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Predigt vom 29.01.2023, Kreuzkirche Bayreuth: Matthäus 7, 1-9: Die Verklärung Jesu

Liebe Gemeinde,

liebe Freunde aus der Gemeinde haben vor kurzem unsere drei Kinder für einen Nachmittag übernommen und meine Frau und ich konnten ein paar Wellnessstunden verbringen. Das tat richtig gut in einer der Therme hier in Oberfranken sich zu erholen, und Zeit zu Zweit füreinander zu haben.

Wellness ist ja ziemlich in und es spricht auch aus christlicher Sicht überhaupt nichts dagegen, sich es mal gut gehen zu lassen und auch auf die Bedürfnisse des eigenen Körpers zu achten und diesen zu pflegen. Da waren wir Christen lange Zeit auch theologisch gesehen etwas unterentwickelt und haben unseren von Gott geschenkten Leib zu wenig als solchen gesehen.

Warum erzähle ich Ihnen von unserem Wellnessnachmittag? Weil es in unserem Bibeltext heute zuweilen auch ziemlich „well“ zugeht. Petrus, Jakobus und Johannes fühlen sich pudelwohl. So wohl sogar, dass sie den Augenblick festhalten wollen: »Herr, hier ist gut sein! Willst du, so will ich hier drei Hütten bauen, dir eine, Mose eine und Elia eine« (V. 4). Aber der Reihe nach.

Ich lese den Bibeltext für heute: Mt. 17,1-9:

Und nach sechs Tagen nahm Jesus mit sich Petrus und Jakobus und Johannes, dessen Bruder, und führte sie allein auf einen hohen Berg. 2 Und er wurde verklärt vor ihnen, und sein Angesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden weiß wie das Licht. 3 Und siehe, da erschienen ihnen Mose und Elia; die redeten mit ihm. 4 Petrus aber antwortete und sprach zu Jesus: Herr, hier ist gut sein! Willst du, so will ich hier drei Hütten bauen, dir eine, Mose eine und Elia eine. 5 Als er noch so redete, siehe, da überschattete sie eine lichte Wolke. Und siehe, eine Stimme aus der Wolke sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe; den sollt ihr hören! 6 Als das die Jünger hörten, fielen sie auf ihr Angesicht und fürchteten sich sehr. 7 Jesus aber trat zu ihnen, rührte sie an und sprach: Steht auf und fürchtet euch nicht! 8 Als sie aber ihre Augen aufhoben, sahen sie niemand als Jesus allein. 9 Und als sie vom Berge hinabgingen, gebot ihnen Jesus und sprach: Ihr sollt von dieser Erscheinung niemandem sagen, bis der Menschensohn von den Toten auferstanden ist.

Jesus hatte also drei Jünger mitgenommen zu einem echten geistlichen Highlight: Schon der Ort, zu dem sie aufbrachen, war verheißungsvoll: »Und [er] führte sie allein auf einen hohen Berg« (V. 1)

Da werden Erinnerungen wach an die große Geschichte des Volkes Israel: Mose empfing auf dem Berg Sinai die zehn Gebote. Ganz alleine, ohne das Volk, durfte er Gott begegnen. Elia, der Prophet, dessen Wiederkunft die frommen Juden zur Zeit Jesu erwarteten, hatte es auch mit den Bergen zu tun: Auf dem Berg Karmel vollstreckte er das Gottesurteil an tausenden Baalspriestern. Und auf dem Weg zum Gottesberg Horeb begegnet ihm Gott mitten in Depression und Hoffnungslosigkeit: »Steh auf und iss!«, so wies ihn der Engel Gottes an und Elia bekam neuen Mut und neue Kraft. Und am Gottesberg angekommen, begegnet er Gott und bekommt einen neuen Auftrag.

