Einführung Konfirmanden

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1. So. n. Trinitatis, Einf. Konf, 18.06.17, Joh 16,23-28. 33

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.  Wir wollen in der Stille, jeder für sich, um den Segen für diese Predigt bitten. … Herr, wir bitten dich, gib deinen Heiligen Geist… Amen.

Der Pfarrer trifft die Mutter eines Konfirmanden. Sie fragt ihn: „Wie macht sich denn mein Sohn so im Konfirmandenunterricht? Weiß er Bescheid?“ „Na ja“, meint der Pfarrer zögernd, „neulich hab ich ihn gefragt, wie die vier Evangelisten heißen, wissen Sie, was er gesagt hat?“ Die Mutter schüttelt den Kopf. „Was denn?“ –“Der Pfarrer antwortet mit süßsauerem Lächeln: „Petrus und Paulus!“ Die Mutter winkt ab. „Sind wir doch froh, Herr Pfarrer, dass er wenigstens zwei gewusst hat.“

Jetzt würde mich interessieren, ob alle den Witz kapiert haben. – Das kann man natürlich nur, wenn man weiß, wer die vier Evangelisten sind. Weiß es jemand von Euch Neuen schon vor dem Konfirmandenunterricht?

Matthäus, Markus, Lukas und Johannes nennen wir Evangelisten, weil sie jeder ein Evangelium geschrieben haben. Petrus und Paulus waren auch ganz wichtige Leute im Neuen Testament, wir nennen sie Apostel, also Boten, von Jesus.

Es stimmt schon, es geht in unserem Konfirmandenunterricht darum einiges zu lernen. Unser Glaube hat auch mit Wissen zu tun. Ohne ein bestimmtes Grundwissen von Gott und Jesus, von der Bibel und den Menschen, die in ihr vorkommen, kann man mit dem Glauben nichts anfangen. Aber das ist auch mit anderen Dingen so.

Wenn man einem Kind aus einem Naturvolk irgendwo im Dschungel einen Fußball schenkt und dieses Kind hat noch nie jemanden Fußball spielen sehen, kennt keine Regeln und kein Tor, wird es wohl mit dem Fußball auch nicht viel anfangen können.

Leider geht das Wissen über die Inhalte unseres Glaubens in unserem Volk immer mehr zurück. Über Vieles wissen wir genau Bescheid. Über die Börse und das Fernsehprogramm, über Musikgruppen und Sonderangebote, über Sex und Soaps (Fernsehserien). Aber bei einer Umfrage über die 10 Gebote bringen manche kaum drei davon zusammen.

In dem Land, in dem vor fast 500 Jahren Martin Luther die Bibel übersetzt hat, wissen viele kaum noch etwas aus diesem Buch und über dieses Buch. In seinem „Kleinen Katechismus“ hat Luther die allerwichtigsten Grundlagen unseres Glaubens zusammengefasst und erklärt, aber es gibt viele Christen, die nicht mehr wissen, was da über das Glaubensbekenntnis und das Vaterunser, über die Taufe und das Abendmahl, über die Gebote und die Beichte steht, obwohl sie getauft sind und viele Jahre Religionsunterricht hatten.

Im Konfirmandenunterricht werden wir uns mit den Grundlagen beschäftigen. Manche von euch wissen schon eine Menge, weil sie von ihren Eltern oder Großeltern davon gehört haben oder im Kindergottesdienst oder einer Jungschar waren. Ander haben keine Ahnung. Am Ende der Konfirmandenzeit wissen hoffentlich alle mehr, alle worum es geht.

Etwas über Gott und Jesus, Bibel und Beten wissen, ist zwar wichtig, aber noch nicht das Wichtigste, nicht das Entscheidende. Es geht darum, das was ich weiß, auch anzuwenden. Du kannst alles wissen über Gott und er kann dir trotzdem fremd bleiben. Denn glauben hat immer etwas mit Vertrauen zu tun. Erst wer Gott vertraut, wer Jesus Christus als seinen Herrn hat, fängt an Gewinn und Nutzen aus dem Glauben zu haben. Erst dann bringt der Glaube etwas, wenn ich Gott vertraue. Das Vertrauen ist noch wichtiger als das Wissen.

