Gottes Plan annehmen
Zur PDF24.Advent, 21.12.2014, Lukas 1, 46-55
Gnade sei mit euch und Friede, von Gott dem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Wir beten in der Stille um den Segen Gottes für diese Predigt: … Herr, wir bitten dich, gib deinen Heiligen Geist zum Reden und zum Hören. Amen.
Die nahende Freude, das ist Thema des 4. Advent. Um gespannt Vorfreude, Ankündigung eines großen Geschehens, um freudige Erwartung geht es auch heute in den Versen unseres Predigttextes aus dem ersten Kapitel des Lukasevangeliums. Es ist das Magnifikat, der bekannte Lobgesang der Maria , nachdem ihr der Engel Gabriel die Geburt von Jesus angekündigt hatte.
Maria hatte sich sofort auf den Weg gemacht, um ihre Verwandte Elisabeth zu besuchen, von deren außergewöhnlicher Schwangerschaft ihr der Engel Gabriel berichtet hatte. Elisabeth war jahrzehntelang kinderlos geblieben und über das gebärfähige Alter längst hinaus. Dennoch wird sie, nach Ankündigung durch den Engel Gabriel im Tempel von Jerusalem an ihren Mann Zacharias schwanger. 5 Monate lang hat sie die Schwangerschaft geheim gehalten. Als sie im 6. Monat schwanger war und es unter Nachbarn und Verwandten bekannt wurde, dass sie in ihrem Alter noch Mutter werden würde, bekam sie langsam Mut sich darüber zu freuen und dazu zu stehen. Sie sah es als eine Gnade Gottes an: „So hat der Herr an mir getan, um meine Schmach unter den Menschen von mir zu nehmen.“
Maria hatte von demselben Engel Gabriel nicht nur ihre eigene Schwangerschaft angekündigt bekommen, sondern auch von Elisabeths Schwangerschaft erfahren. Nun wollte sie, die ganz junge werdende Mutter mit der viel älteren Verwandten reden. – So, wie man sich einen Gesprächspartner sucht, von dem man weiß, dass er ähnliches erlebt hat, wie man selbst. Man erhofft sich Verständnis und Hilfe, Rat und Beistand.
Beide Frauen spüren, dass Gott Großes an ihnen geschehen lässt und beide sind erfüllt mit Heiligem Geist und tiefer Freude. Die viel ältere Elisabeth preist, vom Geist Gottes erfüllt, Maria als die Mutter ihres Herrn . Maria aber wusste, dass nicht ihr Ehre und Lobpreis zusteht, sondern Gott, der an kleinen Leuten so große Dinge tut. Nach dem alten Sprichwort, wes das Herz voll ist, des geht der Mund über , sprudelt aus ihr überschwänglicher Dank, Staunen, Anbetung über die Macht und Barmherzigkeit Gottes: Es ist eine Laudatio der besonderen Art, was Lukas hier zitiert. Lukas 1,46-55:
Maria sprach: Meine Seele erhebt den Herrn und mein Geist freut sich Gottes, meines Heilandes;
denn er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen. Siehe, von nun an werden mich selig preisen alle Kindeskinder.
Denn er hat große Dinge an mir getan, der da mächtig ist und dessen Name heilig ist.
Und seine Barmherzigkeit währt von Geschlecht zu Geschlecht bei denen, die ihn fürchten.
Er übt Gewalt mit seinem Arm und zerstreut die hoffärtig sind in ihres Herzens Sinn. Er stößt die Gewaltigen vom Thron und erhebt die Niedrigen. Die Hungrigen füllt er mit Gütern und lässt die Reichen leer ausgehen.
Er gedenkt der Barmherzigkeit und hilft seinem Diener Israel auf, wie er geredet hat zu unseren Vätern, Abraham und seinen Kindern in Ewigkeit.
Gott hat andere Pläne und Möglichkeiten als die Menschen. Vor ihm sind auch die Mächtigen dieser Welt klein und schnell ersetzbar. Er stößt die Gewaltigen vom Thron und erhebt die Niedrigen. Gott hat andere Kriterien nach denen er Menschen für besondere Aufgaben auswählt. Vor Menschen zählen Bildung, Erfolg, Dursetzungsvermögen und Schnelligkeit. Vor Gott zählt die stille Bescheidenheit, die Ehrlichkeit, die Bereitschaft einen Dienst zu tun und sich in die Verantwortung nehmen zu lassen. Da sind Herkunft, gesellschaftliche Stellung und Geschlecht unwichtig.
Es wird in der Politik und in den Medien zurzeit viel von Frauenquote und Quotenfrauen geredet. Es sind an den wichtigen Stellen und in den besonderen Ämtern noch deutlich weniger Frauen als Männer. Wobei der Prozentsatz sich in den letzten Jahren ständig zu Gunsten der Frauen geändert hat. Und in Bayreuth sind wir ohnehin sehr weit. Wir haben eine Regionalbischöfin und eine Oberbürgermeisterin, an zwei großen Gymnasien in Bayreuth Rektorinnen. Und an so mancher anderen wichtigen Stelle steht eine Frau ihren Mann. – Oder darf man diesen Ausdruck vielleicht gar nicht mehr gebrauchen.
