Freut euch, sorgt euch um nichts und betet in allen Dingen!
Zur PDF4.Advent 20.12.2015 Philipper 4, 4-7
Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen.
Wir wollen in der Stille um den Segen des Wortes Gottes bitten…. Herr, wir bitten dich, gib uns deinen Heiligen Geist zum Reden und zum Hören. Amen.
Das Schriftwort für die Predigt am letzten Adventssonntag steht im Brief an die Philipper im 4. Kapitel. Der Apostel Paulus schreibt:
Freuet euch in dem Herrn allewege und abermals sage ich: Freuet euch!
Euere Güte lasst kund sein allen Menschen! Der Herr ist nahe!
Sorgt euch um nichts, sondern in allen Dingen lasst eure Bitten in Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kund werden!
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.
I. Freut euch! Der Herr ist ganz nah!
Der Herr ist nahe! Viel näher als wir denken. Wenn etwas Schönes ganz nah ist, dann kann man sich freuen. Der Urlaub, das Wiedersehen mit einem lieben Menschen, die Einladung zu einem festlichen Essen. Es kann auch die Entlassung aus dem Krankenhaus sein, die Fertigstellung des Hauses oder einer großen Arbeit, die Geburt des Kindes, vielleicht des ersten. Die Nähe des Ersehnten erfüllt mit tiefer Freude.
Freut euch und sorgt euch nicht, schreibt Paulus hier. Manchmal will die Sorge die Freude im Keim ersticken. Die bange Frage: Ja, und dann? Komme ich zurecht? Wie wird es werden? Paulus schreibt aus dem Gefängnis. Ob er damit rechnete, dass seine Entlassung nahe bevorstand und sich darum sorgte? – Es war wohl etwas anderes, was für ihn Grund zur Freude war. – Es war die Erfahrung, die er auch in Bedrängnis und sogar im Gefängnis und immer wieder in seinem Leben gemacht hatte: Der Herr ist nahe.
Er ist viel näher als wir denken! Und er kann nahe sein an Orten und in Situationen, wo wir es gar nicht erwarten würden. In einem Gefängnis eben, bei der Computertomographie oder vor der Prüfungskommission. Das mit dem Gefängnis hat übrigens nicht nur Paulus so erlebt, sondern auch Dietrich Bonhoeffer und es bezeugt: Von guten Mächten treu und still umgeben…. Das erleben in unserer Zeit manche Christen, die um ihres Glaubens willen in einem islamischen Land oder unter Diktatoren hinter Gittern sitzen.
Das kann man in einem Krankenhausbett erleben oder wenn man an einem Grab steht. Ich erlebe es manchmal an meinem Schreibtisch, bei der Arbeit an einer Predigt oder bei einem Einsatz als Notfallseelsorger oder in einem Seelsorgegespräch: Wenn da jemand allen Mut zusammennimmt und ausspricht, was schon so lange auf dem Gewissen liegt. Und dann wird durch das Wort der Vergebung im Namen Jesu die Befreiung von aller Last erlebt. Wie nah der Herr ist, kann man auch in einem Gottesdienst auf einer christlichen Freizeit oder bei einer Abendmahlsfeier erleben.
Auf einmal ist der Druck weg und eine tiefe Freude erfüllt einen, auch wenn vielleicht die äußere Not noch anhält. In dem Herrn ist Freude da. Oder vielleicht kann man auch sagen, der Herr ist mit seiner Freude in mir da. Diese Freude kommt zu uns, kommt zu jedem, der glaubt, ja der nur glauben will. Sie lässt sich nicht aufhalten von Krankheit, von Mauern oder von Menschen, die uns Böses wollen. Es ist eine Vorfreude, die aus der Gewissheit kommt, dass alles gut wird und dass unser Herr siegt.
Wir haben gerade vor der Predigt davon gesungen, dass uns der Teufel gern zu Fall bringen würde. Er will uns die Freude nehmen, am Haus, am Kind, am Beruf, an allem. Er will uns Leib, Seele, Gut, Freude und Ehre nehmen, aber unser Herr Christus wehrt dem alten Drachen. Er lässt es nicht zu. Wer sich an ihn hält, der wird nicht zuschanden.
Das ist der Triumpf des Glaubens: Mein Herr ist stärker. Dass Jesus siegt, bleibt ausgemacht… Er siegt über alle Mächte der Finsternis, über alle Kräfte, die uns schaden wollen und über alle Niederlagen. Er hat auch alle Schuld und Anklagen besiegt und beseitigt. Und er wird kommen und sein Reich aufrichten. Ein Reich in dem es keine Terrortoten mehr geben wird und in dem sich Klimakonferenzen erübrigen, weil dort ein heiles Klima herrscht und alle Schadstoffe getilgt sind. Die ganze Schöpfung freut sich mit uns auf diese Erlösung, so hat es Paulus an anderer Stelle einmal gesagt. Sie wird geschehen für die Schöpfung. Sie ist schon geschehen für alle, die an Jesus glauben.
