Gottes Einladung an uns
Zur PDF2. Sonntag nach Trinitatis, 03.07.2011, Matthäus 22, 1-14
Gnade sei mit euch und Friede von Gott, dem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Wir wollen in der Stille um den Segen Gottes für diese Predigt bitten: …
Herr, wir bitten dich, gib uns deinen Heiligen Geist zum Reden und zum Hören.
Im Evangelium des Matthäus, im 22. Kapitel steht ein Gleichnis, das für den heutigen Sonntag als Predigttext bestimmt ist.
Jesus erzählte ihnen noch ein anderes Gleichnis: Wenn Gott seine Königsherrschaft aufrichtet, ist das wie bei dem König, der für seinen Sohn ein großes Hochzeitsfest vorbereitete. Viele wurden zur Hochzeit eingeladen. Als die Vorbereitungen beendet waren, schickte er seine Diener um die Gäste abzuholen. Aber keiner wollte kommen.
Er ließ sie durch andere Diener nochmals bitten: Es ist alles fertig, die Ochsen und Mastkälber sind geschlachtet. Das Fest kann beginnen. Kommt!
Aber die geladenen Gäste interessierte das nicht. Sie ließen sich in ihrer Arbeit nicht stören. Der eine hatte auf dem Feld zu tun, der andere im Geschäft. Einige wurden sogar handgreiflich, misshandelten und töteten die Diener des Königs.
Voller Zorn sandte der König seine Truppen aus, ließ die Mörder umbringen und ihre Stadt in Brand stecken. Dann sagte er zu seinen Dienern: Die Hochzeitsfeier ist vorbereitet, aber die geladenen Gäste waren es nicht wert, an diesem Fest teilzunehmen. Geht jetzt auf die Straßen und ladet alle ein, die ihr trefft. Das taten die Boten und brachten alle mit, die sie fanden: gute und böse Menschen. So füllte sich der Festsaal mit Gästen.
Als der König kam um seine Gäste zu begrüßen, bemerkte er einen Mann, der nicht festlich angezogen war. „Mein Freund, wie bist du hier ohne das Festgewand hereingekommen, das für dich bereit lag?“ fragte er ihn. Darauf konnte der Mann nichts antworten. „Fesselt ihm die Hände und die Füße und werft ihn hinaus in die Finsternis!“ befahl der König streng. „Dort wird er weinen und jammern, ohne dass ihm jemand helfen kann. Denn viele sind eingeladen, aber nur wenige sind bereit zu kommen.“
Dieses Gleichnis hat zwei ganz unterschiedliche Teile. Die erste Hälfte enthält eine faszinierende Vorstellung: Als Gast bei einer Hochzeit des Königs eingeladen sein:
Stellen Sie sich vor, dass Sie vor einigen Monaten einen Brief mit fürstlichem Siegel und Poststempel aus Monaco bekommen hätten, in dem auf edlem Papier geschrieben stehen würde, dass Sie zu dem heutigen/gestrigen Ereignis eingeladen wären und rechtzeitig vorher, von einem Chauffeur des hohen Hauses, im Rolls-Royce zur Hochzeit von Fürst Albert II und Charlene Wittstock abgeholt würden… Was für eine Ehre, was für ein besonderes Vorrecht wäre das gewesen. Sie wüssten gar nicht, wie Sie dazu kämen. Sie müssten sich – so der weitere Text der Einladung – auch nicht um die Garderobe kümmern, denn die festliche Kleidung, die einer königlichen Hochzeit würdig ist, würde jedem Gast vom Maßschneider vorher angemessen und geliefert. – Ziemlich unwahrscheinlich. – Aber so war das damals und so erzählt das der Herr Jesus am Beginn seines Gleichnisses. Es wäre ein Traum! Man würde wohl noch seinen Enkelkindern davon erzählen.
