Gottesdienst – 1.Kor. 15, 19-28
Zur PDFOstersonntag, 23.03.2008, 1.Kor. 15, 19-28
Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.
In der Stille bitten wir um den Segen Gottes für diese Predigt …
„Lieber Gott“, betete der kleine David vor Ostern, „mach doch dass die Vitamine, die sonst im Spinat sind in die Schokoladenostereier kommen!“ – Viele Kinder werden heute wieder ihre Osternester suchen und vielleicht mehr Schokolade in sich hineinstopfen als gut ist. Da wird so manchem Hasen das goldene oder bunte Alufell über die Ohren gezogen, ohne dass man sich Gedanken darüber macht, was das eigentlich mit Ostern zu tun hat.
Der Hase ist auf ganz alten christlichen Fresken manchmal zu sehen als Symbol für den Christen. Der Hase, der für kein anderes Lebewesen gefährlich ist, der aber selbst verfolgt und gejagt wird. Der Hase versteckt sich zwischen Steinen und Büschen. Er flieht zu Christus, dem Felsen. Manchmal werden drei Hasen zusammen auch als Symbol für den dreieinigen Gott dargestellt. Daher kommt wohl auch heute noch der Osterhase, aber davon wissen die Menschen nichts mehr, wenn sie Schokoladenhasen verschenken oder verspeisen.
Eigentlich ist Ostern das Fest der Auferstehung des Herrn Jesus Christus. Und sicher ist der kleine David nicht einzige, der mit Karfreitag und Ostern und den dazugehörigen Bräuchen nichts Christliches mehr verbinden kann. Nichts ist in dieser Hinsicht mehr Grundwissen, nichts ist mehr vorauszusetzen in unserem ehemals christlichen Abendland. Das wird wohl auch nicht besser werden, wenn demnächst in den Schulen auch moslemischer Religionsunterricht erteilt werden wird. Im Volk werden die Inhalte der Religionen vermischt und verändert.
Der Prozentsatz der religiösen Analphabeten ist hoch und viele Christen wissen wenig über die Kerninhalte unseres Glaubens. Selbst wenn sie wissen, warum Ostern gefeiert wird, ist noch lange nicht gesagt, dass dieses Wissen identisch ist mit ihrem Glauben. Oft haben Wissen und persönliche Überzeugung nichts miteinander zu tun. Mit intellektuellem Abstand wird zur Kenntnis genommen, dass Jesus auferstanden ist oder dass von ihm behauptet wird, er sei auferstanden. Aber man sieht nicht, dass daran unser Glaube hängt und unsere Zukunft.
So ein distanzierter Umgang mit der Auferstehungsbotschaft ist zwar heute weit verbreitet, aber neu ist er nicht. Schon der Apostel Paulus setzt sich in seinem 1.Brief an die Korinther damit auseinander. Die Verse unseres heutigen Predigttextes sind ein Ausschnitt davon. 1. Kor.15,19-28. Paulus schreibt:
Hoffen wir allein in diesem Leben auf Christus, so sind wir die elendsten unter allen Menschen. Nun aber ist Christus als erster tatsächlich auferstanden von den Toten.
Der Tod ist durch die Schuld eines einzigen Menschen, nämlich Adam, in die Welt gekommen. Ebenso kommt auch durch einen einzigen, nämlich Christus, die Auferstehung. Wir sind Nachkommen Adams und müssen alle sterben. Doch alle, die Christus nachfolgen, werden durch ihn zu neuern Leben auferweckt.
Das alles geht in der richtigen Reihenfolge vor sich. Als erster Christus, danach, wenn er wiederkommen wird, werden alle auferstehen, die zu ihm gehören.
Danach kommt das Ende, wenn er Gott, seinem Vater, die Herrschaft über diese Welt übergibt.
Er wird dann alles vernichten, was Gewalt und Macht für sich beansprucht. Er muss herrschen, bis Gott ihm alle Feinde unter seine Füße legt.
