In Christus liegen verborgen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis

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Christmette 2013 Kreuzkirche

Was der Evangelist Lukas so wunderbar erzählt von dem Kind das da in Bethlehem geboren ist und von seiner Bedeutung, wurde etwa ein halbes Jahrhundert später von einem Menschen bestätigt, der in seinem eigenen Leben erlebt hat: Euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus. Der Jesus, der so armselig und unwürdig geboren wurde, ist der wichtigste und wertvollste Mensch überhaupt. – Nein, kein Mensch! Sohn Gottes! – Und doch Mensch, weil wie ein Mensch zur Welt gekommen. Der Apostel Paulus, hatte ihn zunächst für einen Betrüger gehalten und seine Anhänger für Spinner. Bis Jesus ihm begegnete und ihn mit seiner Kraft veränderte. Er hat ihn dann der Welt leidenschaftlich bezeugt.

So etwa im Brief an die Gemeinde in Kolossä. Da macht er Jesus Christus groß. Man könnte es auch eine Weihnachtsgeschichte nennen, was er da im 2. Kapitel schreibt:

In Christus liegen verborgen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis.

Ich sage das, damit euch niemand betrüge mit verführerischen Reden, Denn obwohl ich leiblich abwesend bin, so bin ich doch im Geist bei Euch und freue mich, wenn ich eure feste Ordnung und euren Glauben an Christus sehe.

Wie ihr nun den Herrn Christus Jesus angenommen habt, so lebt auch in ihm und seid in ihm verwurzelt und gegründet und fest im Glauben, wie ihr gelehrt worden seid; und seid reichlich dankbar.

Seht zu, dass euch niemand einfange durch Philosophie und leeren Trug, gegründet auf die Lehre von Menschen und auf die Mächte der Welt und nicht auf Christus.

Denn in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig, und an dieser Fülle habt ihr Teil in ihm, der das Haupt aller Mächte und Gewalten ist.

Das kann man keinem neugeborenen Kind ansehen, was es einmal werden wird. Manchmal machen junge Leute ein Spiel. Jeder bringt ein Baby Bild von sich mit. Die Bilder werden dann unbesehen vermischt und aufgedeckt und man muss raten, wer das sein könnte von den Anwesenden.

Wenn man solche Bilder hätte von unserer Kanzlerin, dem Papst, von Franck Ribéry, Albrecht Dürer, Johann Sebastian Bach, Hitler oder Stalin, Goethe oder der Königin von England, von Ihnen oder von mir, man könnte wahrscheinlich nicht ahnen, was aus diesem Kind einmal werden würde, oder geworden ist. Ein Mensch kann ein Segen werden oder ein Fluch, ein Genie oder ein Tyrann, Wohltäter oder Ausbeuter.

Das Kind, um das hier und heute geht, wurde zum Heiland der Welt. Zum Fall und zum Aufstehen von Vielen, wie der alte Simeon prophezeite, der ihn nach acht Tagen im Tempel zum ersten Mal sah. Jesus ist zu dem geworden, an dem sich unser Leben und unsere Ewigkeit entscheiden. Wer ihn annimmt, gewinnt das Leben, das ewige Leben. Wer ihn ablehnt, dessen Leben verliert seine Bestimmung und sein Ziel.

Paulus räumt ihm den höchsten vorstellbaren Rang ein:

In Christus liegen verborgen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis. Was heißt den das?

Peter Spangenberg erzählt es mit einer Geschichte so:

Drei kluge Leute saßen abends vor ihrer Tür um ihre Weisheit auszutauschen, Da sagte der eine stolz: „Was man von der Welt wissen kann, wissen wir. Wir können glücklich sein.“ „Ja“, bestätigte der zweite, „was Menschen vom Leben wissen, wissen wir. Wir können glücklich sein.“ – „Nein“, warf der dritte ein, „was wissen wir denn über Gott? – Nichts! Können wir also glücklich sein?“

Da dachten sie nach und beschlossen, sich auf den Weg zu machen, um Gott zu finden. Oder wenn nicht, dann würden sie das wenigstens wissen und wären wieder glücklich.

Zuerst trafen sie einen alten Mann. „Bist du Gott?“, fragten sie ihn. „Wie kann ich Gott sein?“, antwortete der, „Gott ist jünger!“ Betroffen von der Antwort gingen sie weiter. „Gott ist jünger?“ Wie konnte das sein?

