Gott will uns etwas schenken.
Zur PDFKonfirmation Kreuzkirche, 7. Mai 2017
Predigt über die Jahreslosung 2017, Hesekiel 36, 26
Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, liebe Eltern und Paten, liebe Festgemeinde,
Ein Tag wie heute ist geprägt von Geschenken und von viel Neuem. Neue Kleidung, schick und schon ziemlich erwachsen, neue Schuhe, hoffentlich drücken sie nicht zu sehr. Vielleicht auch eine neue Frisur. – Ich kenn Euch alle ganz anders aus dem vergangenen Jahr Konfirmandenunterricht. – Heute flößt Ihr mir fast ein bisschen Respekt ein.
Daheim liegen vermutlich einige Geschenke. Ich will mal ein paar von Euch fragen: Was hast Du denn zur Konfirmation geschenkt bekommen?
< Einige Konfis erzählen von ihren Geschenken >
Neu ist vielleicht auch die Situation so im Mittelpunkt zu stehen, wie Ihr heute. Da heißt es dann immer: Du bist schließlich heute die Hauptperson. – Manche mögen das und stehen gern im Mittelpunkt, andere mögen das eher nicht. – Ich kann mich erinnern, dass ich den Satz an meiner Konfirmation eigentlich irgendwann nicht mehr hören wollte.
Aber grundsätzlich ist das ja was Schönes, worüber man sich freut, wenn man etwas geschenkt bekommt und wenn man etwas Neues hat. Ein neues Buch, auf das man gespannt ist, ein neues Spiel, das man noch nicht kennt, ein neues Kleidungsstück, das einem gefällt. Von einigen weiß ich dass sie ein neues Gesangbuch bekommen haben für diesen Tag heute. Ihr Konfirmationsgesangbuch. Das ist schon auch etwas Besonderes. Ich hab mein Konfirmationsgesangbuch noch, das ich vor 48 Jahren zu meiner Konfirmation bekommen habe. – Ich hab es oft verwendet, bis vor über 20 Jahren dann ein neues Kirchengesangbuch herauskam. Jetzt stimmen die Liednummern nicht mehr. Ja, auch das ist nicht zu ändern: Alles Neue ist nur kurze Zeit neu. Aber so lange es neu ist hat es eine besondere Ausstrahlung. Das neue Auto, das neue Smartphone, das neue Fahrrad, das neue Zimmer…
Ich habe hier eine neue Bibel, die wir heute das erste Mal im Gottesdienst verwenden. Wir haben sie vor etwa drei Monaten in einem feierlichen Festgottesdienst in der Kirche von Neudrossenfeld von unserer Regionalbischöfin Frau Dr. Dorothea Greiner für unsere Kirche überreicht bekommen haben. Damals wurde der neue Dekanatsbezirk Bayreuth- Bad Berneck gegründet.
Diese Bibel ist neu und zugleich doch auch nicht neu. Sie ist sprachlich neu überarbeitet, weil die letzte Überarbeitung schon mehr als 30 Jahre zurückliegt und weil Sprache sich ja bekanntlich verändert. Manche Worte verwendet man nicht mehr. Manches drückt man heute in der Grammatik anders aus. Inzwischen gab es eine Rechtschreibreform. All das ist in dieser neu durchgesehenen Bibelübersetzung berücksichtigt. Trotzdem ist es die alte Bibel, auch Heilige Schrift genannt, die wertvolle Geschichten und Texte enthält, die zum Teil einige Tausend Jahre alt sind und die heute noch genauso wichtig sind wie früher.
Ich gebe diese Bibel jetzt mal Euch Konfirmanden. Wie fühlt die sich an? – Wenn es doch eine neue Bibel ist, kennt man sich dann darin aus? Wir haben uns ja im Konfirmandenunterricht oft mit der Bibel beschäftigt und einige von Euch haben auch die Reihenfolge der biblischen Bücher auswendig gelernt, weil die ja in allen Bibeln, gleich wie alt, dieselbe ist. Zuerst das Alte Testament, danach das Neue Testament. Das Alte beginnt mit den 5 Mosebüchern, weiter hinten kommen dann die Psalmen und die Prophetenbücher. – Möchte sie jemand nochmal vortragen? –
Wer traut sich denn von euch den Propheten Hesekiel aufzuschlagen? – Und dann das 36. Kapitel. Komm doch mal vor mit der neuen Bibel und lies uns den ersten Satz des 26. Vers vor: Gott spricht:
Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.
