Glaubensprüfung

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Invokavit 17 02 2013 Lukas 22 31 bis 34

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Wir beten in der Stille um den Segen für diese Predigt. … Herr, wir bitten dich, erhöre uns. Amen.

Bald 500 Jahre ist es jetzt alt, das Lied Martin Luthers aus der Reformationszeit: Ein feste Burg ist unser Gott… Man spürt ihm die Kämpfe der damaligen Zeit ab, die Bedrohungen und die Versuchungen. Von einer Welt voller Teufel, die einen zu verschlingen drohen, ist da die Rede und von dem altbösen Feind, der mit großer Macht und viel List grausame Anschläge durchführt.

Trotz dieser klaren Worte, die das Böse, – die den Bösen beim Namen nennen, geht von diesem Lied aber kein Schrecken aus, sondern, wenn man es im Ganzen singt und hört, viel Trost, Geborgenheit und Zuversicht. Wir müssen uns nicht so sehr fürchten, obwohl wir mit unserer Macht oft gar nichts ausrichten können, gegen das Böse und gegen den Bösen.

Warum, weil einer da ist, der sich für uns einsetzt. Es streitet für uns der Richtige, der den Bösen schon besiegt hat und der stärker ist als der Fürst dieser Welt und alle seine bösen Geister. Wer? Er heißt Jesus Christ. Er ist der Herr Zebaoth, der Herr der guten Himmelsmächte. Das Feld gehört ihm. Er wird die Macht behalten.

Wir leben in einer Welt, in der die Hölle los ist und in der der Diabolos, der Durcheinanderbringer, die Geister verwirrt und überall Streit auslöst und Zerstörung anrichtet. Ob mit Meteoriten aus dem All, durch Amokschützen oder Selbstmordattentäter, durch gewissenlose Ausbeuter und Betrüger, Vergewaltiger und Kinderschänder. Die Hölle ist los in der virtuellen und in der realen Welt. Blind, wer das nicht sieht.

„So fürchten wir uns nicht so sehr…“ Denn mitten in dieser bedrohlichen Welt erleben wir auch die andere, die segnende Macht Gottes, wie eine feste Burg, ein sicheres Abwehrbollwerk. Unter dem Schutz des Christus, kann uns nichts geschehen. Der Dichter dieses Liedes weiß, wovon er spricht. Um ihn herum gab es auch mordende Aufständische, rachsüchtige, metzelnde Fürstenheere, Man hatte Martin Luther alle kirchlichen und bürgerlichen Rechte abgesprochen. Jedermann hätte ihn straflos töten können. Aber er hat in diesem rechtlosen, unsicheren Zustand 25 Jahre in Frieden und Geborgenheit gelebt, bis er am 18. Februar 1546 – Morgen jährt sich sein Todestag – eines natürlichen Todes starb.

Mitten in dieser Welt ist immer noch beides da, das Böse und das Gute. Der böse Feind und der gute Freund. Und der gute Freund, Jesus Christus, warnt uns vor den Angriffen des Bösen Feindes und er steht denen bei, die sich zu ihm halten. Er betet für uns und setzt sogar sein Leben für uns ein.

Das zeigen auch die Worte unseres heutigen Predigttextes aus Lukas 22, 31-34. Jesus spricht Petrus an:

Simon, Simon, siehe der Satan hat begehrt euch zu sieben wie den Weizen. Ich aber habe für dich gebeten, dass dein Glaube nicht aufhöre. Und wenn du dereinst dich bekehrst, so stärke deine Brüder.
Petrus aber antwortete ihm: Herr, ich bin bereit, mit dir ins Gefängnis und in den Tod zu gehen.
Jesus aber sprach: Petrus, ich sage dir, der Hahn wird heute nicht krähen, ehe du geleugnet hast, dass du mich kennst.