In manchem Kirchenvorstand überwiegen die Frauen. In den letzten Jahren sind mehr Pfarrerinnen in Dienst gekommen als Männer und auch in unserem Gottesdienst heute haben wir eine Frauenquote von deutlich über 50%.
Ich hab damit kein Problem. Seit fast 15 Jahren arbeiten Pfarrerin Bauer und ich hier in unserer Gemeinde problemlos zusammen. Die Bibel sagt: Vor Gott ist kein Ansehen der Person. Und sie berichtet von für die Heilsgeschichte und das Reich Gottes wichtigen Frauen: Etwa der Prophetin Hanna, die in Jesus als eine der ersten den Heiland erkennt. Die Apostelgeschichte erzählt davon, dass der erste Mensch, der auf europäischem Boden Christ wurde, eine Frau, die Geschäftsfrau Lydia war.
Gott hat von Anfang an den Menschen als Mann und Frau geschaffen und der Frau die besondere Verantwortung gegeben, Mutter zu werden und heranwachsendes Leben in sich zu tragen. – Was muss das für eine wunderbare Erfahrung sein, zu spüren, dass da ein Kind sich in einem entwickelt. Da könnte man als Mann direkt neidisch werden.
Hier in dieser Geschichte begegnen sich also zwei Frauen, die diese Erfahrung gerade beide machen. Sie werden Mutter und erleben nicht nur, dass das immer ein Wunder ist, sondern sie erleben das beide noch unter ganz besonderen Umständen. Maria als junge Frau, die schwanger wird, durch das außergewöhnliche Handeln Gottes und ohne mit einem Mann zusammen gewesen zu sein. – Trauen wir Gott dieses Wunder der Jungfrauengeburt doch ruhig zu. – Es ist so klein und armselig, zu behaupten, dass Gott das nicht bewirken könne. Er, der den Tod besiegt, der Sonnen hervorbringt und Planeten in der Bahn hält, der das Wunder des Lebens geschaffen hat, sollte dem Herrn etwas unmöglich sein? Gabriel sagt zur staunenden Maria (Luk 1, 37): „ Bei Gott ist kein Ding unmöglich!“
Elisabeth, eine entfernte Verwandte Marias hatte ihren Kinderwunsch längst abgeschrieben. Auch ihr Mann Zacharias hat im Traum nicht mehr an einen Nachkommen gedacht, als ihm und seiner Frau durch den Engel Gabriel die Geburt des Johannes angekündigt wurde. Diese beiden Frauen, Maria und Elisabeth begegnen sich.
Beide Frauen haben erst kurze Zeit vorher Gottes Eingreifen an sich auf besondere Weise erfahren. Gott greift nach ihnen, will sie gebrauchen für seinen Plan. Er hat etwas vor mit der Welt und sucht dafür Frauen und Männer, die sich von ihm in Dienst nehmen lassen. Das kann ein Leben verändern.
Lange bevor es das Wort Frauenquote gab, hat Gott an ganz entscheidende Stellen seiner Heilsgeschichte Frauen gestellt und deren Namen unvergesslich gemacht. Die ersten Zeugen der Auferstehung sind keine mächtigen Männer. Es sind Frauen am leeren Grab Jesu: Maria, Salome, Maria Magdalena, die als erste die Botschaft hören und verbreiten: Jesus lebt! Er ist der Herr!
Hier sind es Maria und Elisabeth, die Gottes Plan annehmen und sich zur Verfügung stellen. Sie lassen sich etwas zumuten, sagen Ja zu unmöglichem Geschehen. Gott hat ihnen damit Anerkennung verschafft, sie zu Ansehen und besonderen Ehren gebracht und ihnen große Verantwortung gegeben. – Bei dieser Begegnung spüren die zwei schwangeren Frauen, Maria und Elisabeth das und werden vom Geist Gottes erfüllt. Sie erfahren Gottes Macht und bekommen eine große Freude und Freiheit, davon zu reden. Sie geben göttliche Weisheit in prophetischen Worten von sich.
Elisabeth merkt bei dieser Begegnung mit Maria sofort, dass es um etwas ganz Außergewöhnliches geht. – Es ist ein so tiefes Glück, das sie durchströmt, dass sogar das ungeborene Kind in ihrem Leib davon erfasst wird und sich intensiv bewegt. Sie hat den Eindruck, es „hüpft“ in ihr vor Freude. Durch den Geist Gottes weiß Elisabeth, wer da zu ihr kommt und wen Maria unter dem Herzen trägt.
