Gottesdienst – 1.Kor.15, 1-11
Zur PDFOstersonntag, 04.04.2010, Kreuzkirche, 1.Kor.15, 1-11
Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen.
Wir wollen in der Stille um den Segen Gottes für die Predigt bitten. …Herr, wir bitten dich, erhöre uns und gib deinen Heiligen Geist zum Reden und zum Hören.
Die Auferstehung von Jesus gehört zu den am besten bezeugten Stücken des Neuen Testaments. Vorhin haben wir das Osterevangelium des Evangelisten Markus gehört. Auch die anderen drei Evangelisten bezeugen die Auferstehung Jesu. Ein ganz besonderer Zeuge der Auferstehung ist aber der Apostel Paulus, der ja zunächst die Auferstehung des gekreuzigten Jesus total ablehnte und als Lüge bezeichnete. Bis er selber dem Auferstandenen begegnete. Von da an wurde er zu einem Botschafter der Auferstehung, der mit seiner ganzen Kraft und mit seinem Leben dafür zeugte, dass Jesus wahrhaftig auferstanden ist. Für ihn ist der Glaube an die Auferstehung unverzichtbares Element des Christseins. Im 15. Kapitel des 1. Briefes an die Korinther beschäftigt er sich ausführlich damit. Die ersten elf Verse dieses Kapitels sind unser heutiger Text für die Predigt. Er schreibt:
Ich möchte euch an das Evangelium erinnern, das ich euch verkündigt habe. Ihr habt diese Botschaft angenommen und darauf euer Leben gegründet.
Ganz gewiss werdet ihr durch sie ans Ziel eueres Glaubens kommen, vorausgesetzt, ihr bewahrt die Botschaft so, wie ich sie euch überliefert habe. Sonst glaubt ihr vergeblich und erreicht das Ziel nicht.
Zuerst habe ich euch weitergegeben, was ich selbst empfangen habe: Christus ist für unsere Sünden gestorben. Das ist das Wichtigste und so steht es schon in der Heiligen Schrift.
Er wurde begraben und am dritten Tag vom Tod auferweckt, wie es die Propheten angekündigt hatten.
Als der Auferstandene hat er sich zuerst Petrus gezeigt und später den zwölf Aposteln. Dann haben ihn mehr als 500 Brüder zur gleichen Zeit gesehen, von denen die meisten noch heute leben, einige sind inzwischen gestorben. Später ist er Jakobus und schließlich allen Aposteln erschienen.
Zuletzt hat er sich auch mir gezeigt, der ich es am wenigsten verdient habe. Denn ich bin der unbedeutendste unter den Aposteln und eigentlich nicht wert, ein Botschafter Jesu zu sein; denn ich habe die Gemeinde Gottes verfolgt.
Alles, was ich bin, bin ich allein durch Gottes vergebende Gnade. Und seine Gnade hat er mir nicht vergeblich geschenkt. Ich habe mich mehr als alle anderen eingesetzt, aber das war nicht meine Leistung, sondern Gott selbst hat dieses in seiner Gnade bewirkt. Doch ganz gleich, ob nun die anderen Apostel oder ich: Wir alle haben dieses eine Evangelium verkündigt und dadurch seid ihr zum Glauben gekommen.
Der Bestattungsunternehmer Volker Hoof aus Siegen saß wieder
einmal im Kreis der Familie eines Verstorbenen um die notwendigen
Absprachen nach einem Todesfall zu treffen und die Wünsche des
Verstorbenen, bzw. der Angehörigen zu berücksichtigen. Wie so
oft waren Trauer und Verlust zu spüren. Aber daneben war in diesem
Fall noch etwas anderes. „Wir haben die Todesanzeige schon fertig“, sagte die Witwe. Erstaunt nahm der Bestattungsunternehmer das Blatt und las:
„Die Freude an Jesus unserem Herrn und an seiner vergebenden
Liebe und Gnade prägte sein Leben und ließ ihn dankbar zum
Segen und zur Freude werden. Die Gewissheit, ihn bei seinem himmlischen
Vater in der ewigen Freude zu wissen, tröstet uns in unserem
Abschiedsschmerz. Gottes Wort wird auch unsere Zuversicht und
Kraftquelle bleiben.“
Das ist die Folge von Ostern und von lebendigem Glauben an den
Auferstanden: Dass Menschen so glauben können und den Trost des
Evangeliums spürbar erfahren, auch mitten in Traurigkeit und
Verlust. Wer von Gottes Auferstehungskraft weiß, von Vergebung,
Erlösung und Ewigem Leben, kann leichter loslassen und die, mit
dem Abschied von einem Menschen verbundene persönliche
Zukunftsaussicht, annehmen.
„Der Herr hat meinen Alfred zu sich genommen und hat mich hier gelassen“, meinte die Witwe und fügte hinzu, „so kann ich noch vielen Menschen von Jesus erzählen.“
Das ist Ostern, den Menschen von Jesus erzählen. Von dem, der
stärker ist als der Tod. Von dem, der wirklich auferstanden ist.