Der letzte Feind, der vernichtet wird, ist der Tod. Denn es heißt: Alles hat Gott ihm unterworfen.
Wenn nun Christus der Herr über alles ist, bedeutet das natürlich nicht, dass er auch Herr über Gott ist, von dem ja alle Macht ausgeht.
Wenn aber zuletzt Christus der Herr über alles ist, dann wird er als der Sohn Gottes sich seinem Vater unterordnen, der ihm diesen Sieg geschenkt hat.
Schokolade?! Ach was! An Ostern sprengt Gott die Ketten des Todes. Jesus bleibt nicht tot im Grab, sondern er kommt lebendig heraus. Der Tod hat keine Macht über ihn. Die Auferstehung ist der Anfang der Machtübernahme des Herrn Jesus. Am Ende wird er alle Mächte besiegt haben, die gegen Gott sind. Jesus schert aus dem Lauf der Welt aus: Geboren werden, leben und sterben. Er kehrt die Reihenfolge um: Sterben und wieder leben. Leben ohne Ende. Die bisher verschlossen Tür bricht auf und führt in neue wunderbare Freiheit.
Jesus sprengt die Gesetzmäßigkeit von Bosheit, Hass, Schuld und Tod. Er hat sich nicht an das Böse und den Tod gewöhnt, wie wir es haben. Abends schließen wir die Haustüre gut zu, weil wir mit der Schlechtigkeit der Menschen rechnen. Wir fürchten Einbruch und Diebstahl, Mord und Gewalt. Morgens schlagen wir die Zeitung auf, in Erwartung dessen, was irgendwo in unserer Nähe wieder geschehen ist. Wir haben uns an die schrecklichen Meldungen gewöhnt: Politische Spannungen und Kriege: USA und Irak, China und Tibet, Israel und Palästina. Selbstmordattentate und Vernichtungsschläge, Unfälle und Amokläufe, Katastrophen und Kriege. Gewalt und Gegengewalt, Vergeltung und Rache bestimmen das Tagesgeschehen. Und wir? Wir haben uns an den Tod gewöhnt. Wir finden uns damit ab und hoffen, dass es nur uns nicht trifft.
Ostern sagt uns: Gott durchbricht die Spirale der Gewalt, der Vergeltung und des Bösen. Er stoppt die Gewohnheit des Todes. Denn: Nun ist Christus auferstanden von den Toten! Er ist der Erste, aber er bleibt nicht der Einzige. In Christus werden alle lebendig gemacht. Als erster Christus, danach die, die zu ihm gehören.
Die gewaltige Osterbotschaft gilt also auch für uns, wenn wir dem Christus, dem Auferstandenen angehören. Es hat einmal ein Kirchenbesucher nach einem Ostergottesdienst etwas gelangweilt gesagt: „Es war ja ganz gut, aber was neues gab’s nicht!“ Der hat die Osterbotschaft gehört und nicht verstanden, nicht für sich angenommen. Aber gerade das sollen und dürfen wir! Auch wenn wir schon viele Osterfeste erlebt haben und schon lange wissen, worum es geht. Wir sollen es endlich für uns persönlich nehmen: Dieser Sieg Jesu über den Tod gilt mir! Er bedeutet meine Rettung, meine Zukunft! Er ist mein Trost und meine Hoffnung. Alles andere in meinem Leben jede Not, jedes Leid, ist kleiner. Viel kleiner!
„Jesus lebt, mit ihm auch ich!“ Mit diesem Glauben im Herzen kann ich anders über den Friedhof gehen, anders in ein Krankenzimmer treten oder einer schwierigen Operation entgegensehen. Auch das Älterwerden ist in diesem Glauben viel leichter zu ertragen. Altersbeschwerden, Gebrechlichkeit und Tod sind nicht die einzige Aussicht, die ein Hochbetagter hat, sondern die herrliche Zukunft des ewigen Lebens mit Christus in seinem Reich.
