Gottes wunderbarer Plan mit uns

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9.Sonntag nach Trinitatis, 29.07 2018, Jeremia 1, 4-10

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen. Wir wollen in der Stille darum beten, dass der Herr diese Predigt segnet. … Herr, wir bitten dich, gib deinen H. Geist zum Reden und zum Hören. Amen.

Vor 7 Wochen ist unser kleiner Enkel Joah geboren. Manchmal hab ich ihn auf dem Arm und kann mich an ihm freuen. Natürlich auch an seinen beiden großen Schwestern Greta (5) und Jonna (3). Aber bei meiner Vorbereitung für diese Predigt stand mir besonders der Kleine vor Augen.

Wenn man sich als Opa so ein kleines Kerlchen anschaut, dann kommt man schon ins Nachdenken. Man fragt sich: Was wird wohl mal aus dir werden? Wenn er in die Schule kommt, hab ich meinen 70. Geburtstag schon hinter mir. Bei seiner Konfirmation zeigt der Kalender bereits das Jahr 2032. Was wird er mal für einen Beruf ergreifen? Was wird er in seinem Leben alles erleben – dürfen – oder müssen.

Wenn man sich die rasanten Veränderungen der letzten Jahre anschaut, fragt man sich, wohin das alles noch führen soll. Die technische Entwicklung, der gesellschaftliche Wandel, die politischen Tendenzen, der Klimawandel. Ist es eine gute Zeit, eine lebenswerte Zukunft, in die so ein Kind hineinwächst?

Aus meinen etwas ängstlichen und sorgenvollen Gedanken reißt mich der Glaube heraus. Das Vertrauen, nein die Gewissheit, dass Gott auch mit diesem Kind einen wunderbaren Plan hat. Dieses Kind ist nicht nur geboren für ein leichtes oder schweres Leben, für eine gute oder weniger gute Zukunft in einer komplexen und bedrohlichen Welt, sondern es ist geboren für eine wunderbare Zukunft mit Gott und in seinem Reich. Das ist der Plan. Gottes Plan, den er mit jedem Menschenkind hat, noch bevor es im Mutterleib heranwächst.

Das wusste schon Paul Gerhardt und deshalb hat er in seinem schönen Weihnachtslied „Ich steh an deiner Krippen hier“ gedichtet (EG 37,2): Da ich noch nicht geboren war, da bist Du mir geboren und hast mich dir zu eigen gar, eh ich dich kannt erkoren. Eh’ ich durch deine Hand gemacht, da hast du schon bei dir bedacht, wie du mein wolltest werden.

Gott hat gute Pläne mit jedem Leben, das er schenkt. Schon vor Beginn eines Lebens liegt ihm daran, dieses Menschenkind für sich und seine Zukunft zu gewinnen. Dafür gibt es manche Belege in der Heiligen Schrift. Einer davon ist unser Schriftwort für die Predigt heute. Es ist der Anfang des Jeremia-Buches. Es geht um Jeremias Berufung zum Propheten. Er selbst berichtet davon (Jeremia 1,4-10):

Und das Wort des Herrn geschah zu mir: Ich kannte dich, ehe ich dich im Mutterleib bereitete und sonderte dich aus, ehe du von der Mutter geboren wurdest und bestellte dich zum Propheten für die Völker. Ich aber sprach: Ach, Herr, ich tauge nicht zu predigen, denn ich bin zu jung. Der Herr sprach aber zu mir: Sage nicht: „Ich bin zu jung“, sondern du sollst gehen, wohin ich dich sende und predigen, alles, was ich dir gebiete. Fürchte dich nicht vor ihnen; denn ich bin mit dir und will dich erretten, spricht der Herr. Und der Herr streckte seine Hand aus und rührte meinen Mund an und sprach zu mir: Siehe, ich lege meine Worte in deinen Mund. Siehe, ich setze dich heute über Völker und Königreiche, dass du ausreißen und einreißen, zerstören und verderben sollst und bauen und pflanzen.

1. Ich hab dich schon immer gekannt.

Gott redet mit dem Jeremia und macht ihm klar: ich kenne Dich, schon lange, schon immer, schon bevor du im Leib deiner Mutter herangewachsen bist, warst du mir bekannt und ich habe dich eingebaut in meine Pläne mit den Menschen.

Es ist vielleicht manchmal ganz gut, dass wir es nicht von Anfang an wissen, was Gott mit uns für Pläne hat. Als ich vor ungefähr 64 Jahren von meinem Vater in der Hersbrucker Stadtkirche getauft wurde, wussten zwar meine Eltern noch nicht, was aus mir werden würde, doch der Herr hatte mit Sicherheit schon einen Plan mit mir.

Aber ich habe, ohne ihn zu kennen, eine unbeschwerte Kindheit und Jugendzeit erlebt. Gott hat mich da bereits geführt und mich durch sein Wort angesprochen und durch Schönes und Schweres zubereitet und ausgebildet für meine Lebensaufgabe. Ich bin Menschen in den Weg geführt worden, die mir das Evangelium nahe gebracht haben. Schon als Jugendlicher habe ich begriffen, dass es nichts Besseres gibt als mit Jesus zu leben und dass das Wort Gottes der wertvollste Schatz und die größte Sicherheit ist, die es auf der Welt gibt.

