Gegen das Vergessen
Zur PDFGründonnerst., 28.03.13 BRK, MCK Kreuz 2.Mose 12, 1-14 i A
Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Wir beten in der Stille um den Segen für diese Predigt. … Herr, wir bitten dich, erhöre uns. Amen.
Er hat ein Gedächtnis gestiftet seiner Wunder, der gnädige und barmherzige Herr.
Das ist das Stichwort des Gründonnerstags: Gedächtnis
Ein Tag gegen das Vergessen. Kein Wandertag, sondern ein Wundertag. Ein Tag an dem sich Juden und Christen an große, menschlich gar nicht fassbare Taten Gottes erinnern sollen.
Für die Israeliten stand der Beginn des Passahfests ganz im Zeichen des Erinnerungsmahls an den letzten Tag vor dem Auszug aus Ägypten, wo sie und ihre Vorfahren als Sklaven und Unterdrückte viel gelitten hatten. Nur durch eine Aneinanderreihung von vielen Wundern konnte die Befreiung gelingen. Es würde zu weit führen, das jetzt alles zu erzählen.
Nur dies: Die Aufbruchstimmung jener letzten Nacht vor dem Auszug sollte niemals vergessen werden. Darum ist die Feier im 2. Buch Mose ausführlich beschrieben und genau festgelegt. Und die Nachkommen dieses hebräischen Volkes, die Juden haben durch fast dreieinhalb Jahrtausende an dieser Tradition festgehalten. Auch Jesus selbst hat mit seinen Jüngern nach dieser Vorgabe Passah gefeiert. Verse aus der Anleitung zur Feier des Passahfestes sind unser heutiger Predigttext. Ich lese aus 2.Mose 12, bevor wir überlegen wollen, was das mit uns heute und mit unserer Abendmahlsfeier zu tun hat.
Der Herr sprach zu Mose und Aaron in Ägypten: Dieser Monat soll bei euch der erste Monat sein und von ihm an sollt ihr die Monate des Jahres zählen.
Sagt der ganzen Gemeinde Israel: Am zehnten Tage dieses Monats nehme jeder Hausvater ein Lamm, je ein Lamm für ein Haus. Wenn aber in einem Haus für ein Lamm zu wenige sind, so nehme er es mit seinem Nachbarn, der seinem Haus am nächsten wohnt, bis es so viele sind, dass sie das Lamm aufessen können.
Und ihr sollt es verwahren bis zum vierzehnten Tag des Monats. Da soll es die ganze Gemeinde Israel schlachten gegen Abend.
Und sie sollen von seinem Blut nehmen und beide Pfosten an der Tür und den oberen Türstock damit bestreichen, an den Häusern, in denen sie es essen
Und sollen das Fleisch essen in derselben Nacht, am Feuer gebraten und ungesäuertes Brot dazu.
So sollt ihrs aber essen: Um euere Lenden sollt ihr gegürtet sein und euere Schuhe an eueren Füßen haben und den Wanderstab in der Hand und sollt es essen, wie die, die im Aufbruch sind; es ist dass Passah des Herrn.
Denn ich will in derselben Nacht durch Ägypten gehen und alle Erstgeburt schlagen in Ägypten unter Mensch und Vieh und will Strafgericht halten über alle Götter der Ägypter, ich der Herr.
Dann aber soll das Blut euer Zeichen sein an den Häusern, in denen ihr seid. Wo ich das Blut sehe, will ich an euch vorübergehen und die Plage soll euch nicht widerfahren, die das Verderben bringt, wenn ich Ägypten schlage.
Ihr sollt diesen Tag als Gedenktag haben und sollt ihn feiern als ein Fest für den Herrn, ihr und alle euere Nachkommen als ewige Ordnung.
Gedenktage sind gut gegen das Vergessen. Wenn jedes Jahr am Volkstrauertag Feiern an Kriegerdenkmälern abgehalten werden, dann soll das verhindern, dass die zerstörerischen Ereignisse der letzten Kriege in Vergessenheit geraten und dass man wieder leichtfertig Krieg führt und Leid anrichtet.
Und wenn am 3. Oktober Feiern zur Deutschen Einheit abgehalten werden, dann soll das dazu beitragen, dass das Wunder des Mauerfalls und der Wiedervereinigung nicht so schnell vergessen werden. Durchaus richtig, dass man dazu einen Feiertag eingerichtet hat. Es ist schon ein Grund dankbar zu feiern, dass es keine innerdeutsche Grenze mehr gibt, an der geschossen wird und an der Menschen sterben. Da hat der Bundestag ein Gedächtnis gestiftet für dieses Wunder.
Wenn es hier von Gott heißt: Er hat ein Gedächtnis gestiftet seiner Wunder, der gnädige und barmherzige Herr. Dann geht es auch um ganz wichtige Ereignisse, an die wir immer wieder erinnert werden müssen, damit wir sie nicht vergessen. Mit dem alten Bericht aus dem 2. Mosebuch werden wir daran erinnert, dass Gott in der Geschichte handelt. Er ist stärker als Gewaltherrscher und er kann aus Unterdrückung befreien. Damals die Israeliten, vor 68 Jahren Deutschland von den Nationalsozialisten und vor 23 Jahren die Menschen in der DDR, um nur einige Beispiele aus der Geschichte zu nennen.