„Hoffen wir allein in diesem Leben auf Christus, so sind wir die elendsten unter allen Menschen“, ruft uns Paulus hier zu. Merkt ihrs denn nicht, dass daran alles hängt? Arme Christen, die sich die Auferstehung nur im Museum anschauen, auf Bildern und über die Malkunst und die Farben staunen. Arme Christen, für die Jesus nur ein edler Mensch war, der vor zwei Jahrtausenden über diese Erde gegangen ist und der seine Ideale nicht durchsetzen konnte, sondern bedauerlicherweise damit zugrunde ging.
Würde sich unsere Hoffnung auf Jesus nur auf dieses Leben beschränken, dann wäre der christliche Glaube eine armselige Angelegenheit. Eigentlich muss man alle, die sich Christen nennen und die nicht an die Auferstehung und ihre Konsequenzen glauben, bedauern. Sie sind die frommen Spinner, denn sie hängen einem gescheiterten und gestorbenen Gott an.
Die Auferstehung Jesu ist eine Tatsache, von der alles andere abhängt, was wir aus der Heiligen Schrift über den Glauben. und Gott wissen. Es waren ja eine Menge Leute, die im Neuen Testament bezeugen, dem Auferstandenen Jesus persönlich begegnet zu sein. Der Apostel Paulus zählt sie in diesem 15. Kapitel des ersten Korintherbriefs auf: Die Jünger, die Frauen am Grab, einmal waren mehr als fünfhundert Gemeindeglieder beisammen, als der Auferstandene erschien. Schließlich erlebt Paulus selber, dass ihm der Jesus, dessen Existenz und Auferstehung er leidenschaftlich bestritt, vor der Stadt Damaskus begegnet und anspricht. Bis heute geschieht das immer wieder.
Der Apostel Paulus war so konsequent, dass er von da an nicht mehr an der Auferstehung zweifelte, sondern den Auferstanden vor aller Welt bezeugte. Ihm war klar: Wenn der gekreuzigte Jesus nach seinem Tod auferstanden ist, dann stimmt auch alles andere, was er vorher verkündigt hat und was seine Jünger und die Evangelien über ihn berichten. Dann ist er wirklich der Sohn Gottes. Dann entscheidet sich mein Leben und meine Seligkeit daran wie ich zu diesem Jesus Christus stehe. Sind wir in unserem Glauben auch so konsequent?
Wenn er auferstanden ist, dann lebt er, dann ist er bei uns alle Tage. Dann greift er auch in mein Leben ein! Überall und zu jeder Zeit kann ich dann Verbindung mit ihm aufnehmen, er sieht mich, er hört mich, er lässt mich nicht allein.
Das sind die Konsequenzen des Ostergeschehens. Christ sein ohne diese Osterbotschaft ist undenkbar .Wir würden einen Toten anbeten. Was für ein Unsinn. Das will uns der Apostel Paulus klar machen, wenn er sagt: Nun aber ist Christus auferstanden von den Toten. Der Tod hat verloren. Seine Endgültigkeit ist aufgehoben.
Das ist die bahnbrechende Botschaft für die Menschheit, die im Überlebenskampf steht. Das menschliche Leben ist doch, von Anfang an ein Kampf ums Überleben. Schon im Mutterleib oder im Reagenzglas in seiner Existenz bedroht: Darf ich leben? Bin ich gut genug? Bin ich stark genug? Kann ich die Normen erfüllen, die meine Eltern und ihre Ärzte von neuem Leben erwarten?
Mit der Geburt geht der Kampf weiter. Ringen um Atem, kämpfen ums Leben. Bin ich gesund genug? Bin ich intelligent genug? Bin ich fleißig genug? Schaffe ich die Aufnahmeprüfung, den Quali, den Numerus Clausus, die Einstellungsnote? Halte ich den Druck aus am Arbeitsplatz? Ist mein Immunsystem widerstandsfähig genug im Kampf gegen Allergien und Keime, Viren und Bakterien? Bin ich schön genug, stark genug, physisch und psychisch? Habe ich genug Lebensmut? Bin ich flexibel genug um die Veränderungen in der Arbeitswelt und in der Gesellschaft, zu verkraften? – Das sind die Fragen, die sich uns im Überlebenskampf dieser Welt täglich stellen.