Schöne Vorstellung bis dahin. Aber im Gleichnis geschieht dann Unglaubliches. Als der Festtag naht, schickt der König seine Boten aus, um die Gäste holen zu lassen. Doch die wollen nun gar nicht kommen. Sie schütteln den Kopf und behaupten, dass sie keine Zeit hätten und arbeiten einfach weiter. – An dieser Stelle merkt man, dass es sich um keine wirklich so geschehene Geschichte handelt. Ein Gleichnis ist ja eine Begebenheit, die der Herr Jesus sich ausgedacht hat, um den Zuhörern damit etwas zu erklären. Oft fängt sie ganz harmlos und alltäglich an, wird aber dann manchmal ganz ungewöhnlich überraschend oder wie hier erschreckend. –
Dahinter steckt die Absicht von Jesus, dass die Menschen zuhören, dass sie aufhorchen sollen und die wichtige Botschaft, die er ihnen zu sagen hat, nicht überhören. Das gilt übrigens auch für jeden Gottesdienst und für jede Predigt. Gott will uns immer etwas Wichtiges sagen. Er will uns aufmerksam machen und erreichen. Er hat eine Einladung an uns, die noch größer ist, als die Einladung zur Hochzeit eines Fürsten.
Aber hören wir zunächst noch einmal auf die phantastische Geschichte und ihren ungewöhnlichen zweiten Teil. Es ist schon schlimm genug, dass ein Teil der Eingeladenen nicht mehr interessiert ist und die Boten des Königs wieder fortschickt. Noch übler ist es, dass einige diese Königsboten sogar misshandeln und manche sogar töten.
Die Leute, die Jesus zuhörten, verstanden damals die Anspielung sehr wohl. Sie wussten genau, wen der Herr damit meinte. Das war ein Erinnerung daran, dass Propheten, die ja auch Gottes Boten waren, in der Vergangenheit vom Hohen Rat und der Priesterschaft oft schlecht behandelt worden waren, ja manche von ihnen hatten sie sogar töten lassen.
In seinem Gleichnis macht der Herr Jesus deutlich, dass Gott sich nicht alles einfach so gefallen lässt. Der König schickt seine Truppen, die richten die Mörder und vernichten ihre Wohnorte. Nach Israel, in das Land, das eigentlich dem Volk Gottes gegeben war, waren etwa 100 Jahre zuvor auch Truppen gekommen, die Römer und hatten getötet und geplündert, das Land war erobert, besetzt und verlangten seitdem hohe Steuern. Vielleicht war das – so vermuteten die Hörer dieses Gleichnisses – ja schon Gericht Gottes über ein Volk, das sich nicht einladen lässt. Über ein Volk das dem König nicht gehorcht und seine Boten schlecht behandelt.
Nachdenklich hörten viele dem Gleichnis weiter zu. Weil die zuerst Eingeladenen nicht kommen, werden andere eingeladen. Das große Fest des Königs soll nicht mit leeren Plätzen stattfinden. Die Boten des Königs werden hinaus auf die Straßen geschickt und sollen einfach alle Leute ansprechen, die ihnen über den Weg laufen und sie zur Hochzeit des Königsohns einladen. Niemand musste besondere Verdienste nachweisen, keiner ein super Zeugnis haben. Es heißt hier: Gute und Böse wurden in gleicher Weise eingeladen. Man musste nicht zur High Society gehören. Auch musste niemand sich Gedanken machen, dass er doch für eine Königshochzeit gar nicht die richtige Garderobe hatte. Jeder, der sich einladen ließ bekam ja ein Festgewand vom König geschenkt.
Es ist so weit. Der Festsaal füllt sich. Kein Platz bleibt leer. Fanfaren erklingen. Der König betritt den Saal und schreitet durch die Gäste, die sich von ihren Plätzen erhoben haben. Alle sind mit wunderbaren Gewändern festlich gekleidet. Der Saal strahlt mit vielen Leuchtern, alles ist geschmückt. Gleich wird der Festakt beginnen. – Aber was ist das! Da sticht dem König ein Gast ins Auge. Er fällt richtig auf, weil er kein Festgewand trägt. Er hat sich nicht draußen an der Garderobe neu einkleiden lassen, sondern hat sich so hereingeschmuggelt, wie er war. Er hatte wohl gedacht, dass seine Weste weiß genug wäre. Und er war zu stolz, um sich ein Gewand schenken zu lassen. Er wollte sein altes Kleid nicht ablegen.
