der Faust, nicht wie einer, der in die Luft schlägt, sondern ich bezwinge meinen Leib und zähme ihn, damit ich nicht anderen predige und selbst verwerflich werde.

Der Apostel vergleicht den Einsatz eines Sportlers mit dem Einsatz eines Christen auf dem Weg zum Ziel. Offensichtlich war Paulus, nicht nur beim Zieleinlauf und bei der Siegerehrung dabei, sondern hat sich die Aktiven auch beim Training angesehen und mit ihnen gesprochen. Er war beeindruckt von dem Einsatz, der Ausdauer, vom Trainingsfleiß und von der Bereitschaft zu verzichten.

Sportler lassen sich von Trainern und Funktionären in ihrer persönlichen Freiheit einschränken. Profis müssen Bußgelder bezahlen, wenn sie abends zu spät heimkommen. Sie ertragen Schmerzen, manche, wie die Skispringer hungern, um nicht ein Kilo zu viel auf die Waage zu bringen. Für das eine Ziel: Zu siegen. Ganz oben zu stehen. Vereinsmeister, Deutscher Meister, Europameister, Weltmeister oder gar Olympiasieger!

Zur Zeit des Paulus wurde so ein Sieg nur mit einem Lorbeerkranz belohnt, allenfalls noch mit der Ehre, in der Heimatstadt groß empfangen und geehrt zu werden. Ein vergänglicher Lohn und Ruhm. – Bei uns heute gibt es da schon mehr. Goldmedaillen, Preisgelder, Siegprämien, einen Sportwagen oder ein Cabriolet. Und auch einen tollen Empfang im Heimatland oder in der Heimatstadt. Eintrag ins Goldene Buch der Stadt. Aber ist das nicht auch alles vergänglich? Geld und Ruhm, Ehre und Bekanntheit? Wie schnell sind die Sieger von gestern vergessen und die Rekorde von heute gebrochen.

Paulus stellt fest: „Sie laufen alle, damit sie einen vergänglichen Kranz empfangen.“ Und da setzt er mit seinem Vergleich ein: Als Christ hab ich auch ein großes Ziel. Auch da ist voller Einsatz notwendig. Auch da geht es um einen Siegespreis, allerdings einen unvergänglichen. Der Apostel fragt mit hier die Christen in Korinth und die Christen in der Welt bis heute, auch uns hier in Bayreuth: Was ist euch das Ziel wert? Wie lauft ihr? Wie intensiv trainiert ihr? Wie setzt ihr euch ein für diesen hohen Preis? Ans Ziel kommen, im Reich Gottes dabei sein, in den Himmel kommen, was ist es uns wert?

Auch dieses Ziel ist nicht ohne „Training“, nicht ohne Verzicht, nicht ohne Schmerzen, nicht ohne Niederlagen zu erreichen. Auch wenn wir wissen, dass wir uns den Himmel nicht selbst verdienen können, will Gott von uns, dass wir tun, was wir können und uns bemühen, nach seinem Willen zu leben.

Sportler üben Bewegungsabläufe, trainieren Ausdauer und Belastbarkeit. Sie lassen sich vom Trainer korrigieren und kritisieren, sie hören auf Ratschläge und Anweisungen, ändern ihre Einstellung und ihr Verhalten. Auch da ist Kritik sicher nicht immer angenehm.

Wer auf dem Weg des Glaubens bleiben will und Jesus nachfolgen, wird sich auch bemühen und einüben. Gebet, Bibellese, Gottesdienst, Treffen in der Gemeinde, das sind die Trainingszeiten. Der Trainer sind die Worte der Heiligen Schrift, die Gott oder Jesus, die Propheten oder Apostel uns zurufen. Sie wollen unser Verhalten korrigieren, uns helfen vor Fehlern bewahren. Sie bauen uns nach Verletzungen und Niederlagen wieder auf. Sie machen uns Mut, wenn wir aufgeben wollen.

Wie ein guter Trainer seinen Schützling in den Arm nimmt und Tränen trocknet, so tröstet auch das Wort Gottes auf dem manchmal schweren Glaubensweg. Wie wir es gerade brauchen. Es baut auf: Ich bin bei dir, dass ich dir helfe! – Die auf den Herren harren, kriegen neue Kraft!- Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn; er wird’s wohl machen.

Gottes Wort zeigt Fehler: Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein. – Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon (Geld).

Es zeigt neue Möglichkeiten. Du hast Gnade vor meinen Augen gefunden. – Siehe, ich mache alles neu! – Ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht, Christus.

Wort Gottes sprengt Grenzen: Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen. – Es sollen wohl Berge weichen und Hügel sollen hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen. – Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

Wie sieht es aus mit unserem Trainingsplan und unseren Trainingszeiten? Hören wir auf das, was uns der Trainer rät? Nehmen wir seine kritischen Äußerungen an? Wie viel Einsatz bringen wir für das eine große Ziel? Minuten, Sekunden, von Stunden wage ich gar nicht zu reden. Bei einer Umfrage gaben Schülerinnen und Schüler an, dass sie die Aussagen der Bibel gut und wichtig fänden. Viele fügten aber hinzu, dass sie kaum oder gar nicht darin lesen würden, weil sie so wenig Zeit hätten. – Findet man nicht für das, was einem wichtig ist immer noch Zeit?