Ich habe Menschen kennengelernt, die mir den Glauben überzeugend vorgelebt haben und andere, die mit mir den Weg als Christen gegangen sind und da waren nicht wenige, die mich mit ihren Gebeten und ihrer Geduld getragen haben. Meine Schutzengel hatten es nie leicht. Manche vermuten, sie gehören einer Spezialtruppe für besondere Fälle an.

Irgendwann hat Gott mich dann aufmerksam gemacht auf das, was er mit mir vorhat und was er von mir will. Während der Zeit meines Studiums haben mich diese Verse aus dem 1. Kapitel des Jesaja dann mehrmals persönlich erreicht. Als ich den Ruf zum Dienst als Pfarrer hörte und darüber nachdachte und mir das gar nicht vorstellen konnte und wie Jeremia meinte: „Ach, Herr, ich tauge nicht zu predigen, denn ich bin zu jung.“ Da traf mich die Antwort Gottes, die auch Jeremia getroffen hat: „Sage nicht: Ich bin zu jung, sondern du sollst gehen, wohin ich dich sende und predigen, alles, was ich dir gebiete. Fürchte dich nicht vor ihnen; denn ich bin mit dir und will dich erretten, spricht der Herr.“

Und wenn ich heute zurückschaue und sehe, wie ich durch die vergangenen über vier Jahrzehnte geführt worden bin, kann ich nur staunen und danken. Und ich kann nur darauf vertrauen, dass der Herr seine weiteren Pläne mit mir auch durchsetzt. Ich bin mir ganz sicher: Es sind Pläne, die zu einem guten Ziel führen, auch wenn vielleicht noch manches kommen mag, was mir nicht so gut gefallen wird.

Es gilt für alles, was kommt die Zusage Gottes, die auch Jeremia erhalten hat: Fürchte dich nicht vor ihnen; denn ich bin mit dir und will dich erretten, spricht der Herr.

Nicht nur für mich gilt das, sondern auch für Dich und für Sie und für jeden, der sich von ihm führen lassen will und der sagt: Herr, verwirkliche deinen Plan mit meinem Leben. Ich bin bereit, den Weg zu gehen, den du für mich vorgesehen hast. – Deshalb muss man auch nicht unbedingt Pfarrer oder Pfarrerin werden. Jeremia war auch kein Priester oder Theologe. Trotzdem konnte Gott ihn für die Arbeit in seinem Reich brauchen. Wenn wir auf sein Wort hören, wenn wir es annehmen uns unter dieses Wort stellen, dann prägt es uns und auch unser Reden und Handeln.

2. Gott legt seine Worte in unseren Mund

Unser Reden wird bestimmt und geprägt von unserem Hören. Der kleine Joah wird in zwei drei Jahren versuchen die Worte nachzusprechen, die er hört. Unsere Sprachentwicklung und Sprachfähigkeit wird entscheidend geprägt von dem, was in seiner Umgebung geredet wird. Und davon wird noch mehr geprägt: Der Wertekatalog, das Gewissen, der Charakter.

Gott hat uns die Sprachfähigkeit und die Sprache gegeben, nicht damit wir den ganzen Tag Blödsinn schwätzen, Sprüche klopfen, unsere Mitmenschen mit überflüssigen geschriebenen oder gesprochenen Kommentaren belästigen, sondern, damit wir damit Gutes wirken. Andere trösten, ermutigen, stärken, anerkennen, wertschätzen. Und noch viel mehr. Vor allem aber damit wir mit ihm und er mit uns reden kann. Er will uns mit seinen Worten den Weg zeigen, den er für uns vorbereitet und geplant hat.

Das kann natürlich nur klappen, wenn wir auf seine Worte hören. Wenn wir jeden neuen Tag mit seinem Wort beginnen. Wenn wir seine Worte im Herzen bewegen und zum Maßstab unseres Handelns machen. Wir brauchen uns nicht schämen seine Worte auch in den Mund zu nehmen. Wir sollen mit Worten Gottes argumentieren, auch da wo mit Gegenrede zu rechnen ist.

Du sollst reden, was ich dir gebiete. Das gilt nicht nur für den Propheten Jeremia und das ist nicht immer das, was die anderen hören wollen oder was nach dem Zeitgeschmack angesagt ist. Es bedeutet auch, dass wir das nicht reden sollen, was die Gebote Gottes uns verbieten. Jesus sagt einmal (Matth 15,11), dass uns nicht das unrein macht, was wir durch den Mund in uns aufnehmen, sondern das was an unguten Worten aus unserem Mund kommt: Liebloses, Unwahres, Angeberisches, Verachtendes, Böses, Versautes, Zweideutiges, Verletzendes.

Jeremia berichtet: Der Herr streckte seine Hand aus und rührte meinen Mund an und sprach zu mir: Siehe, ich lege meine Worte in deinen Mund.

