Euer Herz erschrecke nicht!

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Neujahr 2020, Joh 14,1-6 und Jahreslosung 2020 Mk 9,24

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Wir wollen in der Stille um den Segen des Wortes Gottes bitten…

Als Grundlage für die Predigt an diesem ersten Tag des Jahres sollen uns das Evangelium von Neujahr und die neue Jahreslosung richtungs- und wegweisend sein. Unser Evangelium finden wir bei Johannes im 14. Kapitel. Es sind die ersten sechs Verse:

Jesus Christus spricht: Euer Herz erschrecke nicht. Glaubt an Gott und glaubt an mich. In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen. Wenn’s nicht so wäre, hätte ich dann zu euch gesagt: Ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten? Und wenn ich hingehe, euch die Stätte zu bereiten, will ich wiederkommen und euch zu mir nehmen, damit ihr seid, wo ich bin. Und wo ich hingehe, den Weg wisst ihr.

Spricht zu ihm Thomas: Herr, wir wissen nicht wo du hingehst, wie können wir den Weg wissen? Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.

Soweit die Worte unseres Evangeliums aus dem Johannesevangelium. Das andere, das uns für 2020 als Jahreslosung mitgegeben wird ist aus Markus 9 der 24.Vers:

Herr, ich glaube, hilf meinem Unglauben.

Euer Herz erschrecke nicht… Jesus war gerade dabei seine Jünger auf den bevorstehenden Abschied vorzubereiten. Er weiß, dass er nur noch kurze Zeit bei ihnen sein wird. Aber seine Jünger verstehen noch nicht. Eine Zeit ohne Jesus können sie sich nicht vorstellen. Und überhaupt, wie soll das gehen? Wohin will Jesus gehen? Warum will er sie verlassen? Was soll ohne ihn werden?

„Erschrick nicht!“ sagt man zu jemandem, wenn man ihm eine Nachricht mitteilt, die ihm zunächst mal nicht gefallen wird. Erschrick nicht! Sagt der Mann am Telefon zu seiner Ehefrau. Ich hatte einen Unfall und bin im Krankenhaus, aber ich bin nur leicht verletzt und soll nur zur Beobachtung noch eine Nacht dableiben.

Du musst nicht erschrecken, Papa, sagt der Sprössling zum Vater, als er mit blutender Platzwunde heimkommt, es tut fast nicht weh und der Briefkasten, gegen den ich gerannt bin, ist auch nicht kaputt.

Euer Herz erschrecke nicht! So eine Einleitung geht meist einer Nachricht voraus, die einem nicht gefallen wird. Euer Herz erschrecke nicht! – Wenn wir das am Anfang eines Jahres hören, fragen wir uns vielleicht auch: Was wird denn das neue Jahr bringen? Manches wissen wir, weil es vorhersehbar oder lange geplant oder längst zu erwarten war. – Schönes und Schweres, Erfreuliches und Unerfreuliches. In unserer Familie ist es eine bunte Mischung.

Mir steht der Eintritt in den Ruhestand bevor und ich kann mir noch nicht so richtig vorstellen, wie das sein wird. Vor meiner Frau liegt eine nicht ganz einfache Operation, die aber doch sein muss, um ihr zu helfen. Ein Enkelkind soll zur Welt kommen, auf das wir uns freuen. Was uns sonst noch erwartet und wie alles ausgehen wird, wissen wir nicht.

Aber wir dürfen wissen und glauben, dass Jesus für alles vorsorgt. „ Ich geh hin, euch die Stätte zu bereiten.“ – Wenn Jesus seine Jünger auf einen Abschied vorbereitet, dann lässt er sie nicht ohne Hoffnung und ohne Trost. Er trifft Vorbereitungen für die Zukunft. Für die Zukunft seiner Freunde und für unsere Zukunft.

Der Sohn Gottes schafft Platz für uns im Reich seines Vaters. Was für eine wunderbare Vorstellung. Wir müssen uns nicht sorgen, nicht bange an die Zukunft denken, sondern dürfen im Vertrauen auf Jesus wissen, dass im Himmel ein Platz für uns vorgesehen ist.