„Wie geschieht es mir, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?“
so ruft sie aus. – Ja, womit hab ich das denn verdient? Jetzt erlebe ich schon das Wunder, dass ich in meinem Alter noch Mutter werden darf und nun auch noch das. Sie erkennt, dass das mit dem Glauben Marias zu tun hat:
„Selig bist du, die du geglaubt hast!“
So ruft sie ihrer jungen Verwandten zu. Sie hört auf die Stimme des Geistes Gottes und lässt den Wundern Gottes Raum. Sie lässt sich anstecken von dem Glauben, der in die Freude führt. Wer ein Kind annimmt, eine Schwangerschaft, vielleicht zur Unzeit, lässt immer einem Wunder Gottes Raum.
Hätte Elisabeth nicht auch klagen können und jammern? Ach, jetzt passiert mir in meinem Alter noch so was, dass ich ein Kind bekomme. Das ist doch riskant und die Leute zerreißen sich das Maul darüber oder lachen mich aus. Oder in Bezug auf Maria: Ach Maria, du Ärmste, jetzt bist du noch nicht mal verheiratet und kriegst schon ein Kind. Das wird Ärger geben und man wird über dich reden! – Ja, es hätte viele vernünftige Gründe gegeben, sich nicht zu freuen. Aber die beiden Schwangeren, die ganz junge und die schon ziemlich alte. stacheln sich nicht im Klagen und Jammern an, sondern fordern sich gegenseitig zum Loben und Danken heraus. Sie machen sich Mut, sie stärken sich gegenseitig. Maria bleibt ganze drei Monate bei Elisabeth.
Maria muss wohl ein ganz besonders bescheidenes, demütiges und auch ein besonders gläubiges Mädchen gewesen sein. – Der Engel Gabriel hatte zu ihr gesagt: Siehe, Elisabeth, deine Verwandte ist auch schwanger mit einem Sohn in ihrem Alter und ist jetzt im 6. Monat, von der man sagt, sie könne keine Kinder bekommen. „Siehe“, hatte der Engel gesagt. Was macht Maria? Sie befolgt die Aufforderung. Sie geht sofort in den Ort in den Bergen, wo Elisabeth und Zacharias wohnen, um zu sehen . Als sie zu Elisabeth kommt, sieht sie, tatsächlich, was sie dem Engel geglaubt hat.
So ist das immer: Zuerst muss sich der Glaube aufmachen, dann kommt das Sehen, dessen, was man geglaubt hat. Maria hätte auch nach ein paar Kilometern umkehren können und sagen: So ein Quatsch! Ich mach mich doch nur lächerlich. Niemals kann meine alte Tante Elisabeth noch ein Kind kriegen. Das gibt’s doch gar nicht in ihrem Alter. Aber nein, sie glaubt das Unmögliche und macht sich auf den Weg.
Das dürfen wir lernen von diesen beiden mutigen Frauen, die Gott in seinen großen Plan eingebaut hat: Gott das Unmögliche zutrauen. Der die Fluten des Roten Meeres teilt, der einen Hirtenjungen einen Riesen besiegen lässt und zum König macht, der einen Sturm stillt und Brot vermehrt, der kann auch dir und mir aus der Not helfen. Der kann auch dich und mich bewahren, uns in unserer Verzweiflung helfen, der kann uns heilen, uns die Kraft geben, die wir brauchen.
Er stößt die Gewaltigen vom Thron und erhebt die Niedrigen. Die Hungrigen füllt er mit Gütern und lässt die Reichen leer ausgehen.
Wie viele Gewaltige sind schon von ihrem Thron gestürzt worden! Und wie viele Reiche, die sich alles leisten konnten, sind aber doch leer geblieben in ihren Herzen! – Und diese beiden Frauen, die in einer Männergesellschaft lebten und nichts zu melden hatten, die bedeutungslos geblieben wären, hat Gott hervorgeholt und zu Großem bestimmt.
Elisabeth wird zur Mutter Johannes des Täufers , von dem Jesus später sagt: Keiner auf Erden ist größer als er. Maria bringt gar den Heiland zur Welt . Sie ist eine „Begnadete“ und der Herr ist mit ihr. Durch diese besonderen Prädikate lässt sie sich aber nicht dazu verleiten, sich etwas einzubilden, stolz zu sein oder auf andere herunterzuschauen. Sie denkt nicht: Ach bin ich toll! Ich bin die Größte! Nein, im Gegenteil: Sie stellt fest: Der Herr hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen. Der Herr hat große Dinge an mir getan. Maria gibt allein Gott die Ehre: Meine Seele erhebt den Herrn! Was heißt denn das? Ich habe in meinem Innersten das Verlangen Gott zu loben und über ihn zu jubeln. Er ist groß! Er ist wunderbar! Ich bin voll Freude über diesen Gott, der so mit mir umgeht. So führt der Glaube zum Danken und zur Freude.
Verfasser: Martin Schöppel, Pfarrer, Dr.-Martin-Luther-Str.18, 95445 Bayreuth, Tel. 0921/41168