Glauben Sie wirklich, dass das große Ziel Gottes ohne Einsatz zu erreichen ist? Der Apostel Paulus glaubt es nicht. Obwohl er auch oft ausführlich von der allein rettenden Gnade Gottes und vom allein selig machenden Glauben an Jesus Christus redet, setzt er sich voll ein, müht sich, verzichtet auf manche Bequemlichkeit. Er lässt sich nicht nur dumm anreden und auslachen, sondern sogar, beschimpfen, gefangen nehmen und misshandeln. Nicht weil er muss. Niemand zwingt ihn. Nein! Er will! Er tut es freiwillig, weil er das Ziel sieht. Am Ende aller Strapazen und Mühen will er im Reich Gottes mit Jesus in Ewigkeit leben. Er sieht darin einen unvergänglichen Siegpreis. Die Bibel spricht mehrmals von einem Siegesfest, das Jesus mit denen feiern wird, die nicht aufgegeben haben.

Wenn die Medaillengewinner der Olympischen Spiele ihre Siege feiern, sind Schmerzen und Anstrengungen vergessen. Dann denken sie nicht mehr an die eigenen Zweifel, die sie unterwegs hatten. Der tote Punkt im Rennen, als sie aufgeben wollten ist vergessen, die Niederlagen vergangener Monate sind kein Thema mehr. Denken sie etwa an den Slalomfahrer Felix Neureuther, der vor einer Woche in Kitzbühel gesiegt hat. Was für eine Freude hatte der, obwohl die Wochen vorher voller Enttäuschungen waren. Er wusste nach dem Sieg, es hat sich gelohnt, nicht aufzugeben.

So wird das auch in der Ewigkeit einmal sein. Da werden die Zweifel des vergangenen Lebens und Leidens vergessen sein, in denen man meinte, alles Beten und Hoffen, alles Glauben und kämpfen sei umsonst. Dann zählt nur noch der Sieg. Vielleicht sind wir auch manchmal an einem toten Punkt im Glauben. Da gilt es, nicht aufgeben, durchhalten, überwinden!

Die Sieger im Reich Gottes – und darin unterscheiden sie sich nun von den Sportlern – werden allerdings wissen, dass sie diesen Sieg zuerst ihrem Trainer oder sagen wir besser, allein dem Erlöser Jesus Christus zu verdanken haben und nicht der eigenen Leistung. Ja, auch der Christ muss laufen auf dem Glaubensweg, aber er darf sich verlassen auf den, der ihn begleitet, anleitet und führt.

Es sind noch ein paar wesentliche Punkte, auf die sich der Vergleich des Apostel Paulus nicht anwenden lässt: Im sportlichen Wettkampf gibt es immer nur einen Sieger, im Reich Gottes werden es viele sein. Alle, die nicht aufgeben, alle die weiterglauben, weiterkämpfen und weiterhoffen, auch dort, wo manchmal gar nichts zu sehen ist.

Und noch eins: Im Reich Gottes können auch Verlierer gewinnen. Da werden nicht nur Siegertypen ankommen. Es sind auch Mühselige und Beladene dabei, die sich erquicken ließen. Traurige und Leidtragende, die sich immer wieder trösten ließen. Schnell Niedergeschlagene, die sich aufrichten ließen.

Jesus wird seine Siegerparty mit Verlierern und Verlorenen feiern. Mit solchen, die sich selber längst aufgegeben hatten und darum ihm ganz vertrauten. Wir werden dabei sein, wenn wir nicht aufhören zu trainieren, zu üben, auch wenn wir nie perfekt werden. Wir müssen nicht vollkommen werden. Lassen wir uns nicht entmutigen, auch wenn wir noch weit hinterherhinken oder wenn wir immer wieder stolpern und fallen und uns so kraftlos fühlen.

Wie bei einem Langstreckenlauf Helfer an der Strecke stehen und Erfrischungen und Stärkungen reichen, so stehen die Helfer Gottes an unserem Lebensweg mit seinem guten Wort und seinen kleinen und großen Hilfen und Stärkungen: Eine Predigt, ein gutes Gespräch, eine Losung, eine Andacht, eine unerwartete Hilfe. Manchmal auch eine Bewahrung im Unglück oder vor Unfall. Und es geht wieder ein Stück. „Und wenn du manchmal denkst, es geht nicht mehr, dann kommt von irgendwo ein kleines Lichtlein her…“ Jesus, Licht der Welt!

Wir sollen uns nicht mit der Rolle von Zuschauern begnügen, die alles besser wissen, sondern aktiv mitmachen. Der Weg des Glaubens ist ein Volkslauf, bei dem alle die das Ziel erreichen, die unterwegs nicht aufgeben. Volk Gottes unterwegs zu einem Ziel, für das sich Verzicht und Mühe lohnen.

Auch in der Kirche gibt es Zuschauer, die nur auf der Tribüne sitzen und so tun als könnten und wüssten sie alles besser, aber sie kommen keinen Schritt voran. Sie tun nichts, reden über andere, kritisieren und theologisieren und erreichen das Ziel nicht. Nur Mitmachen zählt und bringt vorwärts. Wir gehen den Weg des Glaubens nicht auf Verdacht, nicht aus Gewohnheit, nicht weil der Mensch ja an irgendetwas glauben muss. Paulus betont: Ich laufe nicht wie aufs Ungewisse; ich kämpfe mit der Faust nicht wie einer, der in die Luft schlägt. Unsere Gebete gehen nicht in den leeren Raum, sie kommen an. Paulus weiß, was er glaubt und wir dürfen es auch wissen. Wir gehen weiter im Glauben, ob wir gerade vor einem Sieg oder in diesen Tagen mitten in einer Niederlage stecken. Jesus bringt uns durch bis an sein Ziel. Amen.

Verfasser: Martin Schöppel, Pfarrer, Dr.-Martin-Luther-Str.18, 95445 Bayreuth, Tel. 0921/41168