Die Jünger durften also gespannt sein, was sie dort oben auf dem Berg wohl erwartet. Und die Erwartungen der Jünger wurden nicht enttäuscht. Was sie oben auf dem Berg erlebten, hat all ihre Vorstellungen übertroffen. Bei der Verklärung wird das vorweggenommen, was am Ostermorgen letztgültig passiert: Jesus ist der Herr über Leben und Tod und alles, was das Alte Testament über Gott sagt, gilt nun für Jesus: er ist herrlich, ganz licht und ohne jede Finsternis. Was für ein Ereignis!

Wer wäre da nicht schwach geworden? Wer beneidet sie nicht, diese drei Jünger, die damals mit dabei waren? Die Jünger damals waren begeistert von dem, was sie mit Jesus erlebten. Und wir dürfen es auch sein. Christsein ist nichts für Miesepeter und Schwarzmaler, auch wenn wir als Kirche Krise besonders gut können. Nein es gilt unser erster Punkt heute:

1. Die Begegnung mit Jesus tut gut

Ja, tatsächlich: die Begegnung mit Jesus tut gut! Haben wir das vielleicht schon vergessen vor lauter Selbsterlösungsversuchen und geistlichem Krampf und Kampf? Die Begegnung mit Jesus tut gut! Erinnern Sie sich mal ganz persönlich, wann es Ihnen geistlich wirklich gut ging und damit verbunden durchaus manchmal ja auch körperlich: Vielleicht war es der Tag, an dem Sie den Glauben festgemacht haben auf einer Jugendfreizeit oder bei der Konfirmation oder Evangelisation. Vielleicht war es, als Sie nach schwerer Schuld Vergebung erfahren haben. Vielleicht war es eine Heilung aus seelischer oder körperlicher Not. Vielleicht ist es aber auch der Sonntagmorgen, wenn wir uns treffen, um Gott für all das zu loben, was er in unserem Leben tut. Ganz vielfältig dürften die Geschichten sein, die es auch unter uns zu erzählen gibt, wo wir erlebt haben: Die Begegnung mit Jesus tut gut! Wenn Sie es möchten, können Sie Ihrem Banknachbarn Ihre Geschichte ja nach dem Gottesdienst erzählen. Denn häufig wissen wir viel zu wenig von den Begegnungen, die andere mit Jesus hatten und haben. Und wenn wir diese Geschichten hören, dann tun sie uns gut, weil sie zeigen, dass man Jesus auch heute noch begegnen und erleben kann. Nur, wenn wir davon erzählen, können andere Christen ermutigt werden und die, die noch nicht glauben, bekommen Geschmack auf das Leben mit Jesus.

Dass die Begegnung mit Jesus gut tut, kommt auch in der christlichen Gemeinde zum Ausdruck. Menschen sollen bei uns genau so willkommen sein, wie sie bei Jesus willkommen waren: »Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinaus stoßen«, sagt Jesus einmal. Das heißt doch wohl: egal, was du auf dem Kerbholz hast, egal wie du drauf bist und was andere über dich sagen: bei uns in der Gemeinde bist du willkommen. Wir haben einen Platz für dich oder wir schaffen dir einen. Du darfst kommen und Jesus begegnen. So wir du bist. Das heißt nicht, dass Jesus verspricht, dass wir so bleiben wie wir sind. Ganz und gar nicht. Aber kommen darf jeder zu Jesus und auch in eine Gemeinde, wie er ist. Denn die Begegnung mit Jesus tut gut.

So wahr das ist, so kommt doch gleichzeitig ein Zweites dazu. Es wird manchmal verschwiegen vor lauter Toleranz oder weil zunehmend ein Wohlfühlchristentum verkündigt wird.