Jesus sorgt vor, er zeigt einen Weg, er schafft eine Möglichkeit. Wir haben das im vergangenen Jahr ganz praktisch so erlebt. Nachdem ich ja wusste, dass mein Dienst in der Kreuzkirche 2020 zu Ende geht und wir aus der Dienstwohnung ausziehen müssen, hab ich schon manchmal überlegt und mir Gedanken gemacht, wo wir denn dann hin sollen. Welche Wohnung, in welcher Gegend. Es trug auch nicht zu meiner Beruhigung bei, als dann in dieser Zeit eine große Überschrift in der Zeitung lautete: Der Wohnungsmarkt ist leergefegt. Bezahlbarer Wohnraum in mittlerer Größe kaum zu finden. – Na toll, ging es mir durch den Kopf. Und dann hab ich so für mich gebetet: Ich bin gespannt, Herr, wie du das Problem lösen wirst.

Es hat keine vier Wochen gedauert, da ist uns, wie ich das gerne ausdrücke, eine genau passende Wohnung vor die Füße gefallen. Ohne dass wir sie suchen mussten oder in Zeitnot gerieten, erfuhren wir von einer Wohnung, die demnächst frei werden würde…

Ich will es abkürzen: Jetzt wohnen wir bereits seit einem halben Jahr drin und die Rahmenbedingungen sind so, wie wir sie besser nicht hätten planen können. Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich… Ich gehe hin euch die Stätte vorzubereiten.

Wer den Worten Gottes vertraut, muss keine Angst vor der Zukunft haben. Er muss sich auch dann nicht fürchten, wenn schwierige oder ungewisse Ereignisse vor einem liegen. Jesus hat schon vorgesorgt. Und wenn er sich für einige Zeit verabschiedet, dann nur um wiederzukommen und uns zu sich zu nehmen oder sich unserer Sache anzunehmen.

Ihr kennt doch meinen Weg! Sagt Jesus zu den Jüngern. Ihr wisst wohin ich gehe. – Oft hatte Jesus angedeutet, dass sein Weg durch den Tod zum Leben gehen wird und dass, wer ihm folgt, mit ihm zum Ewigen Leben gelangen wird. Trotzdem begreifen die Jünger nicht. Ihr Horizont endet immer noch an der Grenze des Erdenlebens. – Wie der der meisten Menschen. Sie denken nur bis zum Grab und nicht weiter.

Und weil viele nicht weiterdenken und ihnen der Gedanke ihrer Endlichkeit Angst macht, verdrängen sie ihn schnell wieder. Sie haben nicht die Vorstellung von einer wunderbaren von Jesus vorbereiteten Wohnung im Himmel, sondern nur einen Sarg oder eine Urne vor Augen. Ist das nicht ein sehr beschränkter, ein armseliger und hoffnungsloser Horizont. Gott hat uns doch für eine andere Erwartung geschaffen. Leben in Ewigkeit, ohne Leid, Schmerz und Tod.

Voraussetzung für das Bürgerrecht im Reich Gottes: Glaubt an Gott und glaubt an Jesus. Aber wie kommen wir denn dahin? Fragt Thomas, der als der Zweifler unter den Jüngern bekannt und berühmt geworden ist. Jesus gibt ihm eine klare Antwort: Thomas, du fragst nach dem Weg? Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.

Wenn durch die Jahrhunderte die ganze Bibel verloren gegangen wäre und uns als einziges Fragment nur dieser eine Satz geblieben wäre: Jesus Christus spricht: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich. Es wäre genug.

Was ist denn das für ein Weg, Jesus? Es ist der Weg der Liebe, der Weg des Dienens, der Weg der Demut und Niedrigkeit, der Weg der Vergebung und des Annehmens. Der Weg des kindlichen und vertrauensvollen Glaubens. Der Lebensweg auf dem ich weiß: Gott sorgt für mich. Er meint es gut mit mir. Was da auch in den 366 Tagen des Jahres 2020 kommen wird, das verliert seine Geltung nicht: Gott meint es gut mit mir und er wird’s wohl machen.

Was ist denn das für eine Wahrheit, Jesus? Es ist die Wahrheit, dass nirgends und niemand anderes das Heil schenken kann als Jesus, der Sohn Gottes. Durch das Blut, das er für uns am Kreuz vergossen hat, sind wir vor Gott recht, sind angenommen und geliebt. Die Wahrheit, die Jesus uns vermittelt ist zum einen: Wir sind Verlorene, weil wir immer und immer wieder gegen die Liebe und den Willen Gottes gehandelt haben. Und wir sind zugleich Gerettete, weil Jesus Verlorene sucht und Sünder selig macht.