Von dem, der vorher unsere Sünde auf sich genommen und ans Kreuz
getragen hat. Von dem Jesus, der für uns starb und der für
alle, die an ihn glauben, Leben bei dem himmlischen Vater in ewiger
Freude möglich gemacht hat.
Kirche ohne Ostern, Glaube ohne Auferstehung, das ist so sinnlos, wie
ein Herd ohne Töpfe oder ein festlich gedeckter Tisch ohne Essen.
– Eine furchtbare Vorstellung – Sie setzen sich heute
Mittag an den Tisch, edles Porzellan, glänzendes Besteck,
weiße Servietten, ein liebevoller Blumenschmuck… Aber das
war’s dann auch schon! Es kommt nix mehr. Klar, dass einen dann
die schön gedeckte Tafel irgendwann nicht mehr interessiert. Leere
Schüsseln und Teller machen nicht satt. Die Tischgemeinschaft wird
sich bald auflösen. Ohne Suppe und Salat, ohne Klöße
und Braten macht der schönste Esstisch keinen Sinn.
So ist das auch, wenn Kirche den Kern der Sache weglässt. Wenn man
nicht mehr den Auferstandenen predigt und nicht mehr unsere eigene
Auferstehung und das Ewige Leben als großes und wunderbares Ziel
unseres Lebens vor Augen hat. Auferstehung nur symbolisch oder
philosophisch zu betrachten ist genauso blödsinnig, wie zu sagen:
Du kannst Dir doch die wunderbare Gänsebrust auf dem Teller
vorstellen oder den Duft des Lammbratens, der Dir in die Nase steigt.
Wenn man sich in der Osternacht grüßt mit dem Ruf: Der Herr ist auferstanden! Halleluja! Und den Gruß erwidert: Der Herr ist wahrhaftig auferstanden! Halleluja!
Dann ist das der gegenseitige Zuruf: Mensch, vergiss doch das
Wichtigste nicht an unserem Glauben! Wir haben einen lebendigen Herrn
in Jesus Christus. Wir haben einen lebendigen Glauben! Unsere Zukunft
heißt nicht Tod, sondern Leben. Nicht Leid und Trauer, sondern
Hoffnung und Freude. Dann ist auch meine gegenwärtige Lage nicht
hoffnungslos!
Das wird auch nicht aufgehoben durch die ständig auf uns
einstürmenden schrecklichen Nachrichten, die auch in den
Ostertagen nicht enden wollen: Familiendrama in Freising und in
Eichenau, tote und verletzte deutsche Soldaten in Afghanisthan…
Im Gegenteil! Der Glaube an den Auferstandenen Jesus Christus und an
die zukünftige Herrlichkeit Gottes wird zum einzigen, zum starken
Trost in einer Welt, in der die Schrecken nicht abreißen und die
Hiobsbotschaften nicht verstummen. Wer an Gottes Zukunft glaubt,
weiß: Einmal wird alles Sterben, Morden, Zerstören,
Misshandeln, Missbrauchen ein Ende haben. Einmal wird allen Opfern
Gerechtigkeit widerfahren, einmal werden alle Täter gerichtet,
alle Leiden beendet, alle Tränen getrocknet sein.
Wer glaubt, dem ist auch klar, dass es nicht Gott ist, der das Leid
verursacht und die Zerstörung will, sondern, dass es eine
teuflische zerstörende und quälende Macht gibt, die die
Menschen niederdrücken und in Angst versetzen will. Aber wenn wir
uns an die Osterbotschaft klammern vom Sieg des Lebens über den
Tod, dann erfahren wir auch im Leid und im Schweren, dass Gott alles in
unserem Leben zum Guten verändern kann.
In einem Interview zum Karfreitag versuchte der Stuttgarter Philosoph Robert Spaemann das mit einem Gleichnis zu verdeutlichen:
Stellen Sie sich einen Maler mit unendlicher schöpferischer
Qualität vor. Er fängt an, ein riesiges Gemälde zu
entwerfen. Aber neben ihm sitzt jemand, der das Bild verderben will.
Immer wieder spritzt er einen dicken Farbklecks rein, der das Bild
verunstaltet. Doch der Maler bezieht jeden dieser Kleckse in sein Bild
ein und macht noch etwas Besseres draus. Am Ende steht ein wunderbares
Bild da, sodass man im Rückblick denkt, die Kleckse mussten ja
sein, damit das Bild so zustande kommt.(idea 13/2010 S.17)
Der Maler mit der unendlichen schöpferischen Qualität kann
auch die Kleckse in Ihrem Lebensentwurf, die ihnen in diesen Tagen
schwer zu schaffen machen, einbeziehen in das große Gesamtbild
Ihres Lebens. Und wenn es einst vollendet sein wird, dann wird man
sagen, dass auch diese Flächen, die zerstören sollten,
dazugehören um das Bild so gelungen erscheinen zu lassen.