Jesus warnt den selbstsicheren Petrus: Pass auf, sagt er zu ihm, pass auf, du wirst geprüft! Ob dein Glaube echt ist. Simon, Simon, siehe der Satan hat begehrt euch zu sieben wie den Weizen. Der Satz braucht vielleicht eine kurze Erklärung. Was ist gemeint mit „Weizen sieben“?

Weizen sieben war damals ein ganz alltäglicher Vorgang in der Landwirtschaft, den jeder kannte: Nach dem Dreschen auf der Tenne wurde das Stroh mit dem Rechen zur Seite geräumt. Dann nahm man Schaufeln und warf Körner und Spreu im Wind hoch, damit sich die leichte Spreu von den schweren Körnern trennte. Der letzte Arbeitsgang war dann das Sieben, bei dem Steinchen und Unkrautsamen und alles was nicht echt war noch ausgesiebt wurde. Dazu wurde der verbliebene Rest in großen Sieben geschüttelt. Unkrautsamen und falsche Körner fielen durch das Sieb und wurden später verbrannt. Nach dem Sieben blieb der echte Weizen, das mehlgefüllte Korn übrig und wurde bis zum Verzehr in Krüge oder Säcke gefüllt.

Sieben ist also ein Prüfen auf Echtheit. Der Satan prüft den Glauben auf seine Echtheit. Er versucht uns in Situationen zu bringen, in denen wir nicht zu Jesus, nicht zum Glauben, nicht zu Gott stehen. Er will, dass wir unseren Glauben verstecken und uns nicht als Jesus-Leute zu erkennen geben, sondern unsere Zugehörigkeit aus Angst verleugnen oder verschweigen. Kein Tischgebet in der Kantine oder Mensa. Kein Widerspruch gegen gotteslästerliches Geschwätz. Am Sonntagmorgen lieber im Bett geblieben. Die Bibel nicht offen gezeigt, lieber im Spind versteckt. Mitgelacht und mitgemacht, wenn es gegen Gottes Gebote ging. Oder einfach nur schweigen.

Der Satan verwendet verschiedene Siebe, so wie damals auch die Bauern jeweils unterschiedliche Siebe benutzt haben. Der Satan verwendet das Krankheitssieb, das Erfolgssieb, das Achtungssieb, das Stärkesieb:

Im Krankheitssieb landet wahrscheinlich jeder irgendwann mal. Es hat einen erwischt. Schmerzen plagen und zermürben einen. Die Therapie bringt nicht den gewünschten Erfolg. Eine Operation keine Besserung. Die Tabletten wirken nicht und Gebete scheinen auch nicht zu helfen. Da ist unser Glaube auf dem Prüfstand. Ist er echt? Oder hält er nur, solange wir gesund und stark sind? Und wenn es nicht besser wird, dann gebe ich ihn auf. Er nützt ja doch nichts!

Das Erfolgssieb oder auch das Misserfolgssieb genannt. Prüfung nicht bestanden, Job nicht gekriegt, Frau nicht bekommen. Mann davongelaufen, Firma Pleite gegangen, Privatinsolvenz anmelden müssen… Da schüttelt der Satan die Glaubensüberzeugungen kräftig durcheinander: Was hast Du jetzt von Deinem Glauben? Warum betest Du überhaupt noch? Es hilft Dir ja doch keiner. Hiobs Frau sagt zu ihrem schmerz- und leidgeprüften Mann: Sag Gott ab und stirb!

Vielleicht geht’s auch anders. Es gelingt einfach alles. Super Noten, Spitzenexamen, toller Job, gute Bezahlung, steile Karriere, glückliche Beziehung, Traumhaus, man kann sich alles leisten. Aber auf der Hüpfburg des Erfolgs ist der Glaube aus dem Herzen gefallen, vor lauter Spaß. – Ausgesiebt, zu leicht befunden, weggeblasen. Auch das ist ein Sieb Satans.

