Geld oder Jesus – was ist dir wichtiger?

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Konfirmation Kreuzkirche 20.03.2011, Markus 14, 3-11

Das Bibelwort für die heutige Predigt steht im 14. Kapitel des Markusevangeliums.

Als Jesus in Betanien war, im Hause Simons, des Aussätzigen und saß zu Tisch, da kam eine Frau, die hatte ein Glas mit unverfälschtem kostbarem Nardenöl. Sie zerbrach das Glas und goss das Öl über sein Haupt.
Darüber regten sich einige Gäste auf: Was soll die Verschwendung des kostbaren Salböls?
Man hätte dieses Salböl für mehr als dreihundert Silbergroschen verkaufen können und das Geld den Armen geben können. So machten sie der Frau Vorwürfe.
Jesus aber sprach: Lasst sie in Frieden! Was betrübt ihr sie? Sie hat ein gutes Werk an mir getan.
Denn ihr habt allezeit Arme bei euch und wenn ihr wollt, könnt ihr ihnen Gutes tun; mich aber habt ihr nicht allezeit.
Diese Frau hat getan, was sie konnte. Sie hat meinen Leib zum Begräbnis vorbereitet.
Wahrlich, ich sage euch: Wo das Evangelium gepredigt wird in aller Welt, da wird man auch von dieser Frau sprechen und von dem, was sie getan hat.


Und Judas Iskariot, einer von den zwölf Jüngern, ging hin zu den Hohenpriestern, um Jesus an sie zu verraten. Als die das hörten, wurden sie froh und versprachen ihm Geld zu geben. Und Judas suchte danach, wie er Jesus bei guter Gelegenheit verraten könnte.

Diese beiden Geschichten stehen direkt nacheinander in der Bibel. Zweimal geht es um einen Menschen, um Jesus und um Geld. Da ist zuerst die Frau, die für Jesus ein Vermögen verschwendet. Sie hat ihr ganzes Erspartes aus dem Versteck geholt, insgesamt 300 Silbergroschen oder Denare. Das war ungefähr so viel, wie ein Arbeiter in einem Jahr verdient. Heute würde man vielleicht sagen etwa 30.000 €. Dann war sie mit ihrem Säckchen mit den 300 Silberdenaren in die beste Parfümerie gegangen, die sie kannte und hatte den Chef gefragt: Welches ist Dein bestes und teuerstes Parfümöl? Der Händler hatte ein wenig gelacht und die Frau von oben bis unten gemustert und sie gefragt: „Bist Du sicher, dass Du Dir das leisten kannst? Da kostet das kleinste Fläschchen, nicht viel größer als ein Fingerhut schon so viel wie ein Arbeiter in einem ganzen Monat verdient.“

Die Frau ließ sich das Fläschchen zeigen, roch daran und meinte: Ja, das ist Nardenöl. (Wildwachsende Narden findet man im Himalaja zwischen 3.000 und 5.000 m. Dort werden die Wurzeln von den Einheimischen gesammelt und das essentielle Öl – wie vor 2000 Jahren – auf traditionelle Art gewonnen. „Der Hauptinhaltsstoff der Narde sind stark sesquiterpenhaltige Öle, die sehr hautfreundlich und entspannend sind) Das ist wirklich gut, aber es ist zu klein.“ Zu klein!?“ Rief der Händler. „Ja, hast Du da auch größere?“ „Noch nie hat davon jemand eine größere verlangt.“ Meinte der. „Ich hab noch ein Glas davon, das ich vom Hersteller bekomme. Daraus fülle ich immer die kleinen Fläschchen ab, aber das ist noch gar nicht geöffnet. Da wird der Hals der Flasche heiß gemacht und verschmolzen, damit nichts von dem kostbaren Duft entweichen kann.“

„Das ist gut“, sagte die Frau. Die will ich haben. Was soll sie denn kosten?“ „Pah, da muss ich mindestens 300 Silbergroschen dafür verlangen, die wirst Du ja wohl kaum haben und wenn Du sie hast, nicht dafür ausgeben wollen.“ Die Frau nahm die Flasche mit dem Nardenöl und dem langen verschmolzenen Hals vorsichtig in die Hand. Das Parfümöl leuchtete grünlichbraun im Sonnenlicht. Sie nickte und lächelte. „Ja, sagte sie, das ist ER mir wert.“ Sie reichte dem Händler ihr Säckchen mit den 300 Denaren, der schüttete sie auf den Tisch und zählte hastig, die Frau aber ging glücklich weg.

