Ein schweres Amt nach Gottes Willen.
Zur PDFOkuli, 24.03.2019, Jeremia 20, 7-11a
Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Wir beten in der Stille um den Segen für diese Predigt. … Herr, wir bitten dich, erhöre uns. Amen.
Der Prophet. So heißt ein Bild des Expressionisten Emil Nolde von 1912, das in unserem Gesangbuch weit hinten im Textteil, auf Seite 1518 abgedruckt ist. Wenn Sie mögen, schlagen Sie es ruhig auf. Denn es geht heute in der Predigt zunächst um einen Propheten. Um Jeremia, um ihn persönlich und wie er sich, seinen Auftrag und seinen Dienst erlebt. Das Bild zeigt einen geplagten Mann. Keinen kirchentagsbeschwingten fröhlichen Frommen, der über den Dingen schwebt, sondern einen der leidet. An seiner Umgebung, an den Zuständen seiner Zeit und den Missständen in der Kirche. Man sieht einen, der auch an Gott leidet und an sich selbst. Ein eindrucksvoller und ausdrucksstarker Holzschnitt Noldes.
Jeremia, der von Gott im 7. Jahrhundert vor Christus zum Propheten berufen wurde, der sich um dieses Amt nicht gerissen hatte, sondern es eigentlich lieber nicht übernommen hätte, musste erfahren, dass er von allen Seiten abgelehnt wurde. Man spottete über ihn, hielt ihn für einen Nestbeschmutzer und ewigen Miesmacher, man schlug ihn, vertrieb ihn, wollte ihn sogar töten. Dieser Bote Gottes kommt an einen Punkt, wo er nicht mehr mag. Er hat alles satt! Es spricht für die große Ehrlichkeit der Bibel, dass sie uns auch das nicht verschweigt. Sie lässt uns die Klage und den Zorn des Propheten mithören. Worte aus dem 20. Kapitel Jeremia sind unser Schriftwort für die Predigt heute. Ich lese die Verse 7-11. Der Prophet klagt:
Herr, du hast mich überredet und ich habe mich überreden lassen. Du bist mir zu stark gewesen und hast gewonnen; aber ich bin darüber zum Spott geworden und jedermann verlacht mich. Denn sooft ich rede, muss ich schreien: „Frevel und Gewalt!“ muss ich rufen. Denn des Herrn Wort ist mir zu Hohn und Spott geworden täglich. Da dachte ich: Ich will nicht mehr an ihn denken und nicht mehr in seinem Namen predigen. Aber es ward in meinem Herzen wie ein brennendes Feuer, in meinen Gebeinen verschlossen, dass ich’s nicht ertragen konnte; ich wäre schier vergangen. Denn ich höre, wie viele heimlich reden: „Schrecken ist um und um!“ „ Verklagt ihn!“ „ Wir wollen ihn verklagen!“ Alle meine Freunde und Gesellen lauern, ob ich nicht falle. „Vielleicht lässt er sich überlisten, dass wir ihm beikommen können und uns an ihm rächen. Aber der Herr ist bei mir wie ein starker Held, darum werden meine Verfolger fallen und nicht gewinnen.
Er kann einem wirklich leidtun, der Prophet. Nach anfänglichem Zögern und Widersprechen übernimmt er den Auftrag, den Gott ihm gibt. Es nützt ihm nichts, dass er sich für zu jung und völlig ungeeignet hält. Gott lässt nicht locker. Jeremia fühlt sich in die Rolle des Propheten gedrängt: „Herr, du hast mich überredet und ich habe mich überreden lassen. Du bist mir zu stark gewesen und hast gewonnen;“ So empfindet es Jeremia jedenfalls im Nachhinein. Und die Worte, die er wählt bedeuten eigentlich äußeren Zwang und beinahe Gewalt.
Vor diesen klagenden Sätzen hatte Jeremia eine schlechte Nacht gehabt, in der er wahrscheinlich nicht geschlafen hat. Er hatte am Vortag im Vorhof des Tempels im Auftrag Gottes mal wieder Unheil angekündigt: „Siehe, ich will über diese Stadt und über alle ihre Ortschaften all das Unheil kommen lassen, das ich gegen sie geredet habe, weil sie halsstarrig sind und meine Worte nicht hören wollen.“
Der Tempelvorsteher Paschur hörte das. Er eilte zu Jeremia und schlug auf ihn ein: Schon wieder dieser Unheilsprophet, der uns die Leute verschreckt und unseren Tempelbetrieb stört. Wer hierher kommt, soll sich wohlfühlen, Gutes hören und vielleicht auch ein bisschen Geld dalassen. Aber wenn sie diesem Gerichtspropheten zuhören, werden sie nur nachdenklich und haben keine Lust mehr zum fröhlichen Feiern.