Auf dem weiteren Weg begegneten sie einer weinenden Frau. „Bist du Gott?“ – „Wie kann ich Gott sein?“, schluchzte sie, „Gott ist fröhlich!“ Wieder eine seltsame Antwort. Immerhin aber kam es ihnen in den Sinn, dass es Menschen gab, die wohl viel von Gott wussten.

Da trafen sie wenig später einen Totengräber und fragten ihn vorsichtig, ob er denn wüsste, wo Gott zu finden sei. Der aber sagte knapp: „Ihr dürft ihn nicht bei den Toten suchen!“ Da stiegen sie auf ihre Tiere und ritten in die Nacht hinein. – Einer entdeckte plötzlich den großen Stern. „Da ist Gott!“, rief er. Und sie richteten sich nach dem Stern. Bald kamen sie an den Königshof, traten vor den Herrscher und fragten auch ihn. „Ja, ich bin Gott“, erwiderte er. Aber die drei klugen Leute empfanden, dass er niemals Gott sein konnte. Er wirkte nicht jünger, nicht fröhlich und nicht lebendig.

Da ritten sie weiter und fragten unterwegs die Sonne: „Bist du Gott?“ – „Wie kann ich Gott sein“, strahlte sie, „kann das Geschöpf den Schöpfer spielen?“ – Als es Abend wurde, sahen sie in der Ferne ein kleines Licht. Sie ritten darauf zu, stiegen dann zögernd ab, betraten leise den Stall und sahen das kleine Kind. Die anderen Leute knieten und so knieten sie auch. Da wussten sie plötzlich alles und waren sehr glücklich. Später saßen sie abends vor ihrer Tür, um ihre Dankbarkeit auszutauschen.

Gott lässt sich von Menschen nicht festlegen. Er ist Gott. Nähern können wir uns ihm nur durch und mit Jesus. Es bleibt vieles für uns rätselhaft, wunderbar, unerklärlich. Auch in manchen alten Liedern nur mit Bildern anzudeuten:

Kantorei „Maria durch ein Dornwald ging“

Lesung Weihnachtsgeschichte Teil III Luk. 2, 15-20


Kantorei Tochter Zion 

 

Besinnung II

Nein, mit dem Kopf, mit klugen Gedanken, philosophischen Überlegungen, kommt man Gott nicht näher. Eher schon kniend, staunend, suchend. Am ehesten aber anbetend. Jesus ist die Lösung einer aussichtslosen Sache. Wie kann der Mensch Gott finden? Ihm näher kommen, ihn Stück für Stück kennenlernen? Mit Jesus! Durch Jesus und seinen Weg von der Krippe bis zum Kreuz. Er ist die Lösung, die Erlösung.

Man kommt ihm nur näher, wenn man sich nicht selbst für Gott hält, sich beugt, heruntersteigt zu ihm. Er ist jünger als wir denken, fröhlicher als wir glauben und viel lebendiger, als wir es je für möglich gehalten hätten. Er wird nicht alt, sondern bleibt immer derselbe, gestern heute und in Zukunft.

Wer sich ihm anvertraut, wer ihm Schuld bekennt, wer ihm sein Leben schenkt, wird fröhlich dabei. Der kann lachen, jubeln, jauchzen. Wie die Tochter Zion, von der wir gerade gehört haben. – Kennen Sie eigentlich die Dame? – Nein, das ist keine einzelne Frau. Mit dieser Umschreibung ist das Volk Gottes gemeint. Zu Zeiten des Alten Testaments waren damit alle angesprochen, die von Abraham abstammten und deren Obrigkeit auf dem Berg Zion in Jerusalem saß. Seit den Zeiten des Neuen Testaments sind damit weltweit alle gemeint, die in Jesus den Sohn Gottes sehen. Den einzigen Weg zu Gott. Die einzige Wahrheit und das Leben.

Und die dritte Entdeckung der drei klugen Männer war, dass Gott lebendig ist. Ja, Jesus lebt! Wir beten doch keinen toten Gott an. Jesus ist keine Person der Vergangenheit, die einst auf dem Gebiet der Menschlichkeit Großes geleistet hat, aber dann leider einen schrecklichen Tod sterben musste. – Er ist der Auferstandene, der Todesbezwinger, der Sieger, der Erste, der Letzte und der Lebendige oder wie Jesaja sagt(9,5): Er heißt Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friedefürst. – und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter. Der Apostel Paulus, der lange die Schrift studiert hatte, viel diskutiert und nachgedacht, kommt erst ans Ziel, als er in Jesus von Nazareth den Christus, den Heiland erkennt. Da geht ihm auf: In Christus liegen verborgen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis.In ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit wahrhaftig. Er ist der Schlüssel zum Leben.