Wir dürfen von dem Gott, der dem sogar dem Tod Grenzen gesetzt hat
und der durch Jesus an Ostern das Leben ewig macht, erwarten und
erbitten, dass er uns unsere Kreuze tragen hilft. Er besiegt unsere
Widersacher und er lässt aus dem Schweren in unserem Leben durch
seine Macht Gutes entstehen.
So hat es auch der Theologe und Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer aus dem Gefängnis an seine Lieben geschrieben:
Ich glaube, dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten,
Gutes entstehen lassen kann und will.
Dafür braucht er Menschen, die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen.
Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage soviel
Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen.
Aber er gibt sie nicht im Voraus, damit wir uns
Nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen.
In solchem Glauben müsste alle Angst
Vor der Zukunft überwunden sein.
Von solchem Osterglauben möchte ich mich anstecken lassen
und allen Zweiflern und Auferstehungsskeptikern die Tatsachen des
Glaubens entgegenhalten: Ihr könnt zweifeln soviel ihr wollt: Nun aber ist Christus auferstanden!
Er ist und bleibt der Herr und Heiland, mit dem wir in unserem Alltag
rechnen dürfen. Gerade dann, wenn alles traurig leer und
hoffnungslos scheint, wollen wir uns an ihn halten und darauf
vertrauen, dass er die Dunkelheit überwindet. In Krankheit, in
Sorgen und Ängsten, in Traurigkeit und Enttäuschung
dürfen wir uns an ihn wenden und sagen: Danke, Herr, dass du mich
nicht verlässt, dass du mir die Kraft gibst die ich brauche, dass
du eine Tür auftust, wo alles ausweglos scheint.
Laut der jüngsten Umfrage des Nürnberger
Marktforschungsinstituts GfK glauben zwei Drittel der Deutschen, dass
mit dem Tod alles aus ist, obwohl ebenfalls zwei Drittel unserer
Landsleute noch einer christlichen Kirche angehören. Was für
ein Leben ist das, das als Zukunftserwartung nur den Tod hat? Was
für ein Glaube ist das, der sich auf ein paar sentimentale Rituale
im Leben, wie Hochzeit, Taufe, Konfirmation oder den jährlichen
Weihnachtsgottesdienst beschränkt? Was für eine Kirche ist
das, die nicht mehr den auferstandenen lebendigen Herrn Jesus Christus
verkündigt?
Von Altkanzler Kohl, der gestern seinen 80. Geburtstag erlebte, stammt der Ausspruch: „Ich
glaube nicht, dass ein Land ohne Glauben an Gott Zukunft hat. Im 20.
Jahrhundert sind in Europa die totalitären Systeme, die von Staats
wegen die Gottlosigkeit propagierten allesamt gescheitert.“ Und an anderer Stelle äußerte Kohl: „Die
Werte Europas kommen nicht nur au der Antike. Europa gibt es nur unter
dem Kreuz. Auch wenn viele Kirchen immer kleinmütiger werden, wir
bleiben dabei.“
Wir bleiben dabei! Hoffentlich sagen wir das alle! Lassen wir uns das
Evangelium, die Botschaft von Kreuz und Auferstehung nicht nehmen.
Beides gehört zusammen. Nur beides zusammen rettet, tröstet,
trägt und schenkt Hoffnung.
Nehmen wir uns ein Wort des großen Theologen Karl Barth zu Herzen:
„Wer die Osterbotschaft gehört hat, der kann nicht mehr mit tragischem Gesicht umherlaufen und die humorlose Existenz eines Menschen führen, der keine Hoffnung hat.“
Jedes Ostern heißt: Wir sollen die Auferstehung Jesu und die
Auferstehungsbotschaft der Kirche für uns wieder ganz klar
festmachen. Sonst verlieren wir die Kraft des Glaubens und das, was uns
in schweren Zeiten hält. Wie hatte Paulus von dieser
Auferstehungsgewissheit an die Korinther geschrieben?
Ganz gewiss werdet ihr durch sie ans Ziel eueres Glaubens kommen, vorausgesetzt, ihr bewahrt die Botschaft so, wie ich sie euch überliefert habe. Sonst glaubt ihr vergeblich und erreicht das Ziel nicht.
Denn: Jesus Christus spricht: Ich bin die Auferstehung und das
Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt. Und wer
da lebt und glaubt, der wird nimmermehr sterben.
Wir danken dir, Herr Jesu Christ,
dass du vom Tod erstanden bist
und hast dem Tod zerstört sein Macht
und uns zum Leben wiederbracht. Halleluja!
Amen. (EG107,1)
Verfasser: Martin Schöppel , Dr.-Martin-Luther-Str.18, 95445 Bayreuth, Tel. 0921/41168