Wenn ich jemandem vertraue, dann befolge ich seinen Rat, auch wenn ich den Sinn noch nicht verstehe und nicht nachprüfen kann, ob der andere Recht hat. Ich vertraue eben darauf. Wenn ich mit dem Auto rückwärts aus einer unübersichtlichen Ausfahrt auf eine Hauptverkehrsstraße einfahre, dann muss jemand, der den Verkehr sieht, mir Zeichen geben, ob frei ist. Wenn ich ihm vertraue, fahre ich raus, obwohl ich selbst nichts sehe. So ist das auch im Glauben.

Besonders groß ist unser Vertrauen zu Menschen, von denen wir wissen, dass sie uns lieben und es gut mit uns meinen. Eltern, Ehepartner, Geschwister und gute Freunde, die würden uns nicht betrügen und nicht schaden, darauf vertrauen wir, auch wenn wir nicht alles nachprüfen können. Noch mehr dürfen wir auf das vertrauen, was Gott uns sagt oder was er uns durch Jesus Christus zeigt.

Von solchem Vertrauen hat Jesus kurz vor seinem Tod am Kreuz zu seinen Jüngern geredet. Er hat ihnen Mut gemacht zum Vertrauen, auch wenn sie ihn einmal nicht mehr sehen werden. Der Evangelist Johannes, schreibt im 16. Kapitel seines Evangeliums davon (Verse 23-28 und 33). Jesus sagt:

Ich versichere euch: Wenn ihr den Vater in meinem Namen etwas bittet, wird er es euch geben. Dann wird eure Freude vollkommen sein.

Was ich euch sagen wollte, habe ich euch bis jetzt an Beispielen erklärt. Aber die Zeit kommt bald, in der das nicht mehr nötig sein wird. Dann werde ich euch ohne Bilder und Umschreibungen zeigen, wer der Vater ist. Von diesem Tag an werdet ihr in meinem Namen zu ihm beten. dann muss ich den Vater nicht mehr bitten, euer Gebet zu erhören. Denn der Vater liebt euch, weil ihr mich liebt und daran glaubt, dass ich von Gott gekommen bin. Ja, ich kam vom Vater in die Welt und jetzt verlasse ich sie wieder um zum Vater zurückzugehen. Dies alles habe ich euch gesagt, damit ihr durch mich Frieden habt.

 In der Welt habt ihr Angst, aber vertraut darauf: Ich habe die Welt besiegt.

Jesus macht uns hier Mut, Gott zu vertrauen. Er fordert uns auf zu beten. Wir dürfen sogar in seinem Namen beten. Also, wenn wir beten, dürfen wir uns auf Jesus berufen. Gott hat uns durch Jesus gezeigt, dass er uns sehr lieb hat. Er lässt seinen Sohn Jesus unsere Schuld tragen. Der nimmt sie uns ab, wenn wir ihn darum bitten. Er trägt sie an sein Kreuz, ja er stirbt sogar dafür, dass wir unsere Schuld los sind. Wenn Gott uns so lieb hat, dass er das zulässt, dürfen wir doch auch mit allen anderen Anliegen, Sorgen, Schwierigkeiten und Nöten zu ihm kommen. Darum ist kein Gebet umsonst.