Der Lebenstraum lässt sich nur mit Jesus erfüllen. Alle anderen Träume sind letztlich Todesträume, Albträume, zerbrechende Träume. Eine alte Volkserzählung sagt:

Drei Bäume wuchsen auf einem Hügel. Sie lebten fröhlich mit Sonne und Wind und wurden groß und stark.

Sie hatten den Himmel über sich und reckten ihre Kronen empor. Sie hatten die Erde unter sich und gruben ihre Wurzeln tief hinein. Sie hatten manche Stürme hinter sich und waren dadurch fest geworden. Sie hatten das Leben vor sich und freuten sich darauf. Sie hatten Träume in sich und warteten auf ihre Erfüllung.

Der erste Baum träumte davon einmal eine Schatztruhe zu werden. Der Baum malte sich aus eine wunderbar geschnitzte Truhe zu sein, die einen kostbaren Schatz in sich bewahrt. – Der zweite Baum träumte davon ein Schiff zu werden. Er sehnte sich danach Könige über die Meere zu bringen. Der dritte Baum gar wollte der wichtigste Baum auf Erden sein. Er wollte auf dem Hügel bleiben und alle Menschen an die Geheimnisse des Lebens erinnern.

Aber eines Tages kamen drei Holzfäller und hieben die drei Bäume um. Der erste Baum wurde zu einer Futterkrippe verarbeitet und kam in einen armseligen Stall in Bethlehem. Ochse und Esel fraßen daraus und rieben sich am Holz ihr Fell. Dann wurde in einer wunderbaren Nacht in diesem Stall das Jesuskind geboren und in die Futterkrippe gelegt. So wurde der Traum von der Schatztruhe doch noch erfüllt. Aber so ganz anders und noch viel tiefer, als es der Baum geträumt hatte.

Aus dem zweiten Baum wurde ein Fischerboot gemacht. Am See Genezareth fuhren die Fischer mit dem Boot hinaus. Es war ein mühsamer Alltag in Wind und Wetter, in Nacht und Not. Da kam eines Tages Jesus an den See und stieg in das Boot, um von dort aus vielen Menschen zu predigen. So wurde der Baum als Boot zu einem Gefährt, das den König aller Könige mit seinem wunderbaren Evangelium zu den Menschen brachte.

Der dritte Baum wurde zum Fluchholz und Todesbaum als Kreuz und dachte wehmütig an seinen Lebenstraum zurück. Da wurde Jesus an ihm festgenagelt und erlöste durch seinen Tod am Kreuz alle Menschen. So wurde der Baum auf dem Hügel Golgatha der wichtigste auf Erden, ein Baum des Lebens und Zeichen des Sieges.

Lebensträume gehen nur mit Jesus in Erfüllung. – Ganz anders oft als wir uns das vorstellen. Ich denke an die Frau, die ich kannte. Sie hatte keinen Mann und keine Kinder, aber in der Berufung, die sie als Verkündigerin hatte, wurde sie für manchen Mann zur gesegneten Seelsorgerin und für viele junge Menschen eine Mutter in Christus.

Wir haben alle einen Platz, an den wir gestellt sind, wo wir gebraucht werden und wo es auf uns ankommt. Wenn wir an diesem Platz mit Jesus stehen, dann geht der Lebenstraum in Erfüllung. Das ist nicht wissenschaftlich nachweisbar, lässt sich nicht erklären, aber ist erfahrbar.

Wer an mich glaubt, so sagt der Herr, von dessen Leib und Leben gehen Ströme lebendigen Wassers aus. – Segensströme. Was wäre ich, was wäre mein Leben ohne ihn? Was wären Sie, was wäre Ihr Leben ohne ihn?

Machen wir uns wieder neu zu ihm auf! Beten wir ihn wieder mit ganzem Herzen an! Lassen wir uns von ihm beschenken, mit Liebe, mit Trost, mit Vergebung und mit Hoffnung

Eins aber, hoff ich, wirst du mir,
mein Heiland nicht versagen,
dass ich dich möge für und für,
in bei und an mir tragen.
So lass mich doch dein Kripplein sein,
komm, komm und lege bei mir ein
dich und all deine Freuden.

Amen.

Lied 44, 1-3 O du fröhliche, o du selige

Verfasser: Martin Schöppel, Dr.-Martin-Luther-Str.18, 95445 Bayreuth, Tel.0921/41168