Gottes guter Plan mit der Ehe
Zur PDF20. Sonntag nach Trinitatis, 18.10.15 Markus 10, 2-9
Gnade sei mit euch und Friede, von Gott dem Vater und dem Herrn Jesus Christus. Wir wollen in der Stille um Gottes Segen für diese Predigt bitten. – Herr, wir bitten dich, erhöre uns. Amen
Das Evangelium für heute steht bei Markus im 10. Kapitel und schneidet ein heute hochaktuelles Thema an:
Pharisäer traten zu Jesus und fragten ihn, ob ein Mann sich scheiden dürfe von seiner Frau und sie versuchten ihn damit.
Er antwortete aber und sprach zu ihnen: Was hat euch Mose geboten?
Sie sprachen: Mose hat zugelassen, einen Scheidebrief zu schreiben und sich zu scheiden.
Jesus aber sprach zu ihnen: Um eures Herzens Härte willen hat er euch dieses Gebot geschrieben; aber von Beginn der Schöpfung an hat Gott sie geschaffen als Mann und Frau. Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und wird an seiner Frau hängen und die zwei werden ein Fleisch sein. So sind sie nun nicht mehr zwei, sondern ein Fleisch. Was Gott zusammengefügt hat, das soll der Mensch nicht scheiden.
Ich kann immer wieder nur staunen über die Weisheit des Schöpfers und die Klarheit der biblischen Aussagen. Und ich erschrecke oft darüber, was in unserer Gesellschaft daraus geworden ist. Ich stelle fest, je weniger die biblischen Werte in unserer Zeit gehört und geachtet werden, umso verworrener und verwirrender werden die Zustände.
Die Bibel sagt und Jesus zitiert das hier: Gott schuf den Menschen als Mann und Frau. Die Gender-Mainstreaming-Ideologie, die seit einigen Jahren EU-unterstützt verbreitet wird, erklärt, dass es viel mehr Geschlechter gibt und dass jeder selber entscheiden soll, was er sein möchte. Oder wann und wie lange er was sein möchte. Die Rolle, die Gott einem in die Wiege gelegt hat, bindet nicht.
Jeder muss demnach also erst einmal herausfinden, wer oder was er eigentlich ist. Bin ich mehr Mann oder mehr Frau oder homo-, hetero oder bisexuell. Seit neuesten kann man bei „Facebook“ in Deutschland zwischen 60(!) verschiedenen Geschlechtern wählen. Ganz schön anstrengend. Und auch total abhängig von dem Umfeld, der Kultur und Gesellschaft, in der ein junger Mensch aufwächst. Die Verwirrung ist groß!
Der Plan Gottes mit den Menschen war und ist anders: Dir ist das Leben geschenkt als Frau oder als Mann. Egal wie, es ist wertvoll, wichtig und richtig so. Jedes Geschlecht hat seine Gaben und Aufgaben, die gut und notwendig sind. Frauen und Männer haben ihre Stärken und Schwächen. Sie können und müssen eigentlich gar nicht in Konkurrenz zueinander treten, weil sie so verschieden sind.
Keines ist wichtiger als das Andere. Jedes wird gebraucht. Von Natur aus hält sich auch die Anzahl der Mädchen und Jungen, die geboren werden in etwa die Waage. Nur wenn Menschen eingreifen und das Geschlecht bestimmen, kommt es zum Missverhältnis.
Von Gott her ist es nun unsere Aufgabe, die uns gegebene Rolle anzunehmen und sie auch zu leben und auszufüllen. Als Frau oder als Mann. Gott hat in seinen Schöpfungsplan hineingeschrieben, dass die Menschheit nur fortbestehen kann, wenn Frau und Mann ihre Rollen annehmen und bereit sind auch Mutter und Vater zu werden. Wenn sie zueinander finden, wenn sie sich ganz nah kommen, wenn sie eins werden. Der Beziehung zwischen Mann und Frau hat Gott es vorbehalten, neues Leben zu zeugen. Sie können, das ist die tiefste und engste Form der Nähe zueinander, sie können ein Fleisch werden. Und aus ihrem Einswerden kann neues Leben entstehen. Die Erbmasse von Frau und Mann, die dadurch zu Mutter und Vater werden, wird in diesem Zeugungsvorgang neu komponiert und das Leben geht weiter.
Ehepaare, die mehrere Kinder haben, stellen immer wieder fest, wie verschieden ihre Kinder sind, obwohl sie doch dieselben Eltern und Erziehung haben. Es gibt vielleicht eine Familienähnlichkeit, aber doch sind Wesen und Charakter, Fähigkeiten und Talente oft total unterschiedlich. Ein Kind ist musikalisch, das andere nicht. Eins sportlich, das andere weniger. Eins ruhig und besonnen, das andere temperamentvoll und spontan. Eines robust, das andere zart. Aber jedes auf seine Weise einmalig, wertvoll und liebenswert.