Am Mississippi, zu der Zeit etwa als Tom Sawyer und Huckleberry Finn ihre Streiche ausheckten, war einmal eine Gruppe von Menschen in der Abenddämmerung unterwegs zum Fluss, wo der Raddampfer abfahren sollte, der sie wieder in ihre Stadt bringen sollte. Es wurde immer später, kälter und dunkler. Endlich sahen sie den Fluss. Doch bevor sie den Landungssteg erreichten hörten sie die Sirene des Schiffes, die die Abfahrt anzeigte. Zu spät! Jetzt ist das Schiff weg und wir müssen hier draußen die Nacht zubringen, wo es Banditen und gefährliche Tiere gibt. Als sie die Uferstraße erreichen sehen sie im Abendnebel, wie der Dampfer Fahrt aufnimmt und an ihnen vorbeizieht. Erschöpft und verzweifelt bleiben sie stehen. Sie wissen nicht mehr weiter. Nur ein Junge gibt nicht auf. Er schreit und fuchtelt mit den Armen, läuft am Fluss entlang und ruft und winkt immer weiter.

Das hat doch keinen Wert sagen die anderen. Da hört uns keiner auf dem Dampfer. Und wenn, würde er niemals umkehren um uns zu holen. Aber plötzlich stoppt der Dampfer die Maschinen, dreht bei und fährt zurück. Ein Boot wird ausgesetzt und nimmt die ganze Gruppe auf und bringt sie zum Dampfer. Die Leute schütteln ihren Kopf und fragen den Jungen: Wie war denn das möglich, wie konnte das nur geschehen. Der lacht und sagt nur einen Satz: „Der Kapitän des Dampfers ist mein Vater.“

Seinetwegen hat der Kapitän das Unbegreifliche getan, wegen der paar Leute das Schiff gestoppt und allen geholfen. So können wir das auch verstehen, was Jesus hier sagt. Weil der Sohn Gottes sich für uns einsetzt, für uns zum Vater ruft, darum hört Gott auch uns, sieht unsere Not, unsere Verzweiflung, unsere Angst. Weil der Sohn für uns bittet, schickt der Vater Rettung und nimmt uns auf.

Jesus weiß, wie es ist, wenn man in der Welt lebt. Er weiß, dass man da oft Angst hat. Man traut es sich vielleicht manchmal nicht zuzugeben, aber man hat Angst. Man gibt sich ganz locker, verstellt sich, macht coole Sprüche und lässt sich nichts anmerken. So beschrieb es auch ein Mädchen in ihrem Brief an die Ratgeberin einer Zeitung:

„Ich bin ein Mädchen von 13 Jahren und könnte eigentlich mit meiner Umwelt zufrieden sein. Aber etwas bedrückt mich ständig. Und dieses ‚Etwas’ heißt Angst. Ich habe Angst vor dem Tod, Angst vor dem Leben, Angst vor der Wahrheit, Angst vor den Noten, Angst vor dem Sporttag, Angst vor der Liebe, Angst vor der Nacht, Angst vor dem Weltuntergang, Angst vor dem Krieg, Angst vor einem Traum, Angst vor Spott, Angst vor Spritzen, Angst vor dem ausgelacht Werden. –Ich hab Angst vor der Angst…

Angst und nochmals Angst. Es ist zum Verrücktwerden. Aber das Schlimmste ist, ich weiß gar nicht, woher sie kommt und warum gerade ich diese Angst zu ertragen habe. Können Sie oder andere mir einen Rat geben? Vielleicht solche, die auch unter diesem schrecklichen Angstzustand leiden?“

Dieses Mädchen ist nicht allein mit seinen Angstzuständen. Wir kennen alle die Angst. Wovor hast du Angst? Das Düsseldorfer Kom(m)ödchen brachte mal in einem seiner Kabarettprogramme eine Schilderung des modernen Menschen:

Lebensangst und Kreislaufstörung, Hasten, Jagen, Kampf und Gier, was stabil ist, ist die Währung, was labil ist, das sind wir. Lass die Puppen schneller tanzen, ohne Ziel in dem Getriebe, hochgepeitscht durch Dissonanzen, ohne Glauben, ohne Hoffnung, ohne Liebe…

Angst ist das am weitesten verbreitete Lebensgefühl unserer Zeit. Ich muss die Bedrohungen, die unsere Angst auslösen nicht noch einmal nennen. Wir kennen sie alle. Wer Angst hat, sucht nach Halt und Geborgenheit. Ein kleines Kind, das Angst vor einem großen Hund oder einem lauten Tiefflieger hat streckt weinend die Arme nach der Mutter oder dem Vater aus: Nimm mich in deinen Schutz! Halt mich fest! Gib mir Geborgenheit!

