Er ist wahrhaftig auferstanden!!!

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Ostersonntag, 27.03.2016,
Kreuzkirche, 1.Kor.15, 1-11

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Wir wollen in der Stille um den Segen Gottes für die Predigt bitten. …Herr, wir bitten dich, erhöre uns und gib deinen Heiligen Geist zum Reden und zum Hören.

Ostern ist ansteckend! Ostern will uns packen und verändern. Ich meine nicht das, was in unserem Land aus Ostern geworden ist. Da ist Ostern zwar in aller Munde – oder in jedem Prospekt, aber nur das Wort und nicht mehr der echte Inhalt. Ostern wird uns angeboten im Möbelhaus und im Gartencenter, im Büchershop und im Reisebüro, in der Gastronomie und in der Modeboutique. Ostern als saisonale Dekoidee mit bunten Eiern und flauschigen Häschen. – Es gibt so vieles, da steht zwar Ostern drauf, aber da ist kein Ostern drin.

Knapp 40 % der Deutschen verbinden mit dem Wort Ostern am ehesten Ostereier, Osterhasen, Osterfeuer und Ähnliches. Tendenz steigend. Nur ein Drittel der Bevölkerung denkt bei Ostern noch an die Auferstehung von Jesus. So die Bilanz einer repräsentativen Umfrage des Erfurter Meinungsforschungsinstitutes INSA im Auftrag von ideaSpektrum.

Das wahre Ostern ist
ansteckend! Ostern will uns packen und
verändern.
Aber das geht nur, wenn Ostern noch
echt ist. Wenn
es dabei um die Auferstehung
des gekreuzigten Jesus geht
,
der von Gott als Retter, als Christus, zu uns geschickt wurde. Ostern
kann erlebt
werden und Ostern muss bezeugt
werden.
Man kann viele vernünftige Argumente
dafür finden, dass Ostern wirklich so geschehen ist, wie es
die vier Evangelien und fast das ganze Neue Testament berichten. Aber
die menschliche Vernunft hat immer auch ebenso viele Argumente
dafür gefunden, dass Ostern gar nicht sein kann und nur dem
Wunschdenken fanatischer Anhänger entspringt. Das wahre Ostern
ist ansteckend, aber es steckt nur dort an, wo es bezeugt wird. Und es verändert
und erneuert nur den, der es wagt, den wahren Inhalt von Ostern zu
glauben.

Ein ganz besonderer Osterbotschafter und Zeuge der Auferstehung ist der Apostel Paulus, der ja zunächst die Auferstehung des gekreuzigten Jesus total ablehnte und als Lüge bezeichnete. Bis er selber den Auferstandenen erlebte. Von da an wurde er zum entschiedenen Botschafter der Auferstehung, der mit seiner ganzen Kraft, mit seinem ganzen Leben dafür zeugte, dass Jesus wahrhaftig auferstanden ist. Für ihn ist der Glaube an die Auferstehung unverzichtbar. Im 15. Kapitel des 1. Briefes an die Korinther beschäftigt er sich ausführlich damit. Die ersten elf Verse dieses Kapitels sind unser heutiger Text für die Predigt. Paulus schreibt:

Ich möchte euch an das Evangelium erinnern, das ich euch verkündigt habe. Ihr habt diese Botschaft angenommen und darauf euer Leben gegründet.
Ganz gewiss werdet ihr durch sie ans Ziel eures Glaubens kommen, vorausgesetzt, ihr bewahrt die Botschaft so, wie ich sie euch überliefert habe. Sonst glaubt ihr vergeblich und erreicht das Ziel nicht.
Zuerst habe ich euch weitergegeben, was ich selbst empfangen habe: Christus ist für unsere Sünden gestorben. Das ist das Wichtigste und so steht es schon in der Heiligen Schrift. Er wurde begraben und am dritten Tag vom Tod auferweckt, wie es die Propheten angekündigt hatten.
Als der Auferstandene hat er sich zuerst Petrus gezeigt und später den zwölf Aposteln. Dann haben ihn mehr als 500 Brüder zur gleichen Zeit gesehen, von denen die meisten noch heute leben, einige sind inzwischen gestorben. Später ist er Jakobus und schließlich allen Aposteln erschienen.
Zuletzt hat er sich auch mir gezeigt, der ich es am wenigsten verdient habe. Denn ich bin der unbedeutendste unter den Aposteln und eigentlich nicht wert, ein Botschafter Jesu zu sein; denn ich habe die Gemeinde Gottes verfolgt.
Alles, was ich bin, bin ich allein durch Gottes vergebende Gnade. Und seine Gnade hat er mir nicht vergeblich geschenkt. Ich habe mich mehr als alle anderen eingesetzt, aber das war nicht meine Leistung, sondern Gott selbst hat dieses in seiner Gnade bewirkt. Doch ganz gleich, ob nun die anderen Apostel oder ich: Wir alle haben dieses eine Evangelium verkündigt und dadurch seid ihr zum Glauben gekommen.