Mit Ausnahme von eineiigen Zwillingen, ist da eine grenzenlose Vielfalt und ein schier unbegrenztes schöpferisches Potential vorhanden. Auch die Fähigkeit Vater und Mutter zu verlassen und sich an einen vorher fremden Menschen zu binden ist ein Wunder Gottes. Liebe macht dazu fähig, die Familie, die Menschen zu verlassen, mit denen man von klein auf vertraut und zusammen war.
Sicher, man bleibt dem Elternhaus, den Geschwistern immer verbunden und auch in vielem verantwortlich. Dass man füreinander einsteht und einander beisteht, aber die neue Bindung an die Frau oder den Mann ist fester und näher. Und zu ihr gehören nicht nur schöne Gefühle, sondern auch Verantwortung, Treue und Verlässlichkeit. Mit dem „ein Fleisch werden“ entsteht eine Einheit, die nicht ohne Schaden und Schmerzen wieder getrennt werden kann. Jesus sagt, dass diese Trennung in Gottes Plan nicht vorgesehen ist. Gott will lebenslange Treue in guten wie in bösen Tagen, bis durch den Tod eines Ehepartners diese Verbindung endet. So ist der Grundgedanke des Schöpfers.
Aber auch wenn die Scheidung einer Ehe in Gottes Plan so nicht vorgesehen ist, hat es sie doch zu allen Zeiten gegeben. Schon zu Zeiten des Moses vor über 3000 Jahren kam es vor, dass Frau und Mann, die einmal einen Bund fürs Leben eingegangen waren, diesen Bund eines Tages nicht mehr fortsetzen wollten. Sie haben angefangen sich zu streiten, sich anzuschreien oder anzuschweigen. Sie haben sich gegenseitig weh getan, einander Böses unterstellt, sind manchmal sogar aufeinander losgegangen. – Um noch größeres Leid zu verhindern, hat Mose dafür eine Ordnung erlassen: Der Mann, der sich von seiner Frau trennte, musste ihr eine Urkunde darüber ausstellen. Die Frau war damit von allen Verpflichtungen gegenüber diesem Mann entbunden und wieder frei. Keine gute Lösung, eher eine Notlösung. Aber auch die muss es geben und manchmal muss man Gebrauch von ihr machen.
Auch Jesus weiß das, aber er stellt hier fest, dass dadurch nicht die Vorstellung der lebenslangen Dauer der Ehe in Frage gestellt ist, sondern dass Mose damit auf die traurigen Tatsachen reagiert hat. Wenn ein Herz gegenüber dem anderen hart geworden ist, wenn man nicht mehr miteinander redet, sich nicht mehr mitteilt, annimmt, berührt, einander nicht mehr vergeben will, dann kann ein Punkt erreicht werden, an dem es besser ist sich zu trennen, als so nebeneinander und gegeneinander kalt und lieblos weiter zusammen zu leben. Jesus spricht von der Härte der Herzen, die die Ursache für die Scheidungsregelung des Moses ist.
Härte der Herzen? Wodurch wird denn ein Herz, das einmal weich und einfühlsam war, hart gegen den früher geliebten Menschen? – Wenn man nur noch an sich denkt: Meine Wünsche sollen erfüllt werden. – Wenn man nicht mehr ehrlich ist dem anderen gegenüber. – Wenn man sich nicht mehr mitteilt. – Wenn man keine Anerkennung mehr hat für den anderen und sich nicht mehr um den Ehepartner bemüht, sondern immerzu nach anderen schielt. – Wenn man das 10. Gebot außer Acht lässt, in dem es heißt: Du sollst nicht begehren deines Nächsten Frau/Mann… Wenn es nur noch ums Geld geht, um die Firma, um den Beruf, um Karriere, ums Hobby oder den Sport. Da kann das Herz hart werden, so hart, dass es den anderen nicht mehr sehen, nicht mehr ertragen, nicht mehr neben sich haben will. Das kann von einer Seite ausgehen, dann leidet der andere besonders, der doch immer noch liebt. Das kann auch beide betreffen, die sich entfremden, auseinanderleben und dann trennen. Harte Herzen sind nicht nach Gottes Willen und Plan.
Das Herz wird immer hart gegen den Ehepartner, wenn eines in seinem Herzen oder in der Tat die Ehe gebrochen hat. Wenn der eine Platz, der da für die Frau oder den Mann vorgesehen war von einem Geliebten oder einer Geliebten eingenommen worden ist. Durch Untreue jeder Art verhärten sich Herzen.