Sie machte sich gleich auf den Weg zu dem Haus, in das sie vorhin Jesus mit seinen Jüngern und vielen wichtigen Leuten hatte gehen sehen. Schon von draußen hörte sie die Stimme des Meisters, der davon sprach, dass die Menschen nach dem Reich Gottes trachten sollten und nicht so sehr nach Geld oder Besitz. Und dass die Schätze im Himmelreich viel wichtiger sind als die Schätze auf der Erde, die von Rost oder Motten zerfressen oder von Dieben gestohlen werden.

Ganz leise war sie eingetreten. Es standen viele Leute herum, andere saßen am Boden auf Polstern. Man hatte sie gar nicht bemerkt, weil man sie wohl für eine Magd hielt, die ein Getränk brachte. In einem günstigen Moment trat sie von hinten an Jesus heran, brach im selben Augenblick den langen Hals des Fläschchens an der Stelle ab, an der er am dünnsten war und goss den ganzen Inhalt über Kopf Haare und Schultern von Jesus aus. Sofort wurde es ganz still und der wunderbare Duft des edlen Parfümöls breitete sich im ganzen Haus aus.

Jesus sah auf, Öl tropfte von seinen Haaren und er blickte in das Gesicht der Frau, die verschämt lächelte und dabei errötete. Da ging ein Gemurmel los. Einige der Pharisäer schüttelten ihre Köpfe und waren entsetzt. „So ein Wahnsinn! Das teuere Öl! Das hat ja ein Vermögen gekostet! Sie hat das einfach so über diesen Jesus ausgegossen. Das ist doch Verschwendung! Für wie viele Arme Leute hätte man da Brot kaufen können! Jesus, das kannst Du doch nicht einfach so hinnehmen! Sag was! Schimpf mit ihr! Weise sie zurecht! Die letzten Tropfen aus der Flasche fallen auf die Füße von Jesus.

Er sieht in die Runde, schaut sich die empörten Gesichter an und blickt dann auf zu der Frau, die immer noch mit inzwischen hochrotem Kopf dasteht: „Lasst sie doch. Sie hat es aus Liebe getan. Arme habt ihr immer bei euch, aber mich bald nicht mehr. Sie hat mich schon im Voraus zu meinem Begräbnis gesalbt. Und wo immer in Zukunft das Evangelium von mir gepredigt wird, da wird man auch davon erzählen, was sie getan hat.“ Und Jesus sah die Frau freundlich an, nickte ihr zu, drückte ihre Hand. „Geh hin in Frieden!“

Die Frau drehte sich um, verließ das Haus und ging mit fröhlichem Herzen davon. Die Sache war noch lange Gesprächsthema im Ort und unter Pharisäern und Schriftgelehrten und auch unter den Jüngern, die das miterlebt hatten. Auch sie waren entsetzt und wussten nicht, was Jesus gemeint hatte mit dem “sie hat mich im Voraus gesalbt zu meinem Begräbnis“.

Einer allerdings von den Jüngern war nicht dabei gewesen und das war gut so. Denn er war der, der das Geld verwaltete, sie hatten zwar nicht viel, oft wussten sie nicht wovon sie ihre nächsten Lebensmittel kaufen sollten, aber manchmal bekamen sie von Leuten, die Jesus gern hörten ein paar Münzen.

Judas Iskariot hatte an diesem Nachmittag was Wichtigeres vor. Es sollte keiner von den anderen wissen. Er war vorhin am Ende des Zuges in die Gasse abgebogen, in der es zum Versammlungsraum der Priester ging. Er hatte nämlich einen Plan. Erst vor ein paar Tagen hörte er zwei der Priester, wie sie miteinander sprachen: „Man müsste wissen, wo man Jesus mal ohne viele Menschen antrifft. Allein oder nur mit seinen Jüngern, aber der übernachtet ja jeden Tag woanders.

Judas hatte sein Tuch weit in die Stirn gezogen.“ Ich könnte euch schon sagen, wo ihr den Meister mal mehr oder weniger allein antrefft. Aber das müsste euch schon was wert sein.“ Die hohen Herren sahen sich an. „Es soll dein Schaden nicht sein. Dreißig Denare wäre uns die Sache schon wert.“ Judas beugte sich herunter und flüsterte: „Heute Nacht, zum Beispiel, wird er vor der Stadt, am Fuß des Ölbergs, im Garten Gethsemane schlafen. Zuerst feiern wir in der Stadt miteinander das Passahmahl, aber dann zum Schlafen werden wir rausgehen unter die alten Ölbäume.“ Einer der Hohenpriester stand auf, ging zu der eisenbeschlagenen Truhe und zählte 30 Denare ab, die im Beutel des Judas verschwanden.