Wie lautet dieses Evangelium? Der Herr ist auferstanden! Halleluja. – Der Herr ist wahrhaftig auferstanden! Halleluja. – Wir glauben nicht an einen Toten, der vor langer Zeit einmal als ganz besonderer Mensch gelebt und sich durch kluge Reden ausgezeichnet hat, sondern wir glauben an den auferstandenen Herrn Jesus Christus. Er ist der Sohn Gottes. Er hat auf dieser Erde gelebt. Er wurde von seinen Gegnern auf schreckliche Weise getötet. Aber er war stärker als Hass und Ungerechtigkeit. Jesus hat den Tod überwunden und ist vom Tod zum Leben durchgedrungen. –

Schön für ihn. – So mag mancher Zeitgenosse heute kritisch feststellen. Aber was habe ich davon? – Eine ganze Menge. So kann ihm jeder Christ antworten, der die Basis unseres Glaubens festhält. Jesus Christus hat den Tod besiegt. Das ist nicht nur schön für ihn, sondern das ist schön für uns. Schön für Sie und für mich. Denn Jesus verspricht: Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt und wer da lebt und glaubt, der wird niemals sterben. (Joh 11,25f)

Wer sich im Glauben auf dieses Versprechen von Jesus verlässt, für den ist die Macht des Todes gebrochen. Jesus lebt für immer und er sagt zu uns (Joh 14, 19): Ich lebe und ihr sollt auch leben. Das ist der Plan Gottes: Du sollst auch leben! Nicht nur 60, 80 oder 100 Jahre, sondern für immer. Ewig! Leben nicht in Angst, Bedrohung und 1000 Gefahren, sondern leben in tiefem inneren Frieden, in einer Geborgenheit, die von allen Seiten umgibt und die von froher Erwartung auf eine kommende Herrlichkeit geprägt ist.

Nur weil Jesus lebt, darum können wir ihn erleben. Jeden Tag, als Freund, als Retter, als einen der meine Schuld auf sich nimmt, als Helfer. Vor etwa 160 Jahren hat der Ire Joseph Scriven, der mit 25 Jahren nach Kanada auswanderte, ein wunderbares Lied gedichtet, das bald von Christen in aller Welt gesungen wurde: Hören wir es uns mal an:

  1. Welch ein Freund ist
    unser Jesus
    , o wie hoch ist Er erhöht!

    Er hat uns mit Gott versöhnet und vertritt uns im Gebet.

    Wer mag sagen und ermessen, wieviel Heil verloren geht,

    wenn wir nicht zu Ihm uns wenden und Ihn suchen im Gebet!

  2. Wenn des Feindes
    Macht uns drohet und manch Sturm rings um uns weht,

    brauchen wir uns nicht zu fürchten, stehn wir gläubig
    im Gebet.

    Da erweist sich Jesu Treue, wie Er uns zur Seite steht

    als ein mächtiger Erretter, der erhört ein ernst
    Gebet.

  3.  Sind mit Sorgen wir
    beladen, sei es frühe oder spät,

    hilft uns sicher unser Jesus, fliehn zu Ihm wir im Gebet.

    Sind von Freunden wir verlassen und wir gehen ins Gebet,

    o so ist uns Jesus alles: König, Priester und Prophet.

Dieses Lied dichtete Joseph Scriven eigentlich als Trost für seine kranke Mutter. Er dachte nie daran, es zu veröffentlichen. Der Komponist der Melodie, Charles Chrozat, war ein erfolgreicher Jurist und begnadeter Musiker, auf dem Konservatorium in Leipzig ausgebildet. – Das Lied ist schon vielen Menschen zum Segen geworden. Wir haben es erst vor kurzem auf Wunsch der Eltern bei einer Taufe hier gesungen.