Was ist denn das für ein Leben, Jesus. Es ist ein Leben im totalen Vertrauen auf Gott. Ein wissen: Ich bin ganz in seiner Hand. Er hat einen guten Plan mit mir. Auch wenn der Plan Abschnitte enthält, die nicht leicht sind und die mir nicht gefallen, ist es doch ein Plan, der zum Ziel, zum vollkommenen Leben mit Gott in seinem Reich führt.

Wie gut, dass der Jünger Johannes diese wichtigen Sätze mitgeschrieben hat und dass wir sie noch haben, lesen und hören dürfen und vor allem im Glauben uns aneignen dürfen: Jesus ist für mich der Weg, ist für mich die Wahrheit und ist für mich das Leben. Einen anderen Zugang zu Gott gibt es nicht. Nur durch ihn.

Das ist die Basis unseres Glaubens. Die Grundlage, auf die wir unsere Zukunft bauen dürfen. Jesus, der Stein, den die Bauleute verworfen haben und der zum Eckstein, zum wichtigsten Stein geworden ist. Ohne Jesus bricht einmal jedes Lebensgebäude zusammen.

Das ist so klar. Und doch sehen wir es manchmal nicht. Weil uns ein Leid, eine Angst, eine Not, eine Enttäuschung den Blick verbauen. Das Kind, der Ehepartner oder man selbst ist krank und nichts scheint zu helfen.

Von so einer Geschichte berichtet uns der Evangelist Lukas. Ein Vater kommt mit seinem kranken Sohn dorthin, wo er Jesus zu finden glaubt. Der ist seine letzte Hoffnung. Doch Jesus ist nicht da. Er ist mit drei seiner Jünger auf einen Berg gegangen, um zu beten. Dort erleben sie eine Erscheinung aus der Welt Gottes und hören Gottes Stimme.

Aber unten, am Fuß des Berges erlebt der Vater mit seinem Sohn die Tiefen des menschlichen Lebens. Der Junge hat Anfälle und niemand kann ihm helfen. Auch die Jünger nicht, die alles versuchen, was sie von Jesus gelernt haben. Auch die letzte Hoffnung des Vaters scheint zu zerbrechen. Schon will er sich enttäuscht abwenden. Da kommt Jesus mit den drei Jüngern vom Berg der Verklärung zurück.

In letzter Verzweiflung wendet sich der Vater an Jesus und sagt: Wenn du etwas kannst, so erbarme dich unser und hilf uns! Jesus antwortet ihm: Was heißt: wenn du kannst? Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt! – Sogleich schrie der Vater des Kindes: „Ich glaube, hilf meinem Unglauben!“

Was für ein Satz! „Ich glaube, hilf meinem Unglauben!“ Ein Satz des Glaubens, der zugleich eine tiefe Erkenntnis der Schwachheit des eigenen Glaubens erkennen lässt. Ich will ja glauben, aber ich kann‘s nicht! Ich will ja vertrauen, aber es fällt mir so schwer! Ich will dir ja alles zutrauen, aber die Tatsachen sehen so hoffnungslos aus.

Nach diesem Verzweiflungsschrei und Bekenntnis des Vaters nimmt sich Jesus des Jungen an und heilt ihn. Das ist der Weg und die Wahrheit und das Leben, das uns die Bibel lehrt: Du darfst mit leeren Händen zu Jesus kommen. Du darfst ihm deine Schwachheit und dein Versagen, deine Fehler und deine Verzagtheit eingestehen. Wenn du nur zu ihm kommst und um sein Erbarmen schreist, lässt er dich nicht im Stich.

Damit kann und will auch ich in das neue Jahr und in all die Ungewissheiten hineingehen, die es mit sich bringen wird. Wir wissen nicht, was für politische Wirren uns erwarten, wie es wirtschaftlich weitergehen wird, was aus der Kirche wird, was mit unserem Klima passiert. Wir wissen nicht, wie es mit uns persönlich weitergehen wird, aber wir dürfen darauf vertrauen, dass der Herr uns bewahrt, hilft, herausbringt aus allem, was uns bedroht.

Mit Jesus sind wir in guten Händen. Christoph Zehendner hat auf eine alte Melodie ein neues Lied geschrieben:

Ich bin in guten Händen, mein Hirte ist der Herr. Er schenkt mir, was ich brauche und gibt mir noch viel mehr. Zum frischen Wasser führt er mich, lässt mich dort Ruhe finden, versorgt mich väterlich.

Das singen wir jetzt miteinander: Ich bin in guten Händen

Verfasser: Martin SchöppelÓ Dr.-Martin-Luther-Str.18, 95445 Bayreuth, Tel. 0921/41168