Paschur lässt Jeremia erst mal festnehmen und wegsperren. „In den Block legen“ hieß diese äußerst unangenehme Art der Freiheitsberaubung. Arme und Beine wurden fixiert. Der so Blockierte konnte sich nicht einmal an der Nase kratzen. Zum Schweigen brachte Paschur Jeremia aber dadurch nicht. Als er am nächsten Tag den Block aufschließt, bekommt er vom Propheten noch eine ganz persönliche Unheils-Prophezeiung, die in der Ankündigung von Paschurs Verschleppung nach Babylon und seinem Tod dort in der Fremde gipfelt.
Jeremia hat nicht gekniffen, sondern seinen undankbaren Auftrag ausgeführt. Aber sein ganzer Körper schmerzt und die Demütigung durch so eine Behandlung verstärkt den Schmerz. Er beklagt sich bei Gott. Er mag nicht mehr. Am liebsten würde er seinen Auftrag an Gott zurückgeben.
Denn – ich bin darüber zum Spott geworden und jedermann verlacht mich. Denn sooft ich rede, muss ich schreien: „Frevel und Gewalt!“ muss ich rufen. Denn des Herrn Wort ist mir zu Hohn und Spott geworden täglich.
Ja, so war das damals. Wenn man von der Liebe Gottes sprach, schöne Lieder sang, festliche Gottesdienste feierte und den lieben Gott einen gutmütigen frommen Mann sein ließ, der mit allem einverstanden ist, was in Politik und Gesellschaft ablief, war man gerne gesehen und gehört. Aber wenn man zur Umkehr aufforderte, Missstände beim Namen nannte, wenn man gar davon sprach, dass Gott Gericht schicken würde und sich das nicht gefallen ließ, war man unerwünschte Person. Das hat Jeremia viele Jahre erfahren und darunter gelitten (Bild EG 1518). Man hat ihn nur kritisiert, beschimpft, verspottet, bedroht und sogar misshandelt.
So war das damals im alten Israel. – Und wie ist das heute? – Hat sich was geändert? Kaum! Solange man den Menschen sagt, was sie hören wollen, solange man von Gottes Liebe predigt, schöne Gottesdienste feiert, und den lieben Gott einen gutmütigen frommen Mann sein lässt, der mit allem einverstanden ist, was in Politik und Gesellschaft abläuft, ist man gerne gesehen und gehört. Aber wenn man zur Umkehr auffordert, Missstände beim Namen nennt, gar davon spricht, dass Gott Gericht schicken könnte und sich das auf Dauer nicht gefallen lassen wird, ist man unerwünschte Person.
Die Bibel wird zum Katalog, aus dem man auswählt, was einem gefällt und überblättert, was einen in Frage stellt. Und weh dem, der sich erlaubt, wie Jeremia, auf die kritischen Stellen hinzuweisen, der muss mit Hohn und Spott, mit Widerstand und Angriffen rechnen. –
Wenn man darauf hinweist, dass das Wort Gottes praktizierte Homosexualität klar ablehnt, dass Leben, auch das Ungeborene, heilig und geschützt ist und nicht von Menschenhand beendet werden darf, wenn man daran festhält, dass Sexualität in den Schutzraum einer lebenslangen und treuen ehelichen Gemeinschaft unter dem Segen Gottes gehört, dann geht ein Sturm der Entrüstung los. Dann wird man womöglich sogar von den „Hütern des Tempels“ blockiert wie Jeremia.
Echte Boten Gottes haben es heute nicht unbedingt leichter als der Prophet damals. Als ich vor einiger Zeit in einem Männerkreis ähnlich deutliche, kritische Worte sprach, kam hinterher einer der Anwesenden auf mich zu, nahm mich zur Seite und gab mir den sicher gut gemeinten Rat, mit solchen Äußerungen in der Öffentlichkeit vorsichtig zu sein.
Es wird bei uns viel von Meinungsfreiheit geredet, aber wenn man der Meinung ist, dass Gottes Gebote auch heute noch absolute Gültigkeit haben, kann es schnell vorbei sein mit der Freiheit, seine Meinung zu äußern. Aber den Menschen, der Politik, den Medien nach dem Mund zu reden, ist nicht die Aufgabe der Kirche und der Boten Gottes.
Jesus hat gesagt (Matth 5, 13ff): Ihr seid das Salz der Erde, ihr seid das Licht der Welt. Wenn aber das Salz nicht mehr salzt und das Licht versteckt wird, dass es keiner sieht, nützt es nichts und trägt nichts zur positiven Veränderung im Sinn Gottes bei.
Zurzeit macht ja die Aktion „Fridays For Future“ von sich reden. Ausgehend von der sechzehnjährigen schwedischen Schülerin Greta Thunberg hat sich eine Protestbewegung für den Klimaschutz über viele Länder ausgebreitet. Anstatt freitags in den Unterricht zu gehen, demonstrieren Schüler für stärkeren Einsatz gegen die Erderwärmung. Sogar in Bayreuth. Die einen finden das gut, wenn junge Leute sich so für die Zukunft der Erde einsetzen, andere argwöhnen, dass die Mädchen und Jungen sich nur vor dem Unterricht drücken wollen und halt mehr Spaß an so einem „Event“ haben.