Das ist zum Freuen, zum Jubeln, zum Jauchzen. Viel mehr als nach einem gewonnenen Pokalspiel oder einem Millionengewinn: „Nun jauchzet all ihr Frommen…“, das heißt: Lasst euch die Freude nicht nehmen, lasst die Freude raus, ihr, die ihr mit Gottes Macht rechnet und von seiner Gnade lebt. Wir haben uns nicht für unseren Glauben und unseren Gott zu schämen, sondern wir dürfen ihn stolz öffentlich machen und begeistert zu ihm einladen:
Nun jauchzet all ihr Frommen zu dieser Gnadenzeit 9, 1-3
Lied 9, 1-3 Nun jauchzet all ihr Frommen
II. Sorgt euch um nichts!
Paulus erlebt an sich selbst und anderen, welche Macht die Sorge hat. Immerzu beschäftigen wir uns in Gedanken mit einem Problem. Und je mehr wir uns damit beschäftigen, umso größer wird das Problem und umso mehr bedrückt es uns. Es nimmt immer mehr Raum ein in unserem Denken und drückt alles andere an den Rand. Die Sorge ist wie so ein Industrieschaum, der, wenn er aus der Dose gesprüht ist quillt und quillt, bis alle Räume ausgefüllt sind und kein Platz, keine Luft mehr bleibt. – Nun, auf dem Bau, zwischen Türrahmen und Mauer, Zwischen Fenster und Laibung ist das gut so. Aber als wachsende, sich aufblähende Sorge im Alltag nimmt es uns die Luft zum Atmen, erdrückt uns.
Die Sorge um den Beruf, um die Kinder, um die Ehe; Sorge um den Geldbeutel, das Konto, ums Auskommen. Große und kleine Sorge um wichtige und weniger wichtige Dinge.
Manchmal verlieren wir dabei sogar das Unterscheidungsvermögen: Was wirklich wichtig ist. Der Kratzer am Auto, der Fehler, den der Handwerker gemacht hat, das Geschenk, das nicht mehr vor dem Fest geliefert wird, der Kuchen oder der Braten, der nicht so gelungen ist. – Wir haben ein sehr hohes Niveau erreicht. Wir setzen Standards, die für die meisten Menschen dieser Welt unvorstellbar sind.
Wer mal in Länder kommt oder eine Reportage über Regionen sieht, in denen Armut herrscht, die medizinische Versorgung mangelhaft ist und die hygienischen Verhältnisse katastrophal sind, der kehrt meist ernüchtert und beschämt in unsere Verhältnisse zurück. Es hilft manchmal, das wahrzunehmen, um unsere Sorgen zurechtzurücken. Vielleicht auch um dankbar zu werden und die eigenen Standards zu überdenken.
Manchmal holt uns auch eine existenzielle Not oder Bedrohung wieder auf den Boden der Tatsachen. Auf einmal ist die Auflösung des Flachbildschirms oder die Perfektion der Kaffeemaschine zur Nebensache geworden. Der Kratzer am Lack stört nicht mehr und auch dass das gelieferte Produkt nun doch einen anderen Farbton hat. Lassen wir uns nicht so leicht die Freude nehmen! Die Freude der Geborgenheit in Jesus.
Jesus hat uns auch noch lieb, wenn in unserem Alltag alles Mögliche schief läuft: Wenn nach der Waschmaschine auch noch der Geschirrspüler kaputt geht, der Geldbeutel nicht aufzufinden, die Katze entlaufen und der Hund krank ist. Nein, das ist noch kein Gericht Gottes, sondern allenfalls eine kleine Prüfung unseres Glaubens.
Ist unser Glaube vom Wohlfühl- und Erfolgspegel abhängig? Verstehen wir Jesus als Dienstleister, der dafür zu sorgen hat, dass alles „Just in Time“ zur Verfügung steht? Der brasilianische Theologe Lindolfo Weingärtner hat mal gefragt: „Muss erst ein Sturm kommen, ehe wir merken, dass es nicht die Fachleute sind, die das Schiff Jesu ans Ufer bringen?“ – Muss erst ein Sturm kommen, ehe wir merken, wie gut es uns vorher ging? – O dass wir dankbarer würden, für alles, was wir haben und wovor der Herr uns bewahrt. Lassen Sie uns in diesen Tagen nicht auf die drei Dinge sehen, die nicht gelungen sind, sondern auf die 300, die gut und hilfreich, schön und gelungen sind. Wenn wir dafür danken, werden die schwierigen Punkte viel kleiner und die Freude bleibt.