Kommt dieser Vers jemandem von Euch bekannt vor? –
Richtig! Es ist die Jahreslosung für das Jahr 2017. – Für jedes Jahr wird ja von einer Kommission ein Satz aus der Bibel ausgewählt, der dann für ein ganzes Jahr besonders im Mittelpunkt stehen soll. Und in diesem Satz aus dem Propheten Hesekiel steht einiges drin, was auch sehr gut zu diesem Tag passt: Da steht etwas vom Schenken und da kommt auch zweimal das Wort „neu“ vor.
Davor steht etwas ganz Besonderes: Gott spricht! Das ist das Besondere an einer Bibel, egal ob neu oder alt: Gott spricht in ihr und aus ihr. Manchmal spricht er ganz direkt, manchmal spricht er auch indirekt durch die Lebensgeschichten von Menschen, durch Gleichnisse, durch Ereignisse.
Wenn man genau hinhört, dann merkt man, dass er ganz aktuell in unser Leben hineinspricht. Er ist ein ganz persönlicher Gott, der jeden und jede bis in die Tiefe der Seele kennt. Im Ersten Gebot schon heißt es: „Ich bin der Herr, dein Gott. Gott sagt „Ich“ und er sagt „Du“.
Ich weiß, dass das manche nicht hören wollen und auch nicht glauben wollen, aber das ändert nichts an den Tatsachen. Gott kennt auch die ganz genau, die nichts von ihm wissen wollen.
Gott sagt – und er sagt es auch hier in dieser Jahreslosung: „Ich“ – Ich schenke euch…
Gott will uns etwas schenken. Etwas, was wertvoll und wichtig ist: Ich schenke euch ein neues Herz! – Das ist nicht medizinisch gemeint. Für manche ist da ja ein neues Herz die letzte Hoffnung. Wenn ihr altes Herz nicht mehr richtig schlägt, wenn es nur noch 20 oder 30 % Leistung bringt, dann warten sie auf ein Spenderherz. Das ist dann auch nicht neu, sondern gebraucht. Und man weiß vorher nie, ob der eigene Körper so ein neues Herz annimmt. Wenn Gott hier von einem neuen Herz spricht, dann meint er unser inneres Wesen, unser Denken und Wollen. Man spricht auch heute noch, wo man doch die medizinischen Fakten kennt, davon, dass jemand ein gutes Herz hat oder ein böses Herz.
Und um das noch klarer zu machen, fügt Gott noch ein Geschenk hinzu: Er sagt: Ich lege einen neuen Geist in euch. Eine neue Gesinnung. Einen Sinn, der das Gute will, der ehrlich ist, der treu ist. Treu gegenüber Menschen und Gott. Das sind Geschenke, die nicht ihren Wert verlieren, die nicht alt werden. Geschenke, die unser Leben prägen, die uns mit Freude erfüllen und zufrieden machen.
Wie kriegt man denn nun diese Geschenke Gottes? – Ein Geschenk hat man nur dann bekommen, wenn man es annimmt. Wenn einem jemand ein Geschenk hinhält und man nimmt es nicht, dann hat man es auch nicht. Der Schenkende wollte es dir geben, aber du hast es nicht angenommen. Dann bleibt das Geschenk liegen.
Ein Taxifahrer hat einmal erzählt, dass er daheim einige nagelneue Bibeln hat. Er beförderte öfter Brautpaare vom Standesamt zur Kirche und von der Kirche in Lokale, wo dann die Hochzeit groß und aufwändig gefeiert wurde. „Viele“, so erzählte er, „vergessen“ dann die Traubibel, die sie in der Kirche bekommen haben in seinem Taxi oder lassen sie absichtlich liegen, weil sie ihnen nichts bedeutet. – Geschenk nicht angenommen, nicht wertgeschätzt, verachtet.
Geschenke muss man annehmen, auspacken und verwenden. Erst wenn man sie in Gebrauch nimmt, entdeckt man ihren Wert und erfährt auch die Wertschätzung der eigenen Person dabei. Meine Oma hat mir eine Geschichte aus ihrer Familie erzählt, die mich immer sehr bewegt hat: Ihre Eltern hatten eine Hausangestellte, die sehr tüchtig war und die sie sehr schätzten. Eines Tages musste die ihre Stelle kündigen, weil sie daheim in ihrem Dorf auf dem Bauernhof der Eltern gebraucht wurde. Der Abschied fiel ihr sehr schwer. Auch ihrer Herrschaft. An ihrem letzten Tag gab ihr die Frau des Hauses ein Päckchen als Abschiedsgeschenk und dankte ihr für treue Dienste über viele Jahre. Als sie allein in ihrem Zimmer war, packte sie es gespannt aus, um zu sehen, was es wäre.
