Die Grundwerte des Glaubens für alle Generationen.

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Predigt am 05.11.2023, Kreuzkirche Bayreuth: 1. Joh.2,12-14

Liebe Gemeinde,

unser Predigttext heute ist aus einem Brief. Aus dem 1. Johannesbrief. Ein Brief! Das ist heute, im Zeitalter von WhatsApp, Instagram & Co. als Kommunikationsmittel selten geworden. Wann haben Sie noch einen handgeschriebenen Brief im Briefkasten?

Und dieser Brief hat einen breiten Adressatenkreis. Er geht an drei Generationen. An die junge, die mittlere und die Generation der Alten. Also bunt gemischt, so wie wir auch heute hier sitzen: Menschen ganz unterschiedlicher Generationen. So soll Gemeinde Jesu sein. Kein Seniorenclub und auch nicht einfach eine Jugendgemeinde, sondern möglichst alle zusammen. Wenigstens im Gottesdienst. Es kann gut und wichtig sein, auch in der Kirche zielgruppenorientierte Angebote zu schaffen. Ja, ich glaube, wir müssen darauf mehr als früher unser Augenmerk legen. Unsere Gesellschaft hat sich sehr deutlich ausdifferenziert und wir können als Kirche nicht einfach die Augen davor verschließen.

Aber es muss auch einen Ort in der Gemeinde Jesu geben, wo die Generationen zusammenkommen. Und das kann und soll der Gottesdienst sein. Auch dieser muss sich in der Form weiterentwickeln. Auch dieser kann neue oder überarbeitete Formen annehmen. Auch wir Pfarrer und Kirchenvorstände müssen uns dem Thema Gottesdienst immer wieder neu widmen. Und doch soll er das Zentrum des Gemeindelebens verschiedener Generationen bleiben.

An diese verschiedenen Generationen schreibt Johannes und solche Briefe wurden damals im Gottesdienst verlesen, wo eben die unterschiedlichen Generationen versammelt waren. Was aber schreibt der Verfasser des Briefes? In unserem Predigtabschnitt nennt er drei große Worte unseres Glaubens:

Sündenvergebung, Gotteserkenntnis, Überwinden des Bösen.

Ich lese 1. Joh. 2, 12-14:

12 Liebe Kinder, ich schreibe euch, dass euch die Sünden vergeben sind um seines Namens willen.

13 Ich schreibe euch Vätern; denn ihr habt den erkannt, der von Anfang an ist. Ich schreibe euch jungen Männern; denn ihr habt den Bösen überwunden.

14 Ich habe euch Kindern geschrieben; denn ihr habt den Vater erkannt. Ich habe euch Vätern geschrieben; denn ihr habt den erkannt, der von Anfang an ist. Ich habe euch jungen Männern geschrieben; denn ihr seid stark, und das Wort Gottes bleibt in euch, und ihr habt den Bösen überwunden.

Große Worte. Alte Worte? Sind das noch unsere Themen? Sündenvergebung, Gotteserkenntnis und Überwinden des Bösen? Oder würden wir einen solchen Brief gleich zur Seite legen und sagen „das ist nichts für mich“?

Ich hoffe nicht, denn es geht hier um die Grundwahrheiten des Glaubens.

1. Sündenvergebung – das größte Wunder deines Lebens

Stichwort Sündenvergebung, warum ist das so wichtig? Ich will es so deutlich sagen: wir werden alle früher oder später Wege geführt, wo uns alles genommen wird. Auch das, was uns bisher lieb und wert ist, wofür wir viel Kraft und Zeit investieren. All das musst du einmal hinter dir lassen und das ist ein harter innerer Weg. Alt werden oder schwerkrank sein ist nichts für Angsthasen und Feiglinge, so sagt man. Und doch gilt: eines kann dir nicht genommen werden: die Vergebung deiner Schuld. Sie ist das größte Wunder unseres Lebens.

Manche wenden ein, dass das doch zu einfach ist: wir machen etwas falsch und dann wird Gott einfach alles vergeben. Aber das ist alles andere als einfach mit der Vergebung.

Die Vergebung von der Johannes schreibt, wird nämlich an den Namen Jesu gebunden. Das bedeutet nicht, dass sein Name eine magische Wirkung hat. Aber es bedeutet, dass die Vergebung ganz an ihn persönlich gebunden ist. An ihn, den Sohn Gottes, der für uns gestorben ist. Das bedeutet doch: ernster kann Gott unsere Sünden gar nicht nehmen. Er nimmt sie gerade nicht auf die leichte Schulter. Es gilt nicht einfach: Schwamm drüber. Sondern Jesus nimmt sie mit ans Kreuz – und dann mit sich in den Tod. Wer ernst nimmt, was Jesus für ihn getan hat, der nimmt auch seine Sünden ernst. Der nimmt sie nicht auf die leichte Schulter. Der begeht sie nicht leichtfertig. Sünde ist eine ernste Sache. Sie wird vergeben, indem Jesus Leid und Tod auf sich nimmt. Deswegen können wir auch nicht einfach in der Hängematte der Sünde weitersündigen. Erfahrene Vergebung ermöglicht neues Leben.