Wir kämpfen ein Leben lang, mit Hilfe von Forschern, Medizinern, Tabletten, Therapeuten und Psychologen. Trotzdem, geht der Kampf früher oder später verloren. Garantiert und bei jedem. Wir unterliegen im Wettlauf mit dem Tod. Wir haben keine Chance den Tod zu besiegen. Mit keinem Anti-Aging-Gen und keinem Trick. Vielleicht kommt er ein paar Jährchen später. Vielleicht zieht sich Sterben etwas länger hin. Aber den Tod verhindern wir nicht.
Wir haben nur eine Chance ihm zu entkommen, wenn wir uns an Jesus halten, wenn er unser Halt ist. Er sagt: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben auch wenn er stirbt. Wenn wir Jesus vertrauen, ist der Tod nicht das Letzte. Er gehört dann, wie Dietrich Bonhoeffer es einmal ausgedrückt hat, zu den vorletzten Dingen.
Letztes zeitliches Geschehen ist das, was der Apostel hier beschreibt: Wenn Christus das Reich Gott dem Vater übergeben wird, nachdem er alle Herrschaft, alle Macht und Gewalt, die gegen Gott steht, vernichtet hat. Der letzte Feind, der vernichtet wird ist der Tod.
Nach neueren Umfragen glaubt weniger als die Hälfte der Deutschen an ein Leben nach dem Tod. Und wohl noch viel weniger an ein ewiges Leben im Sinne der Bibel. Auferstehung und Ewigkeit müssen wieder viel mehr bezeugt werden.
In einer früheren Gemeinde hat mich einmal ein alter Mann zu sich gebeten. Ich habe ihn in einer kleinen Wohnung in seinem großen Haus, deren übrige Wohnungen er vermietete, besucht. Er erzählte mir sein ganzes Leben. Was er geleistet und was er alles durchgemacht hatte, seine Erfolge und Niederlagen, seine Enttäuschungen über die Undankbarkeit von Menschen. Stolz war er auf das, was er sich mit Fleiß und Sparsamkeit geschaffen hatte. Schließlich schilderte er mir, wie er für die Zeit nach seinem Leben vorgesorgt hätte. Ich war gespannt. Aber er sprach nur von seinem Besitz, und von seinem Erbe.
Es war tatsächlich alles bestens geregelt, bis hin zu den Kosten für seine Beerdigung und der Gestaltung seines Grabsteins. Immer wieder betonte er: „Ich hab mein Haus bestellt. Meine Nachkommen werden da keine Probleme haben.“ An alles hatte er gedacht, nur eines hatte er vergessen: Seine Zukunft. Als ich ihn schließlich danach fragte, ob er sich auch darum gekümmert hätte, dass zwischen ihm und Gott alles bereinigt ist, um sein ewiges Leben, da schwieg er.
Hoffen wir allein in diesem Leben auf Christus, so sind wir die Elendsten unter den Menschen. – Dann verlieren wir uns im Unwichtigen und versäumen das Entscheidende. Gott wird uns in der Ewigkeit einmal nicht danach fragen ob unser Nachlass geregelt war, sondern er fragt nach unserem Glauben. Er will, dass wir den Weg des Heils gehen, den er für uns geschaffen hat und der heißt Jesus Christus.
Der große Theologe Karl Barth hat einmal gesagt:
„Wer die Osterbotschaft gehört hat, der kann nicht mehr mit tragischem Gesicht herumlaufen und die humorlose Existenz eines Menschen führen, der keine Hoffnung hat.“
Wir danken dir, Herr Jesu Christ, dass du vom Tod erstanden bist und hast dem Tod zerstört sein Macht und uns das Leben wiederbracht. Halleluja! (EG 107,1)
Amen.
Verfasser: Martin Schöppel @, Dr.-Martin-Luther-Str.18, 95445 Bayreuth, Tel. 0921/41168