Lied 9, 4-6 Ihr Mächtigen auf Erden
III. Beten in allen Dingen
Erfolgreiche Abwehr der Sorgen und Erhalt der Freude sind keine Selbstläufer. Sie haben etwas mit unserem Gebets- und Glaubensleben zu tun. Paulus fasst hier gegen Ende seines Briefes noch einmal das Wesentliche von Gebet und Glauben zusammen:
1. In allen Dingen dürfen wir beten. Wirklich in allen.
2. Gebet ist Bitte und Dank.
3. Die innere Haltung soll nicht fordernd, sondern flehend
sein.
Zum Ersten: Im Ringen um eine beständige Freude und gegen belastende Sorge sollte uns alles zum Gebetsthema werden. Schon wenn die Sorge noch klein ist, bevor sie übermächtig wird, sie betend abgeben, Und wenn sie wiederkommt, wieder abgeben. Notfalls immer wieder, bis sie schwindet.
Damit ist man eigentlich schon beim Zweiten: Im Beten den Dank nicht vergessen. Am besten ihn nicht hinten halt auch noch kurz anhängen, sondern den Bitten voranstellen. Zuerst danken und auf das sehen, was der Herr schon getan, wo er geholfen, wie oft er uns aufgerichtet hat. Damit ist die Sorge schon relativiert und der Glaube hat mit dem Dank einen Dünger auf dem er sehr gut wachsen kann. Dank ist der Dünger, auf dem der Glaube gedeiht.
Dann dürfen wir auch bitten. Mutig bitten, um Großes bitten, kindlich bitten. Wir müssen Gott keine Lösungen bieten. Es genügt ihm die Anliegen vorzutragen und ihm zuzutrauen, dass er die für uns besten Lösungen findet. Und – über dem Bitten für eigene Anliegen die Fürbitte nicht vergessen. Die Nöte anderer vor den Thron Gottes bringen. In allen Dingen – das weitet den Blick und lenkt von so manchem eigenen Jammer ab. Wenn ich für die verfolgten Christen, die hungernden Kinder, die unterdrückten und ausgebeuteten Völker bete. Gegen Krieg und Terror und für Polizei, Rettungsdienste und Regierende.
Wenn ich betend die Not meiner Nachbarin nicht vergesse und das Leid im Bekanntenkreis, dann sieht der Herr auch meine Bitten um eigene Anliegen in einem anderen Licht. Nur für sich beten ist auch eine Form des Egoismus, auf der kein Segen liegt. Auf der Fürbitte liegt Segen!
Zum dritten kommt es auch auf die innere Haltung an, in der wir als Betende zu Gott kommen. Klagend: „Wie kannst du, Herr, zulassen, dass…? Warum erhörst du nicht endlich mein Gebet…? Fordernd oder gar mit Ultimaten: Wenn du mir nicht endlich hilfst, dann…! – Gott lässt sich mit Sorgen und mit Grämen gar nichts nehmen, wie Paul Gerhard einmal feststellt, aber bestimmt auch nicht mit Druck und Drohungen. Der Herr, der Himmel und Erde gemacht hat ist doch nicht erpressbar. Er ist nicht auf uns angewiesen, sondern wir auf ihn und seine grundlose Barmherzigkeit.
Beten, in dem tiefen Empfinden, dass ich seine Hilfe nicht verdient habe und glauben in der kindlichen Zuversicht, dass der Herr dennoch helfen kann und helfen wird. Nicht sehen und doch glauben. – Bis wir schließlich auch sehen, was wir geglaubt haben. Immer wieder ringen um das Wie. Wie lasse ich dich in mein Herz? Wie begegne ich dir, Herr? Wir wollen es singen mit den Gedanken und Worten Paul Gerhardts:
Lied 11, 1.3.6 Wie soll ich dich empfangen
So werden Herzen und Sinne mit dem Frieden Gottes gefüllt, geheilt, beschenkt und mit dankbarer Fröhlichkeit ausgestattet. So wird die Nähe des Herrn spürbar und das Leben mit all seinen Schwierigkeiten ertragbar. Wir sind ja nicht allein gelassen! Er ist da, der hilft. Er ist nah, der dich lieb hat!
Herr, wir bitten dich um deinen Geist, dass wir recht beten, danken und singen, dir zur Ehre. Wir bitten dich, dass unser Herz dabei deine Güte, und Freundlichkeit bewegt. Hilf, dass wir so mit dir froh Weihnachten feiern und froh in die kommende Zeit gehen können.
Amen.
Verfasser: Martin Schöppel , Dr.-Martin-Luther-Str.18, 95445 Bayreuth, Tel. 0921/41168