Immer ist die Untreue gegen den Ehepartner auch verbunden mit einer Untreue gegen Gott. Man lässt das sechste Gebot nicht mehr für sich gelten. Man verweigert die Umkehr, die Einsicht, die Buße. Das Ausleben seiner Gefühle und Leidenschaften wird wichtiger als der Gehorsam Gott gegenüber. Da muss man hart sein, sonst hält man diesen Zustand nicht aus.
Jesus will beides heilen: Die Beziehung zu Gott und die Beziehung zu den Menschen. Auch zu dem Menschen, mit dem man einmal ein Fleisch geworden ist. Was Gott zusammengefügt hat, das soll der Mensch nicht scheiden. Jede Ehe die unter zunehmender Herzensverhärtung leidet, ist es wert, dass man um sie kämpft. Das geschieht dadurch, dass man zunächst bei sich selber anfängt und Gott um Vergebung bittet. Damit aus dem harten Herzen die alten bösen Gedanken und Erinnerungen, die Verletzungen und unreinen Gedanken weggenommen werden durch die Vergebung, die Jesus schenkt. Und dass man dann bereit ist, zu vergeben und wieder neu miteinander zu beginnen. Dann kann eine Ehe gerettet und wieder gut werden. Das gibt es mit Gottes Hilfe immer wieder. Ich habe das schon oft in der Seelsorge erlebt.
Wenn aber eines von den Eheleuten das gar nicht will, oder beide nicht bereit dazu sind, dann gibt es manchmal nur den Weg der Trennung. Die ist, wie jede Trennung, mit Leid und Schmerzen verbunden. Schwer auch für die Kinder, die nicht verstehen können, warum Mama und Papa, die sie doch beide lieben nicht mehr miteinander leben wollen. Manchen Kindern sieht man das direkt an oder hört es aus ihren Äußerungen, wie ihnen das zu schaffen macht.
Die Hartherzigkeit dessen, der sich trennen will richtet sich immer auch gegen sein Kind oder seine Kinder. – Wie viele Tränen haben Kinder schon geweint, deren Eltern auseinandergegangen sind. – Manchmal nachts und heimlich. Wer sich einredet, eine Trennung würde das Kind nicht belasten der macht sich was vor und redet sich das schön. Das alles steckt hinter der leidenschaftlichen und liebevollen Mahnung: Was Gott zusammengefügt hat, das soll der Mensch nicht scheiden.
Hilfe ist möglich, wo Ehen in Gefahr sind. Es gibt gute Beratung, Eheseminare, Freizeiten und es gibt Seelsorge für Eheprobleme. Ganz besonders wichtig ist es auch, dass Eheleute miteinander beten, Gottesdienste besuchen gemeinsam das Vaterunser beten und das Abendmahl empfangen. Paulus schreibt im Römerbrief: Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat. Und im Brief an die Kolosser: Vergebt einander, wenn jemand Klage gegen den anderen hat. Wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr.
Solange ich mir bewusst bin, dass ich Gottes Vergebung doch täglich brauche und sie auch für mich erbitte, kann ich doch meiner Frau oder meinem Mann diese Vergebung nicht verweigern. Jesus hat eine besondere Liebe zu denen gehabt, die mit dem 6. Gebot Probleme hatten, auch zu den Unverheirateten. Er hat sich nicht von ihnen distanziert, er hat sie nicht verdammt, er hat ihnen vergeben und sie vor dem harten Urteil der Selbstgerechten in Schutz genommen. Zu der Ehebrecherin sagt er: Ich verdamme dich nicht, aber geh hin und sündige hinfort nicht mehr. = Beende das außereheliche Verhältnis! Geh zurück zu dem Mann / der Frau zu dem / der du gehörst.
Jede Ehe lebt von Vergebung. Und genauso jede und jeder Alleinlebende. Das verbindet uns alle, ob mit Partner oder ohne, ob geschieden, verwitwet, verliebt, verlobt oder verheiratet: Wir brauchen die vergebende Liebe Jesu, die harte Herzen aufbrechen und erweichen kann, dass sie menschlich und liebevoll werden, dass sie sich zurücknehmen und andere achten können.
Das Kreuz, an dem Jesus sich für uns hingegeben hat, zeigt wie hart Menschenherzen sein können. Es zeigt aber auch, wie barmherzig, also weichherzig Gott ist im Umgang mit uns. Er will und kann jeden verwandeln, der ihn darum bittet.
Wir sollen einander nicht verlassen, sondern wir sollen uns verlassen auf den, der barmherzig ist und hilft, der Kraft schenkt zum Annehmen, zum Lieben und zum Vertrauen.
Amen .
Verfasser: Pfarrer Martin Schöppel, Dr.-Martin-Luther-Str.18, 95445 Bayreuth, Tel. 0921/41168