2. Die Begegnung mit Jesus tut weh

Wir haben es gehört: Als die drei Jünger den verklärten Jesus sahen, wurden bei ihnen sämtliche Glückshormone ausgeschüttet, die es nur geben kann. Doch das Hochgefühl wird jäh unterbrochen. Als die Stimme Gottes erschallt, verfinstert sich die Stimmung. Soeben noch himmelhochjauchzend und jetzt zu Tode betrübt. Die Ursache für die Angst, die die Jünger ergreift, ist der Inhalt der Gottesrede. Von einer großen Stimme oder von Blitz, Donner und Erdbeben ist nicht einmal die Rede. Lediglich eine lichte Wolke begleitet Gottes Stimme: »Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe; den sollt ihr hören!« (V. 5)

Was ist so schrecklich an dieser Botschaft, warum fallen die Jünger wie vom Blitz getroffen zu Boden? Erschreckend ist die Ausschließlichkeit, die in der Gottesrede steckt. Nicht die Autoritäten des Alten Bundes, Mose und Elia, sollen gehört werden, sondern dieser Jesus von Nazareth – allein.

Er übersteigt in seiner Bedeutung alles, was zuvor gewesen ist. Und das nicht im Sinne einer stetigen Steigerung, sondern als neue Qualität. Wer Jesus hört, hört nicht den größten Gesandten Gottes in einer Reihe anderer Boten, sondern er hört den Sohn Gottes selbst.

Diese Nachricht war für fromme Juden eine Provokation. Wahrscheinlich liegt auch darin der Grund für das Erschrecken der Jünger. Wir haben uns vielleicht schon viel zu sehr an diese Botschaft gewöhnt, als dass wir die Provokation noch erkennen könnten. Viel zu oft haben wir im Glaubensbekenntnis den zweiten Artikel gesprochen, als dass wir noch merken würden, wie hier alles auf den Kopf gestellt wird, was Menschen über Gott zu wissen glauben: Jesus ist Gottes Sohn! Empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus….

Für Muslime ist die Botschaft vom Gottessohn heute noch Gotteslästerung. Und für die modernen Gottlosen ist Gott vielleicht maximal als Kraft vorstellbar, aber doch nicht als Person und erst recht nicht als Mensch!

Erschreckend ist die Gottesstimme aber auch aus einem anderen Grund: Die Botschaft von Jesus, dem Gottessohn, geht weiter: »den sollt ihr hören!« (V. 5) oder in anderer Übersetzung: „dem sollt ihr gehorchen!

Wer erkennt, dass Jesus der Sohn Gottes ist, der muss auch die Konsequenzen tragen. Das selbst bestimmte Leben ist zu Ende und es gilt, bei Jesus in die Schule zu gehen. Jetzt heißt es lernen, wie Jesus sich das Leben vorstellt. Und das wird schon in der Bibel sehr konkret und eindrücklich geschildert. Kleine Kostprobe? siebenmal 70 mal soll Petrus vergeben! Die Hörer der Bergpredigt sollen nicht zurückschlagen, sondern auch noch die zweite Backe hinhalten! Und die Zukunftssicherung heißt nicht Lebensversicherung, Riesterrente, Aktiengewinne oder Eigenheim, sondern sie liegt allein bei Jesus: »Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch alles andere zufallen«. Die Begegnung mit Jesus tut weh und fordert heraus. Seine Radikalität schmerzt. Ich kann sie nur ertragen, wenn die erste Erfahrung auch weiterhin gilt: Die Begegnung mit Jesus tut nicht nur weh, sondern sie tut auch unendlich gut. Und noch ein Drittes:

3. Die Begegnung mit Jesus hat Folgen

Für die Jünger ging nach der Verklärung zunächst für eine begrenzte Zeit alles weiter wie bisher. Der Auftrag, den Jesus ihnen erteilt, besteht in einem Verbot: Nichts tun und nichts sagen ist das Gebot der Stunde: »Ihr sollt von dieser Erscheinung niemandem sagen, bis der Menschensohn von den Toten auferstanden ist!« (V.9)

Damals war es von großer Bedeutung, dass diese Geschichte vom Berg nicht die Runde macht. Denn den Jüngern fehlte das Verständnis für das, was sie gesehen hatten. Ihre Berichte und Erzählungen von der Verklärung hätten nur Missverständnisse hervorgerufen. Deswegen das Verbot Jesu.