Gott will seine Worte in jeden Mund legen, damit sie Gutes erreichen und Segen wirken. Und er will auch Deinen Mund anrühren, damit er nicht mehr murren muss oder zynische Bemerkungen von sich gibt. Ein Mund, den der Herr angerührt hat, kann nicht mehr fluchen, lästern oder spotten.

Im Psalm 51(V. 17) betet David: „Herr, tue meine Lippen auf, dass mein Mund deinen Ruhm verkündige.“ Und im Psalm 139 macht er sich bewusst: „Es ist kein Wort auf meiner Zunge, das du, Herr, nicht schon wüsstest.“

Jeder, der geistliche Lieder, Glaubenslieder singt, Lieder, die Gott die Ehre geben und in denen es um die wunderbaren Taten Gottes geht, redet im Sinn Gottes und verkündigt seinen Ruhm. Wer das tut, wird selbst dadurch gesegnet und wird für andere, die es hören, zum Segen. Ob in einem bunt zusammengewürfelten Chor, wie wir ihn heute hier hören oder mehrstimmig in unserer Kantorei oder beim Krankenhaussingen. Wenn die Singenden im Glauben hinter dem stehen, was sie singen, geht etwas aus von der Gnadenmacht Gottes.

Das habe ich erst in der vergangenen wieder Woche erlebt. Da rief aus einem Bayreuther Krankenhaus ein 75-jähriger Mann an, der mit einem Pfarrer sprechen wollte. Im Krankenhaus habe er versucht einen Seelsorger zu bekommen, aber es sei ihm dort nicht gelungen. – Dann hat er auf dem Blatt, das ihm die Krankenhaussänger ans Bett gebracht hatten unten meine Telefonnummer entdeckt und mich angerufen. Er sei nur noch heute dort und sitze auf seinen gepackten Koffern, aber er möchte unbedingt vor seiner Abreise noch mit einem Pfarrer sprechen. Wir verabredeten uns und zwei Stunden später saß er bei mir.

Ich hörte mir seine Lebensgeschichte an. Zum Teil war sie erschütternd. Er hatte viel mitgemacht, viel erreicht, es weit gebracht, ist viel in der Welt herumgekommen, aber er hatte auch viel Unrecht erlitten und alles verloren. Menschlich gesehen hatte er keine Perspektive für die Zukunft. Wir haben miteinander gebetet und er ist anders wieder gegangen, als er gekommen ist. Ich weiß nicht, ob ich ihn jemals wiedersehe. In dessen aussichtslose Lage hinein haben die gesungenen Worte Gottes des Krankenhauschores Segen gewirkt. Sie waren der Anstoß dafür, Altes loszuwerden und Neues zu wagen im Vertrauen auf Veränderung, die nur Gott schaffen kann.

3. Platz machen für Neues

Auch das wird dem Jeremia hier gesagt: Es muss zuerst Altes und Belastendes getilgt werden, damit Gott Neues und Gutes pflanzen oder aufbauen kann. Gott sagt ihm: Siehe, ich setze dich heute über Völker und Königreiche, dass du ausreißen und einreißen, zerstören und verderben sollst und bauen und pflanzen.

Der König von Ninive hat sich die Bußpredigt Jonas zu Herzen genommen, hat seine Schuld bereut, sich unter das Wort Gottes gestellt und daraufhin ist das Gericht über ihn und seine Stadt aufgehoben worden. Wenn Gott einreißt, zerstört, ausreißt oder verdirbt dann weil er Neues bauen und pflanzen will. Auch hohe Herrschaften und mächtige Leute sollten sich vom Wort Gottes etwas sagen lassen, sonst folgt Gericht.

Mir ging in diesen Tagen, als in den Medien von der entsetzlichen Dürre und den verheerenden Bränden berichtet wurde der Gedanke durch den Kopf: Ob das wohl schon Gericht Gottes ist über Völker und Menschen, die seinen Willen und sein Wort verachten? Zwei solche Dürrejahre mit Missernten und großen Feuern hintereinander und alle Technik und alles Wissen der Menschheit wären hilflos.

Die Geschichte zeigt dass es immer wieder solcher Gerichte bedurfte, damit Menschen innehielten, umdachten, Gott wieder suchten. – Nur der Mensch, der in seiner Existenz bedroht ist sucht ernsthaft nach Rettung, fragt nach Gott. Es liegt auch an uns, ob es wieder so weit kommt.

Lassen wir das Wort Gottes doch auch bei uns ausreißen, zerstören und verderben, was uns daran hindert, seinen guten Plan mit uns anzunehmen. Beten wir ernsthaft darum, dass Gott uns wegnimmt, was uns den Himmel verschließt und dass er uns neu zu Hörenden macht.

Herr, nimm doch bitte alles weg aus unserem Leben, was uns von dir trennt. Lege dein Wort in unsere Herzen und Gedanken, auf unsere Lippen und Zungen und baue in uns auf, was dir gefällt und was dein Reich fördert. Amen.

Verfasser: Martin Schöppel, Dr.-Martin-LSuther-Str.18, 95445 Bayreuth, Tel.0921/41168