Der König geht auf ihn zu, stellt ihn zur Rede, aber der Gast weiß nicht, was er sagen soll. Er merkt zu spät, was das für eine Beleidigung des Königs ist und dass er so wie er ist, ja gar nicht in diesen Festsaal und zu diesem König passt. Vor aller Augen führt man ihn hinaus und sperrt ihn ein. Ja man sperrt ihn damit auch aus von dem wunderbaren Ereignis, zu dem er eigentlich geladen war. Durch Stolz und Eigensinn hat er sich selber ausgeschlossen und alles kaputt gemacht.
Der Herr Jesus will uns mit diesem Gleichnis etwas Wichtiges sagen. Er will, dass wir merken, dass es um uns geht und dass wir unser Verhalten überdenken und gegebenenfalls ändern sollen, um nicht das Größte und Schönste zu verpassen. Manche haben es damals verstanden und sind umgekehrt, haben ihre Fehler erkannt. Andere haben sich aufgeregt und geärgert und angefangen über Jesus zu schimpfen. Seine Feinde haben inzwischen sogar Mordpläne gegen Jesus geschmiedet und beraten, wie sie ihn am schnellsten beseitigen könnten.
Es ist ihnen dann ja auch gelungen, Jesus ans Kreuz zu bringen, wo er starb. Es ist ihnen aber nicht gelungen, zu verhindern, dass seine Worte, seine Gleichnisse, seine Einladungen weiter erzählt und geschrieben wurden. Und daher ist diese Einladung zum großen Hochzeitsfest des Himmels bis heute weitergegeben worden und ist nun auch zu uns gekommen. Nicht auf königlichem Briefpapier, sondern auf den dünnen Seiten der Bibel. Da steht es für jeden selbst nachzulesen, dass Gott, der über allen Fürsten und Präsidenten der Welt steht, Sie und mich einlädt zu seinem himmlischen Fest, das noch schöner und größer sein wird als jede Veranstaltung und jedes Fest, das man auf dieser Erde organisieren kann. Gegen Gottes Fest ist jede Fürstenhochzeit und jedes Open-Air-Konzert, jede Festspielpremiere und jeder Galaempfang eine armselige Sache.
Auch wir sind eingeladen zum großen Fest Gottes, das Gott mit seinen Gästen im Himmel einmal feiern wird. Ein Fest, das niemals enden wird. Eingeladen nicht nur zu diesem Gottesdienst und dann vielleicht gelegentlich mal wieder, wenn’s passt Nein, wir sind eingeladen, an jedem Tag mit Gott im Gebet zu reden, auf sein Wort zu hören, uns von ihm beschenken zu lassen, ihn und seine Botschaft freundlich aufzunehmen.
Das Gleichnis zeigt uns, dass es Gott nicht gleichgültig ist, wie wir mit seiner Einladung umgehen. Es liegt ihm daran, dass wir kommen. Wenn jemand beim ersten Mal nicht gleich kapiert und reagiert, dann wiederholt er auch seine Einladung. Ja hier steht sogar, dass der König seine Gäste bittet. Der König aller Könige bittet: Komm doch! Es ist wirklich alles vorbereitet für dich. Ich habe für euch vorgesorgt. Es steht in meinem Festsaal alles bereit, was ihr braucht, was euch gut tut, was euch erfreut. Kommt doch!
Ist das nicht gewaltig? Gott bittet uns! Der heilige mächtige Gott, der alles geschaffen hat, der uns das Leben geschenkt und bis hierher erhalten hat, bittet uns! Er bittet Sie und mich: Komm doch zu mir! Hör auf mich! Achte auf mein Wort! Du kannst ruhig kommen, auch wenn es dir schlecht geht, auch wenn du Fehler gemacht hast, auch wenn du am Ende deiner Kräfte bist. Ich will dich erquicken. Ich will dich wieder frisch und fröhlich machen. Ich will deiner Seele wieder neue Kraft geben. Ich mache dir Mut. Bei mir bist du geborgen.