Satan hat viele Tricks und Werkzeuge: Das Achtungssieb. Man will anerkannt werden, geliebt, gelobt, geehrt und tut alles dafür, everybodys darling (jedermanns Liebling) zu sein. Man versteckt sogar seinen Glauben dafür, macht überall mit, kann nicht nein sagen. Imagepflege ist wichtiger als Glaubensgehorsam. Toller Typ! Aber durchs Sieb gefallen, weil nicht echt.

Das Stärkesieb. – Das ist es beim Petrus gewesen, durch dessen Maschen er gerutscht ist. Er war ganz der Alte Angeber, darum spricht Jesus ihn mit seinem alten Namen an, Simon. Er denkt: Ich bin doch stark! Ich weiß doch, was ich kann, wo die Grenzen sind, was ich verkrafte. Jesus, verlass dich drauf, mein Glaube ist stark! Ich halte zu dir! Ich werde dich nicht verraten! Die anderen vielleicht, aber mir kann doch so was nicht passieren. Und dann geht es so schnell. Er kommt gar nicht zum Nachdenken. Die ganze Stärke bricht durch den kalten Hauch der Angst zusammen, wie ein Kartenhaus.

Der Satan begehrt immer Glauben zu zerstören. Er lässt nichts unversucht um unser Gottvertrauen zu zerstören. Er stellt Wünsche, Klagen, Vorwürfe zwischen uns und Gott. Er lässt sie zu unüberwindlichen Mauern wachsen. „Groß Macht und viel List, sein grausam Rüstung ist. Auf Erd ist nicht seinsgleichen!“ Nix Mittelalter, Neuzeit, Postmoderne!

Soweit, so erschreckend die Bilanz und so hoffnungslos die Situation. Wenn da nicht dieses ABER des Heilands wäre. Jesus hat Petrus gewarnt. Aber Petrus hat sich nicht warnen lassen. Er ist durchs Sieb gefallen. Sein Glaube, seine Stärke, hat sich nicht als echt erwiesen. War’s das für Jesus? Nein!

Die Heilandsliebe bleibt treu. Ich habe für dich gebetet, dass dein Glaube nicht aufhöre.

Der Herr weiß es vorher, dass Petrus versagt, dass er sich nicht zu Jesus bekennt. Und vorher schon macht er ihm klar, dass er ihn deswegen nicht fallen lässt. Ich habe für dich gebetet, dass dein Glaube nicht aufhöre. Das ist ein wunderbarer, ein tröstlicher Satz, ja vielleicht einer der schönsten Sätze des Neuen Testaments. Ein Satz, der dem, über sein Versagen bitterlich weinenden Petrus, in den Ohren klang und der in seinem Herzen jubelte: Der Herr lässt mich trotzdem nicht los! Trotz meiner Angeberei und trotz meines Versagens, trotz meines Hochmuts und trotz meiner Feigheit. Er hält mich fest und er hilft mir auf.

Es ist ganz gewiss, dass der Herr auch für Ihren und für meinen Glauben gebetet hat und es noch tut. Sonst wäre keine und keiner von uns heute mehr hier. Die einen hätten sich durch ihre Erfolge, die anderen durch ihre Misserfolge abhalten lassen. Andere von ihrer frommen Einbildung, doch ohnehin schon alles zu wissen oder von der gottlosen Einbildung, das alles gar nicht zu brauchen. Und viele von der Schuld die sie niederdrückt, wegen der Satan uns immer wieder einflüstern will: Es hat ja doch keinen Sinn, Gott kann dich gar nicht mehr lieben, so wie du warst, so wie du bist.

Glaubt ihm nicht! Sondern glaubt dem, der für uns betet, damit unser Glaube nicht aufhört. Wir werden wohl erst einmal in der Ewigkeit sehen, was seine Fürbitte und seine Fürsorge für uns bewegt und bewirkt hat.