Es gibt eine bewegende Geschichte von diesem Lied: Ira David Sankey, Sänger des Evangelisten Charles Moody im 19. Jahrhundert, reiste am Heiligabend 1875 auf einem Dampfer den Delaware Fluss hinauf. Es war ein herrlicher sternklarer Abend. Viele Passagiere waren auf Deck versammelt, da bat jemand Sankey ein Lied zu singen. Er stellte sich an einen der großen Kamine des Schiffes und hob seine Augen im stillen Gebet zu seinem Vater im Himmel empor. Er wollte eigentlich ein Weihnachtslied singen, aber durch den Geist Gottes wurde er getrieben, dieses Lied, „Welch ein Freund ist unser Jesus“, anzustimmen. Die Menschen auf Deck wurden still und innerlich angerührt von diesem Lied. Worte und Melodie klangen kraftvoll über den stillen Fluss:

Wenn des Feindes Macht uns drohet und manch Sturm rings um uns weht,
brauchen wir uns nicht zu fürchten, stehn wir gläubig im Gebet.
Da erweist sich Jesu Treue, wie er uns zur Seite steht,
als ein mächtiger Erretter, der erhört ein ernst Gebet.

Als das Lied verklungen war, kam ein Mann auf Sankey zu und fragte: „Haben Sie einmal in der Armee gedient?“ „Ja“, antwortete Sankey, „im Frühjahr 1862.“ – Erinnern Sie sich, dass Sie in einer klaren Nacht auf Wache standen?“ „Ja“, erwiderte Sankey sehr erstaunt. – „Ich auch“, sagte der Fremde. „Als ich Sie stehen sah, sagte ich mir, dieser Mann wird nicht lebendig von hier wegkommen. Ich hob mein Gewehr und wollte zielen. Ich stand ganz verdeckt, während das volle Mondlicht auf Sie fiel. In dem Augenblick hoben Sie Ihre Augen zum Himmel, genauso, wie sie es gerade getan haben und fingen an zu singen.

Es war eine große Macht, von der ich ergriffen wurde. So ließ ich mein Gewehr sinken. Ich will warten, bis er sein Lied zu Ende gesungen hat, sagte ich mir und ihn nachher erschießen. Er entgeht mir sowieso nicht, Doch das Lied, das sie damals sangen, war dasselbe wie das, das Sie gerade gesungen haben. Deutlich konnte ich die Worte hören:

„Wenn des Feindes Macht uns drohet und manch Sturm rings um uns weht, brauchen wir uns nicht zu fürchten, stehn wir gläubig im Gebet.“

„Als Sie damals zu Ende gesungen hatten, war es mir unmöglich auf Sie zu schießen Der Gott, der diesen Mann vorm sicheren Tod retten kann, muss wahrlich groß und mächtig sein, dachte ich. – Das ist schon sehr lange her, aber als ich Sie eben dort stehen und beten sah, da erkannte ich Sie wieder. Von Ihrem Singen wurde ich in meiner Seele sehr getroffen und erkannte meinen verlorenen Zustand. Jetzt bitte ich Sie, mir zu helfen, dass meine wunde Seele Heilung findet.“

Der Bericht schließt mit den Worten: Tief bewegt nahm Sankey ihn in seine Arme. Er zeigte ihm den Weg zu dem wahren und einzigen Erlöser Jesus Christus. Und in jener Nacht fand der Fremde in Buße und Glauben Jesus Christus als seinen persönlichen Heiland. (aus „Freund“, März 2016)


Jesus ist lebendiger Herr, mit dem jeder etwas erleben kann. Er kann jeden aus Verlorenheit, aus Abgründen, aus Verzweiflung, aus Bedrohung, aus Sinnlosigkeit retten. Er hat nicht nur den Tod besiegt, sondern ist stärker als alle Mächte der Finsternis. Er lebt und will, dass auch wir leben. – Ewig leben.