Ich würde sogar noch weiter gehen als Greta Thunberg und ihre Mitstreiter. Ich sage: All Days For Future! – Es geht jeden Tag um unsere Zukunft. Und nicht nur beim Thema Klimaschutz. Diese Welt ist uns von dem Gott, der sie geschaffen hat, anvertraut, dass wir sie bebauen und bewahren. Wir sind nicht nur auf der Welt um abzufeiern und Leben zu genießen oder um uns selbst zu verwirklichen, sondern wir haben Verantwortung und Aufgaben in allen Bereichen.
Wenn wir nicht umkehren und anfangen den Herrn unseren Gott von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit allen unseren Kräften zu lieben und unseren Nächsten wie uns selbst (Matth 22,37/ 5.Mo 6,5), dann haben weder wir noch unsere Welt „Future“ – Zukunft kann es nur mit Gott geben. Alles Leben ohne ihn ist ausschließlich zum Sterben bestimmt.
Wie Sterben ohne Gott aussehen kann präsentieren uns die Medien – oft ohne es selbst zu merken – an jedem Tag. Viele Szenarien sind denkbar. Es könnten nukleare Waffen sein, die den Tod bringen, das Artensterben, eine Klimakatastrophe, außer Kontrolle geratene chemische Stoffe, manipulierte Computer, gigantische Wetterereignisse? Es ist inzwischen sehr Vieles vorstellbar, dank menschlicher Gier und Wahn.
Wird das dann nur eine menschliche verursachte Panne unermesslichen Ausmaßes sein oder Gericht Gottes, über Menschen und Völker, die er dann ohne Schutz sich selber überlässt. Wenn Gott sich zurückzieht von unserem Blauen Planeten, weil Menschen ihn nicht mehr zu brauchen scheinen, brennt schon die Zündschnur letzter Zerstörung.
Jeremia sieht das Unheil kommen. Gott hat ihm die Augen dafür geöffnet. Nicht um ihm Angst zu machen oder um den Menschen die Freude am Leben zu nehmen, sondern um sie zur Umkehr zu bewegen. Zu der wichtigsten aller Lebensfragen, die lautet: Herr, was willst du, dass ich tun soll?
Der zunächst so verzweifelte Prophet Jeremia fällt nicht ins Bodenlose. Er besinnt sich auf seinen Halt und seine Hoffnung und sagt: Aber der Herr ist bei mir wie ein starker Held, darum werden meine Verfolger fallen und nicht gewinnen.
Jeder Glaubende kennt dieses „Aber“ und darf sich daran festhalten: Aber der Herr ist bei mir wie ein starker Held. Es ist ja der Wunschtraum jedes Menschen, den Helden, der alle Kämpfe gewinnt, der alles Böse besiegt, allem Bedrohlichen wehrt, als Beschützer zu haben. Viele Serien und Romane bedienen diese Sehnsucht. Bis hin zu James Bond, der mit übermenschlicher Kraft und Intelligenz die Feinde besiegt, die die Welt zerstören oder die Macht an sich reißen wollen. Im Film siegt und überlebt der Held. Trotzdem, Bonds sind schon viele verbraucht worden und gestorben.
Aber der eine wahre Retter lebt! Jesus, der Gottheld, der Todesbezwinger und Satansbesieger. Er ist der Mann Gottes für alle Fälle. Lassen wir uns nicht von den bedrohlichen Szenarien einer vielfach gefährdeten Welt in die Resignation zwingen, sondern mit dem Aber des Glaubens eine rettende Doppelstrategie verfolgen:
1. Gott über alle Dinge fürchten lieben und vertrauen. Gegen alles Unrecht und gegen alle Gottlosigkeit unseren klaren Weg in der Nachfolge des Herrn Jesus Christus gehen. Dem Herrn unser Leben anvertrauen. Ihn fragen, was wir tun sollen. Was uns auch niederdrücken oder ängstigen will, unser Herr ist stärker und er wird den Sieg davontragen. Wenn wir bei ihm bleiben, siegen wir mit. Wenn wir uns auf ihn verlassen werden wir aus allen Untergängen gerettet. Lassen wir uns diesen Glauben von Niemandem nehmen!
2. Mit dem Mut des Glaubens und der Hoffnung auf Gottes Hilfe und Kraft aktiv werden und tun, was wir können. Uns einsetzen für Gerechtigkeit und Schöpfung, für Natur und Klima, für bedrohte Arten und für ungeborenes Leben, für den Schutz der Ehe und die Achtung der Schöpfungsordnungen, für die Schwachen und Verfolgten, für die Unterdrückten und die Hungernden. Und für Vieles mehr.
Herr, wir kommen zu Dir mit aller persönlichen Not, allem Leid der Welt, aller Angst vor der Zukunft und wir vertrauen dir, dass du rettest und hilfst, Wege zeigst, die gut sind, dass du umkehren hilfst und neu anfangen. Du allein kannst diese Welt und uns retten und du willst es tun. Amen.
Verfasser: Martin Schöppel, Dr.-Martin-Luther-Str.18, 95445 Bayreuth, Tel. 0921/41168