Das Kind versteht nichts von der Größe der Bedrohung. Es weiß nicht, wie die Eltern helfen sollen, aber es vertraut: Bei dir bin ich geborgen, mitten in meiner Angst. Du sorgst für mich. Es hat Vertrauen.

Das meint Jesus, wenn er hier zu uns sagt: In der Welt habt ihr Angst, aber vertraut darauf: Ich habe die Welt besiegt. Wir dürfen uns mit jeder Angst an ihn wenden. Auch wenn wir nicht wissen, wie er uns helfen kann, dürfen wir vertrauen. Jesus ist stärker als das, was uns Angst macht.

Jesus sagt nicht: Wenn ihr an mich glaubt, werdet ihr nie Angst haben. Er weiß es aus eigener Erfahrung als Mensch in dieser Welt: Angst gehört zum Leben. Aber er sagt zu jedem, der ihm vertraut: Du darfst zu mir kommen mit deiner Angst. Meine Arme umschließen dich. Ich gebe dir mitten in der Angst Halt und Geborgenheit. Ich bin stärker als alle Ängste der Welt.

Wer mit seinem Gebet zu ihm kommt, spürt dann, wie die Angst kleiner wird, manchmal sogar für einige Zeit ganz verschwindet. Je größer unser Vertrauen auf Gott und seinen Sohn Jesus Christus ist, umso kleiner wird die Angst.

Bei einem Bergwerksunglück wurden einige Bergleute eingeschlossen Sie waren gefangen, es gab keinen Weg heraus. Riesige Mengen Geröll versperrten ihnen den Weg. Sie fingen an den Weg freizumachen, aber sie hatten nur Schaufeln. Es dauerte nicht lang, dann waren ihre Kräfte verbraucht. Sie wollten mutlos aufgeben, doch da hörten sie von der anderen Seite die ersten Bemühungen der Rettungsmannschaft und bekamen sofort wieder Mut und gruben weiter. Sie horchten immer nur kurz und wenn sie von der anderen Seite Geräusche hörten, gruben sie voll Hoffnung mit neuen Kräften weiter, bis sie gerettet waren. Die Retter kamen ihnen entgegen.

Wenn wir auf Gott hören, dann merken wir, wie er uns entgegenkommt und wegräumt, was uns bedroht und einschließt. Er gibt uns Mut und Hoffnung, Halt und Geborgenheit. Wir wollen miteinander lernen, darauf zu vertrauen. Darum feiern wir Gottesdienst, um immer wieder von ihm zu hören, um loszuwerden, was uns bedrückt und um wieder deutlich wahrzunehmen, dass uns der Retter von der anderen Seite entgegenkommt. Wir sehen ihn noch nicht, aber wir können ihn hören, wenn wir still werden. Wir dürfen ihm jetzt schon danken und ihn mit unseren Liedern preisen. Ein Lied, in dem das geschieht, hören wir jetzt von unserem Jugend- und Mitarbeiterchor. (Text und Melodie: Helmut Hoeft, Evang. Sängerbund, Wuppertal)

Lobt unsern Gott! Singt unserm Gott! Preist seinen herrlichen Namen! Lobt unsern Gott! Singt unserm Gott! Preist ihn in Ewigkeit, Amen! Wir vergessen so schnell, unser Gott ist gut. Wir vergessen wie sehr er uns liebt. Wir vergessen so schnell die Barmherzigkeit. Wir vergessen, dass er uns vergibt.

Verfasser: Pfarrer Martin Schöppel, Dr.-Martin-Luther-Str.18, 95445 Bayreuth, Tel. 0921/41168