Aber zu dieser Erkenntnis muss man zuerst einmal kommen. Das war auch beim Petrus so. Zuerst einmal hat er dem Herrn nicht abgenommen, was er gesagt hat. Er hat seine Warnung nicht beachtet, ihm widersprochen, sich aufgelehnt. Ach was, Satan! Ich bin stark! Er wollte Jesus retten: Herr, ich bin bereit, mit dir ins Gefängnis und in den Tod zu gehen. Aber dann musste er sich doch von ihm retten lassen.

Da war noch etwas in den Sätzen Jesu: Wenn du dich dann einmal bekehrst, stärke deine Brüder. Sicher hat das den Petrus zunächst empört: Was soll der Blödsinn? Wieso soll ich mich bekehren? Wovon soll ich mich bekehren? Ich bin doch bekehrt, vielleicht bekehrter als alle anderen. – Solange wir in solcher Haltung sind und uns nichts sagen lassen, kommt keiner an uns heran. Nicht einmal Jesus. Eingebildet fromm ist die schlimmste Form der Frömmigkeit. Die fromme Tour ist die übelste Tour des Teufels.

Das hat auch Martin Luther in seiner Zeit im Kloster erkannt. Darum ist ihm die Umkehr, die Buße so wichtig geworden, dass sie für ihn zur täglichen Glaubenspraxis gehört. Vor Gott klein werden, sich von ihm ausrichten lassen. Falsche Einstellungen korrigieren lassen. Darum ist die erste seiner 95 Thesen: Da unser Herr und Meister Jesus Christus spricht: Tut Buße, will er, dass das ganze Leben der Gläubigen auf Erden eine stete Buße sei.

Luther meint damit, dass wir uns durch das Wort Gottes prüfen lassen und wo nötig, umkehren und Vergebung erbitten und im Glauben annehmen. Nur Menschen, die diese Haltung haben, können andere im Glauben stärken.

Es hat mal jemand gesagt: Die Fehler und Schwächen der Heiligen trösten uns mehr als ihre guten Taten. So ist das auch hier mit dem Petrus. Er ist kein Übermensch, kein Glaubensheld. Es ist doch für uns tröstlich, wenn andere auch Fehler machen. Wenn sich ein Deutschlehrer verschreibt. Wenn sich ein Mathelehrer verrechnet. Wenn die Polizei falsch parkt. Wenn einem Koch was anbrennt. Wenn sich ein Nachrichtensprecher verhaspelt oder wenn ein Pfarrer seine Fehler zugibt. – Wie haben sich unsere Kinder immer gefreut, wenn wir als Eltern mal was verschüttet haben oder wenn uns was runtergefallen und kaputt gegangen ist.

Und wie tröstlich ist es, wenn uns ein Missgeschick passiert, wenn jemand zu uns sagt: Ach das kenn ich, das ist mir auch schon passiert. Am schlimmsten und unbarmherzigsten sind die Menschen, die so tun, als ob sie keine Fehler machen würden. Die andere dann herablassend und verächtlich anschauen, wie einem nur so was passieren kann…

Darum sollte Petrus später, als er sich bekehrt hatte von einer falschen, stolzen Frömmigkeit, hingehen zu seinen Brüdern und Schwestern im Glauben und ihnen seine unrühmliche Geschichte erzählen. Woher sollten wir sonst von seiner Verleugnung wissen und von seinen Tränen der Scham über seine Schuld, wenn er es nicht selbst erzählt hätte. Er hätte es verschweigen können. Aber dass er es nicht getan hat, hilft und tröstet uns heute noch. Und es zeigt uns die große Liebe, Treue und Fürsorge des Heilands. Amen.

Mein treuer Gott, auf deiner Seite
bleibt dieser Bund wohl feste stehn.
Wenn aber ich ihn überschreite
so lass mich nicht verloren gehn.
Nimm mich, dein Kind, in Gnaden an,
wenn ich hab einen Fall getan.

Verfasser: Martin Schöppel, Dr.-Martin-Luther-Str. 18, 95445 Bayreuth, Tel. 0921/41168