Das krasseste Beispiel, dass ich zu diesem Thema erlebt habe, ist als ich mal einem Totschläger im Gefängnis die Vergebung zusprechen durfte. Er hat wirklich unter seiner Schuld gelitten. Er wollte seine weltliche Strafe auch verbüßen. Aber er wollte endlich, dass ihn seine Schuld nicht mehr vor Gott verklagt. Und er hat sich so über die Vergebung gefreut! Ich werde die Begegnung nie mehr vergessen. Ich weiß nicht, wie es mit diesem Mann weiterging, auch von seinem weiteren Glaubensweg weiß ich nichts. Aber ich weiß, dass das eine besondere Stunde in seinem Leben war. Die Vergebung ist nicht nur für unsere gutbürgerlichen Sünden da. In der Vergebung schenkt Jesus uns wirklich einen Neubeginn.

Und auch ihr alle habt heute Morgen neu die Vergebung zugesprochen bekommen. Diese kann euch niemand nehmen. Kein Unglück, kein weltpolitisches Ereignis, keine Krankheit, nicht mal der Tod. Die Vergebung der Schuld gilt bis in Ewigkeit. Durch sie wirst du gerettet.

 

2. Gotteserkenntnis – Gott ist in emotionaler Beziehung zu Dir

Ich schreibe euch Vätern; denn ihr habt den erkannt, der von Anfang an ist.

14 Ich habe euch Kindern geschrieben; denn ihr habt den Vater erkannt.

Das griechische Wort für »erkennen« – gignoskein meint nicht nur ein äußerliches, rationales Erkennen, sondern ein emotionales Erkennen. Als Adam Eva erkannte, da hat er nicht nur gedacht: »Aha, das ist also die Eva« – nein, aus diesem Erkennen sind Kinder entstanden.

So sollen geistliche Kinder ihren himmlischen Vater erleben: Sie sollen ihn nicht nur verstandesmäßig erkennen, sondern auch emotional. Und damit meine ich in Beziehung. Eine lebendige Beziehung kann nie ohne Gefühle sein, sonst ist sie tot. Kinder Gottes wissen nicht nur rational um Gott, sondern sie bekommen vom Vater Liebe und Geborgenheit.

Aus der Entwicklungspsychologie wissen wir, wie entscheidend die ersten drei Jahre eines Kindes für seine Persönlichkeitsentwicklung sind. Hier geht es darum, sich der Liebe der Eltern ganz sicher zu sein, Urvertrauen zu entwickeln. Kinder in den ersten drei Lebensjahren benötigen von ihrem Vater und ihrer Mutter ganz viel Bestätigung, Liebe, Sicherheit: Du bist hier richtig, du bist hier geliebt, du bist hier gewollt.

Gott möchte uns Liebe und Geborgenheit schenken und uns damit sicher machen in der Beziehung zu ihm.

Augustinus drückt es so aus: »Geschaffen hast du uns auf dich hin, o Herr, und unruhig ist unser Herz, bis es Ruhe findet in dir.« Der Mensch hat eine Ursehnsucht nach der Liebe Gottes, nach der Sicherheit in ihm.

Gott möchte eine Liebesbeziehung zu dir – keine Angstbeziehung, keine Pflichtbeziehung. Gott möchte in einer Liebesbeziehung immer wieder dein Herz ganz neu beschenken. Und er tut es heute Morgen. Lass es Dir doch neu zusprechen: du bist ein geliebtes Kind Gottes. Dir sind deine Sünden vergeben. Du bist ganz und gar angenommen. Weil das so ist, brauchst Du dich vor nichts und niemanden fürchten. Und wenn Du vielleicht auch gerade Schweres durchmachst, weil Dir Menschen übel mitspielen oder eine Krankheit dich niederdrückt, Du immer noch keine neue Arbeitsstelle hast oder dich die politische Entwicklung weltweit sehr verängstigt. Es gilt: Du bist ein geliebtes Kind Gottes und lebst unter der Vergebung. Lass dir das nicht nehmen. Mag sein, dass unser Friede zunehmend gefährdet ist. Mag sein, dass dir alles wehtut und dir himmelangst ist: aber lass dir die Gewissheit nicht nehmen, dass Du von Gott geliebt und angenommen bist. Mach diese Glaubenswahrheit auch nicht von deinem Gefühlszustand abhängig. So schwankend wie der ist, muss dir ja auch geistlich schwindelig werden. Deine Rettung ist das Kreuz. Auf diesem Fundament kannst Du stehen ohne zu wanken. Aber nur dort. Wenn ich zu Sterbenden gerufen werde, ist oft nicht mehr die Zeit großer Worte. Da geht es ums Dasein, ums Hören und Zuhören, ums betend begleiten, um das Miteinander Zeit verbringen. Ich gebe oft den Sterbenden ein schön geschliffenes Holzkreuz in die Hand. Das ist weit mehr als nur eine äußerliche Geste. Hier wird deutlich: Das Kreuz ist etwas zum Festhalten im Leben und im Sterben. Nur hier finden wir wirklich Halt, ewigen Halt.