Er hat ein Gedächtnis gestiftet seiner Wunder, der gnädige und barmherzige Herr. Seit jenem Ereignis, das wir Christen in den Tagen um Ostern bedenken, geht es noch um eine ganz andere Dimension von Wundern: Gott befreit von Schuld. Er vergibt Sünden. Er durchbricht die Macht des Todes und besiegt das Böse. Er hat ein Gedächtnis gestiftet seiner Wunder, der gnädige und barmherzige Herr.
Bei der Einsetzung des Heiligen Abendmahls sagt Jesus zweimal: Solches tut zu meinem Gedächtnis! Feiert dieses Heilige Abendmahl so, wie ich es euch aufgetragen habe, damit Ihr nicht vergesst, was ich für Euch getan habe. Damit ihr nicht vergesst, dass ich, der Sohn Gottes meinen Leib für euch gegeben und mein Blut für Euch vergossen habe: Ich habe es getan zur Vergebung euerer Sünden. Damit ihr nicht euer Leben lang unter dem Druck euerer Schuld stehen müsst. Und damit ihr nicht in eueren Sünden Sterben müsst Und ich habe es getan, damit ihr nicht vergesst, dass ich bei euch bin und euch nur Gutes will.
Er hat ein Gedächtnis gestiftet seiner Wunder, der gnädige und barmherzige Herr. Nicht umsonst heißt er hier: der gnädige und barmherzige Herr. Wir müssen uns klar machen: Was bedeutet denn das Wort gnädig? Wenn mir einer gnädig ist, dann verzichtet er darauf mich für meine Fehler zur Rechenschaft zu ziehen. Er streicht sie durch, löscht sie in meiner Akte, dass sie nie mehr gegen mich verwendet werden können.
Gnädig, das ist noch mehr. Mir wird nicht nur Schuld vergeben, sondern ich werde auch noch beschenkt. Ich bekomme etwas, was ich nicht verdient habe. Umsonst, ohne dass ich es bezahlen kann oder bezahlen muss. Da macht jemand die Türe auf und es steht jemand davor und überreicht ihm einen großen Präsentkorb. Da ist alles drin, was man zum Leben braucht: Schinken und Käse, Brot und Wurst, Schokolade, Früchte, Saft und Wein, feines Öl und Nüsse, was man sich nur denken kann. Der die Tür geöffnet hat, weiß gar nicht wie ihm geschieht. Und der ihm das bringt sagt nur: Alles für dich! Der oder die Beschenkte muss es nur annehmen.
So ist das doch mit dem Abendmahl. Der gnädige und barmherzige Herr verzichtet darauf uns für unsere Fehler und Sünden zur Rechenschaft zu ziehen, wie wir es verdient hätten. Er löscht sie aus unseren Akten. Und er hat zugleich einen großen Korb an Präsenten für uns, den er uns überreicht mit den Worten: Für Dich! Für dich gegeben, für dich vergossen.
Was sind das für Gaben? Es sind Lebensmittel, Lebensworte, Lebenshilfen: Ich bin bei dir! Ich habe dich lieb! Fürchte dich nicht! Ich habe dich erlöst! Ich stärke dich! Ich helfe dir auch!
Es sind Trostworte wie Lass dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. – Ich will euch trösten, wie eine Mutter tröstet.
Hoffnungsworte, die über das Leid und die Nöte unseres Lebens hinausweisen. Ich will dich sicherlich erretten, weil du mir vertraut hast! – Ich schaffe Neues, jetzt wächst es auf! Erkennst du es denn nicht? – Siehe, ich mache alles neu!
Es sind Liebesworte: Es sollen wohl Berge weichen und Hügel sollen hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen und der Bund meines Friedens wird nicht hinfallen, spricht der Herr, dein Erbarmer. – Und: Ich habe dich je und je geliebt, darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Güte.
Alle Verheißungen und Versprechen Gottes dürfen wir uns im Abendmahl aneignen. Wenn er sich schon uns selber gibt, wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken.
Es sind viele Parallelen zu entdecken zwischen jener alten Rettung aus der Knechtschaft in Ägypten und der Rettung durch den neuen Bund. Das Blut des Lammes rettet vor dem Todesgericht und es befreit von Ketten und Gebundenheiten aller Art. Wer durch Brot und Wein, den Leib und das Blut Christi im Abendmahl verbunden ist mit Auferstandenen, der hat Frieden im Herzen, weiß sich geborgen und getragen.
Abendmahl: Gedächtnisfeier, Erinnerung: Schau hin, so handelt Jesus! Das tut er für Dich! Lass Du Dich von seiner schenkenden Liebe anstecken. Nimm Jesus in Brot und Wein de Abendmahls in Dich auf und du wirst dadurch getröstet und gestärkt, befähigt zu neuem Leben, zu neuem Umgang mit anderen. Wenn du dran denkst, was der Herr für Dich getan hat, dann kannst Du doch anderen Liebe und Vergebung nicht verweigern.
Der sich als Bruder zu uns stellt,
gibt sich als Brot zum Heil der Welt.
Der du am Kreuz das Heil vollbracht,
des Himmels Tür uns aufgemacht,
gib deiner Schar im Kampf und Krieg
Mut, Kraft und Hilf aus deinem Sieg
(EG 223,4)
Amen.
Verfasser: Martin Schöppel, Dr.-Martin-Luther-Str.18, 95445 Bayreuth, Tel. 0921/41168