Zufrieden lächelnd verließ Judas das Haus. „Ihr könnt es ja versuchen, ihn zu verhaften“, murmelte er, „aber Gott wird nicht zulassen, dass ihm ein Leid geschieht. Er wird Millionen von Engeln schicken, die ihn bewahren, da bin ich sicher“.

Es geht um Menschen, um Jesus und um Geld. – Der Frau ist Jesus das Wichtigste und Wertvollste. Dem Judas geht es ums Geld. Für Geld tut er alles. Er lügt und verrät Jesus. – Vielleicht denken jetzt manche unter uns: Ganz nett, die alten Geschichten, aber was hat das mit uns zu tun? Wir feiern Konfirmation und leben 2000 Jahre später. Nun, ich will gern sagen, was das mit uns und mit der Konfirmation zu tun hat. Es geht ja auch heute hier um nichts anderes als um das, was die beiden Geschichten ansprechen. Es geht um Jesus, um einen Menschen und um Geld bei der Konfirmation.

Ich bin mir sicher, da gibt’s manche, die haben Jesus im Lauf der Konfirmandenzeit immer mehr lieb gewonnen und die haben kapiert, dass Jesus viel wichtiger ist als Geld, denn er kann Sünden vergeben, er kann schützen, trösten, Mut machen. Er kann unser Leben lenken und einen guten Weg führen, kann vor Bösem bewahren. Jesus kann den Glauben, den er bei uns angefangen hat, wachsen lassen und stark machen. Und er kann, – das ist das allergrößte, – wenn unser Leben mal zu Ende gelebt ist und wir, wie alle Menschen, einmal sterben müssen, uns neues Leben schenken. Leben, das nie aufhört und das unbeschreiblich schön ist. Das ist das Größte. Dagegen ist alles Geld der Welt wertlos. Oder kann man sich vielleicht für Millionen Lebensjahre, Ewiges Leben kaufen?

Es könnten einige unter uns sein, vielleicht nicht nur Konfirmanden, die heute konfirmiert werden, sondern möglicherweise auch solche, die schon vor Jahren konfirmiert wurden, die das damals nur für Geld getan haben oder es heute nur des Geldes wegen tun wollen. Es ist ja nicht schwer, zur Konfirmationsfrage sein „Ja“ zu sagen und in seinem Herzen zu denken: „Egal, was ich sage, Hauptsache die Kohle stimmt. Sieht doch keiner“. O, doch! Einer sieht in die Tiefen des Herzens. Er sieht, was uns das Wichtigste ist, ob nur Geld zählt oder ob Gott und Jesus, die Bibel und das Ewige Leben uns noch wichtiger sind.

Ich möchte Euch Konfirmandinnen und Konfirmanden bitten beim folgenden Lied ganz aufmerksam zuzuhören, nicht nur weil es Euch Euere Eltern und Paten und vielleicht auch Geschwister oder Freunde singen, sondern auch weil es in dem Lied, um das geht, was wichtiger ist im Leben, als alles andere:

Chor der Eltern und Paten:

T4 Trachtet zuerst nach Gottes Welt

Ref.: Trachtet zuerst nach Gottes Welt,
rechnet mit dem, was wirklich zählt!
Haltet euch fest, an dem, der euch hält.
Trachtet zuerst nach Gottes Welt.

1. Lasst euch nicht treiben vom täglichen Trott,
lebt ganz bewusst euren Alltag mit Gott.
Bleibt auf dem Weg an das lohnende Ziel,
bleibt nah bei dem, der euch nahe sein will!
Bleibt auf dem Weg an das lohnende Ziel,
bleibt nah bei dem, der euch nahe sein will!

2. Lasst euch nicht blenden vom Glanz dieser Welt.
Fragt nicht nach dem, was der menge gefällt!
Wer Jesus folgt, der ist unendlich reich.
Am Ziel der Zeit wartet Großes auf euch!
Wer Jesus folgt, der ist unendlich reich.
Am Ziel der Zeit wartet Großes auf euch!