Zum Vorschein kamen ein paar feine Handschuhe, wie sie vornehme Damen damals trugen. Die junge Frau war maßlos enttäuscht. Soll das der Dank sein für alles, was ich in den Jahren für die Familie getan habe? Ihr kamen die Tränen und in ihrer großen Enttäuschung öffnete sie die Ofentür und warf das Päckchen mitsamt dem Papier ins Feuer.
Kurz darauf fragte sie die Hausherrin nach dem Geschenk und lächelte dabei. „Du hast es wohl noch nicht gefunden?“ Fragte sie. „Was denn?“ Na, sieh nur nochmal genau nach. In jedem Handschuh steckt doch noch was drin.“
Die Arbeitgeber hatten fein zusammengerollt in die Handschuhe einen stattlichen Geldbetrag in großen Scheinen gesteckt. Geld das das Mädchen aus bescheidenen Verhältnissen sehr gut für die Zukunft hätte brauchen können. Es wäre für sie ein kleines Vermögen gewesen. Aber sie hat es nicht entdeckt. Die Verpackung hat sie gesehen und verachtet.
Viele Menschen machen es so mit den Geschenken, die Gott ihnen anvertraut. Sie schauen gar nicht genau hin. Sie erkennen den Wert überhaupt nicht. Sie verachten die Geschenke Gottes und werfen den Schatz und den Reichtum weg, den Gott ihnen anvertrauen wollte, als Hilfe für ihren Lebensweg.
Die Bibel bleibt in der Schublade, der Konfirmationsspruch ist vergessen, die Einladung zum Gottesdienst und zum Abendmahl wird nicht mehr angenommen. An manchem Konfirmationsgesangbuch kleben die Seiten noch nach Jahrzehnten zusammen, weil sie nie aufgeschlagen wurden. – Macht es nicht so! Lasst Euch das neue Herz schenken, den neuen Geist geben, den Gott für Euch bereit hat.
Das Wörtchen „neu“ kommt unheimlich oft vor in der Bibel. Jesus sagt zu dem Pharisäer Nikodemus: „Es sei denn dass jemand von neuem geboren wird, kann er das Reich Gottes nicht sehen. Gott will uns durch Jesus dieses neue Leben schenken, das ihn mit neuen Augen sieht, das seine Worte nicht vergisst. Das geschieht durch ehrliches Erkennen unserer Schuld und durch die Bitte um Vergebung. Jesus nimmt die alte Last weg und schenkt neue Freude und Freiheit. Ihr habt das gemerkt auf unserer Konfirmandenfreizeit in Heiligenstadt bei unserem Vergebungsabend, wie gut das tut.
Das kann man immer wieder erleben, wenn man die Verbindung hält zu Jesus, wenn man sich von Gott beschenken lässt. Nicht nur einmal an der Konfirmation, sondern an jedem neuen Tag. Gott spricht: Ich schaffe Neues, jetzt wächst es auf! Erkennt ihr es denn nicht? Man erkennt es nur, wenn man genau hinsieht. Manche laufen an einer Wiese vorbei und sehen nicht die wunderbare seltene Blume, die da blüht.
Man kann auch seinen Konfirmationsspruch schnell vergessen und erkennt gar nicht, was darin für eine große Zusage Gottes enthalten ist. Wenn ich manchmal bei Traugesprächen nach dem Konfirmationsspruch von Braut und Bräutigam frage, wissen ihn viele nicht. Vergessen. Nie darüber nachgedacht. Andere kennen ihn auch nach vielen Jahrzehnten noch und sagen: Der war mir immer ganz wichtig und der hilft mir auch heute immer wieder. Das kann aber nur, wer ihn als Geschenk Gottes angenommen hat.
Am Ende der Bibel, in der Offenbarung des Johannes Kapitel 21,5 steht der Satz, den der auferstandene Jesus in seinem Reich sagt: „Siehe, ich mache alles neu!“ In dieser Welt wird alles alt und verliert seinen Glanz. Geschenke, Häuser, Fahrzeuge, Computer… und auch Menschen. Aber die, die bei Jesus bleiben und sich das neue Herz und den neuen Geist schenken lassen, die werden einmal mit dabei sein auf der neuen Erde und in dem neuen Himmel, den Gott schaffen wird. Er hat es versprochen und er hält Wort. Da hat er für jede und jeden einen Platz vorbereitet, der sich von ihm führen und beschenken lässt und der die Verbindung zu ihm weiter pflegt. Vergessen wir es nicht: Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.
Amen.
Verfasser: Pfarrer Martin Schöppel, Dr.-Martin-Luther-Str.18, 95445 Bayreuth Tel.O921/4l168