Ostern muss bezeugt werden, dann kann Ostern auch erlebt werden. Ein Zeugnis ist mir vor ein paar Tagen in die Hände gekommen, als ich das Vorwort in der Osterausgabe der Zeitschrift ideaSpektrum (12/2016) las. Das schrieb Ulrich Wilckens (Professor für Neues Testament, Bibelübersetzer, ehemaliger Bischof von Holstein-Lübeck):

Ostern – für Christen heißt das, Jesus lebt. Dass das wahr ist und konkret erfahren werden kann, das habe ich selbst dreimal in tief bewegender Weise erlebt.

1. Christus sprach im Krieg zu mir. Zuerst als ich ein 16-jähriger Junge war. Es war ein Irrsinn am Ende des Krieges: Wir sollten eine ganze Panzerbrigade der Amerikaner aufhalten. Zwei Stunden später sah ich mich um: Viele Kameraden lagen zerschossen überall herum! In der vergangenen Nacht hatte ich noch im selben Saal mit einigen von ihnen geschlafen – jetzt– waren sie tot! Zum ersten Mal in meinem jungen Leben sah ich tote Menschen! Wie zerschlagen war meine junge Seele. Da schlug ich eine kleine Taschenbibel auf. Eine Schulfreundin hatte sie mir zum Abschied mitgegeben. Selbst darin gelesen hatte ich bisher noch nicht, denn meine Familie war dem Christentum völlig entfremdet. Nun las ich: „In der Welt habt ihr Angst. Aber seid getrost: Ich habe die Welt überwunden!“ Es war die Stimme des auferstandenen Jesus, der da zu mir sprach. Noch nie hatte ich sie gehört. Jesus sprach mir unmittelbar zu Herzen. Auf einmal spürte ich Mut diesem ganzen Schrecklichen gegenüber. Seitdem lebe ich mit seiner Stimme Tag für Tag, Jahr für Jahr.

2. Christus errettete mich vom ganz nahen Tod. Das zweite Auferweckungswunder erlebte ich am Ende meines Bischofsdienstes 1991. Bis dahin kerngesund, wurde ich urplötzlich todkrank. Bauchspeicheldrüsenkrebs. Ein Chirurg operierte mich stundenlang. Gleich wohl sagten befreundete Ärzte zu mir: „Höchstens ein paar Monate hast du noch.“ Was sehr selten geschieht, widerfuhr mir: Ich wurde gesund! Und mir wurde bewusst, wieder war es Jesus, der mich vom ganz nahen Tode errettet hatte – so wie damals. Ich schrieb eine Theologie des NT in sechs Bänden – ganz wissenschaftlich und zugleich ganz im Glauben. Der Dank und Lobpreis für meine Genesung bilden den Abschluss jedes Kapitels des zweiten Teils dieses Werkes.

3. Wozu mein drittes Osterwunder dient: Vor zwei Jahren stürzte ich bei Glatteis und wurde wieder kompliziert operiert. Während dieser Krankheitszeit bekam ich außerdem noch einen Schlaganfall. Monate später konnte ich wieder nach Hause kommen. Mit mancher bleibenden Nachwirkung zwar, aber mein Verstand ist heil geblieben. Wieder weiß ich, warum und wozu: Ich soll in meinem Alter von 88 Jahren – noch einmal ein Buch schreiben: zum Gedenken an die Reformation vor 500 Jahren. Aber gegen den Trend: Nicht als Ereignis, durch das der Protestantismus in seiner modernen Überlegenheit über den Katholizismus entstanden ist, sondern so wie Luther Reformation gewollt hat: als Erneuerung des Glaubens, die heute die evangelische Kirche noch ungleich tiefgreifender nötig hat als die römische damals. Wer heute ein Christ sein will, muss in seinem eigenen Leben die Botschaft der Bibel unendlich wieder ernst nehmen! Deren Herz ist die Wahrheit der Auferstehung Jesu. Jesus ist wirklich auferstanden und will seine Wunder tun in jedem von uns. Ein fröhliches Ja und ein gehorsam gelebter Glaube seien unsere Antwort!“

Diesen klaren Worten von Ulrich Wilckens muss als Osterbotschaft nichts hinzugefügt werden als das persönliche Bekenntnis:

Der Herr ist auferstanden. Der Herr ist wahrhaftig auferstanden.

Das glaube ich, damit lebe ich, damit will ich einmal sterben. Amen.

Verfasser: Martin Schöppel ©, Dr.-Martin-Luther-Str.18, 95445 Bayreuth, Tel. 0921/41168