3. Lasst euch nicht ziehen vom Zug dieser Zeit!
Sucht nach dem Ziel, seid zur Umkehr bereit.
Kommt neu zu Jesus, der euch gern vergibt!
Lebt treu mit ihm, der euch grenzenlos liebt!
Kommt neu zu Jesus, der euch gern vergibt!
Lebt treu mit ihm, der euch grenzenlos liebt!

 

Zum Schluss noch eine 3.Geldgeschichte die ich seit dem Anfang Euerer Konfirmandenzeit auf einem Zeitungsausschnitt in meinem Konfirmandenordner habe. Ich wollte sie Euch immer mal vorlesen. Aber es hat doch nie geklappt. Sie stammt aus dem Nordbayerischen Kurier vom 10. Juli 2010 und trägt die Überschrift:

Vergessene Millionen


Unglaublich, aber wahr: 2,1 Millionen Euro warten seit 1.Januar auf ihren Lotto-Gewinner aus dem Allgäu. An diesem Samstag läuft für den Unbekannten die Frist von 26 Wochen ab, seine Millionen wandern dann in den Topf für Sonderausschüttungen. < > der Glückspilz hatte im Januar bei der Glücksspirale gewonnen. Er hatte vier Tippfelder ausgefüllt und zusätzlich die Spiele Super 6, Spiel 77 und die Glücksspirale angekreuzt und 11 Euro bezahlt. Da die Losnummer mit den Gewinnzahlen für die Glücksspirale übereinstimmte, hätte er 2,1 Millionen Euro als Einmahlzahlung oder eine lebenslange Sofortrente von 7.500 Euro monatlich gewonnen. – Wenn er kommen würde und seinen Schein einlösen würde. Ich weiß nicht, ob er sich noch gemeldet hat.

So einen Schein muss man natürlich nicht nur gut aufheben, sondern auch genau anschauen und dann auch einlösen, sonst hat man nichts davon. Im Küchenschrank oder unter der Blumenvase wird er leicht vergessen und bringt nichts.

Um einen Schein, den man einlösen muss, geht es auch heute. Ihr bekommt ja jetzt nach der Predigt einen Konfirmationsschein. Eine Urkunde, auf der Dein Name steht mit Unterschrift und Siegel von Pfarrerin Bauer oder mir. Diese Urkunde ist sehr wertvoll, aber nur, wenn ihr sie einlöst. Sie ist zusammen mit Euerer Taufurkunde gültig. Sie sagt, dass Ihr im Konfirmandenunterricht erfahren habt, was Jesus für Euch getan hat und sie zeigt, dass Ihr versprochen habt, bei Jesus zu bleiben, weiter zu glauben und euch zur Gemeinde zu halten.

Wie löst man denn diese Urkunde ein? Indem man weiter in der Bibel liest, Gottesdienste besucht, betet, Gott vertraut und Jesus als seinen täglichen Gesprächspartner behält. Denn dann wirst Du merken, wie Du gut durch dein Leben geführt wirst, wie Jesus dir hilft, Dich bewahrt, Dir immer wieder neue Kraft und neuen Mut gibt. Und wenn Du Fehler gemacht hast und Unrecht getan hast, darfst Du damit zu Jesus und seinem Kreuz kommen und er vergibt Dir, wenn Du ihn bittest. Und wenn Dein Leben dann eines Tages mal vorbei ist, erwartet er Dich schon in seinem Reich. Das ist dann wirklich der Höchstgewinn für Dich. Eingelöst, nicht verfallen!

Also nicht vergessen den Schein und was er für Dich bedeutet! Sondern einlösen! Denken wir noch mal an die beiden Personen aus unserem Predigttext:

Judas mit seinem Geld ist nicht glücklich geworden. Als ihm klar wurde, was er angerichtet hatte, ist er zu den Priestern zurückgegangen und hat ihnen die 30 Denare vor die Füße geworfen. Aber auch die wollten das Geld nicht mehr haben. Geld, das Jesus ans Kreuz gebracht hat. Und weil Judas nicht umkehren wollte und um Vergebung bitten, hat er sich das Leben genommen.

Die Bibel berichtet nicht, was aus der Frau geworden ist, die das teuere Nardenöl über Jesus gegossen hat. Aber ich bin mir sicher, sie ist glücklich geworden und im Reich Gottes, wahrscheinlich ganz nah bei Jesus, denn sie hat ihn lieber gehabt als alles andere auf der Welt. Ist jetzt klar, was auf dem Spiel steht? Amen.

Verfasser: Martin Schöppel, Pfarrer, Dr.-Martin-Luther-Str.18, 95445 Bayreuth, Tel. 0921/4116