 

3. Das Überwinden des Bösen- weil Jesus es schon überwunden hat

Gleich zweimal heißt es in unserem Text: Ich schreibe euch jungen Männern; denn ihr habt den Bösen überwunden, denn ihr seid stark. Das gilt genauso den jungen Frauen, ja uns allen. Ihr habt den Bösen überwunden. Sagt Johannes da nicht zu viel zu? Wer von uns würde das wirklich von sich sagen: ich habe den Bösen besiegt? Ich kann das nicht einfach so sagen.

Sicherlich meint Johannes nicht, dass wir völlig immun gegen den Teufel und seine Versuchungen sind. Es ist gut und wichtig, sich der eigenen Verführbarkeit bewusst zu sein und aufzupassen. Gerade diejenigen, die mit anderen Menschen in ihrem Beruf zu tun haben. Das gilt auch für uns, die wir in der Kirche tätig sind. Missbrauchsfälle gibt es nicht nur in der katholischen Kirche, sondern auch in der evangelischen Kirche, wenn auch in zahlenmäßig geringeren Maß. Aber jeder Fall ist ein Fall zu viel und wir können uns nur schuldig geben

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Es ist wichtig, sich der eigenen Verführbarkeit bewusst zu sein. Nicht nur im sexuellen Bereich. Auch im Blick auf Besitz, Finanzen, Worte und Gedanken. Keiner von uns ist sicher. Wir kennen uns selbst auch nur in Ausschnitten und nie ganz und gar.

Trotzdem gilt es: Die letzte Macht über uns hat nicht der Böse und auch nicht das Böse. Sondern Jesus Christus! Durch ihn haben wir den Widersacher schon besiegt.

„Ihr seid stark“, sagt der 1. Johannesbrief. Lasst euch das zusprechen. Ihr seid stark in der Macht des Herrn. Auch wenn wir uns manchmal ganz anders fühlen. Gar nicht stark, sondern schwach, verzagt, ohnmächtig, vielleicht auch wütend. „Ihr seid stark und das Wort Gottes bleibt in euch“, schreibt Johannes. Unsere Stärke kommt aus genau dieser Verbindung. Sie liegt nicht in unserem Willen oder in unseren Möglichkeiten begründet, sondern vielmehr im Wort Gottes, das uns Ermutigung gibt und uns orientieren hilft. Gottes Wort ist die Kraftquelle, die uns stark macht. Beschäftigen wir uns doch damit. Lesen wir in der Bibel, hören wir auf sein Wort. Allein oder in Gemeinschaft in unseren Gruppen und Kreisen. Sein Wort wird in uns wirken. Es wird uns immer wieder infrage stellen und uns Schuld aufzeigen. Es wird uns in seinem Wort neu die Vergebung zugesprochen. Es wird uns immer wieder neu ausrichten und uns zusprechen: Du bist ein Kind Gottes. Nichts kann dich scheiden von der Liebe Gottes.

Liebe Gemeinde, wie gut, dass wir den 1. Johannesbrief nicht gleich zur Seite gelegt haben, sondern uns den drei großen Begriffen gestellt haben: Sündenvergebung: das größte Wunder deines Lebens. Gotteserkenntnis: Gott ist in emotionaler Beziehung zu Dir. Und: das Überwinden des Bösen: weil Jesus es schon überwunden hat.

Gott sagt Ja zu euch, zu Kindern, zu Großen, zu Alten. Zu Menschen aller Generationen. Drum sagt auch ihr Ja zu ihm.

Amen.

Verfasser: Pfarrer Friedemann Wenzke, Dr. Martin Luther Str. 18, 95445 Bayreuth, Tel: 0921/ 41168; E-Mail: friedemann.wenzke@elkb.de