Komm und halte dich zu meinen Festgästen. Da gibt es keine Unterschiede. Da sind nicht die einen bessere Gäste und die anderen schlechte Gäste. Sie bekommen alle das gleiche wunderbare Festgewand geschenkt. Man sieht dann gar nicht mehr, wer zuerst eingeladen war und die Einladung gleich angenommen hat und wer lange ablehnend und gleichgültig war oder wer schon lange Gutes getan hat. Wer sich das neue festliche Gewand des Königs schenken lässt, der darf mit feiern.
Aber, wie war das dann mit dem Einen im Gleichnis, der sich ohne Festgewand eingeschlichen hatte? Was meint der Herr damit? Jesus will sagen: Der hatte die falsche Einstellung. Der war sich der besonderen Ehre nicht bewusst, vom König eingeladen zu sein. Der wollte nichts verändern lassen an sich. Er wollte in seinen eigenen Kleidern, in seinen alten Gewohnheiten bleiben. Ich brauche das nicht, was mir der König zu bieten hat. Ich bin doch gut genug so! Ich brauche nicht das weiße Gewand der Vergebung.
Der Herr Jesus spricht mit diesem Gast in seinem Gleichnis eine weit verbreitete Denkweise von Christen an. Er meint solche, die zwar mitmachen, die sich auch mal einladen lassen, die sich aber von Gott gar nichts erwarten. Sie hören nicht wirklich auf seine Gebote und sie wollen sich von Gott gar nicht verändern lassen. Sie wollen bleiben, wie sie sind, auch gegen Gottes Gebote. Sie wollen so weitermachen, wie immer. So lieblos, so gedankenlos, so gottlos. Sie sehen die vielen Flecken nicht, die sie auf ihrer Seele haben, nicht die Schuld, die Bosheit, die Lieblosigkeit und die Gottlosigkeit in der sie tagaus, tagein leben. Aber Gott sieht. Ihm kann keiner was vormachen.
Gott sieht das Herz an. Er kennt unsere Gedanken und Motive. Zunächst bittet er uns eindringlich: Lass dich doch verändern! Lass dir doch das neue hochzeitliche Gewand schenken. – Aber was ist denn das? – Mit diesem Bild ist eine bestimmte Haltung, eine Einstellung gemeint. Wer ehrlich ist, der weiß doch, dass er so wie er ist vor Gott nicht bestehen kann. Mit unserem Leben und unseren Gewohnheiten, Gebundenheiten und Sünden passen wir nicht in den Festsaal Gottes. Aber Gott will uns verändern, dass wir hinein passen. Sein Festgewand erhalten wir durch Buße und Vergebung. Wenn wir erkennen, dass wir vor Gott schuldig sind und ihn um Vergebung bitten. Nicht nur einmal, sondern immer wieder, wie es uns der Herr Jesus im Vaterunser auch lehrt.
In einer Liedstrophe unseres Gesangbuches, die wir nachher noch singen werden, heißt es: „Christi Blut und Gerechtigkeit, das ist mein Schmuck und Ehrenkleid, damit will ich vor Gott bestehn, wenn ich zum Himmel werd eingehn.“
Damit meint der Liederdichter Nikolaus Ludwig von Zinzendorf: Weil Jesus am Kreuz für uns gestorben ist und dort sein Blut für uns vergossen hat, darum ist Gott bereit uns seine Vergebung, seine Gerechtigkeit zu schenken. Wer sich die nicht erbittet und nicht schenken lässt, weil er meint, dass er selbst gerecht genug ist, der wird einmal nicht bei Gottes Fest im Himmel dabei sein.
Es geht bei Gott nicht um einen äußeren Schein. Es geht darum, ganz ehrlich zu werden und sich von ihm verändern und erneuern zu lassen. Gottes Wort tut gut und erneuert. Es macht Mut und tröstet. Aber es warnt und mahnt manchmal auch und ruft zur Buße. Aber immer will es uns helfen. Amen.
Verfasser: Martin Schöppel, Pfarrer, Dr.-Martin-Luther-Str.18, 95445 Bayreuth, Tel. 0921/4116