Doch das Verbot enthält ein Verfallsdatum: Bis zur Auferstehung soll es gelten, danach wird es abgelöst durch einen neuen Auftrag, den Jesus allen Jüngern gibt. Er galt nicht nur damals, sondern gilt auch noch heute für die, die Jesus begegnet sind- und dazu gehört ihr doch auch: »Darum gehet hin in alle Welt und machet zu Jüngern alle Völker!« Also: Knüpft da an, wo Jesus aufgehört hat! Geht auf die Menschen zu, die euch begegnen! Macht keine Ausnahme, denn alle haben ein Recht auf die Begegnung mit Jesus!«

Am glaubwürdigsten ist es wohl, wenn dieser Auftrag im persönlichen Gespräch ausgeführt wird. Erzählen von dem, was die Begegnung mit Jesus bedeutet, scheint das Gebot der Stunde zu sein. Für uns als Einzelne und für die ganze Kirche, die ja auch einzelnen Christen besteht. Sozialarbeit macht auch der Staat und viele Ehrenamtliche. Klimaschutz macht auch friday for future, da braucht man keine kirchlichen Beschlüsse, dass Pfarrer nur noch 100 km/h fahren dürfen. Aber dass der christliche Glaube ganz wichtig ist für ein gelingendes Leben in Zeit und Ewigkeit, dass die Zehn Gebote auch heute noch eine wichtige Richtschnur im Leben eines Menschen sein sollen, dass das Gebet nicht nur in Lebenskrisen trägt, dass zu erzählen ist neu unser Auftrag als einzelne Christen, als christliche Gemeinde, als Landeskirche oder freie Gemeinde. Die Menschen möchten wissen, was es heißt, an Jesus zu glauben. Und wir sind es schuldig, ihnen zu sagen. Sie auch! Erzählen Sie von dem, was Jesus für Sie bedeutet! Und wenn es Ihnen noch schwerfällt, dann proben Sie nach dem Gottesdienst tatsächlich mit Ihrem Banknachbarn. Das ist schon mal der erste Schritt.

Und dann erzählen Sie in der neuen Woche Ihren Nachbarn, Verwandten und Freunden, was es mit dem Glauben auf sich hat. Und wenn Ihnen das zu steil erscheint, dann bitten Sie doch Gott, dass die Menschen auf Sie zugehen und Ihnen Fragen stellen. Denn Gott bereitet Menschen vor für die Begegnung mit dem Evangelium.

Ich möchte ganz kurz mit Ihnen zum Schluss noch einen Satz aus dem Predigttext und dieser Bergbegegnung anschauen, der nicht in diesen Dreierschritt von heute passt und der mich doch immer wieder persönlich berührt und den ich zutiefst seelsorgerlich finde. Da heißt es: 8 Als sie aber ihre Augen aufhoben, sahen sie niemand als Jesus allein. Das wünsche ich Ihnen und mir. Wenn ihr Blick gefangen ist in dem ganzen Alltagstrott dieser Welt, dann aufsehen und erleben: Als sie aber ihre Augen aufhoben, sahen sie niemand als Jesus allein. Wenn die Krankheit dich niederdrückt und mutlos macht, dann den Blick wenden und erleben: Als sie aber ihre Augen aufhoben, sahen sie niemand als Jesus allein. Wenn deine Lehrprobe näher rückt und deine Semesterprüfungen, das Halbjahreszeugnis oder die überhöhte Stromrechnung: Als sie aber ihre Augen aufhoben, sahen sie niemand als Jesus allein. Dieser Jesus beschenkt, tröstet, hilft, korrigiert die Sichtweise, ermutigt und trägt. Und schließlich: Das wünsche ich Ihnen und mir so sehr, wenn wir hier mal die Augen für immer schließen, dass wir das erleben: Als sie aber ihre Augen aufhoben, sahen sie niemand als Jesus allein.

Amen.

Verfasser: Pfarrer Friedemann Wenzke, Dr. Martin Luther Str. 18, 95445 Bayreuth, Tel: 0921/41168, E-Mail: friedemann.wenzke@elkb.de